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      modeinterviews i-D Staff 19 Mai 2017

      diese drei designer aus wien solltest du dir merken

      Wir haben Jana Wieland, Astrid Deigner und Ferrari Zöchling im Zuge des TAKE Festivals ein paar Fragen gestellt.

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      Fünf Tage lang machte das TAKE Festival for Independent Fashion and Arts die Alte Post in Wien zum Zentrum für zeitgenössisches Modedesign und andere kreative Disziplinen. Ziel war es, unter anderem, zu zeigen, dass die Modeträgheit der Österreicher nicht überall zutrifft und Wiener Designs ein Publikum erreicht, die Mode nicht nur als Kleidung sehen. Wir waren vor Ort und haben den Ort besucht, an dem der Stoff und die individuellen Designs mit den Models fusioniert: dem Backstagebereich. Um einen noch näheren Einblick zu bekommen, haben wir Jana Wieland, Astrid Deigner und Ferrari Zöchling ein paar Fragen gestellt.  

      Jana Wieland

      Über deine Kollektionen wird gesagt, sie seien unweiblich, weil wenig Pink und Rüschen. Nervt dich dieses Labeling?
      Wenn man mit unweiblich wenig Pink und Rüschen meint, ist das doch super.

      Was bedeutet für dich Weiblichkeit und Sexualität in der Mode?
      Für mich ist Androgynie sexy. Wenn das Wesen eines Menschen mit der getragenen Mode divergiert. Es existiert ein kollektives kulturelles Gedächtnis für die geschlechtlichen Zuordnungen in der Mode. Damit hantiere ich gerne. Aber emotional werde ich bei diesem Thema nicht.

      Wo wirst du emotional?
      Privilegierte Menschen, die faul sind, machen mich wütend. Schöne Beziehungen machen mich emotional und Musik hilft mir, generell Stimmungen zu provozieren und zu verstärken.

      Was hörst du gerade?
      Philip Glass und Joan as Police Woman, als zwei Extremwerte sozusagen.

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      Was willst du mit deinen Designs ausdrücken?
      Ich möchte Lässigkeit und Schönheit zum Anziehen machen. Ich mag die Romantik von zu großer Kleidung, vielleicht weil es den Menschen darin zarter macht. Es ist auch ungeheuerlich luxuriös, wenn etwas am Boden schleift.

      Deine Kollektion Nightfall ist düster. Was steht dahinter?
      Ich mag das Intime an der Finsternis. Wenn die Grenzen zwischen dem Ich und der Welt verrinnen, weil einen die Dunkelheit verschluckt. Das ist ein wichtiges Gefühl für mich und reicht als Ausgangspunkt für einiges.

      In deiner letzten Kollektionen sah man viel Samt. Stammt diese Vorliebe aus Kindheitserinnerungen?
      Es gibt ein Foto von meinem achtjährigen Ich in einem bauchfreien Glockenhosen-Zweiteiler aus Pannesamt in Giftgrün. Niemandem gefiel er. Ich hatte so eine Freude damit. Eine warme Erinnerung.

      Das TAKE Festival-Sujet, in dem deine Kollektionsteile verwendet wurden, beschreibst du als intim und gefühlvoll. Warum geht's dem Menschen am Ende immer um die Liebe?
      Das ist die Sinnfrage überhaupt … Vermutlich weil das die stärkste Form von Resonanz ist und Resonanz wiederum das Gegenteil von Tod.

      Machst du deine Kunst, damit sie von anderen geliebt wird oder weil du sie geil findest?
      Wenn ich sie nicht geil finde, während ich sie mache, wird ihr niemand Aufmerksamkeit schenken.

      Warum modelst du für deine Kollektionen selbst?
      Weil ich es als logisch empfinde. Ich entwerfe, worin ich mich bewegen und zeigen will. Fremde Körper gehen mit den Teilen aber oft noch schönere Symbiosen ein, das ist auch sehr spannend.

      Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeitest?
      Liebe und kochen.

      Wenn dir Arbeit und Stadt zu viel werden, verkriechst du dich in den Garten-Bereich des Augartens. Was fasziniert dich daran?
      Natur funktioniert einfach. In der Natur wird alles so wunderschön unwichtig. Diese wiederkehrenden Zyklen beruhigen mich.

      Wie würdest du die Wiener Modeszene beschreiben?
      Ganz generell tut sich da was, man spürt Tüchtigkeit in der Szene. Ich bin aber auch kein zynischer Mensch.

      Dein Plan B ist Obstbäuerin auf dem Land. Was reizt dich daran?
      Die Marmelade, der Apfelstrudel, Heugeruch und die körperliche Arbeit.

      Wie geht's jetzt nach dem TAKE Festival für dich weiter?
      Die nächste Kollektion juckt schon in den Fingern. Es soll dieses Mal auch eine für Herren entwickelt werden. Das ganze Drumherum, das nicht schnell genug gehen kann, wenn der Beruf eine Leidenschaft ist, ist ja sowieso immer da.

      Was würdest du deinem 16-jährigen Ich heute raten?
      Triff Entscheidungen aus Liebe, nicht aus Angst. 

      janawieland.at

      Astrid Deigner

      Was steht hinter deiner neuen Kollektion, die du am TAKE Festival gezeigt hast?
      Es ist meine erste Capsule Collection, nachdem ich meine Smiley-Sweater-Serie aufgebaut habe. Sie ist sozusagen eine Art Weiterführung des Gesichter-Themas, beziehungsweise ein Abstrahieren dessen.

      Wie arbeitest du?
      Mein Weg innerhalb einer Kollektion führt immer über den Bereich Schnitt. Ich überlege im Vorfeld welches Kleidungsstück ich machen möchte und wie es in etwa aussehen soll. Das Endresultat ergibt sich jedoch meist erst während der Konstruktionsphase.

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      Was willst du mit deinen Designs ausdrücken?
      Mein Ziel ist es, Kleidung zu entwerfen, die getragen wird. Speziell in dieser Kollektion ging es mir darum, das menschliche Gesicht in seine grafischen Elemente zu zerlegen und es auf das Kleidungsstück zu projizieren.

      Wie würdest du die Wiener Modeszene beschreiben?
      Sie ist zwar klein, aber mit viel Potenzial.

      Was liebst du an deinem Job?
      Kleidung zu entwerfen.

      Was würdest du deinem 16-jährigen Ich heute raten?
      Man soll sich immer treu bleiben.

      astriddeigner.com

      Ferrari Zoechling

      Wie arbeitest du?
      Vor vier Jahren habe ich FERRARI ZÖCHLING gegründet und seit Dezember 2015 betreibe ich auch den Shop in der Kirchengasse im 7. Wiener Gemeindebezirk. Im vorderen Bereich wird meine Kollektion präsentiert, im hinteren arbeite ich. Alle Schnitte und Prototypen werden von mir dort gemacht und erstellt, die ganze Produktion entsteht also in Wien. Grundsätzlich mache ich zwei Kollektionen im Jahr und kooperiere dabei mit Künstlerinnen aus meinem Umfeld. Bei der aktuellen Kollektion sind Stoff-Prints von Marianne Vlaschits mit eingeflossen.

      Was willst du mit deinen Designs sagen?
      Ich versuche, beim Designprozess immer an die Gesamtheit der Kollektion zu denken. Trotzdem ist es mir wichtig, dass die einzelnen Kleidungsstücke auch unabhängig als Einzelstücke funktionieren. Die Kleidung soll sehr angenehm auf der Haut zu tragen sein, darum arbeite ich ausschließlich mit hochwertigen Materialien. Auch bei der Schnittkonstruktion achte ich darauf, wie die Kleidung am Körper fließen soll. Ich liebe es, Kleidung vom Stoff weg mit Geschichte zu beladen, deshalb verwende ich Prints oder behandle die Oberflächen und verändere dadurch das Material. Mode soll sich nicht zu ernst nehmen, mir ist es auch wichtig, dass sie Spaß macht.

      Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeitest?
      2008 bin ich für das Modedesign-Studium in Hetzendorf nach Wien gezogen und hier geblieben. In der Stadt habe ich meine Freunde, meinen Partner und meine Firma — nicht immer, aber meistens, liebe ich Wien. Wenn ich mir länger freinehmen kann, reise ich gerne.

      Wie würdest du die Wiener Modeszene beschreiben?
      Sehr spannend und vielschichtig. Das TAKE Festival zeigt einen guten Querschnitt. Ich erlebe die Wiener Modeszene als sehr kooperativ — viele Designer anderer Labels sind gute Freunde geworden.

      Was liebst du an deinem Job am meisten?
      Mein Job ist ein bisschen wie ein Strategiespiel und das liebe ich daran. Die Herausforderungen, die jedes neue Projekt, jede Kollaboration oder Kollektion mit sich bringen, sind spannend. Die Selbstständigkeit nimmt aber auch viel Platz in meinem Leben ein und die Schattenseite ist der Zeitdruck. Man steht ständig unter Strom, das kann aber auch ein guter Motor sein.

      Was willst du 2017 noch erreichen?
      Konzeptionell arbeite ich schon an der nächsten Kollektion und daran noch besser in meiner Arbeit zu werden.

      Was würdest du deinem 16-jährigen ich heute raten?
      Vertrau deinem Bauchgefühl und bleib dran. 

      ferrarizoechling.com

      Credits

      Text: Eva Reisinger
      Fotos: Dominik Geiger

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      Themen:take festival, wien, Österreich, designer, modeinterviews, mode, fashion, interviews, fashion interview

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