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      fashion Emily Manning 29 Juli 2015

      das weltweit erste magazin von und über rothaarige

      Wir haben uns mit dem MC1R-Herausgeber unterhalten, der für Rothaarige auf der ganzen Welt eine Plattform geschaffen hat.

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      Photography Jens Kaesemann

      Steven Meisel scheint eine Menge für Rothaarige übrig zu haben. Der Kultfotograf fotografierte 1997 Karen Elson an ihrem 18. Geburtstag - in dem Jahr also, als er auch das rothaarige Model Maggie Rizer für das Cover der italienischen Vogue abgelichtet hat. Und Anfang des Jahres hat Meisel unseren Lieblingsrotschopf unter den Stars - Natalie Westling - für Pradas Frühherbst-Kampagne 2015 vor der Kamera gehabt. Doch auch wenn sie in der Modeindustrie verhältnismäßig oft anzutreffen sind, machen Rothaarige nur rund zwei Prozent der Weltbevölkerung aus, was sie praktisch überall zu einer Minderheit macht.

      Es sind ihre Seltenheit und Besonderheit, die Tristan Rodgers dazu veranlasst haben, MC1R - ein Independent-Kunst-Design-Magazin über die Kultur von Rothaarigen - herauszubringen. Das Magazin ist übrigens nach dem Gen benannt, das für die rote Haarfarbe verantwortlich zeichnet. Pünktlich zu seinen Vorbereitungen für die dritte Ausgabe haben wir uns mit dem in Hamburg lebenden Lichtdesign-Studenten (und natürlich auch Rotschopf) zusammengesetzt, um ihn zu fragen, wie er unsere Meinung über Rothaarige beeinflusst.

      Was hat dich auf die Idee gebracht, MC1R auf den Markt zu bringen?
      Es begann als Fotografieprojekt mit ein paar von meinen Freunden, die allesamt rote Haare haben. Mit der Zeit wurde das Projekt immer größer und mehr und mehr Rothaarige schlossen sich uns an. Also begann ich, ihre Geschichten zu sammeln, während wir Fotos schossen. Mein Interesse an Fotografie, Design-Konzepten, Kunst und Independent-Print-Magazinen wuchs immer weiter an, bis ich mich eines Tages aus Neugier erkundigt habe, wie viel es kosten würde, für alle bisherigen Projektteilnehmer ein Exemplar eines kleinen Magazins drucken zu lassen. Dabei stellte ich fest, dass 20 Exemplare nur unwesentlich weniger kosten würden als 500 Exemplare. Darum rief ich eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben, die genug Geld einbrachte, um 1600 Exemplare einer ersten Ausgabe drucken zu lassen.

      Wie findest du neue Stories und Motive? Was inspiriert dich?
      Ich kontaktiere einfach die Künstler, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde, wie zum Beispiel Giovanni Lipari oder Jens Kaesemann, die für die aktuelle Ausgabe das Cover geschossen und einige längere Editorials gemacht haben. Ich bekomme auch direkt von Künstlern Einsendungen. Oder mir schreiben Freunde und schlagen mir Leute vor, die sie in den sozialen Medien gesehen haben. Ich ziehe viel Inspiration aus dem Gefühl, selbst rothaarig zu sein, was mir auch einen Riecher für qualitätsvolle Arbeiten verleiht. Auch wenn die Einsendungen mal nicht so gut sind oder bereits behandelten Themen zu sehr ähneln, nehme ich mir immer die Zeit, den Künstlern zurückzuschreiben und ein Feedback zu geben. Wenn die Vorauswahl steht, bespreche ich noch mal alles mit Max Weinland, unserem Layout Editor, sowie meinen guten Freunden Patricia und Lenard, die nicht nur rote Haare haben, sondern auch sehr meinungsfreudig sind.

      Was hast du durch die Gründung deines Magazins über die Kultur der Rothaarigen gelernt?
      Eine Menge! Ich habe beispielsweise herausgefunden, dass auf der Welt gerade ein großes Netzwerk von Rothaarigen entsteht und ich jetzt Teil dieser Bewegung bin. Leute lernen sich auf Festivals für Rothaarige kennen, sie teilen ihre Erfahrungen miteinander, das Ganze ist mittlerweile ein richtiger Hype. Manche finden es paradox, sich so sehr auf das bloße Haar zu konzentrieren. Doch da man Leute über ihr Aussehen identifiziert, ist es nur logisch, dass Künstler darüber Arbeiten machen dürfen. Denn auf diese Weise gibt man ihnen auch die Möglichkeit an die Hand, sich selbst zu repräsentieren und dabei ein positives Gefühl für die Außenwelt zu schaffen. Es haben genug Menschen ein Problem mit ihrem Aussehen, und indem man genau daraus etwas Positives kreiert, kann man diesen Menschen vielleicht etwas Kraft und Zuversicht schenken.

      Wie unterscheidet sich die Kultur Rothaariger in den verschiedenen Teilen der Welt?
      Die Irish Redhead Convention ist das erste von zahlreichen Rotschopf-Festivals, die ich dieses Jahr besuchen werde. Ich bin in vielen Ländern auf eine stark ausgeprägte Kunstszene mit vielen Projekten und Events gestoßen, darunter in den USA, Großbritannien, Kanada, den Niederlanden, Südafrika, Australien, Italien, Irland, Israel und Deutschland. Auch wenn es keine riesigen Unterschiede gibt, ist mir zumindest aufgefallen, dass man in England besonders bemüht ist, das Negativimage von Rothaarigen mithilfe verschiedener Projekte zu verbessern.

      i-D-Liebling Harley Weir hat schon eine Fotoserie über Rothaarige gemacht. Welche Fotografen, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, haben sich mit demselben Motiv auf genauso spannende Weise auseinandergesetzt?
      Schon lustig. Lily Inge - ein Model aus Harleys Serie über Rothaarige und eine Freundin von mir - hat mir Harley für die kommende Ausgabe vorgeschlagen. Ich bin gerade dabei, einen Kontakt zu ihr aufzubauen. Ich hoffe also, dass sie dieses Interview liest. Ihre Arbeit ist wirklich großartig! Es gibt aber noch viele weitere großartige Fotografen, die tolle Fotoserien produziert haben. Jacky Colliss Harvey zum Beispiel hat die Geschichte von Rothaarigen nachgezeichnet. Das Buch ist erst vor wenigen Wochen auf dem Markt erschienen. Thomas Knights hat für seine Anti-Mobbing-Kampagne RED HOT - die auf sexy aussehende Männer gesetzt hat - viel Aufmerksamkeit bekommen. Das Ganze ging sogar viral. Ich mag auch Alina Asmus' 9Fashion-Serie mit Kianne. Und Michelle Marshall  hat eine der speziellsten Serien über das MC1R-Gen geschaffen. Dann wäre da auch noch Nurit Benchetrit aus Israel zu nennen, die ein Fotoshooting mit 200 Rothaarigen organisiert hat. Es ist eine echt beeindruckende Arbeit, die leider noch nie veröffentlicht wurde. Darum will ich sie in unsere nächste Ausgabe aufnehmen. Unsere aktuelle Ausgabe zeigt 20 Künstler, während es in der nächsten rund 36 internationale Geschichten, Interviews und Fotoserien geben wird. Auf der Welt gibt es so viele etablierte und aufstrebende Künstler, und genau aus diesem Grund habe ich auch das Magazin geschaffen. Es würde mich freuen, wenn ich möglichst allen eine Plattform bieten könnte.

      Was sind deine Hoffnungen für die Zukunft des Magazins?
      Ich hoffe, die Qualität des Magazins aufrechterhalten bzw. noch verbessern zu können. Natürlich hoffe ich auch, genug Leser zu finden, um das Projekt mal profitabel zu machen. Doch das ist nicht das Wichtigste. Es ist eine Herzenssache, die ich nie aufgebe werde.

      mc1r-magazine.com

      @mc1r.magazine

      Credits

      Text: Emily Manning

      Fotos: Jens Kaesemann / MC1R

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      Themen:fashion, fashion interviews, kultur, rothaarige, mc1r, interviews, jens kaesemann, zine, magazine

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