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      kunst Moritz Gaudlitz 26 Juni 2015

      münchen kann auch kunst

      Ein Plädoyer für München als Kunststadt.

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      München ist eine Kunststadt. Das muss vorab einmal gesagt werden. Unzählige Museen, eine etablierte Galerienlandschaft und die Akademie der bildenden Künste sind mit dafür verantwortlich. Anders als in Berlin, Düsseldorf, Wien oder Frankfurt sind Off-Spaces aber in München unterrepräsentiert, und das nicht, weil sich in München niemand für Kunst interessieren würde, ganz im Gegenteil.

      Für viele junge Kreative und Künstler, die nicht Söhne und Töchter reicher bayerischer Bierbrauer, Ärzte oder Bauunternehmer sind, ist es verdammt hart, ein Ladenlokal oder eine Hinterhofgarage zu finden, um dort einen Raum für junge, experimentelle Kunst zu schaffen.

      Es gibt aber ein paar Ausnahmen in München - initiiert von jungen Akademiestudenten. SpreezPrince Of Wales oder Jazz Bar heißen die unabhängigen Off-Spaces, die auch internationale Künstler oft zum ersten Mal in die bayerische Landeshauptstadt bringen. Im Rahmen des doch eher institutionellen Kunstwochenendes in München, stellen wir dir Spreez vor - ein Off-Space, der von vier Studenten der Münchner Kunstakademie geleitet wird: Simon Lässig, Stefan Fuchs, Yves-Michele Saß und Philipp Reitsam.

      Den hellen, großzügigen Ausstellungsraum gibt es seit einem Jahr im Münchner Westen. Im Gebiet rund um die Schwanthalerhöhe, das vor ein paar Jahren noch ein Unort für viele Münchner war, ist die Gentrifizierung im vollem Gange. Das war aber nicht der Grund für die Standortwahl von Spreez. Hier fanden sie einfach noch einen Laden, der die Möglichkeit für den Off-Space und dessen Konzept bot.

      Hier wird präsentiert, was Galerien nicht zeigen wollen oder nicht zeigen können.

      Wir bieten einen Space für Künstler, die in München ziemlich unterrepräsentiert sind"erzählen die jungen Galeristen. Ihr Ziel ist es, junge Künstler nach München zu holen und mit ihnen Ausstellungen zu realisieren. Im Vergleich zu anderen Spaces in München, die oft lokale Künstler fördern und ausstellen, konzentriert sich Spreez auf internationale Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen und noch nicht fest in etablierten Institutionen verankert oder im Kunstmarkt angekommen sind.

      „Wir holen Leute von außerhalb nach München, um externe Impulse in die Stadt zu bringen", sagt Simon Lässig. Neben Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum realisieren sie auch Ausstellungen mit internationalen Künstlern wie dem New Yorker Alex Ito oder mit den norwegischen Künstlern Halvor Rønning und Joakim Martinussen. Und obwohl alle vier Betreiber selbst als Künstler arbeiten, entsteht das Kontakteknüpfen und die Ausstellungskonzeption abseits der Akademie. Die Spreez-Jungs finden im Ausland, auf Kunstmessen, über Bekannte oder im Internet neue potentielle Künstler und besprechen sie in der Gruppe.

      Sechs Einzelausstellungen sind für 2015 geplant und zusätzlich wurde auch ein Magazin konzipiert. On Fleek erweitert den Betrieb und das Konzept des Off-Spaces um eine textuelle Ebene. Beiträge dafür stammen von Künstlern, Kuratoren und Galeristen und sie gestalten das Magazin mit Grafiken, Texten und Interviews.

      Gerade zeigt Spreez eine Gruppenausstellung mit Arbeiten von knapp 30 nationalen und internationalen Künstlern. I refuse to participate in failure nimmt Bezug auf die Kultur von raubkopierten DVD-Covern und ihrer Präsentations- und Distributionsformen in den Metropolen Europas und Asiens. Die Arbeiten sind einfache Ink-Jet Drucke im gängigen Format von DVD-Covern, verpackt in durchsichtige Plastikhüllen, und wurden von den Künstlern individuell gestaltet. Jeder von ihnen setzt sich mit dem Thema auf eine andere Art und Weise auseinander, die Bildsprache repräsentiert dabei den Stil ihrer jeweiligen Arbeiten. So taucht im Beitrag von Alex Ito eine leicht martialische 3D-Schrift auf, die er auch in anderen Arbeiten verwendet. Ebenfalls dabei ist der Brite und Turner Price-Gewinner Martin Boyce, dessen Cover fotografische Motive zeigen, in denen die Personen aus dem Bild weggekratzt wurden.

      Es ist eine aufwändige und sehr gelungene Ausstellung. Fast 30 Künstler mussten für das Konzept gewonnen werden. Vor allem die Präsentationsform ist erstklassig: die Arbeiten hängen zum einen wie in den Straßenmärkten von Mumbai dicht aneinander an zaunähnlichen Metallkästen und zum anderen im Raum verteilt, auf am Boden liegenden Plastikplanen, die wegen ihrer Schnürsysteme oder Henkel an den Ecken innerhalb weniger Sekunden zu Säcken zusammengezogen werden können. Auf den Märkten dieser Welt eine gängige und praktische Art, die schwarzgebrannten CDs und DVDs schnell über den Rücken zu werfen, um vor der Polizei davonzulaufen.

      Diese Präsentationsform sowie die Fülle an Arbeiten im Raum spielt mit dem Gedanken des Originals und mit der Frage nach der Reproduzierbarkeit von Kunst. Obwohl alle Arbeiten so dicht aneinander liegen, sucht man sich, wie auf dem Schwarzmarkt auch, seinen persönlichen Favoriten heraus.

      I refuse to participate in failure ist noch bis zum 2. Juli nach Vereinbarung unter contact@spreez.de zu sehen. Am 4. Juli eröffnet der Space mit der Einzelausstellung „Spitz und Spiesig" des Künstlers Martyn Reynolds. 


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      Credits

      Text: Moritz Gaudlitz 

      Bilder via spreez.de

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      Themen:münchen, kunst, ausstellung, münchen kann auch kunst, moritz gaudlitz

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