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      film i-D Staff 17 Februar 2017

      die deutschsprachigen schauspieltalente von morgen

      Am Sonntag geht die Berlinale zu Ende. Wir haben uns für euch umgeschaut und stellen euch sieben Jungschauspieler vor, von denen ihr dieses Jahr noch viel hören und sehen werdet. Uns verraten sie, was Ruhm, Jungsein und der ganz große Durchbruch für sie bedeutet.

      Luise Befort, 20, bekannt aus der Club der roten Bänder

      Wie würdest du das Gefühl beschreiben, als du dich zum ersten Mal im Fernsehen gesehen hast?
      Eigenartig, weil man sich ja nie wirklich selbst sieht. Klar, man schaut in den Spiegel, aber wie man wirklich wirkt, wenn man verschiedene Emotionen hat, sieht man von sich aus nicht. Das mal von außen zu betrachten, ist total spannend.

      Was bedeutet Erfolg für dich?
      Erfolg ist, wenn man sich etwas vornimmt und es schafft zu meistern. Wenn man einen Traum hat und diesen verfolgt. Und wenn jeder kleine Schritt zu diesem Traum führt.

      Welches versteckte Talent hast du, neben dem für die Schauspielerei, noch?
      Ich singe total gerne, aber das gehört ja eigentlich dazu, vor allem beim Musical. Außerdem habe ich acht Jahre lang Flamenco und als Kind noch Ballett, Modern Dance und Standardtanz getanzt. Ansonsten bin ich auch sonst ziemlich schnell für viele Sachen zu begeistern.

      Was war die größte Herausforderung in deiner bisherigen Schauspielkarriere? Wie hast du sie gemeistert?
      Bei meinem letzten Projekt musste ich mit meiner Figur sehr oft Angst erzeugen, das war schon eine krasse Herausforderung. Ich bin manchmal aufgewacht und hatte schon so einen Herzschlag, weil man Tag für Tag in dieser Angst drin war. Jede Rolle ist eine neue Herausforderung und das ist es gerade, was so viel Spaß macht.

      Welche deiner Filmszene ist dir bis heute am meisten in Erinnerung geblieben?
      Der ganze Dreh zu Der Club der roten Bänder war eine reine Achterbahn der Gefühle. Die emotionalste Szene war für mich das Finale der zweiten Staffel. Wir standen zu sechst im Meer und es liefen die Tränen. Als der Take vorbei war, war es total still am Set und das ganze Team, auch das hinter der Kamera, hat mit uns geweint.

      Zweifelst du manchmal an dir?
      Ich glaube, jeder zweifelt mal daran, ob das wirklich das ist, was man für den Rest seines Lebens machen möchte und man sich zwischendurch fragt, ob das jetzt gut genug war. Das habe ich auch oft und dann stehe ich auf einmal am Set, schaue mich um und sehe diese wunderbaren Leute und denke mir, dass es das schönste Gefühl auf der Welt ist, hier zu stehen und mit diesen Leuten so etwas zu schaffen. Dann sind auch die Zweifel wie weggeblasen. 

      @lubef

      Noah Saavedra, 25, bekannt aus Egon Schiele

      Was war die größte Herausforderung für dich in deiner bisherigen Schauspielkarriere? Wie hast du sie gemeistert?
      Die größte Herausforderung war eine reale historische Figur in Egon Schiele zu spielen. Gemeistert habe ich sie, indem wir uns mit dem Regisseur fast anderthalb Jahre darauf vorbereitet haben. Mit Hilfe von Aktzeichenkursen und körperlichen Übungen, um zu verstehen, wie dieser Mann vielleicht wirklich gefühlt hat und was er wohl für einer sein muss. Und mein jetziges Szenenstudium ist theatertechnisch meine größte Herausforderung. Das hat ganz viel Fleiß gekostet, sich jedes Mal wieder am Abend wieder hinzusetzen und noch einmal alles durchzugehen.

      Zweifelst du manchmal an dir? Wenn ja, wann zuletzt?
      Ich zweifle sehr viel an mir, aber ich glaube, dass es bis zu einem gewissen Grad gesund ist in diesem Beruf. Zu viel Selbstüberzeugung ist nicht gut. Ich habe oft das Gefühl, dass es andere besser machen können. Wenn ich andere Schauspieler sehe, wie sie gewisse Sätze sprechen, sehe ich natürlich deren Zweifel nicht so sehr, wie ich ihn bei mir spüre. Ich denke oft, dass das, was ich mache, so einfach ist und nicht so durchdacht oder grandios, wenn es jemand anderes macht.

      Was bedeutet Erfolg für dich?
      Wenn ich Erfolg gleichsetze mit etwas, das mich glücklich macht — im Sinne von erfolgreich für meinen Beruf sein —, dann sind das anspruchsvolle Rollen und immer eine Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Ich, das ich gerade bin. Ich versuche immer, dass man mich sieht, wie ich mich mit dieser Rolle und deren Themen auseinandersetze. Dass es eben nicht etwas wird, das jeder spielen kann. Ich finde man merkt, wenn ein Schauspieler wirklich hinter dem steht, was er sagt.

      Wie würdest du das Gefühl beschreiben, als du dich zum ersten mal auf der Kinoleinwand gesehen hast?
      Mir ist ein Wasserfall von Schweiß den Rücken runter geronnen und ich habe versucht, mich in meinen Händen zu verstecken, weil es einfach total befremdlich ist, sich so zu sehen. Weil es natürlich viele Perspektiven gibt, die man so nicht kennt.

      Auf welche Filmszene von dir bist du besonders stolz?
      Das ist eine, bei der der Regisseur findet, dass ich am schlechtesten gespielt habe. Eine ganz kurze, in der Wally, die Muse von Egon Schiele, aus dem Haus läuft und er sie noch mal für die Sitzung bezahlen möchte. Er läuft ihr nach, aber sie meint, dass Klimt schon bezahlt hätte. Die zwei Figuren führen diese Stellvertreterkonversation über das Zahlen, obwohl es um etwas ganz anderes geht — die zwei Figuren wollen sich nicht ganz loslassen. Und auf eine Tanzszene, bei der ich nicht reden musste. 

      Langston Uibel, 19, bekannt aus Freistatt

      Hast du ein Vorbild?
      In der Schauspielerei nicht, aber ich finde viele Leute sehr toll und faszinierend, die damals für die Rechte der Schwarzen gekämpft haben. Ohne diese Menschen könnte ich jetzt hier nicht sitzen und das machen, was ich gerade mache. In dem Sinne sind das natürlich Vorbilder.

      Was war die größte Herausforderung in deiner bisherigen Schauspielkarriere? Wie hast du sie gemeistert?
      Auf jeden Fall der Film Freistatt, den ich mit Hilfe von Zeit gemeistert habe. Manchmal braucht man einfach Zeit, bis man eine gewisse Rolle versteht und fühlt. Wenn man dann weiß, wie eine Rolle wortwörtlich geht, dann ist man da. Ich habe bei der Rolle einfach lange gebraucht, bis ich gemerkt habe, wer sie ist und im Endeffekt war sie auch nicht so, wie sie im Drehbuch stand. Man braucht wirklich eine gute Portion Selbstreflexion, um zu verstehen was man wirklich kann, aber wenn man davon selbst überzeugt ist, sollte man dranbleiben. Man weiß nie, ob zehn Personen sagen „Du bist schlecht" und der elfte „Du bist der beste Schauspieler der Welt". Also wirklich weitermachen, weitermachen, weitermachen.

      Welche deiner Filmszenen ist dir bis heute am meisten in Erinnerung geblieben?
      Es gibt in Freistaat eine Szene, in der wir alle eine Revolte starten, indem wir singen; ich fange damit an, bis wir alle am Ende gemeinsam singen. Das ist eine relativ starke und gefühlsechte Szene, auf die kann man schon stolz sein.

      Zweifelst du manchmal an dir?
      Es gibt immer Phasen, in denen man denkt, dass gerade nichts mehr funktioniert und Leute keine Lust mehr auf einen haben, aber am nächsten Tag kann sich das alles wieder schlagartig ändern. Daher muss man immer bei sich selbst bleiben. Eigentlich hat man ständig Selbstzweifel, aber keine tiefgründigen, sondern einfach nur im Sinne von Dinge hinterfragen, aber nicht im Sinne von „Ich mache alles falsch", weil man macht immer alles falsch. 

      @langstonuibel

      Louis Hofmann, 19, bekannt aus Unter dem Sand

      Wie würdest du das Gefühl beschreiben, als du dich zum ersten Mal auf der Kinoleinwand gesehen hast?
      Überforderung und danach ist es auch eine Glückseligkeit, weil man sehr lange darauf wartet, dass endlich das finale Produkt herauskommt. Wenn es dann passiert, ist man einfach stolz und glücklich.

      Was bedeutet Erfolg für dich?
      Wenn man besonders stolz auf das sein kann, was man geleistet hat und Anerkennung von Gleichgesinnten aus der Branche bekommt. Und natürlich auch, wenn dem Publikum letztendlich gefällt, was man da fabriziert hat.

      Hast du ein Vorbild?
      Im deutschen Raum ist das Tom Schilling, im internationalen Eddy Redmayne und Leonardo DiCaprio.

      Auf welche Filmszene bist du besonders stolz?
      Das ist eine, die letzten Endes gar nicht im Film gelandet ist. In Unter der Sand gibt es eine Szene, in der ich eine enorme Wut beziehungsweise Kraft aufbauen soll, die ich normalerweise nicht in mir trage. Danach bin ich rausgegangen und habe angefangen, aus dem Stand zu weinen. Der Regisseur kam dann zu mir und meinte: „You know why you're crying? You went to places you've never been before". Das war für mich so besonders, weil ich gemerkt habe, dass genau das Schauspielern ausmacht: Sachen zu erleben, die man normalerweise nicht erleben würde und auch Sachen bei sich zu entdecken.

      @louishofmann

      Svenja Jung, 23, bekannt aus Fucking Berlin / Die Mitte der Welt

      Wie würdest du das Gefühl beschreiben, als du dich zum ersten Mal auf der Kinoleinwand gesehen hast?
      Das war verrückt irgendwie. Man ist ja nicht man selbst, sondern spielt eine Rolle. Auch seine eigene Stimme zu hören, weil man sich selbst ja oft ganz anders hört, ist der Wahnsinn! Es ist etwas sehr Besonderes und auch Magisches.

      Du bist selbst Anfang 20 und lebst in Berlin. Wie sehr konntest du dich mit deiner Rolle in Fucking Berlin identifizieren?
      Ich sehe schon viele Ähnlichkeiten zwischen uns. Sonja und ich sind kommen beide aus einem Dorf und sind frisch nach Berlin gekommen. Natürlich geht sie einen ganz anderen Weg, aber es ist trotzdem diese Freiheit, auch Naivität und dieses einfach Reinspringen und Machen, das uns verbindet.

      Welche deiner Filmszenen ist dir bis heute am meisten in Erinnerung geblieben?
      Es gibt in Die Mitte der Welt ein paar sehr freie Szenen, auf die ich sehr stolz bin, weil sie sehr natürlich und authentisch sind. Bei Fucking Berlin gab es wiederum eine sehr emotionale Szene, bei der ich zum Schluss zusammenbreche und meinen Freund anflehe, nicht zu gehen.

      Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
      Ich habe früher ganz viel Geschichten vertanzt. Dabei habe ich gemerkt, dass mir dieses Geschichtenerzählen wahnsinnig viel Spaß macht. Ich bin daraufhin zu einem offenen Casting gegangen, wodurch ich auch meine Agentur gefunden habe — so fing alles an.

      Zweifelst du manchmal an dir? Wenn ja, wann zuletzt?
      Man hat immer Zweifel. Ich glaube, dass ist ganz normal, egal welchen Beruf man ausübt. Gerade als Schauspieler fragt man sich: „Bin ich jetzt gut genug dafür?". Ich war jetzt längere Zeit im Urlaub und habe erst letzte Woche wieder mit dem Drehen begonnen, deshalb war alles am ersten Tag natürlich wieder komplett neu, da muss man erst wieder reinkommen.

      Was bedeutet Erfolg für dich?
      Auf das, was man gemacht hat, stolz sein zu können. Dafür Anerkennung zu bekommen und mit dem auch zufrieden und mit sich im Reinen zu sein.

      @svenjajung

      Anand Batbileg, 15, bekannt aus Tschick

      Wie würdest du das Gefühl beschreiben, als du dich zum ersten Mal auf der Kinoleinwand gesehen hast?
      Das war ein sehr komisches Gefühl. Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll. Ich habe immer die großen Schauspieler auf der Kinoleinwand gesehen und als ich mich dort selbst gesehen habe, kamen alle Erinnerungen vom Dreh hoch. Das hat mir gut gefallen!

      Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
      Das war eigentlich per Zufall. Mein Vater hat in der mongolischen Botschaft gearbeitet und eine E-Mail mit einem Castingaufruf zu Tschick bekommen, in dem sie einen Tschick gesucht haben, der mongolisch aussehen sollte. Mein Vater hat mir die E-Mail gezeigt, ich bin zum Casting gegangen und habe die Rolle tatsächlich bekommen.

      Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten zu Tschick?
      Die Szene, in der sich Tschick den Fuß verletzt, weil wir da ins kalte Wasser mussten. Es war Ende Oktober und wir mussten mindestens zehnmal rein.

      Welches versteckte Talent hast du, neben dem für die Schauspielerei, noch?
      Das muss ich erst noch herausfinden, aber ich bin ziemlich gut in Mathe. 

      @anandbatbileg

      Tristan Göbel, 14, bekannt aus Tschick

      Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
      Meine ältere Schwester wurde auf der Klassenfahrt von Scouts angesprochen. Daraufhin hat uns meine Mutter einfach alle in der Agentur angemeldet und wir haben auch sofort in einem Film mitgespielt. Das ging ganz schnell.

      Was bedeutet Erfolg für dich?
      Groß rauszukommen, aber auch auf dem Boden zu bleiben, nicht arrogant zu werden und dass die Leute einen mögen. Im Endeffekt hat man mit seinen Filmrollen ja nur Glück und wenn man sie bekommt, kann man Spaß daran haben.

      Welches versteckte Talent hast du, neben dem für die Schauspielerei, noch?
      Wir haben eine kleine Familienband zu Hause, in der ich Geige spiele und singe.

      Auf welche Filmszene von dir bist du besonders stolz?
      Am meisten ist mir die Seeszene aus Tschick in Erinnerung geblieben, aber auch die in meinem neuen Film Helle Nächte in Norwegen. Wir mussten fünf Minuten in einem elf Grad kalten See bleiben. Dort gab es auch eine Szene, in der ich meinen Vater richtig anbrüllen und alles aus mir herauslassen sollte. Danach war ich richtig zittrig. Das war auf jeden Fall ein stolzer Moment für mich.

      Wie würdest du das Gefühl beschreiben, als du dich zum ersten Mal auf der Kinoleinwand gesehen hast?
      Es ist immer komisch, weil man immer irgendwelche Filmfehler findet oder an die Zeit zurückdenkt. Bei Tschick konnte ich tatsächlich alles noch halbwegs mitsprechen und war auch nochmal in den Drehtagen drin. Das war ziemlich cool.

      @tristangöbel

      Credits

      Fotos: Oliver Blohm
      Produktion und Layout: Alexandra Bondi de Antoni
      Produktion und Interviews: Juule Kay 
      Haare & Make-up: Adrielle Santos Peukert
      Fotoassistenz: Jessica Lopez und Michael Nast

      Vielen Dank an Michael Sader, Amy Heaton und Jane Fayle.

      Besonderen Dank an The Impossible Project für den Instant Film und die Kamera. 

      T-Shirts: Uniqlo 

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      Themen:film, kultur, tschick, berlinale, newcomer, jungschauspieler, alexandra bondi de antoni

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