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      mode Catherina Kaiser 5 Mai 2017

      diese bademode feiert deinen körper - egal, welche figur du hast

      Wie Mode das Selbstwertgefühl stärken kann, hat uns die Designerin des Labels “Phylyda” im Interview erklärt.

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      Julia Marie Werner

      Das Konzept der Bademodenmarke Phylyda klingt eigentlich ganz einfach: Die Einteiler der Berliner Marke orientieren sich an Körperformen, anstatt an Konfektionsgrößen und sind so geschnitten, dass sich jede Frau darin wohl fühlen soll — egal ob androgyn oder curvy, alt oder jung, groß oder klein. Dass diese einleuchtende Idee auch im Jahr 2017 noch eine kleine Revolution ist, sagt einiges darüber aus, wie viel die Modewelt in Sachen Body Positivity noch zu lernen hat. Vor allem, wenn es darum geht, tatsächlich etwas zu verändern, um die Diversität von Frauenkörpern zu feiern, anstatt lediglich auf den Trend-Zug aufzuspringen und — wie eine spanische Modekette kürzlich — ganz einfach ein hippes "Love your Curves" auf ein Foto zweier offensichtlich extrem schmal geschnittener Frauen zu drucken. 

      Wer die Designerin und Phylyda-Gründerin Lydia Maurer trifft, zweifelt keine Sekunde daran, mit welchem Herzblut sie hinter ihrem Projekt steht, das weibliche Körper in all ihrer Vielfalt feiern will. So enthusiastisch spricht die Deutsch-Kolumbianerin von den ganz unterschiedlich schönen Frauen, die ihr während ihrer Recherche vor der Gründung des Labels begegnet sind, so kritisch beschreibt sie die Modehäuser, die laut ihr in einer "Traumwelt" verharren, in der sich Frauenkörper der Mode anpassen müssen, statt andersrum. Und die junge Designerin weiß, wovon sie redet. In ihrem Lebenslauf reiht sich ein großer Name an den nächsten: Nach Stationen bei Yves Saint Laurent, Rue du Maile und Givenchy wurde die Designerin 2012 mit gerade mal 30 Jahren zum Creative Director für das Modehaus Paco Rabanne auserkoren — kehrte Paris dann aber erstmal den Rücken, um im letzten Jahr in Berlin ihr eigenes Label  zu launchen.

      Auch auf i-D: Triff die Body-positive-Pionierin Paloma Elsesser

      Wir haben die inspirierende, junge Designerin in ihrem Studio in Berlin getroffen und mit ihr darüber gesprochen, warum sich die Modewelt nur so langsam von Idealen lösen kann und wie sich etwas ändern kann. Zudem hat sie uns einen ersten Blick auf die aktuellen Kampagnenbilder von Phylyda gewährt, die im Übrigen genauso vielfältig, bunt und schön sind, wie ihre Designs selbst. Aber seht selbst:

      Gab es vor Phylyda Vorreiter in Sachen Body Positivity, die dich inspiriert haben?
      Ich habe in dieser Luxuswelt gelebt und gearbeitet und hatte in diese Richtung nichts mitbekommen. Bei meiner Recherche bin ich lediglich auf einige wenige Plus-Size-Marken gestoßen. Das hat neue Fragen in mir ausgelöst: Warum gibt es nur Plus Size oder Mode für sehr dünne Frauen? Warum sind das zwei separate Welten, in denen Frauen entweder nach rechts oder nach links sortiert werden? Und was ist mit den Frauen dazwischen? Ich fand das so unmenschlich. Ich habe gemerkt, wie viele verschiedene Schönheitsideale es gibt. In Kolumbien, dem Heimatland meiner Mutter zum Beispiel, geht es immer darum mehr zu haben: Mehr Rundungen, mehr Formen. Mir wurde klar, dass ich Frauen die Möglichkeit geben muss, das hervorzuheben, was sie möchten. 

      Wie bist du dann speziell auf Bademode gekommen?
      Bademode ist noch immer ein großer wunder Punkt für viele Frauen. Wie viele Frauen denken sich einen Monat vor ihrem Urlaub: "Oh Gott, wie sehe ich aus? So kann ich mich nicht zeigen." Und da geht es nicht wirklich ums Gewicht — auch Frauen, die diesem dünnen Schönheitsideal am nächsten stehen, setzten sich immens unter Druck. Diesen habe ich von der Mode in meiner Zeit in Paris auch selbst gefühlt, mir viel verboten und war deshalb lange sehr unglücklich. 

      Du hast einen wahnsinnig beeindruckenden Lebenslauf. War es schon immer dein Traum, mal dein eigenes Label zu haben?
      Das war tatsächlich mein Traum. Nach der Modeschule war es aber trotzdem klar für mich, dass ich erstmal alles mögliche ausprobieren und lernen wollte. Es war eine Ehre, für diese großen Modehäuser in Paris Mode machen zu können, mich auszuprobieren und große Herausforderungen anzunehmen. Aber auf der Schwelle zu meinen Dreißigern hat sich dann etwas verändert. Ich habe mir gedacht: Eigentlich sind wir doch keine Künstler, wir sind Designer. Die Frauen, für die wir diese Mode designen, sind 40 bis 60 Jahre alt, hatten vielleicht schon Kinder oder arbeiten sehr viel. Sie sollten sich nicht unter Druck setzen müssen, in diese unrealistischen Schnitte zu passen — da haben andere Dinge Priorität in ihren Leben. 

      Du hast in einem Interview gesagt, dass du von Martine Sitbons bei Rue du Mail sehr beeindruckt warst, weil sie so direkt mit ihren Musen zusammengearbeitet hat. Was hast du davon mitgenommen?
      Martine hat mit Frauen zusammengearbeitet, die sie auch über das Aussehen hinaus interessant gefunden hat. Es ging ihr vielmehr um bestimmte Attitüden, die diese Frauen transportieren. Das war ein toller Ansatz, der dann auch bei mir eingesickert ist. Als ich nach Berlin gekommen bin, um Phylyda aufzubauen, habe ich zuerst bei Modelagenturen angerufen, um Frauen mit verschiedenen Körpertypen zu finden. Das war erstmal gar nicht so einfach. Viele Agenturen haben mir gesagt, ich solle mich wieder melden, wenn ich normale Mädchen suche. Das war erschreckend! 

      In deiner letzten Kampagne hast du auch ein älteres Model gezeigt. Was ist das Schöne am Älterwerden?
      Ich habe den Eindruck, dass ältere Frauen sich und ihren Körper besser kennen. Ich habe viele ältere Frauen kennengelernt, die mir erzählt haben, dass sie schon lange nicht mehr Schwimmen gehen, weil sie nicht mehr das richtige Alter hätten. Das ist so schade, davon sollte doch niemand ausgeschlossen werden!

      Womit hast du angefangen, als du die ersten Designs entworfen hast?
      Wenn man sich klassische Plus-Size-Mode ansieht, geht es sehr häufig nur um Einteiler — mal ganz abgesehen von den Farben und Designs, die häufig altmodisch sind und darauf abzielen, zu kaschieren. Es ist sehr schwer, Einteiler zu kreieren, die verschiedenen Körpertypen passen, deshalb habe ich damit angefangen, Einzelteile zu designen, die kombinierbar sind, und Frauen die Wahl geben, mal mehr oder weniger zu zeigen. Es gibt dünne Frauen, die sich lieber bedeckt halten wollen, und dickere, die keine Lust haben, sich zu bedecken, warum auch? Sie möchten etwas tragen, worin sie sich schön und sexy fühlen. Und das habe ich auf dem Markt vermisst. 

      Du bist schon eine ganze Weile in der Modebranche. Warum verändert sich das Körperbild in der Modeindustrie nur so langsam?
      Die Branche hält an einer Traumwelt fest. Es geht darum, Kleidung zu kreieren und sie auf einer idealisierten, stilisierten Form zu präsentieren. Das fängt schon beim Design an: Man kreiert Kleidung, die nicht fürs wirkliche Leben gemacht ist, in der man sich nicht bewegen kann oder sogar soll. Das ist eine sehr alte Art zu denken, aber nachvollziehbar, wenn man sich ansieht, wo die Haute Couture herkommt. Früher wurden die Maße der Modelle genommen, die Mode monatelang kreiert und musste danach auch noch passen. Ich glaube diese idealisierte Welt, in der die Frau für die Mode lebt, ist in der Kultur der Luxushäuser noch verankert.

      Wie kann sich das verändern?
      In der Mainstream-Mode gibt es zum Glück immer mehr Influencer, die junge kurvige Frauen vertreten, wie zum Beispiel Paloma Elsesser. Wenn Frauen wie sie in der Öffentlichkeit stehen und von anderen Frauen toll und schön gefunden werden, die vielleicht eine kleinere Kleidungsgröße tragen, wird das auf lange Sicht etwas verändern.

      Wann fühlst du dich am Schönsten?
      Wenn ich unter Menschen bin, die mich kennen, gut finden und die wissen, warum ich Sachen mache und so sage, wie ich sie sage. Das Schönste ist, frei sein zu können und zu sein, wer man ist.

      @Phylyda

      Credits

      Text: Catherina Kaiser
      Fotos: Julia Marie Werner
      Hair/Make-Up: Michael Mayer
      Assistentin: Farina Witt

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      Themen:mode, design, designer, bademode, phylyda, body positivity

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