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      fashion Alexandra Bondi de Antoni 12 März 2015

      ein abend mit eckhaus latta

      Nach ihrem Screening letzte Woche in Berlin waren wir mit dem Designerduo Eckhaus Latta Kartoffelsalat essen. Es war ein Abend mit viel Bier, „How to Dress Well“-Fangirltum und Diskussionen über die Lebensqualität von New York.

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      Nach dem Launch ihrer ersten Kollektion 2012 interviewte das in Berlin lebende Cool-Kid Bianca Heuser Mike Eckhaus und Zoe Latta für ein großes deutsches Magazin, heute sitzen wir bei Kartoffelsalat, Buletten und Hintergrundmusik, die von ABBA bis zum Soundtrack von Grease alles zu bieten hat, zusammen und reden darüber, was sich nach drei Jahren und sechs Kollektionen später geändert hat. Wir befinden uns in einem kleinen, kitschig eingerichteten Lokal gleich neben der Galerie Mathew, in der Bianca arbeitet. Morgen früh fliegt das Designerduo weiter nach Paris, wo sie ihre neuesten Kreationen in einer Installation präsentieren werden. 

      Alles hat damals in der legendären Steuben Street im tiefsten Brooklyn begonnen - in einer riesengroßen Fabrikhalle, in der illegale Partys stattfanden und in Spitzenzeiten bis zu zehn Menschen nebeneinander gelebt haben. „Es war verrückt: Ich habe dort Hühner gehalten, niemand hatte auch nur ein bisschen Privatsphäre. Man hat alles gehört und es gab nur eine Dusche. Bei einer Party ist der Boden eingesackt, weil zu viele Leute da waren. Es war eine wahnsinnige und kreative Zeit", erzählt Zoe. Das Ganze fühlt sich ein bisschen wie Andy Warhols Factory an, nur etwas schmutziger, nicht so glamourös und deshalb vielleicht auch ein bisschen cooler.

      Dort haben Zoe und Mike für fast zwei Jahre zusammengelebt und dort haben sie auch viele Musiker kennengelernt. Musik ist ein wichtiger Bestandteil von jeder Eckhaus-Latta-Kollektion. Mikes Bruder zeigt sich für viele Sounds der letzten Jahre verantwortlich. Ganz besonders stolz sind Mike und Zoe auf die Zusammenarbeit mit Tom Krell aka How to dress well.

      „Du bist so ein Fangirl", lacht Mike. „Nein, überhaupt nicht. Er war bei unserer Show und so hat alles begonnen. Sicher liebe ich seine Musik, aber du weißt, was ich meine. Sag doch nicht so was", erwidert Zoe trotzig. (Sie schickten ihm ein Mixtape und er bastelte dann einen Soundtrack.) Im ganzen Gespräch necken die beiden einander ununterbrochen. Ein ganz schwieriges Thema ist New York. „In New York reden die Leute immer nur übers Essen, weil es sonst nichts Anderes gibt, was Spaß macht", meint Zoe und Mike ist erbost. Das New Yorker Leben ist ein sensibles Thema in ihrer Beziehung. Trotz der Neckereien merkt man, welch unglaubliches Vertrauen sie zueinander haben. Manchmal beenden sie ganz unbewusst den Satz des anderen. Eckhaus Latta sind jung und trotzdem sind sie alles andere als naiv. Sie wissen, was sie wollen, und arbeiten hart daran. 

      Eine große Änderung in ihrer Arbeitsweise kam mit dem Umzug von Zoe nach L.A., deshalb auch die Unstimmigkeiten wegen New York. Seit der räumlichen Trennung arbeiten sie separat voneinander, sind aber dennoch ständig in Kontakt. Sie vertrauen einander blind und sehen nur Vorteile in den getrennten Wohnsitzen. „Das beginnt schon bei Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, dass ich ein Abendmensch bin und Zoe ein Morgenmensch ist." Oft kommt es vor, dass, wenn sie sich Skizzen und Entwürfe präsentieren, sie genau dasselbe gemacht haben. So sehr denken sie als eine Person, sind eine Einheit. Sie kennen einander so gut, dass sie sich gegenseitig pushen können und wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen. Jeder Entwurf und jede Idee - egal von wem sie kommt - ist Eckhaus Latta, es gibt kein Aufwiegen oder keinen Anspruch auf Urheberschaft.

      „Verbale Kommunikation über etwas hepatisch Visuelles ist super spannend. So viele Informationen können verloren gehen, wenn man nur darüber spricht. Manchmal ergeben sich in unseren Gesprächen ganz neue Ebenen, weil einer von uns etwas falsch versteht und dann merken wir, dass es so viel besser ist", erklärt Mike die Zusammenarbeit. „Es ist auch schön, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Wir reden so viel und kommen dadurch auf die Quintessenz und auf den Kern eines Kleidungsstücks. Wie kann man etwas reduzieren, um es besser zu machen? Es ist ein anderer Arbeitsvorgang, als noch am Anfang von Eckhaus Latta. Es ist spannend und aufregend", fügt er hinzu. 

      Die nächste Runde Bier wird bestellt und die Frage nach der Inspiration wird gestellt. Wir sind uns alle einig, dass es nie eine befriedigende Antwort geben wird. Wie soll man all die Gedanken im Kopf zusammenfassen? Auch Zoe meint: „Klar, kannst du dir drei Eckpunkte ausdenken und sagen, dass das deine Inspirationen sind, aber in Wirklichkeit läuft es anders ab. Hätte man nur drei Inspirationen - wie langweilig wäre das." Die Modewelt will schnelle Mode und schnelle Antworten, Eckhaus Latta gibt ihr keines von beiden. Auch bei ihrer Kollektionsentwicklung sind sie langsam und durchdacht. Sie nehmen sich Zeit, schauen auf die alten Teile, was funktioniert hat und was nicht, und versuchen dann, das in den neuen Arbeiten umzusetzen. Deshalb kommt es schon mal vor, dass sich ein Schnitt wiederholt, jedoch immer mit neuen Materialien und immer mit einer neuen Erweiterung. Die Kollektionen sind cool, gut geschnitten und tragbar, auch wenn das Show-Styling die Teile manchmal nicht sehr alltagstauglich wirklich lässt. Das ist wiederum Teil der Eckhaus-Latta-Inszenierung, eine Mischung aus Mode mit Musik und Aspekten der Kunst, bei der alle Komponenten zu gleichen Teilen wichtig sind. Die Kollektionen stehen für eine gewisse Leichtigkeit, die man in der Mode nur selten findet.  

      „Wir wollen, dass unsere Kleidung getragen wird und nicht wie ein Objekt behandelt wird. Kleidung ist das, worin wir leben und uns wohlfühlen müssen. Klar hat jeder Stücke, auf die er aufpasst, aber dann bekommt man Kaffeeflecken auf den teuren Pullover oder man ist auf einer Party, hat nicht geplant, die neue Jacke anzuziehen, und haut sie auf den Boden. Am Ende ist sie dreckig und man merkt, wie egal es eigentlich ist. Kleidung gehört getragen. Kleidung soll nicht Objekt sein", führt Mike aus, nachdem Bianca später im Gespräch von der besonderen Beziehung zu ihrem Eckhaus Latta-Pullover erzählt, den sie noch nie gewaschen hat, obwohl er schon ziemlich schmuddelig ist und den sie wie einen Schatz behandelt. Dem Designerduo gefällt diese Geschichte sichtlich.

      Der Abend endet in der Wohnung der beiden Mittzwanziger. Ein paar Leute sind vorbeigekommen, vielen von ihnen waren auch damals in der Steuben Street mit dabei. Der Abend dauert schon viel zu lange, das Bier fließt weiter und es ist Zeit, nach Hause zu gehen. Aber was ich von dem Abend mitnehme, ist, dass es in der Mode doch Menschen gibt, die über ihr Schaffen reflektieren und sich bewusst gegen Schnelllebigkeit entscheiden, ohne dabei langsam oder von gestern zu sein. 

      Credits

      Text und Fotos: Alexandra Bondi de Antoni
      Interview: Bianca Heuser



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      Themen:fashion, eckhaus latta, fashion interview, interview, musik, how to dress well, alexandra bondi de antoni

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