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      fashion Alexandra Bondi de Antoni 6 Juli 2015

      im gespräch mit nhu duong

      Zusammen mit dem Zalando Fashion House und der großartigen, in Berlin lebenden Designerin Nhu Duong feierten wir nicht nur i-D's 35. Geburtstag, sondern auch eine etwas verspätete i-D Germany Launch-Party. Wir haben Nhu ein paar Fragen gestellt und wollten mehr über sie und ihre Arbeit wissen. Im Interview über die Beziehung zwischen Mode und Kunst, ihre Wahlheimat und wie sich ihre Arbeit in den letzten Jahren verändert hat.

      im gespräch mit nhu duong im gespräch mit nhu duong im gespräch mit nhu duong

      Nhu Duong ist einer dieser wenigen, in Berlin lebenden Designer, die man auch kennt, selbst wenn man kein Teil des kleinen Berliner Mode-Biotops ist, und die international arbeiten. Wenn man ihre Stimme am Telefon hört, ist man zuerst mal überrascht. Fast schüchtern und doch sehr bestimmend klingt sie. Sie weiß, was sie will, und wirkt wie eine Person, die das auch bekommt. 

      Ihre Abschlusskollektion verkaufte sie bei Weekday (ein paar Jahre später entwarf sie eine ganze Kollektion - 1440 - für den Moderiesen) und gleich nach ihrem Uniabschluss 2009 zog die Tochter eines Kung-Fu-Meisters und einer Schneiderin nach Berlin, wo sie seitdem lebt und arbeitet. Ihre Mode ist tragbar, mit exquisiten Details hier und da, immer speziell, drängt sich jedoch niemals auf. In der letzten Zeit lag ihr Fokus auf Projekte und Kollaborationen außerhalb Berlins, sie verbrachte viel Zeit in New York und arbeitet nun an ihrer neuen Kollektion, die Ende des Jahres auf den Markt kommen soll.

      Wir haben sie vor unserer i-D Germany x Zalando Fashion House - A Night hosted by Nhu Duong-Party zum Interview gebeten und mit ihr über ihre Wahlheimat, die Verbindung zwischen Kunst und Mode und ihre Entwicklung als Designerin gesprochen. 

      Über deine Mode wird häufig im Kunstkontext gesprochen. Wie siehst du die Verbindung zwischen Mode und Kunst? 
      Es ist schwierig, Kunst und Mode miteinander zu vergleichen, da beide ihre eigene Geschichte haben und ihrer eigenen Logik folgen. Das heißt aber nicht, dass sich Mode und Kunst nie überschneiden oder berühren sollen. Sie übten schon immer gegenseitig Einfluss aufeinander aus. Gleichzeitig überschneiden sich in der Mode viele Bereiche, von Kunst, Musik, Architektur bis hin zu Business. Hier werden Kollaborationen entscheidend, die wichtig für meine Arbeit sind. Sie erlauben mir, meinen Prozess zu öffnen und die Grenzen von Mode zu hinterfragen. Es ist faszinierend zu sehen, wie der Kontext die Wahrnehmung von Arbeiten verändern kann.

      Was ist der Zweck von Mode?
      Mode hat einen offenkundigen Zweck: Sie sollte tragbar sein. Gleichzeitig hinterfragt Mode permanent diesen Zweck und versucht, Grenzen neuzuziehen, ob es sich dabei um physische, technische oder sogar soziale Grenzen handelt. Wenn man sich die großartigen Kollektionen aus der Vergangenheit anschaut, dann waren die experimentell und gleichzeitig hatten sie für den Alltag der Leute eine Relevanz. Mode sucht immer diese Grenzen und balanciert zwischen Funktion und Dekoration. Das ist auch der Unterschied zwischen Mode und einfach nur „Kleidung". 

      Denkst du im Designprozess über die kommerzielle Seite von Mode nach oder ist das ein Aspekt, den du nicht im Kopf hast? 
      Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn Leute zum ersten Mal deine Kleidung kaufen und tragen. Statt kommerzielle Verwertbarkeit in den Fokus zu rücken, schaue ich mir an, wie Leute meine Kleidung wirklich tragen und sie in ihre Garderobe integrieren. Mich interessiert die transformative Kraft von Mode.

      Wie hat sich deine Mode in den letzten Jahre entwickelt? Was hast du dazugelernt? 
      Weil es keine wirkliche Modeszene in Berlin gibt, war ich gezwungen, meinen Modeansatz zu überdenken. Die meisten meiner Freunde sind Künstler oder Musiker und erinnern mich oft daran, was Mode wirklich tun kann. Dass es mehr um den performativen Aspekt geht und weniger um Konsum. Das hat sich auch durch Zufall ergeben, dadurch dass Kleidungsstücke gemeinsam in projektbezogenen Kontexten entstehen - jenseits von Saisons.

      Wie hat das Internet Mode verändert? 
      Das Internet hat Mode viel zugänglicher gemacht. Jetzt kann sich jeder Fashionshows online anschauen, sich durch Bildarchive klicken und ein besseres Gespür für Modegeschichte entwickeln. Es war nie einfacher, ein globales Publikum zu erreichen. Ich kann dank des Internets mit verschiedenen Methoden der Produktion, der Präsentation und der Distribution von Mode experimentieren. Ich möchte ein nachhaltiges Modell der Modeproduktion entwickeln, abseits von Saisons und in meinem eigenen Tempo.

      Wie kann man etwas Neues erschaffen, wenn doch schon alles da war und jeder jederzeit Zugang zu Informationen hat?
      Das Gefühl, dass es alles schon einmal gab, mag vielleicht ein Problem unserer Zeit sein, aber ich hatte persönlich noch nie dieses Gefühl. Ich hege sehr viel Respekt vor der Modegeschichte und ich habe kaum das Gefühl, dass dadurch meine Kreativität eingeschränkt wird. Die Welt, in der wir leben, und der kulturelle Kontext ändern sich ständig, also ist es schwer, dass sich Mode nicht ändert. Mode kann einem dabei helfen, sich an die Veränderungen anzupassen. Wenn man zum Beispiel als Kind in ein neues Land zieht - wie ich von Vietnam nach Schweden -, dann versucht man, sich ganz selbstverständlich seiner neuen Umwelt anzupassen und sich zu einem gewissen Grad neu zu erfinden. Mode kann ein direkter Ausdruck dessen sein: Dinge, die man aus dem einen kulturellen Kontext kennt und dann in einen neuen kulturellen Kontext überträgt. Daher kommt mein Interesse an Imitation: synthetische Materialien, die natürlich aussehen, organische Formen, bearbeitete künstliche Kleidungsstücke, die aussehen, als ob sie eine andere Funktion haben sollten. Imitieren heißt nicht, etwas einfach zu kopieren, sondern etwas Neues zu schaffen. 

      Warum denkst du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat? Wie würdest du die Berliner Mode- und Kunstszene beschreiben? 
      Berlin ist wie eine weiße Leinwand. Die Leute haben so viele positive Assoziierungen mit Berlin, aber nichts was mit einem Modestil oder einer bestimmten Ästhetik verbunden wäre. In dieser Hinsicht ist die Stadt gut, um sich neu zu erfinden. Ich kann meine Tätigkeit auf eine freiere Weise angehen und mich mit anderen Bereichen und Szenen wie Kunst oder Musik zusammentun. In gewisser Hinsicht fühle ich mich Designern meiner Generation wie Eckhaus Latta, Anna-Sophie Berger oder Arielle de Pinto aus anderen Städten näher als Berliner Designern. Aber das ist eine natürliche Entwicklung, die eher mit persönlichen Beziehungen als mit einer strategischen Entscheidung zu tun hat.

      Erzähle mir etwas über deine Arbeit mit dem New Theater in Berlin. 
      Die amerikanischen Künstler Max Pitegoff und Calla Henkel arbeiten im Bereich zwischen Fotografie, Performance und Bildhauerei. Bis vor ein paar Wochen haben sie den Performance-Ort New Theater, in dem es um Zusammenarbeit geht und welche Rollen Individuen in einer Künstler-Community übernehmen, bespielt.

      Während der zwei Jahre, in denen das New Theater existiert hat, habe ich Kostüme für mehrere Theaterstücke entworfen. Gleichzeitig wurden von Max Pitegoff und Calla Henkel meine letzten beiden Kollektionen im New Theater fotografiert. Das Theater wurde zu einer Art Backstagebereich für meine Arbeit und die Kollektionen, eine Mischung aus der Dokumentation einer Künstler-Community mit Aufnahmen eines professionellen, bezahlten Models. Auf den Bildern ist schwer zu erkennen, was inszeniert und was echt ist.

      Du arbeitest gerade an deiner neuen Kollektion. Kannst du mir schon mehr darüber sagen? 
      Ich stecke mitten im Editieren meiner aktuellsten Kollektion, die ich gerade in New York in Szene gesetzt habe und die mit der Funktionalität und Kitsch von asiatischem Dekor spielt. Der Launch der Kollektion ist für die nächsten Wochen geplant. Ich arbeite außerdem mit dem schwedischen Künstler Ilja Karilampi zusammen an Kleidungstücken für seine neue Ausstellung in Stockholm. Daneben arbeite ich an einem Konzeptparfüm für das New Yorker Kunstkollektiv und Magazin DIS.

      Was sind deine Pläne für die Zukunft? 
      Ich möchte weiterhin, langsam und auf nachhaltige Weise mein Label hinsichtlich Organisation und Produktion aufbauen. Des Weiteren möchte ich an einem kritischeren Modediskurs teilnehmen und mich international vernetzen. Ich arbeite gerade daran, mein Studio in der Kluckstraße in eine Verkaufsfläche umzuwandeln, in dem neue, internationale Designer und Künstler präsentiert werden. 

      Du bist Co-Host der i-D Germany x Zalando Fashion House Party, die morgen stattfindet. Du hast extra dafür Shirts designt? 
      Die Shirts sind schwarz mit langen Ärmeln und einem schwarz-auf-schwarz Foliendruck, der von Verpackungstape inspiriert wurde, auf dem mein Name und Logo zu sehen sind. Abgesehen davon, dass es zum Verpacken benutzt wurde, wurde das Tape auch im New Theater-Kontext benutzt, zum Befestigen von Gegenständen an der Wand oder zum Verpacken von Kunst. Ich mag die flexible und improvisierte Natur des Tapes. Es verleiht dem Shirt eine extreme Leichtigkeit, als würde man direkt auf dem Körper drapieren. 

      Du willst ein exklusives, von Nhu Duong designtes Shirt gewinnen? Bleibe dran. Mehr zu unserer i-D Germany x Zalando Fashion House - A Night hosted by Nhu Duong-Sause findest du in den nächsten Tagen auf i-D. 

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      Credits

      Bild: David Lieske

      Text und Interview: Alexandra Bondi de Antoni 

      #ZALANDOFASHIONHOUSE

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      Themen:fashion, fashion story, berlin, designer, interview, nu duong, bfw

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