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      kunst Moritz Gaudlitz 13 April 2017

      diese aufstrebenden medienkünstler aus china solltest du kennen

      In einem Land, in dem Zensur allgegenwärtig ist, lehnen sich diese jungen Kreativen gegen alte Konventionen auf.

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      Bereits 2012 hat sich der Schweizer Kurator Hans Ulrich Obrist in seiner Publikation The Future Will Be ... China auf die zeitgenössische chinesische Kunstwelt konzentriert. Noch vor ein paar Jahren blieb die Szene unter sich, doch mittlerweile öffnet sich Chinas Kunstwelt nicht nur während der Art Basel Hongkong der ganzen Welt. Chinas Kunst- und Kulturangebot ist riesig, denkt man nur an die zahlreichen Schätze der vielen Dynastien der letzten Jahrhunderte. Die zeitgenössische chinesische Kunst ist hingegen noch ziemlich jung. Neben etablierten chinesischen Künstlern, wie Ai Weiwei oder Yang Fudong, hat sich mittlerweile auch eine neue Generation chinesischer Medienkünstler internationale Aufmerksamkeit erarbeitet und Ausstellungen in großen westlichen Institutionen und Museen realisiert. Ihre Themen sind die Unterschiede des westlichen und chinesischen Internets, die Medienzensur durch die streng geregelte, kommunistische chinesische Staatsregierung und technologische Innovationen und deren Auswirkungen. Wir haben vier in Shanghai, Peking und Hongkong arbeitende, junge Medienkünstler getroffen. 

      Miao Ying

      2007 hat die Künstlerin ihre erste Arbeit zum Thema Internet veröffentlicht. Drei Monate lang recherchierte Ying damals jedes Wort, das von google.cn geblockt wurde. Ihre Arbeit The Blind Spot aus dem Jahr 2007 wurde zum eigenen Index für zensierte Wörter und war der Anfang ihrer Langzeitauseinandersetzung mit Zensur in ihrem Heimatland. Zwar kann man die Zensur in China mit IP-Blockern, sogenannten VPNs, umgehen, Miao Ying findet die Konfrontation mit der Zensur aber spannender. „In meiner Arbeit geht es um die persönliche Beziehung zur Zensur. Es ist ein bisschen wie ein Stockholm-Syndrom. Je mehr ich mich mit ihr auseinandersetze, desto mehr sympathisiere ich mit der Zensur. Ich pflege sozusagen eine romantische Beziehung mit ihr", erzählt sie. 1985 in Shanghai geboren, lebt und arbeitet Miao Ying heute zwischen New York City und Shanghai. Sie hat Electronic Integrated Arts und Neue Medienkunst in Peking studiert und kann bereits auf Ausstellungen in New York, Wien und Berlin zurückblicken. Gerade zeigt sie in Hongkong ihre Installation Landscape.gif. Eine skurrile, politische Arbeit, bestehend aus einer Sonnenliege mit Emojis, bedruckten Handtüchern und verschiedenen iPads, die amateurhafte GIFs abspielen. Das GIF ist auf der chinesischen Social-Media-Platform WeChat das meistverschickte Medium, außerdem ist es schwer zu zensieren! Und das iPad ist, wie alle anderen Apple-Devices auch, für viele Chinesen noch immer ein wichtiges Statussymbol.

      Li Liao

      Dass Apple-Geräte in China produziert werden, hat der 1982 in Shenzen geborene Künstler selbst erfahren. Li Liao hat erst bildende Kunst am Hubei Institute Of Fine Arts studiert, 2012 hat er dann für seine bisher bekannteste Arbeit Consumption in seinem Heimatort Shenzen einen Job bei Foxconn, einem der weltweit größten Hersteller von Elektronik- und Computerteilen, angenommen. 45 Tage lang hat er in der Fabrik an der Herstellung von iPads gearbeitet. So lange, bis er sich selbst ein Gerät leisten konnte. Seine Arbeitskleidung, den Mitarbeiterausweis, Arbeitsvertrag und das iPad wurden später in vielen internationalen Museen gezeigt. In der Ausstellung After Us, die gerade im K11 Art Museum in Shanghai in Zusammenarbeit mit dem New Yorker New Museum läuft, zeigt Li Liao seine Performance Unwinnable Game. Betritt man den ersten Raum der Ausstellung sieht man sechs Gamer, die alle vor Computerbildschirmen sitzend League Of Legends spielen. Li Liao hat es aber so umprogrammiert, dass man weder gewinnen noch verlieren kann. Es soll immer weitergehen, die Spieler den schlauen Computern, der artifiziellen Intelligenz ausgeliefert sein. „Es geht darum, dass man ein Teil des Spieles wird, die Realität vergisst und in die virtuelle Realität eintaucht. Das ist es doch, was im Moment sowieso überall passiert", sagt der Künstler selbst.

      Lu Yang

      Neurowissenschaften, Sterblichkeit, Religion und Gender. Das sind die Themen, die die Medienkünstlerin Lu Yang in ihren Videoarbeiten und Animationen verarbeitet. 2010 hat sie die China Academy Of Art in Huanghzou absolviert und mit ihren subversiven und aufwendig produzierten Arbeiten schnell internationale Bekanntheit erlangt. 2013 hat sie die Arbeit Uterus Man veröffentlicht, mit der sie eine gender-neutrale Figur samt Bio-Superkräften, Waffen und einem besonderen Sexualorgan erschaffen hat. Für die Videoarbeit hat die Künstlerin unter anderem mit chinesischen Musikern der Punk -und Elektroszene sowie Manga-Künstlern zusammengearbeitet. Denn Uterus Man ist in China zu einem sehr populären Produkt geworden, von dem es mittlerweile Mangas, Feature Filme, Merchandising Artikel und ein Videospiel gibt. 2015 war Lu Yang auch mit einer Arbeit im chinesischen Pavillon auf der Venedig Biennale zu sehen. Die 1979 in Peking geborene Medienkünstlerin ist am menschlichen Körper, seinen Funktionen und seiner Entität interessiert. So zerstört sie in ihrer 2015 veröffentlichten computergerenderten Videoarbeit Lu Yang Delusional Mandala auf digitale Weise ihren eigenen Körper, um ihr Kunstwerk zu erschaffen.

      Cao Fei

      Cao Fei ist wohl eine der innovativsten zeitgenössischen chinesischen Medienkünstlerinnen überhaupt. 1978 wurde sie in Guangzhou geboren und hat 2001 an der Academy Of Fine Arts ihr Kunststudium abgeschlossen. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Chinas Hauptstadt Peking und vermischt in ihrem Werk soziale und gesellschaftliche Themen sowie Urbanität und Mobilität mit stark surrealistischen Referenzen. In ihren Video-, Performance -und Virtual Reality Arbeiten untersucht sie den Alltag chinesischer Bürger, die nach der Kulturrevolution geboren und mit dem Internet aufgewachsen sind. Mitte der 2000er-Jahre setzte sich Cao Fei viel mit dem Computerspiel Second Life auseinander und schuf für ihre Installationen eigene digitale Welten und die Plattform RMB City. Für ihre Videoarbeit The Birth Of RMB City hat die Künstlerin eine Stadt in Second Life nachgebaut und fängt irgendwo zwischen Traum und Realität die rapide Entwicklung Chinas und dessen Mega-Metropolen der letzten Jahre ein. Cao Fei stellte bereits in den Londoner Serpentine Galleries und im MoMA in New York aus. In den letzten Jahren war sie außerdem auf Venedig Biennalen vertreten. Gerade arbeitet die Künstlerin an verschiedenen Virtual Reality Projekten und einem Design für das 18. BMW Art Car.

      Credits

      Text: Moritz Gaudlitz
      Foto: Screenshot von Vimeo aus dem Video „LuYang Delusional Mandala by LuYang“ von LuYang

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      Themen:kunst, kultur, china, medien, miao ying, li liao, lu yang, cao fei

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