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      mix Joely Ketterer 17 Juli 2017

      evvol: music to... resonate with

      Ihre neueste musikalische Performance-Installation wird beim Pop-Kultur Festival in Berlin Premiere feiern. Mit einem exklusiven Mix stimmt uns das Duo schonmal ein und verrät, was wir von "Human Resonance" erwarten können.

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      Evvol stammt aus zwei Ecken der Welt, die ungefähr 15.000 Kilometer voneinander entfernt liegen: Jane kommt aus Australien, Julie aus Irland. Für ihr Werk Human Resonance, das auf dem Pop-Kultur Festival seine Premiere feiern wird, sollen wir zusammenrücken: es geht um die momentane Weltlage, sozial wie politisch, und die Geschichten, die daraus entstehen. Um diese zu erzählen, lösen sich die Wahl-Berlinerinnen ein wenig von ihren bisher bekannten, dunklen Synthie-Pop-Sounds. Wohin es stattdessen geht, haben sie uns im Interview erzählt. Als Einstimmung auf ihren kommenden Performance-Auftritt haben wir einen exklusiven Mix bekommen, zu dem wir schonmal vorab Zuhause tanzen können:

      Was können wir uns unter Human Resonance genau vorstellen?
      Jane: Es ist eine immersive Klang- und Bild-Performance-Installation. Auf erzählerische Weise streifen wir Themen, die sich um soziale Probleme drehen. Wir tauchen auch ein bisschen in Konzepte wie Frequenz, Vibration und Einfluss von Klang auf die Materie ein. Damit spielen wir auf eine esoterische und narrative Art.
      Julie: Wir nutzen die Musik, um das gegenwärtige soziale und politische Klima mit Themen wie Inhaftierung, Unterwerfung und Immigration zu erforschen und versuchen herauszufinden, wie man Zeiten wie diese klanglich und visuell ergründen kann.
      Jane: Wir wollten darüber nachdenken, welche Gefühle durch die Überforderung, Macht- und Hilflosigkeit, die im Moment herrscht, entstehen und wie man diese durch Musik ausdrücken kann. Dabei war uns wichtig, unsere Position als privilegierte, weiße Menschen anzuerkennen. Vieles wird in unserem Namen gemacht, wir wollen aber nicht, dass das passiert. Auch das Gefühl von Verantwortung und Schuld spielen eine Rolle.

      Was hat euch dazu inspiriert, Geschichten zu erzählen?
      Julie: Ich will immer irgendwie unsere eigenen Erfahrungen erzählen. Ich denke, persönliche Geschichten haben auf einer größeren Ebene Resonanz. Jeder kann sich mit Herzschmerz und Liebe identifizieren — und auch mit dem momentanen Zustand der Welt. Musik hat eine große Macht, Menschen auf dieser Ebene zu verbinden. Du hörst etwas in einem Song, eine Melodie oder einen Text, und denkst: Verdammt ja! Es trifft einen Nerv. 
      Jane: Ergänzend würde ich sagen, dass wir das wahrscheinlich gar nicht richtig beantworten können. Wir sehen uns dazu angehalten, Geschichten zu kreieren. Das passiert ganz natürlich. Julie kommt aus Irland, dort gibt es eine lange Tradition des Erzählens. Wahrscheinlich liegt es auch ganz einfach in ihrem Blut. Sie ist eine großartige Schriftstellerin und bringt unheimlich starke Ideen ein, wenn sie schreibt. 

      Wie klingt Human Resonance?
      Julie: Ganz anders. Es ist auf jeden Fall eine andere Richtung als das, was Evvol ist oder bisher war.
      Jane: Das Projekt ist weniger an eine Liederform gebunden, die Strukturen sind offener und progressiver. Der Sound ist atmosphärischer und klingt weniger nach einer Band. Wahrscheinlich bleibt aber der Gesang.
      Julie: Wir entfernen uns von dieser Pop-Struktur — es ist nicht mehr so geradlinig. Dazu haben wir eine ganze Reihe neuer Instrumente und technische Spielereien gekauft, die wir ausprobieren. Es wird fünf völlig unterschiedliche Stimmungen repräsentieren. Das Spannende ist jetzt, welche Form es annehmen wird.

      Wie kann Musik dazu beitragen, die sozialen und politischen Probleme zu lösen, mit denen die Welt im Moment konfrontiert ist?
      Jane: Musik kann die Probleme zwar nicht lösen, aber sie kann Menschen ermutigen, sich nicht vor ihnen zu verstecken. Ihnen die Möglichkeit geben, alles zu verarbeiten und hoffentlich dazu befähigen, etwas zu tun. Musik gibt vielen Leuten eine Stimme und bestärkt sie.
      Julie: Nehmen wir mal eine Künstlerin wie Beyoncé, die über Feminismus singt. Tausende der kleinen Mädchen, die zu ihr aufschauen, haben dieses Wort vielleicht noch nie gehört. Zwar wurde sie aus verschiedenen Gründen dafür kritisiert, aber Leute, die nie über die Idee und das Konzept von Feminismus nachgedacht haben, haben dadurch angefangen darüber nachzudenken, was er für sie bedeuten könnte. Hoffentlich sorgt es auch weiterhin dafür, dass Leute die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

      @evvol

      "Human Resonance" könnt ihr im Rahmen des Pop-Kultur Festivals am 24. August 2017 in der Kulturbrauerei in Berlin erleben. Alle Infos findest du hier.

      Credits

      Text: Joely Ketterer
      Foto: Sven Serkis

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      Themen:musik, mix, pop-kultur, berlin, evvol

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