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      kunst Hannah Ongley 25 Oktober 2016

      so geht es in berliner clubs mit fotografieverbot wirklich zu

      Das Berghain und das Kitkat sind bekannt für ihre strengen Fotografieverbote. Der deutsche Illustrator Felix Scheinberger hat eine kreative Lösung für dieses Dilemma gefunden und öffnet mit seinen Zeichnungen die Tür in eine Welt, die normalerweise für die Außenwelt verborgen bleibt.

      Wie man ins Berghain kommt, bleibt eines der größten Geheimnisse unserer Zeit. Unzählige Websiten, Spiele und illustrierte Guides widmen sich mal ernster, mal lustiger den ungeschriebenen Gesetzen der Einlasskontrolle von Berlins hedonistischsten Club: Trag Schwarz. Sprich Deutsch. Geh alleine. Die strenge Tür wird nur noch vom noch strengeren Fotografieverbot übertroffen. Ganze Instagram- und Tumblr-Accounts sind mit Bildern voll, auf denen die farbigen Sticker sind, die über die Handykameras geklebt sind, wenn man reinkommt. Der deutsche Illustrator Felix Scheinberger hat einen kreativen Umweg gefunden, um das strikte Fotografieverbot zu umgehen. Er schnappt sich sein Skizzenbuch, wenn er ins Berghain geht und zeichnet die Szenen, die Leute und die Outfits auf, die er in einigen von Berlins abgeschirmtesten Technotempeln sieht, im Berghain, im Techno-Sexclub KitKat und im Swinger-Treffpunkt Insomnia. „Ich mag einen abgeneigten Zeichenstrich, die angedeutete Übertreibung des weiblichen Hinterteils und die warmen Farbtöne, die er den Körpern verleiht", schreibt Kristen Krüger vom KitKat im Vorwort zu dem neuen Buch Hedo Berlin von Felix Scheinberger, ein visuelles Tagebuch der wildesten Partynächte in der Hauptstadt. „Seine Motive sind oft grotesk, aber sie werden immer mit Wohlwollen dargestellt." Wir wollten mehr erfahren und haben mit dem Illustrator Felix über Berlin strengste Türen und die ständige Angst davor, nicht reingelassen zu werden, gesprochen.

      Wie bist  du zum Techno gekommen?
      Als Teenager habe ich als Schlagzeuger in verschiedenen deutschen Punkbands gespielt. So bin ich mit der Musik zum ersten Mal in Berührung gekommen. Ich habe aber auch schon sehr früh auf Konzerten und Clubs gezeichnet.

      Kannst du dich an deine erste Zeichnung, die du in einem Club gemacht hast, erinnern? Was hat dich inspiriert?
      Ich habe schon immer unterschiedliche Underground-Szenen gemalt. Die ersten Zeichnungen habe ich in der Hamburger Punkszene in den 90ern gemacht. Einerseits ich ich vom Underground fasziniert, andererseits eignen sich die Leute auch einfach super zum Zeichnen. Ich bin durch meinen Dayjob dazu gekommen, in Berlins verrücktesten Clubs zu zeichnen. Man darf im Berghain nicht fotografieren. 2011 hat mich eine große Berliner Tageszeitung gebeten, Zeichnungen für einen Artikel anzufertigen. Nach diesem Auftrag habe ich einfach immer weiter gemacht. 

      Wie sieht eine typische Partynacht aus, wenn du zeichnest? Was trägst du? Tanzt du oder beobachtest du nur? Spielen Drogen eine Rolle? Wurdest du schon einmal von Sven abgewiesen?
      Ich ziehe mich ganz normal an. Wenn ich vor den Studenten stehe, trage ich die gleiche Kleidung: schwarze Hosen und ein schwarzes T-Shirt. Ich gehe meistens mit Freunden, wir trinken etwas und tanzen. Der einzige Unterschied ist, dass ich immer mein Skizzenbuch dabeihabe. Und wenn ich in der richtigen Stimmung bin oder etwas Interessantes sehe, zeichne ich eben ein bisschen. Solche Zeichnungen können nicht von außen gemacht werden. Das sind Illustrationen, die aus einem Insidertum entstehen. Wenn ich in einem Club bin, habe ich in der einen Hand das Skizzenbuch und in der anderen einen Drink. Was die Türsteher angeht: Ich wurde noch nie abgewiesen. Jedes Mal, wenn ich in der Schlange stehe, habe ich aber trotzdem wieder Angst.

      Wie reagieren die Leute, wenn du sie fragst, ob du sie zeichnen darfst oder wenn sie dich dabei sehen?
      Das ist magisch: Die Leute merken es, wenn man sie anschaut und natürlich merken sie erst recht, wenn man sie zeichnet. Aber das Überraschendste ist, dass die meisten damit kein Problem haben, sogar an Orten, an denen man garantiert nicht fotografiert wird. Wenn man jemanden zeichnet, dann nimmt man sich immer Zeit, auch wenn es nur ein schneller Entwurf ist. Man nimmt sein Model ernst und begegnet ihm mit Achtung und Respekt. Zeichnen ist nicht fotografieren, die Leute sind keine Schnappschüsse. Die Leute gefällt, dass man sie positiv darstellt und ihnen macht es auch nichts aus, wenn ich ihnen sage, dass ich die Bilder für mein Buch benutze. Aber ich verwende natürlich andere Namen.

      Wie lange dauert eine Illustration?
      Fünf Minuten. Sechs mit Farbe. 

      Hedo Berlin von Felix Scheinberger ist im Jaja Verlag erschienen und ab sofort erhältlich.

      Credits

      Text: Hannah Ongley

      Fotos: Courtesy of Felix Scheinberger

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      Themen:kultur, kunst, felix scheinberger, berghain, hedo berlin, kitkat, illustrationen, jaja verlag, berlin

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