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      film André-Naquian Wheeler 16 März 2017

      diese filme fangen die unterschiedlichen realitäten der heutigen jugend ein

      Von der Einsamkeit durch Dating-Apps wie Grindr bis zu Neuanfängen in fremden Ländern: Wir stellen euch die neuen Werke von Newcomer-Regisseuren aus der ganzen Welt vor, die die Erfahrungen junger Erwachsener im 21. Jahrhundert darstellen und zeigen, dass Liebe keine Grenzen kennt.

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      Trotz des Potpourris an Apps, das unsere Batterien leersaugt und unsere sozialen Kontakte steuern will, ist Einsamkeit im Jahr 2017 immer noch ein hochaktuelles Thema. Warum fühlen wir uns trotzdem so einsam in einer Welt, auf der angeblich alle miteinander jederzeit verbunden sein sollen? Egal wo man auf der Welt auch lebt, wenn man jung ist, möchte man intime Beziehungen zu Menschen aufbauen, die so sind wie man selbst. Und genau dieses Verlangen versuchen die folgenden fünf Filme auf einzigartige Weise im Jahr 2017 darzustellen:

      Person to Person

      In dieser wilden und unkonventionellen Komödie geht es um das unvorhersehbare Verhalten von New Yorkern, die rein gar nichts miteinander zu tun haben. Der Film ist eine längere Version von Dustin Guy Defas gleichnamigen Kurzfilm aus dem Jahr 2014 und handelt von Revenge Porn, einen Mord und die Suche nach einer seltenen Jazz-Platte. Mit dabei ist wieder Bene Coppersmith, ein Freund von Defa. Der Cast kann sich generell sehen lassen: Abbi Jacobson spielt eine Journalistin, deren neuer Job von Tag eins an turbulent ist. Michael Cera ist Abbis Heavy Metal liebender Boss und Rookie-Gründerin Tavi Gevinson übernimmt die Rolle einer Schülerin, die sich langsam von ihrer besten Freundin entfernt.

      Zwar geht es im Film um unsere chaotische Gegenwart, trotzdem schafft er es, beim Zuschauer eine Nostalgie für die Vergangenheit zu erzeugen. „Für mich geht es in dem Film viel um Verbindungen und die vielfältigen Wege, über die Menschen sich miteinander verbinden können oder wollen, aber es trotzdem nicht können.", sagt der Regisseur selbst über sein Meisterwerk. 

      The Future Perfect

      Erwachsenwerden fühlt sich manchmal wie eine einzige Anpassung an: die richtige Kleidung tragen, die richtigen Dinge sagen und immer auf dem Laufenden bleiben. So geht es zumindesten der jungen Chinesin in The Future Perfect. Sie ist frisch nach Argentinien gezogen und belegt einen Anfängerkurs für Spanisch. 

      Der Film der in Argentinien lebenden, deutschen Filmemacherin Nele Wohlatz erzählt die Geschichte von Xiaobin, die sich in der neuen Umgebung zurechtfinden will. Sie fängt eine etwas steife und unschuldige Affäre mit ihrem Mitschüler Vijay an, der gerade selbst aus Indien eingewandert ist. Als sie eine neue Zeitform für die Zukunft lernen, beginnt ihre Assimilierung erst richtig. Die Fähigkeit, über andere Zukunftsszenarien sprechen zu können, eröffnet Xiaobin neue Horizonte.

      Happy Times Will Come Soon

      In diesem italienischen Film geht es um zwei Jungen und ein Mädchen, die sich in einem verwunschenen Wald kennenlernen. Regisseur Alessandro Comodin schafft es, mit seinem realistischen, aber dennoch magischen Plot aus Zeitreisen und einer Dreiecksbeziehung einen jugendlichen Tagtraum auf die Leinwand zu projizieren. Genau das macht Happy Times Will Come Soon zu einem postmodernen Märchen.

      In der Anfangssequenz rennen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg von ihrem Bataillon weg und verstecken sich im Wald, in dem sie ihre neue Freiheit genießen. Als ein Mädchen im Italien der Gegenwart ein mysteriöses Loch in der Erde entdeckt und durchtritt, trifft sie auf die Jungs, und eine Dreiecksromanze nimmt ihren Lauf. Die Idee zu dem Projekt kam Comodin, nachdem er mit einem italienischen Weltkriegsveteran über dessen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg gesprochen hat. „Er hat über den Verlust seiner Jugend nachgedacht", erklärt Comodin. Mit seinen jungen Schauspielern ist er experimentell vorgegangen, um die rohe Schönheit dieser so wichtigen Lebensphase einzufangen. „Es gab kein Drehbuch. Sie sollten einfach so sprechen, wie sie wollen", so der Regisseur. 

      Beach Rats

      Wie Moonlight erinnert uns Eliza Hittmans Beach Rats daran, dass trotz der ganzen politischen und rechtlichen Fortschritte in Sachen LGBT-Rechte, die Leben für diejenigen, die abseits des Mainstreams stehen, ganz anders aussehen können. Dass die Geschichte ungewöhnlich ist, zeigt allein der Ort des Geschehens: das Arbeiterviertel Sheepshead Bay, der Teil von Brooklyn, der noch nicht gentrifiziert ist.

      Frankie, jung und immer in der Gefahr mit einem Bein im Gefängnis zu stehen, verbringt den Sommer damit, durch die Nachbarschaft zu ziehen, zu trinken und zu trainieren. Er hat zwar eine Freundin, sucht abends aber in Online-Chatrooms nach Sexdates mit älteren Männern. Eine Technologie, die sich im Jahr 2017 ein bisschen wie Kontaktanzeigen in der Zeitung anfühlt — veraltet. Unweigerlich fragt man sich, warum er ausgerechnet nach Spaß sucht und dafür keine Apps wie Grindr oder Scruff benutzt, die bequemer und beliebter sind. Die Antwort ist so wie Frankie selbst: ein wenig komisch. Er handelt unbedacht und erscheint widersprüchlich. Frankie ist ungeoutet und wie so viele seiner Leidensgenossen Meister darin, seine Gefühle zu unterdrücken und impulsiv zu reagieren. Und genau deswegen berührt der Film so: wir sehen die angeblich fehlende Empathie dieses jungen Machos. Doch eine Frage bleibt auch nach dem Ende offen: seine Sexualität. In einer exemplarischen Szene fragt ihn seine Freundin, ob er sie schön findet. Es ist eine dieser Fragen, die nebenbei gestellt werden und nur mit „Ja" beantwortet werden sollten. Aber aus irgendeinem Grund will Frankie sie nicht beantworten. Vermutlich, weil Frankie selbst nicht weiß, was er darauf antworten soll.

      Four Days in France

      Im Gegensatz zu Frankie ist die Hauptfigur in Four Days in France nur allzu gut mit Grindr vertraut. Nachdem Pierre eines Tages alles hinter sich lässt — darunter auch seinen Freund Paul — fährt er in seinem Alfa Romeo durch Frankreich. Als Navigation dient ihm Grindr, denn Pierre fährt dahin, wo die Männer wohnen, die er über die Dating-App kennenlernt. Währenddessen versucht ihn sein Ex-Freund durch Grindr wiederzufinden. Paul legt ein Fakeprofil nach dem Fakeprofil an und schreibt Pierre, damit er ihm seinen Aufenthaltsort verrät. In einer der emotionalsten Szenen lehnt Paul über einer Landkarte, auf der er einen 30 Kilometer-Radius ausgemacht hat, in dem sich Pierre aufhalten muss. 

      Four Days in France ist ein Film über die anonymen und oberflächlichen Beziehungen, die durch Apps wie Grindr, Gayromeo und Scruff zu einer Realität der queeren Erfahrung geworden sind. Eine Eroberung von Pierre, ein älterer Mann, seufzt: „Wir reden zu viel. Es macht nur Spaß, wenn du nichts über die andere Person weißt." Regisseur Jérome Reybaud zeigt in seinem Film einen Mann, der mit den Zwängen und der Vorhersehbarkeit erwachsener Beziehungen hadert, sich wieder treiben lassen will und Unerwartetes erleben möchte. Die Worte, die am häufigsten gewechselt werden? „Au revoir."

      Credits

      Text: André-Naquian Wheeler
      Foto: Screenshot von Vimeo aus dem Video „HAPPY TIMES WILL COME SOON (2016) by Alessandro Comodin - TRAILER“ von Richard Lormand

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      Themen:film, kultur, person to person, the future perfect, happy times will come soon, beach rats, four days in france

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