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      film Tereza Mundilová 4 Mai 2016

      „ich glaubte an das ende der welt, deshalb wollte ich noch einmal etwas verrücktes tun.“

      Der neue Film „Desire Will Set You Free“ von Yony Leyser nimmt dich mit auf eine Reise durch den Underground Berlins und gibt dir einen authentischen Einblick in das Nachtleben, ganz besonders in die queere Partyszene der Stadt mit allem, was sie zu bieten hat—und noch viel mehr als das.

      „ich glaubte an das ende der welt, deshalb wollte ich noch einmal etwas verrücktes tun.“ „ich glaubte an das ende der welt, deshalb wollte ich noch einmal etwas verrücktes tun.“ „ich glaubte an das ende der welt, deshalb wollte ich noch einmal etwas verrücktes tun.“

      Anfang der Woche feierte „Desire Will Set You Free" von Filmemacher und Schauspieler Yony Leyser Premiere. Der Film nimmt dich mit auf eine Reise durch den Underground Berlins und gibt dir einen authentischen Einblick in das Nachtleben, ganz besonders in die queere Partyszene der Stadt mit allem, was sie zu bieten hat. Yony Leyser selbst spielt eine Hauptrolle und erzählt in seinem halb-autobiographischen Film seinen eigene Geschichte. An seiner Seite sieht man fiktive und reale Charakter der Berliner Szene, die alle dabei sind, ihre innersten Wünsche zu enthüllen. Wir mit ihm über den Hedonismus der Stadt, den genialen Soundtrack des Films und über den Untergang der Welt gesprochen.

      Wie kamst du auf die Idee, diesen Film zu machen?
      Die Idee kam mir 2012. Ich mag es, verrückte Ideen als kreative Visionen zu sehen—wieso auch nicht. Ich habe damals ganz fest an das Ende der Welt geglaubt, das am 21. Dezember 2012 laut dem Maya-Kalender bevorstand. Deshalb wollte ich etwas Verrücktes tun. Ich unterhielt mich online mit einem Typen aus Lettland. Er meinte, dass er noch nie in Berlin gewesen war und unbedingt sehen wollte, wie es hier so ist. Ich habe ihm dann gesagt, dass er sein ganzes Zeug verkaufen und herkommen sollte, es sei ja das Ende der Welt. Und er ist dann tatsächlich gekommen. Nach eineinhalb Wochen wurde er dann ziemlich ruhig, dann outete er sich als Frau. Er sagte zu mir: „Ich habe mein ganzes Leben lang dieses Leben geführt und habe rein gar nichts über mich gewusst, bis ich hierher gekommen bin." Wir redeten viel darüber und mir wurde klar, wie wild und hedonistisch mein Leben gewesen ist und dass es eigentlich ziemlich spannend ist, was ich so erlebe. Er hat dann gemeint, dass er ein Buch darüber schreiben möchte, und mir ist die Idee für den Film gekommen.

      Was wolltest du mit dem Film erzählen?
      Eigentlich wollte ich mir selbst eine Postkarte schreiben, die ich mir in ein paar Jahren anschauen kann und gleichzeitig auch ein paar Fotos von Berlin machen. Von dieser Welt, bevor sie verschwindet. Es war eine sehr interessante Zeit und ich wollte sie dokumentieren, weil sie vermutlich nur noch langweiliger und konventioneller wird. Bevor das wirklich passiert, musste ich noch eine verrückte Dokumentation machen und dabei alle Regeln brechen.

      Es ist 2016 und die Welt ist doch nicht untergegangen. Wie denkst du heute darüber?
      Ja, das ist schon komisch. Vielleicht nächstes Jahr? [Lacht] Ich weiß es nicht. Es war mehr aus Spaß und so richtig war ich auch nicht davon überzeugt, aber es war ganz witzig, daran zu glauben. Wir arbeiten jeden Tag und gehen schlafen, dann wieder arbeiten, schlafen, arbeiten—es ist ganz witzig, an solche Sachen zu glauben, da es einem einen Kick gibt. Es ist wie, als ob man Drogen nimmt.

      Wer denkst du, wird sich diesen Film anschauen? Leute, die in Berlin wohnen oder diejenigen, die die Stadt noch nicht kennen?
      Eigentlich wird es in 20 Jahren am interessantesten sein, wenn Leute diesen Film anschauen werden und dann genau diesen Einblick in die Szene bekommen. Heute ist es für die Leute, die nicht in Berlin leben, eine nette, kleine Einführung in das Leben hier. Alle Darsteller spielen sich selbst—jede Künstler- und Nightlife-Persönlichkeit, wie zum Beispiel die Musiker, Barbesitzer, und so weiter. Insofern ist es so, als würde man eine Tour durch den Underground machen, vor allem den queeren Underground. Deshalb denke ich eigentlich, dass es jene Leute schauen werden, die so etwas mal erleben wollen oder die sogar schon hier in Berlin leben, aber keinen Zugang dazu haben. Berlin ist eine total facettenreiche Stadt mit Leuten aus der ganzen Welt. Leider reflektiert das der deutsche Film bis jetzt noch kaum. Ich wollte mit diesem Film eine neue Perspektive zeigen: eine, die noch nicht oft gezeigt worden ist, und die viel mehr diese Diversität reflektiert als andere Filme.

      Wir haben uns gefragt, wie feministisch die deutsche Filmbranche ist.

      Wonach hast du die Schauspieler ausgesucht? 
      Eigentlich sind alle meine Freunde dabei. Es gibt insgesamt nur drei Schauspieler. Eine davon ist die Frau, Chloe Griffin, sie ist eine Künstlerin des Undergrounds und Schauspielerin, gerade hat sie auch ein Buch über Cookie Mueller geschrieben. Sie spielt sie eigentlich die meiste Zeit einfach selbst. Ich habe auch eine Rolle in dem Film. Das war eine ganz logische Entscheidung, weil ja sowieso mein ganzes Leben in dem Film zu sehen ist. Die Dialoge sind halb improvisiert, das Drehbuch ist nur 25 Seiten lang. Ich habe die Schauspieler und die echten Charaktere zusammengebracht und das Gesagte dann Wort für Wort niedergeschrieben. So wurde es zum Drehbuch. Eine der drei Schauspieler ist von der Schauspielschule in Salzburg, der zweite ist sein Studienkollege. Die Dritte ist Amber Benson, die auch bei Buffy mitgespielt hat. Sie hatte den allerersten lesbischen Kuss in amerikanischen Fernsehen. Wir haben uns bei meinem letzten Filmdreh kennengelernt und sie wollte unbedingt auch hier mithelfen. Dann ist sie hergeflogen.

      Ich mag den Soundtrack sehr gerne. Wonach hast du ihn ausgesucht?
      Der Soundtrack ist in diesem Film sehr wichtig. Oft ist Musik das Blut von Szenen und Städten, viel stärker als irgendeine andere Form der Kunst. Wir hatten Peaches und Blood Orange. Alle Bands, die mitwirken, sind entweder Bands aus Berlin oder internationale Bands, die Berlin bezogene Songs covern.

      Wie bist du dazu gekommen, mit den Musikern zu arbeiten?
      Ich kenne sie durch das einfache Leben in Berlin. Peaches ist super, sie ist die Mama der Szene und unterstützt viele Projekte. Blood Orange kenne ich, da wir gleichzeitig hierher gezogen sind. Viele Musiker, die ich nicht kannte, habe ich durch meine zwei Freunde kennengelernt, Steve Morell und Joey Hansom. Steve kennt die ältere Musikszene und Joey die jüngere, das haben wir dann zusammengefügt. Der Soundtrack ist ein großer Teil des Films, ich würde ihn eigentlich fast schon als einen Musikfilm bezeichnen. Wir wurden von Filmen, in denen es nicht allzu sehr um die Dramaturgie geht, sondern viel mehr um die Musik und Ästhetik, beeinflusst. 

      In dem Film geht es um Sex, Drogen, Party. Denkst du nicht, dass Berlin mehr zu bieten hat als das?
      Das weiß ich nicht, ich bin ja keine 20 mehr. Das war halt mein Leben, als ich hierher gezogen bin. Ich weiß nicht, was momentan in der Szene passiert und wie wichtig das ist, aber ich bin mir sicher, dass Berlin immer noch eine sehr interessante Stadt ist, auch wenn sie vielleicht nicht mehr dasselbe bieten sollte. Eigentlich wollte ich auch viel mehr das, was ich gesehen habe, dokumentieren, anstatt das zu romantisieren.

      Hast du das Gefühl, dass man sich in einer so großen Stadt schnell einsam fühlen kann?
      Ich denke schon, dass sich Menschen in Städten schnell einsam fühlen. Ich habe einmal gelesen, dass der einsamste Ort auf der Welt New York ist. Die einsamsten Orten sind die, an denen die meisten Menschen leben und sie am reichsten sind. Ich persönlich finde nicht, dass Berlin einsam ist. Ich habe einen tollen Freundeskreis an Leuten, die spannende Sachen machen. Dieser verändert sich auch mit der Zeit, so wie sich mein Interesse verändert.

      Wie hat sich dein Interesse geändert?
      Meine Umgebung ist nun vielmehr im Bereich der Filmszene, nicht mehr so sehr die Partyszene.

      Welches Lied hörst du, wenn du nach einer Party nach Hause fährst?
      Ich liebe das Lied You You von Blood Orange. Einer der Charaktere hört den auch, als er die Party verlässt. 

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      Credits

      Text und Fotos: Tereza Mundilová

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      Themen:desire will set you free, yony leyser, kino, queer, lgbt, film, kultur, berlin

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