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      kunst Juule Kay 17 Mai 2017

      dieser instagram-account erweckt alte gemälde zu neuem leben

      Was haben Likes und Caravaggios Knabe mit dem Früchtekorb gemeinsam? Nach Ege Islekel eine Menge. Wir haben den Grafikkünstler über die fabelhafte Welt des Internets, Meme-Kunst und Dating-Apps ausgefragt.

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      Manchmal entstehen die besten Ideen an den ungewöhnlichsten Orten. Für Ege Islekel war es ein Museumsbesuch, der den jungen Grafikkünstler und Interior Designer aus der Türkei darauf gebracht hat, mit Hilfe des Internets bekannten Gemälden einen modernen Anstrich zu verpassen. "Mir sind die ganzen Leute aufgefallen, die Fotos und Videos gemacht haben, anstatt die Kunst mit den eigenen Augen zu betrachten", erklärt Ege die Beweggründe hinter seinem Instagram-Account. "Ich habe mich gefragt, was passieren würde, wenn diese Meisterwerke in unserem digitalen Zeitalter lebendig werden würden." Gesagt, getan. Mittlerweile wurde die Social-Media-Account zu einem Sammelsurium an Internetkuriositäten von jüngsten Ikeaparodien bis hin zu YouTube-Make-up-Tutorials für das Mädchen mit dem Perlenohrring und die Mona Lisa. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, mehr über den kreativen Kopf hinter dem Account zu erfahren, und haben den Grafikkünstler Rede und Antwort stehen lassen.  

      Welchen Reiz macht die Verbindung von Kunstgeschichte und den Absurditäten des Internets für dich aus?
      Dank meines Vaters und seiner mythologischen Heldensagen, mit denen ich groß geworden bin, habe ich schon immer Interesse an den Geschichten hinter der Kunst gehabt — sie haben mich die verschiedenen Fakten, Symbole und Zeichen entdecken und verstehen lassen. Mit diesen ganzen Informationen habe ich so viel über die Kultur, die Lebensbedingungen und das Zeitalter der Gemälde erfahren. Ich war schon damals ein Beobachter! Heutzutage sind die Menschen dagegen extrem süchtig nach Social Media geworden. Sie wollen nicht mehr alles lesen, sondern schauen sich lieber Bilder an, die bereits die ganze Geschichte beinhalten. Ich will den Leuten mit meinen Arbeiten klar machen, was hier gerade tatsächlich passiert.

      Hattest du einen Hintergedanken dabei, das reale Leben mit der Vergangenheit verschmelzen zu lassen?
      Das Konzept Zeit ist immer das gleiche. Was sich jedoch ständig verändert, sind die Alltagsroutinen, Lebensbedingungen und die soziale Bevölkerungsstruktur. Die Idee dahinter war es, die Unterschiede zwischen den Kulturen aufzuzeigen und nicht einfach nur die Vergangenheit und Gegenwart darzustellen. 

      Sogar Labels wie Gucci sind auf diese Art von Kunst aufmerksam geworden und haben eine eigene Meme-Kampagne ins Leben gerufen. Warum glaubst du, dass Internet-Kunst gerade so ein großer Trend ist?
      Wenn du Kunst als Puzzle siehst, ist Mode der Rahmen dieses Puzzles, der alle Teile zusammenhält. Mode enthält Muster, grafische Elemente, Oberflächen, Strukturen und alle möglichen anderen Dinge aus dem Kunstsektor. Mode füttert die Kunst und Kunst füttert die Mode. Es gibt Tausende von talentierten Menschen auf dieser Welt und Gucci hat einigen von ihnen die Möglichkeit gegeben, ihre Kunst der Welt zu zeigen. Sie haben junge Designer und Künstler unterstützt — und dabei eine wirklich gute Marketingstrategie benutzt, um die jungen Modekonsumenten zu erreichen.

      Glaubst du, dass du ohne das Internet bekannt geworden wärst?
      Nein. Leider lesen heutzutage immer weniger Menschen Bücher oder Magazine. Wenn sie sich zum Beispiel über etwas informieren wollen, googeln sie es einfach. Natürlich sollten wir das Internet auch effektiv nutzen; es hilft uns schließlich dabei, unsere Fähigkeiten mit Hilfe von den sozialen Medien zu zeigen. Außerdem wären wir alle nicht so vernetzt, wie wir es heute sind. Die Welt hat sich verändert, und daran haben wir uns angepasst! 

      Wie wichtig sind dir Likes?
      Ich kann bei meinem Instagram-Account sehen, wie viele Menschen sich meine Arbeiten tatsächlich angesehen haben. Im Durchschnitt wird ein Post von mir 50.000 Mal angeklickt, und nur ein Viertel davon drücken tatsächlich auf den Like-Button. Mir geht es vor allem darum, Menschen zu erreichen und mit meinen Arbeiten in Erinnerung zu bleiben — auch wenn Likes natürlich auch ein Motivationsgrund sein können. 

      Was wäre passiert, wenn das Internet und Apps wie Tinder und Co schon vor Jahrhunderten existiert hätten?
      Das ist eine wirklich gute Frage [Lacht]. Ich habe schon öfter darüber nachgedacht und dieser Frage sogar eine Arbeit gewidmet. In einem soziologischen Kontext würde ich behaupten, dass es kein Match gewesen wäre. Vor einem Jahrhundert waren Liebe und Gefühle noch so viel respektvoller!

      Wie hat das digitale Zeitalter unser Leben und besonders unsere Beziehungen geprägt?
      Es nimmt zwei sehr konträre Seiten in unserem Leben ein. Einerseits macht es natürlich alles einfacher, weil man den Schritt des ersten Kennenlernens auf gewisse Weise überspringt. Andererseits macht es die Menschen aber auch süchtig, sie hängen nur noch vor ihren Handybildschirmen und sehen einander nicht mehr wirklich. Das digitale Zeitalter ist ein Teil unseres Lebens, aber nicht das, wofür wir leben sollten. 

      @egeislekel

      Credits

      Text: Juule Kay
      Foto: Screenshot von Instagram

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      Themen:kunst, meme art, memes, egeislekel, ege islekel, internet, kunstgeschichte, instagram, juule kay, kultur

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