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      fotografie Bojana Kozarevic 21 April 2017

      diese fotografien zeigen, dass schönheit im detail liegt

      Im neuesten Projekt von Chad Pitman geht es um Individualität und Hoffnung. Wir geben dir nicht nur einen kleinen Einblick in seine Arbeit, sondern haben den amerikanischen Fotografen auch nach dem Stellenwert des Selfies gefragt.

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      In dem neuesten Projekt des amerikanischen Fotografen Chad Pitman geht es um Schönheit, Wahrheit und Menschen. Seine fortlaufende Fotoserie People: In Progress ist ein Kommentar zu unserer Selfie besessenen Welt. Für eine Ausstellung in der Fahey Klein Gallery in L.A. hat Pitman 50 Menschen mit einem nostalgischen, ehrlichen und wachen Auge in Szene gesetzt. Das Ergebnis verfügt über eine Anmut und eine ernstgemeinte Intimität und erinnert uns an den Wert von Individualität. Wir wollten mehr über den jungen, amerikanischen Fotografen erfahren und haben ihm deswegen ein paar Fragen über die Bedeutung von Schönheit und den Stellenwert von Selfies gestellt.

      Wann hast du gewusst, dass du Fotograf werden willst?
      Das war im Studium. Ich habe Biologie studiert und habe überlegt vielleicht meinen Doktor zu machen, aber eigentlich wollte ich in den Fotografiekurs besuchen. Ich habe dann schnell begriffen, dass der einzige Grund, warum ich auf der Universität war, der ist, dass ich diesen Fotografiekurs besuche. Ich habe mir also gedacht: „Wenn ich da nicht reinkomme, dann kann ich auch die Uni schmeißen". Und bin schließlich reingekommen, habe das Studium aber trotzdem abgebrochen und an einer anderen Uni schließlich Fotografie studiert.

      Was hat dich an der Fotografie so interessiert?
      Die Menschen. Es geht bei mir immer um Menschen. Als ich jünger war, sind wir öfter umgezogen. Also habe ich schnell gelernt, mich in einer neuen Stadt zurechtzufinden und mich unter die Leute zu mischen. Darum geht es mir in People: In Progress — um die Menschen. Ich halte mich zurück, damit es im Foto nur um sie geht.

      Glaubst du, dass sich dein Blick auf die Welt verändert hat, seit du Fotograf bist?
      Ja, das denke ich schon. Ich bin im Supermarkt und denke darüber nach, wie toll einige ältere Männer aussehen, wie sie sich auf dem Einkaufswagen abstützten und durch die Gänge schleichen. Oder ein Kind von der Straße, das cool ist, es aber noch nicht weiß. Ich habe mich deswegen immer etwas komisch gefühlt, aber jetzt weiß ich, dass ich so bin. Aber es geht mir nicht nur um Menschen — für eines meiner letzten Projekte habe ich über ein Jahr lang dasselbe Obst beobachtet.

      Du arbeitest mit vielen verschiedenen Medien: Malerei, Fotografie und Collagen. Wonach wählst du für jedes Projekt aus?
      Ich betrachte meine Arbeit wie ein Tagebuch. Jeder Teil hat etwas mit meinem Leben zu tun. Dafür bediene ich mich bei Materialen aus der Vergangenheit und Gegenwart, um neue Ideen und Kunstwerke zu schaffen, die mich interessieren.

      Wonach hast du die Leute für People: In Progress ausgesucht?
      Für das Casting habe ich mit einer Freundin von mir, Shay Nielsen, zusammengearbeitet. Wenn ich das Projekt mit einem Speer vergleichen würde, dann wäre sie die Spitze. Ohne sie wäre das alles nicht passiert. Wir haben mit 2000 Menschen angefangen und sind dann auf 50 gekommen.

      Was denkst du über Selfies?
      Die Egos haben einen Weg gefunden, um sehr groß zu werden und gleichzeitig gesellschaftsfähig zu sein. Ich verstehe sie nicht. Ich glaube aber daran, dass Akzeptanz viel mit Zugang zu tun hat. So gibt es greifbare Vorbilder für Menschen, die anders sind. Die Menschen sehen, dass sie nicht alleine sind. Man findet Hoffnung und Verständnis durch andere. Wir können alle mit unseren eigenen Augen sehen, dass es dieser Welt besser geht, wenn wir lernen, unsere Unterschiede wertzuschätzen.

      Was bedeutet Schönheit für dich?
      Schönheit ist ein Gefühl: ein Song, ein Ort, eine Person oder eine Idee. Eines ist sicher: Schönheit gibt es wirklich und sie befindet sich auf dieser Erde.

      Gibt es ein Thema oder eine Muse, zu der du immer wieder zurückkehrst?
      Ich dekonstruiere Dinge. Ich breche etwas solange herunter, bis es nicht mehr erkennbar ist. In meinen nächsten Projekten gestalte ich zum Beispiel Collagen aus meinen letzten beiden Projekten. Ich komme irgendwann an ein Ende und gehe dann ein paar Schritte zurück, bis ich an einen Punkt komme, wo perfekte Harmonie herrscht.

      Wo befindet sich die Fotografie gerade?
      Das Schöne an ihr ist, dass sie so fließend ist. Das hat mich dazu gebracht, meine eigene fotografische Arbeit viel ernster zu nehmen. Was ist den Menschen am wichtigsten gerade? Bestätigung oder Kommunikation? Die Menschen benutzen Fotos mehr zur Kommunikation, als dass sie das mit Worten tun. Und die Fotos müssen dafür nicht besonders groß sein. Wie kann man also etwas Großes mit kleinen Mitteln zeigen? Fotos sind heutzutage selbstverständlicher als früher. Wenn wir alle etwas sehen können, wissen wir alle darüber Bescheid — und das bringt uns als Gesellschaft näher zusammen.

      Welchen Rat würdest du angehenden Fotografen geben?
      Experimentiert und habt Spaß. Erst wenn man Fehler macht, findet man sich selbst.

      Credits

      Text: Bojana Kozarevic
      Fotos: Chad Pitman

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      Themen:fotografie, kultur, chad pitman, people in progress, fotografienachwuchs

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