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      mix Alexandra Bondi de Antoni 9 September 2016

      soundwalk collective: music to ... question the definition of music

      Zur Feier der Veröffentlichung von „Killer Road“ haben Soundwalk Collective für uns einen Mix zum Thema „Music to ... Question the definition of music" zusammengestellt und uns im dazugehörigen Interview auch noch erklärt, warum wir die Definition von Musik hinterfragen sollten.

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      Soundwalk Collective sind eine Erscheinung, wenn man sich in der Berliner Musikszene herumtreibt. Anders kann man das Trio gar nicht beschreiben. Alle scheinen irgendwie über die drei Musiker zu sprechen und haben sie schon mal live gesehen (wir erinnern uns mit einem Grinser im Gesicht an ihren Auftritt beim CTM zurück), viel scheint aber niemand über sie zu wissen. Nun haben sie ihr neues Album herausgebracht, das das Ganze schnell ändern könnte. Killer Road ist eine Zusammenarbeit mit Patti Smith und ihrer Tocher, Jesse Paris Smith, in der es um eine musikalische Interpretation von Nicos Stunden vor ihrem tragischem Tod geht. Die Idee ist Stephan Crasneanscki, Kamran Sadeghi und Simone Merli auf Ibiza gekommen, wo Nico am Ende gelebt hat. 2013 wurde die erste Version dann in Venedig aufgeführt, nun folgte letzte Woche das dazugehörige Album. Zur Feier der Veröffentlichung haben die drei für uns einen Mix zum Thema „Music to ... Question the definition of music" zusammengestellt. Im dazugehörigen Interview hat uns Simone auch noch erklärt, warum wir Musik hinterfragen sollten. 

      Wie seid ihr auf den Namen für den Mix gekommen? 
      Musik wurde im Laufe der Menschheitsgeschichte unterschiedlich definiert. Die Definitionen reichen von einem wissenschaftlichen, geografischen oder politischen Standpunkt bis hin zu einer körperlichen und spirituellen Erfahrung, und alles, was dazwischen liegt. „Questioning the definition of music" erinnert uns daran, dass wir hinterfragen sollten, was wir warum hören. Die unterschiedlichen Formen, Ursprünge, Verwendungen und Ziele von Musik und ihre gesellschaftlichen Implikationen. Die Art und Weise, wie sie uns zusammenbringt oder trennt. Ihr Sinn für Geschichte. Die vielen Facetten, die Musik an der Oberfläche zeigt und was darunter liegt. Welche Sounds erreichen unsere Ohren zuerst und warum, und was machen sie für jeden von uns so einzigartig. Die Musik von Soundwalk Collective beschränkt sich fast nie auf das gleiche Genre oder das gleiche Format. Sie ist Genre übergreifend. Wir verschieben die Grenzen so weit, dass es das Genre verzerrt und die Musik einer anderen Definition unterliegt.

      Wie kann man sich das genau vorstellen? 
      Jedes Projekt wird an eine Narrative, ein Konzept, ein Storyboard oder einen Ort angepasst. Sie entsteht im Schaffensprozess. Das reicht von der Reise und den Sounds einer Landschaft bis zu den Aufnahmen an unterschiedlichen Orten und unter unterschiedlichen Bedingungen. Vom Re-Sampling und der Einbindung von Instrumenten, bis zum Sound, der zwar in eine musikalische Richtung geht, aber doch nie wirklich in das jeweilige Genre passt. Jeder Part hat seine eigene Geschichte, wie er existiert oder entstanden ist und wie der Sound so klingt, wie er klingt. Für mich beinhaltet dieser Prozess einen ständigen Wechsel der musikalischen Praxis. Es regt dazu an, sich die vielen Schichten eines Musikstücks genauer anzuschauen.

      Warum und wie sollten wir Musik definieren? 
      Weil es uns dabei hilft, sie dadurch besser zu verstehen und sie in einem anderen Licht zu sehen. Wir eignen uns die Musik an. Außerdem sollten wir alles hinterfragen. Nur so entwickeln wir uns weiter, sind innovativ und lernen dazu.

      Wie habt ihr die Tracklist festgelegt? 
      Im Mix sind ein paar Tracks unserer aktuellsten Produktionen zu hören. Es ist bisher unveröffentlichtes Material von Soundwalk Collective, das wir nächstes Jahr herausbringen. Von unserem Projekt mit der legendären amerikanischen Fotografin Nan Goldin, das live beim CTM Festival Premiere hatte, bis zum gemeinsamen Projekt mit dem Berghain, in dem es um Aufnahmen wie dem Nachhallen im Gebäude geht oder Kompositionen, die auf klassischer Musik basieren, die in Konservatorien in Neapel, St. Petersburg und Schanghai aufgenommen wurden. Der einzig bisher veröffentliche Track ist „I Will Be Seven", eine Liveaufnahme unseres Konzerts in Berlin mit Patti Smith und ihrer Tochter Jesse Paris, der bei Bella Union and Sacred Bones Records erschienen ist. Die Auswahl an unterschiedlichen Tracks in dem Mix spiegelt die Idee der immerwährenden Fortentwicklung hinter unserer Arbeit wider, sowohl musikalisch als konzeptionell. Wir verbinden Genres, das musikalische Vokabular und die Form miteinander.

      Bei Thump könnt ihr mehr über das Album nachlesen.

      Ihr arbeitet zu dritt. Wie kann man sich euren Arbeitsprozess vorstellen? 
      Unsere Arbeitsweise ist sehr organisch und instinktiv. Wir verbringen viel Zeit miteinander, besonders während wir auf  Reisen wie in den Amazonas sind, bei der wir Tribal Songs aufgenommen haben, oder der Monat auf hoher See, bei dem wir Radiostörsignale aufgenommen haben. Am Ende sind wir wie eine große Familie. Ob wir unterwegs auf Reisen sind oder wochenlang im Studio sind, wir versuchen immer, eine einladende und inspirierende Umgebung zu schaffen, um uns dem Projekt ganz zu widmen. Wir laden andere Künstler oder andere Kreative zu uns ein. Wir umgeben uns in diesen kreativen Zeiten mit ihnen. Das stimuliert und sorgt für eine lebendige Dynamik.

      Woran arbeitet ihr gerade? 
      Wir haben gerade Killer Road veröffentlicht, das gemeinsame Projekt mit Jesse Paris Smith und Patti Smith. Es ist eine Hommage an Nico, Sängerin von Velvet Underground. Das ist ein Projekt, das in den letzten drei Jahren immer mal wieder aktuell wurde und in verschiedenen anderen Formaten bereits gezeigt wurde. Der Release des Albums hat zu einer wahren Produktionsexplosion in unserem Studio gesorgt. Wir planen für 2017 weitere fünf bis sechs Veröffentlichungen und sind gerade mit den Aufnahmen zu neuem Material fertiggeworden. Gerade sind wir sehr produktiv. Daneben arbeiten wir im Moment an einer audiovisuellen Ausstellung mit dem Titel Khandroma für das Rubin Museum of Art in New York. Der Sound basiert auf Aufnahmen, die wir in der Mustang-Region in Nepal im letzten Frühjahr aufgenommen haben. Die Eröffnung ist für den 11. November vorgesehen.

      Killer Road von Soundwalk Collective, Jesse Paris Smith und Patti Smith ist bei Sacred Bones Records erschienen. 

      soundwalkcollective.com

      Credits

      Text: Alexandra Bondi de Antoni 

      Foto: Michael Stipe, v.l.n.r: Simone Merli, Kamran Sadeghi, Patti Smith, Stephan Crasneanscki, Jesse Paris Smith, Tina Frank, aufgenommen in der Volksbühne in Berlin, Oktober 2014.

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      Themen:musik, music to, musik zu, question the definition of music, patti smith, soundwalk collective, mix, alexandra bondi de antoni, musikinterviews

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