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      fashion Alexandra Bondi de Antoni 7 Januar 2016

      die abgänger der kunsthochschule weißensee

      Wir haben den spannendsten Abgängern der Kunsthochschule Weißensee ein paar Fragen gestellt.

      Lina Phyllis Falkner, 29

      Woher kommst du?
      Ich komme aus Bayern.

      Worum geht es in deiner Kollektion?
      Die Inspiration für die Kollektion Allerleirauh kam vom gleichnamigen Märchen und dessen psychologischem Subtext. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden; Allerleirauh trägt ihr eigenes, zukünftiges, blühendes Selbst bereits in sich, als sie sich dessen noch nicht bewusst ist. Ausgangspunkt für alle Überlegungen zur Form war die Vorstellung des aus Pelz- und Rauchwerk gefertigten, übergroßen Mantels, der mehr Tarnkappe, Behausung und Umhüllung ist als Kleidungsstück.

      Warum denkst du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat? 
      (Relativ) niedrige Lebenshaltungskosten. Heterogenes Volk. Und dass es doch noch Ungeklärtes, Unbearbeitetes, Undefiniertes und Unreglementiertes gibt.

      Wie kann man etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war?
      Ich denke, dass Kunst und auch Gestaltung dann gut sind, wenn sie zeitgenössisch sind, also sensibel etwas Aktuelles abbilden oder kommentieren. Es geht also nicht um das Neue, sondern um das Aktuelle. Da sich die Realität immer verändert, gibt es somit meiner Ansicht nach immer treffendere Abbildungen und weniger treffende. Außerdem ist alles schon dagewesen. Schlaghosen von 2015 beispielsweise unterscheiden sich fundamental von denen, die in den 70ern oder den 90ern getragen wurden.

      Was sind deine Pläne für deine Zukunft?
      Erst einmal nächstes Jahr meine Master-Kollektion präsentieren. 

      phyllisberlin.com

      Judith Bondy, 26

      Woher kommst du?
      Ursprünglich aus 1000 Berlin - Friedenau 41, lebe aber schon lange in Kreuzberg.

      Worum geht es in deiner Kollektion?
      In meiner Kollektion habe ich den Menschen und die Maschine gegenübergestellt. Interessant finde ich deren Verhältnis. Der Mensch entwickelt und bedient die Maschine, die im Endeffekt eine Erweiterung und Verlängerung seiner selbst ist. Die Maschine arbeitet rational und routiniert und bildet so einen Kontrast zum emotionalen und fehlbaren Menschen. Die Auseinandersetzung damit, was die Essenz des Menschen und das Körperliche im Gegensatz zur leblosen Maschine darstellt, ist der Ausgangspunkt für die Kollektion. Besonders die Betrachtung von Mensch und Maschine im Surrealismus hat mich beeinflusst.

      Entstanden ist eine geschlechterübergreifende Kollektion, symbolisch in den Farben Rot und Grau/ Silber mit einem besonderen Fokus auf Materialien. Strick, handgewebte und bestickte Stoffe treffen auf Kunsthaare, Digitaldruck und PVC-Schläuche.

      Warum denkst du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat?
      Für mich bedeutet Berlin die große Freiheit. Man hat die nötige Zeit und Ruhe, seine Kreativität auszuleben. Im Vergleich zu anderen großen Städten verspüre ich hier viel weniger Druck. Deshalb ist es hier auch sehr experimentell, eben weil man sich ausprobieren kann. Außerdem entsteht dauernd etwas Neues, besonders durch die Mischung aus Altberlinern, Zugezogenen, Lang- und Kurzzeittouristen. Inspiration gibt es auch an jeder Ecke. Berlin lebt von Gegensätzen, ist irgendwie schroff, kalt und direkt - aber dennoch total intensiv.

      Was sind deine Pläne für deine Zukunft?
      Ich würde gerne noch weiter lernen, am liebsten wie man Schuhe und Taschen herstellt. Nachdem ich so viele Jahre Kollektionen gemacht habe, fühlt es sich gut an, etwas kleinteiliger zu arbeiten. Es zieht mich auch wieder einmal nach London, Amsterdam und Antwerpen, wo ich studiert, gewohnt und gearbeitet habe.

      www.judithbondy.com

      Caecilia Pohl, 28

      Woher kommst du?
      Ich komme aus Dresden.

      Worum geht es in deiner Kollektion?
      Ich war im letzten Winter vier Monate auf den Philippinen und habe dort neben der Arbeit für eine NGO, mehrere Wochen lang unter sehr einfachen Bedingungen Stoffe gewebt. Es gibt eine faszinierende Vielfalt an Webtraditionen auf den Philippinen, von denen die wenigsten in Deutschland Bescheid wissen. Ich habe Materialien aus dem Norden der Philippinen (Baumwolle) aus dem Süden (Abaca) mit synthetischem Garn gemischt und einen sich ständig verändernden Stoff gewebt, den ich hinterher in meiner Kollektion verarbeitet habe. Ich wollte meinen Fokus auf das Handwerk legen, dieses aber zeitgemäß einsetzen. Entstanden ist eine Kollage, in der die Einflüsse zweier komplett unterschiedlicher Welten aufeinandertreffen. Wichtig sind dabei die Wörter „und" sowie „pendeln". Fast alle Kleidungsstücke sind variabel tragbar und bieten dem Träger eigenen Interpretationsspielraum. Da sich der Zusammenprall von Vergangenheit und Gegenwart auf den Philippinen besonders schön im eklektischen Kleidungsstil der Alten zeigt, habe ich diese bewusst zu meinen Musen gemacht.

      Was sind deine Pläne für deine Zukunft?
      Mein Traum ist es projektbasiert zu arbeiten, mit unterschiedlichen Künstlern, Designern, Handwerkern. Auch für meine Abschlusskollektion habe ich viel kollaboriert.

      Was ist so gut daran, 2015 jung zu sein?
      Alles ist möglich.

      @cefuto

      cargocollective.com/mcvp

      Ylenia Jasmine Gortana, 26

      Woher kommst du?
      Ich komme ursprünglich aus der Schweiz.

      Worum geht es in deiner Kollektion?
      Boybands, tragbare Technologie, Musik-Performance, 90er-Jahre-Interaktivität, Programmieren, tragbare Midicontroller - Neuinterpretation von Dagewesenem.

      Was sind deine Pläne für deine Zukunft?
      Ich will meinen Platz in der Modewelt finden. Da mein Blick auf ebendiese etwas kritisch ist, bedarf es einer etwas intensiveren Suche.

      yleniagortana.com

      Carine Kuntz & Alexander Gaertner

      Woher kommst du, Carine? 
      Ich komme aus der Nähe von Strasbourg, in Frankreich.

      Worum geht es in eurer Kollektion? 
      In der Kollektion geht es um Zwischenräume, physisch und metaphysisch gesehen. Metaphysisch, weil es um die Gefühle geht, die man im Zwischenraum, in Warteräumen erlebt. Was mache ich mit meinen Kleidern? Soll ich meine Jacke ausziehen? Daraus sind asymmetrische Schnitte, halb geschlossene Jacken usw. entstanden. Diese Idee, zwischen zwei Entscheidungen zu stecken, ist auch bei den Materialen zu sehen: fließend und steif, warm und kurz, glatt und faltig. Der physische Teil des Zwischenraums kommt zur Bedeutung durch die Lücken, die Strick- und Siebdruckmuster, die Makrameeknoten usw.

      Warum ist es gut, zu zweit zu arbeiten?
      Alex kommt aus dem Bereich Textildesign und ich aus der Mode. Wir sind dann ziemlich komplementär, weil wir beide andere Fähigkeiten beherrschen. Er hat ein anderes Auge für Schnitte und ich umgekehrt für Textilien. Dazu ist der Austausch von Ideen, ein direktes Feedback und die Meinung, auf jeden Fall ein Pluspunkt, auch wenn es manchmal Missverständnisse wegen der Sprache gibt.

      Was sind deine Pläne für die Zukunft?
      Ich möchte gern in der Modebranche beruflich tätig sein, aber auch in kreativen Projekten Erfahrungen sammeln.

      Und warum nicht vorher einen Master machen, vielleicht ist Alex mit dabei?
      Ich frage ihn später.

      Was ist so gut daran, 2015 jung zu sein?
      Vielleicht macht die Technologie unser Leben einfacher? Um zu reisen und um die Welt zu verbinden auf jeden Fall.

      www.carinekuntz.com

      Credits

      Text: Alexandra Bondi de Antoni 

      Bilder via Arne Ebele PR

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      Themen:fashion, newcomer, designer, berlin, weißensee, mode, fashion interview

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