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      meinung Bertie Brandes 14 Juli 2017

      ein girl’s guide, um in jedem foto wunderschön auszusehen

      Dabei den Nagel auf den Kopf zu treffen, ist schwierig. Aber Bertie Brandes verrät dir trotzdem wie.

      ein girl’s guide, um in jedem foto wunderschön auszusehen ein girl’s guide, um in jedem foto wunderschön auszusehen ein girl’s guide, um in jedem foto wunderschön auszusehen

      Dieser Artikel erschien zuerst auf i-D UK.

      Ich habe vor einer halben Stunde meinen Bibliotheksausweis verlängert. Dabei habe ich das Foto auf meinem alten Ausweis echt gemocht, weil ich ziemlich interessant und nachdenklich ausgesehen habe. Ausgehend von dem einen Zentimeter Hals, der zu sehen war, dachten die anderen bestimmt, dass ich fließend Französisch spreche und in Galerien performe. Die Frau, die meinen Ausweis erneuerte, hat das neue Foto ohne Vorwarnung aufgenommen. Als ich das Büro verlassen und auf mein neues Ich gestarrt habe, habe ich den Verlust meiner Jugend beweint. Dieser Zwang, permanent gut auf Fotos aussehen zu müssen, wenn man im echten Leben überhaupt nicht gut aussieht, ist ein relativ neues Phänomen. Scroll dich mal am Mutter- oder Vatertag durch deinen Insta-Feed und es scheint so, als ob in den 80ern alle Eltern deiner Freunde Jeans in Größe 27 getragen und in trendy Vierteln gewohnt haben.

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      Aber dieses naiv wirkende, fotografisch festgehaltene Charisma wurde im digitalen Zeitalter verdrängt. Heute ist es wichtig, dass jede Person auf den im Internet geposteten Fotos ständig und immer gut aussieht. Wenn wir soziale Interaktionen als Form von Arbeit verstehen, dann ist das Hochladen von einem Sexy Pic eine Möglichkeit zur Selbstvermarktung, die du dir kaum entgehen lassen darfst. Mit diesem Wissen habe ich einen kurzen Guide verfasst, der dir erklärt, wie du in jedem Selfie gut aussiehst. Sieh ihn als Victoria-Beckham-Trick für die Generation FaceTune. Alles, was du dafür brauchst, ist eine Schere, einen Klebestift, 3 leere Eierschachteln, ein Ladekabel (für das neueste Modell), Skatewear-Klamotten und eine große Handtasche. Und schon basteln wir dir im DIY-Style eine neue Seele! Noch Fragen? Los geht's.

      Dein Gesicht
      Fakt ist, dass es das Körperteil ist, das du am wenigsten verändern kannst und höchstwahrscheinlich am meisten hasst. Dein Gesicht. Dein verdammtes Gesicht. Ich weiß, wie du dich fühlst. Am besten lädst du dir eine App auf dein iPhone herunter. Erfahrene User können ihr Gesicht so weit verändern, dass ihre Gesichtshaut wie ein pelziger Pfirsich aussieht oder wie ein großer Wassertropfen, je nachdem. Alle Erkennungsmerkmale sind wie weggezaubert. Du fragst dich jetzt zu Recht: Was ist, wenn andere zufällig ihre Präsenz in den sozialen Netzwerken nutzen, um ein Foto von dir zu posten oder dich in ihrer Story zeigen? Ein Wort: Wasserzeichen. Nimm dir einfach einen hellen, wasserlöslichen Edding und schreibe den Namen deines Accounts über dein noch nicht bearbeitetes Gesicht, bis dein Gesicht ganz bedeckt ist. Du siehst einfach fantastisch aus.

      Dein Körper
      Körper, ekelhaft! Hände hoch, wer sich auch wünscht, dass wir in einer Welt leben würden, in der es nur getunte Köpfe auf einer Hängematte gibt. Bis es soweit ist, müssen wir uns um diesen Abfallhaufen von einem Körper kümmern, der dir jedes Foto versaut. Oberarme? Waden? Jedes Teil von deinem Körper, an dem es Muskeln gibt, die aber nur selten benutzt werden, wirkt so weich und fleischig? Wer braucht denn diesen Scheiß? Keiner! Eben. Ein wirklich toller Weg, um sicherzustellen, dass dein Körper die Dimensionen und Kurven hat, die du willst, ist es, ihn fast vollständig zu amputieren — und natürlich mit einer alten Bekannten zu spielen: der Perspektive. Dein Arsch hältst du sehr nah an die Linse, deine Hüfte liegt in der Küche (aber nicht dein Mund für einen kleinen Snack, ihr Schleckermäuler), deine Schultern liegen im Mülleimer und jedes Gramm zu viel entsorgst du im Mixer. Deinem Gesicht verpasst du einen Ausdruck, der sagt: Sie ruht in Frieden. 

      Deine Klamotten
      Es wird endlich einfacher! Kleidung ist ein toller Weg, um dich in Szene zu setzen und gleichzeitig von den Stellen abzulenken, die zu den weniger veränderbaren Facetten deiner physischen Existenz gehören. Ein Wort der Warnung sei an dieser Stelle jedoch angebracht: Das falsche Label auf die falsche Art und Weise getragen, schließt dich von bestimmten Style-Tribes aus. Du riskierst, dass sich weniger Menschen mit deinem Content beschäftigten. Du reduzierst den Wert des Fotos und vernichtest dein Selbstwertgefühl, deine Selbstliebe und deine Selbstachtung. Statt dein Image auf nur eine Ästhetik festzunageln, lege dir so oft einen Look zu, wie es dein Dispo erlaubt. Verändere den Look auch wieder, oder lass ihn gleich ganz bleiben. 

      Die Location
      Random eine Location zu wählen ist schon OK. Ich werde hier aber nicht schreiben, dass die Leute es damit übertreiben. Der Ort ist euer geringstes Problem, kommt mal klar!

      Freunde (Wer braucht die denn eigentlich?)
      Nur mal angenommen, wirklich nur ganz hypothetisch: All deine Freunde sind doch eigentlich fiese Schlangen, die deinen Ex-Freunden auf Instagram immer noch folgen und ihnen wahrscheinlich auch noch Direct Messages schreiben. Hinter deinem Rücken lachen sie über dich, wie abstoßend du immer auf allen Fotos aussiehst. Meine bahnbrechende Lösung für dieses Problem, das auch noch zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Ersetze in all deinen Fotos deine menschlichen Freunde, aka die fiesen Schlangen, durch echte Schlangen! Tiere verleihen Selfies eine interessante und artsy Authentizität, während der Glanz und die Struktur der Schlangenhaut deinen Aufnahmen einen Touch Mode-Nostalgie verschafft. Ich garantiere dir, dass die Leute denken werden, dass du bereits in deinem dritten Kunststudium hängst, und dabei noch nicht mal über 18 bist! Ein Platz an der Wand von Brooklyn Beckham in seinem Kinderzimmer ist dir sicher!

      Dieser kleine Guide war doch ganz hilfreich, oder? Aber mal im Ernst: Du musst nie wieder auf irgendeinem Foto im Internet zu sehen sein.

      Xoxo

      Credits

      Text: Bertie Brandes
      Foto: Still aus One Hour Photo

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      Themen:meinung, a girls guide, beauty, körperwahrnehmung, social media, bertie brandes, instagram, selfies

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