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      fotografie Juule Kay 22 September 2016

      „shy but not shy“ versucht, uns hinter die kulissen der selfie-kultur zu führen

      Mit ihrer Strecke „Shy but not Shy“ hält die junge Fotografin Eva Zar den Gegensatz zwischen Versteckspiel und Selbstoffenbarung in den Sozialen Medien in Bild fest. Zwischen Klicks, Likes und Kommentaren dokumentiert sie die intimen Moment vor den digitalen Selbstporträts junger New Yorker.

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      Wie oft hast du dir gewünscht, einen Blick hinter die Kulissen der perfekt in Szene gesetzten Instagram-Fotos deiner Lieblings-Profile zu werfen? Die Fotografin Eva Zar ist diesem Wunsch nachgegangen und hat junge New Yorker dabei in ihren Wohnungen fotografiert. Erst vor Kurzem ist sie von Wien nach New York gezogen, um nach ihrem Modedesign-Abschluss an der Parsons School of Design ihren Master in Fotografie zu machen. Zars Fotos geben uns einen Einblick in ihre ganz eigene, glitzernde und skurrile Welt, die aus einer Vorliebe für Drag Queens, Früchten und dem Internet besteht. In ihrem neusten Projekt Shy but not Shy, das im Zuge der Photoville 2016 ausgestellt wird, hinterfragt sie, wie intim geteilten Beiträgen sein können und welche Rolle Privatsphäre heutzutage überhaupt noch spielt.

      Was hat der Name Shy but not Shy zu bedeuten?
      Ich versuche damit, einen Widerspruch festzuhalten. Wir wollen alle geliebt, beneidet und verehrt werden und viele Likes und Herzen auf unsere Fotos bekommen. Deswegen posten wir sie auch mit einer Bildunterschrift, über die wir lange nachgedacht haben. Wir wollen alle wichtig sein und doch stoßen wir fast immer auf einen sehr fragilen und wunden Punkt, wenn es darum geht, sich genau dieses Gefühl einzugestehen. Viele von uns verneinen, dass es ihnen wichtig ist, wie viele Freunde auf einen Beitrag reagieren oder kommentieren. Für mich ist das gesamte Konzept ein Paradox, das sich nicht so leicht auflösen lässt.

      Würdest du dich selbst als schüchtern bezeichnen?
      Ich glaube nicht, dass ich an sich eine schüchterne Person bin. Aber es gab und gibt durchaus Momente in meinem Leben, die mich einschüchtern und eingeschüchtert haben.

      Welche Botschaft möchtest du mit dieser Serie vermitteln?
      Meine Absicht dahinter war es, einen intimen und vertraulichen Moment einer Person zu fotografieren. Den Moment, bevor er oder sie ein Foto von sich macht. Ich bin einfach zu den Menschen nach Hause gegangen und habe versucht ihren privaten Ort als Bühne zu verwenden. Ihre Accessoires und die Geschichten dazu wurden damit automatisch zum Setdesign—Sie selbst sind die Stylisten und Models. Die Idee ist es, hinter die Selfie-Kultur schauen zu dürfen und dort einen Ort zu finden, der viel mehr als nur ein Beitrag auf Instagram ist. Es ist ein Ort, an dem das Kuratieren nichts mehr mit Museen zu tun hat.

      Welche Rolle spielt Social Media in deiner Arbeit?
      Social Media ist für viele von uns ein Zufluchtsort. Ein Ort, an dem wir nicht nur viel freier Informationen über uns preisgeben, sondern Persönlichkeiten kreieren, die wir im echten Leben gerne wären. Diese Social-Media-Persönlichkeiten definiere ich als öffentliche und persönliche Ausstellungsfläche. Auf dieser sind wir die Künstler, Kuratoren und Techniker. Wir sind die Lichter, die Rahmen und die Beschriftungen. Wir haben viel weniger Bedenken, unsere privatesten Momente mit der gesamten Onlinewelt zu teilen. Dabei stellte ich mir immer die Frage, warum wir das machen? Der Grund unseres Verhaltens ist ein empfindlicher, verwundbarer und schüchterner Teil, der uns Internet-Kinder miteinander verbindet.

      Wie wichtig sind Privatsphäre und Intimität heutzutage?
      Für mich war Privatsphäre immer wichtig und wird immer wichtig sein. Der Unterschied ist lediglich, dass viele aufgrund von Bestätigung und Besessenheit nach Selbstdarstellung gewillt sind, ihre Privatsphäre in Sozialen Medien aufzulösen, ohne dabei an die Konsequenzen zu denken.

      Die Austellung „Shy but not Shy" wird auf der Photoville 2016 in New York, in der Kvit Galleri in Kopenhagen und in der Lomo Gallery New York ausgestellt. 

      eva-zar.com

      Credits

      Text: Juule Kay
      Fotos: Eva Zar
      Models: Dominique Fitch, Elce Shawe, George Mott, Micah McKelvey, Megan O'Cain

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      Themen:eva zar, shy but not shy, ausstellung, juule kay, kunst, fotografie, new york, copenhagen

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