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      kunst Alexandra Bondi de Antoni 13 Februar 2017

      diese illustratorin macht alltagsmomente zu etwas ganz besonderem

      ​Mari Andrew zeichnet die Momente, die wir alle kennen und oftmals gleich wieder vergessen.

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      Mari Andrew ist 30 Jahre alt und hat erst Ende 2015 damit angefangen, ihren Alltag zu illustrieren, als sie eine besonders schwere Zeit durchlebt hat: „Der Verlust von meinem Vater, eine Trennung und Gesundheitsprobleme, alles gleichzeitig. Ich wollte meine ganze negative Energie in etwas Kreatives umwandeln. Ich bin Autorin, aber zeichne auch gerne. Ich habe die beiden Sachen einfach miteinander verbunden und meinen Alltag in den Cartoons verarbeitet. Das war ein Mittel für mich, um meine Erfahrungen und Gefühle zu verarbeiten. Das ist ein gutes Ventil". Dieses Ventil hat sich mittlerweile in eine stetig wachsende Instagram-Followerschaft von knapp 350.000 Tausend Fans verwandelt. Verwunderlich ist das nicht: Maris Illustrationen treffen einen mitten ins Herz, sprechen einen an, weil das Gezeichnete so allgegenwärtig ist und jeder sich wahrscheinlich schon in der einen oder anderen Situation wiedergefunden hat. Sie lassen einen schmunzeln, manchmal auch den Kloß im Hals, der bei Gedanken an die eigenen Erlebnisse entsteht, wieder hinunterschlucken — kurzum: sie berühren. Weil wir mehr über die Frau in ihren Zeichnungen wissen wollten, haben wir der Illustratorin ein paar Fragen gestellt. 

      Wer ist die Frau, die du zeichnest?
      Das bin ich! Ich habe bis zum letzten Jahr kaum gezeichnet. Deshalb wusste ich gar nicht, wie ich das machen soll. Aber ich habe wohl das Glück, dass ich über ein paar Merkmale verfüge, die mich von anderen unterscheiden: einen Pony und eine Brille. Wenn ich jemals eine andere Frisur haben sollte oder auf Kontaktlinsen umsteige, wüsste ich gar nicht mehr, wie ich mich zeichnen soll.

      Du arbeitest viel mit Text. Was findest du im Zusammenspiel mit Wörtern und Illustrationen so interessant?
      Das ist für mich eine sehr natürliche Kombination. Ich bin technisch gesehen keine gute Künstlerin, aber durch die Illustrationen kann ich meine Botschaft ausdrücken, genauso wie beim Schreiben. Für mich sind die Bilder nette Accessoires zu den Wörtern. Ich schreibe zwar viele Essays, aber ich weiß auch, dass man lange an Essays liest und die Leute im Jahr 2017 eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben. Die Menschen erreicht man einfacher, wenn man seine Botschaften in einer Illustration verpackt.

      Was können Wörter bewirken?
      Immer wenn ich verwirrt, traurig oder wütend war, habe ich mir Rat in den Texten von anderen gesucht. Ich bin selbst Autorin und ich möchte die Geschichten erzählen, bei denen sich die Leute weniger einsam fühlen. Ich erhalte viele Kommentare wie: „Ich dachte, dass ich die einzige Person bin, der es so geht". Ich liebe es, wenn sich dieses Gefühl beim Lesen einstellt. Ich empfinde es als Privileg, dass ich anderen dieses Gefühl vermitteln kann.

      Wie fühlst du dich, wenn du zeichnest?
      Die besten Arbeiten entstehen, wenn ich sehr emotional bin. Nach der Trennung und der US-Wahl habe ich nonstop gezeichnet. Ich hatte so viele Ideen, da hatte ich gar nicht genug Zeit, sie alle zu verwirklichen. Mir kommen auch viele Ideen auf Reisen oder wenn ich etwas Neues erlebe. Wenn ich glücklich bin oder alles in Ordnung ist, habe ich leider weniger Ideen, dann muss ich nicht so viel verarbeiten.

      Gibt es eine Botschaft, die du mit deinen Arbeiten vermitteln willst?
      Ich hatte anfangs keine Botschaft, aber da ich jetzt eine große Plattform habe, ist mir das wichtig. Ich versuche, meine politischen Gedanken auf positive Art und Weise darzustellen und meine Follower ermutige ich dazu, dass sie ihre eigenen Erlebnisse kreativ verarbeiten. Auch wenn ich keine Künstlerin im klassischen Sinn war, als ich angefangen habe, hat mir das Zeichnen unglaublich viel Spaß gemacht. Das Gleiche möchte ich für meine Follower auch.

      Deine Illustrationen sind sehr persönlich. Gibt es irgendetwas, das du gezeichnet hast, worauf du im Nachhinein lieber verzichten würdest?
      Ja, meine Zeichnungen sind sehr persönlich. Alles, was ich zeichne, habe ich erlebt. Ich achte darauf, dass ich die Leute, die mir etwas bedeuten, schütze und nicht zu deutlich zeige. Ich bereue ein paar der Cartoons, die ich von Männern angefertigt habe, die ich mal gedatet habe und wütend auf sie war. Die gehören auch zu den beliebtesten, also eigentlich kein Grund zur Reue. Mir ist wichtig, dass ich nicht aus Rache irgendwas zeichne, sondern als Ausdruck von meinen Gefühlen.

      Wie reagieren die Leute auf deine Arbeiten? Was ist das Schrägste und das Beste, das dir widerfahren ist?
      Die meisten Reaktionen sind positiv. Viele schreiben mir, dass sie sich durch meine Arbeiten besser fühlen. Manche schreiben mir auch, dass ihnen die Illustrationen durch eine schwere Zeit geholfen haben. Das bedeutet mir sehr viel. Ich freue mich, wenn mich die Menschen auf der Straße ansprechen, ich lerne gerne neue Menschen kennen. Das Internet ist nun mal das Internet und meine Fans auf Veranstaltungen real zu treffen, ist echt toll, weil sie potenzielle Freunde im echten Leben werden können. Das Schrägste ist, dass mir so viele ungefragt Ratschläge erteilen und mir sagen wollen, wie ich zeichnen soll. Manche nehmen wohl an, dass ich nach Hilfe frage, um persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Wenn ich etwas poste, dann habe ich das meist selbst schon herausgefunden und komme damit klar. Das liegt wohl in der menschlichen Natur, dass man Probleme lösen möchte, aber darum geht es bei Vulnerable Art gar nicht.

      Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
      Die ist so ähnlich wie in meiner Kindheit: verspielt, einfach und bunt. Ich würde mir wünschen, dass ich eine bessere Künstlerin wäre. Ich werde zwei Monate in Europa verbringen und mir andere Kunstgattungen anschauen. Das beeinflusst hoffentlich meine Illustrationen. Meine Illustrationen sind sehr textlastig, daher hoffe ich, dass die schlechten Zeichnungen nicht so ins Gewicht fallen.

      Was planst du als Nächstes?
      Ich arbeite gerade an einem Essaybuch, ich schreibe die Texte und illustriere sie. Das soll im März 2018 erscheinen. Ein Traum wird wahr und ich bin so dankbar für die Chance. Ich habe das Gefühl, dass ich gerade erst durchstarte, weil ich noch so neu bin. Ich weiß aber noch nicht genau, welche Richtung ich einschlagen werde. Ich bin schon zufrieden, wenn ich auch in der Zukunft weiter Erfahrungen sammeln, reisen und zeichnen kann.

      @MariAndrew

      Credits

      Text: Alexandra Bondi de Antoni 
      Illustrationen: Mari Andrew

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      Themen:kunst, illustration, instagram, kultur, mari andrew, illustrationen

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