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      fashion i-D Staff 18 November 2015

      10 österreichische designer, die du kennen solltest

      Dass Wien nicht mehr nur die Hochburg der grantigen Kellner, weißen Spritzer und großen Schriftsteller ist, ist spätestens seit Roshi Porkas Sieg in Hyères vor zwei Jahren klar. Die stetig wachsende Kreativszene der österreichischen Hauptstadt beheimatet viele junge, aufstrebende Designer, die Modeklasse der Universität für Angewandte Kunst wird von niemandem Geringeren als Hussein Chalayan geführt und die Kreativen bekommen langsam die internationale Anerkennung, die ihnen zustehen. Von Streetwear bis Menswear und modernem Luxus, die Stadt an der schönen blauen Donau hat einiges zu bieten. i-D hat 10 der spannendsten Talente einen Besuch abgestattet.

      Roshi Porkar
      Roshi Porkar hat ihr Studium an der Modeklasse der Universität für Angewandte Kunst unter Bernhard Willhelm absolviert. Mit ihrer hochgepriesenen Debüt-Kollektion gewann sie 2014 den Chloé-Preis von Hyères und zeigte diese anschließen auch auf der Berliner Fashion Week.

      Was macht Wien aus? Die Wiener.
      Warum arbeitest du von Wien aus? Momentan bin ich sehr gerne hier. Ich kann hier in Ruhe arbeiten und habe meine Familie und Freunde, die mir sehr wichtig sind, um mich. Das sind wohl gleichzeitig die Vor- und Nachteile: diese Gemütlichkeit kann einen sehr schnell faul machen.
      Was sind deine Gedanken zur Wiener Modeszene und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt? Eine Modeszene gibt es hier nicht wirklich. Oder vielleicht bekomme ich sie nicht mit - kann natürlich auch sein. Es gibt auf jeden Fall ein paar sehr talentierte Menschen, die hier leben und arbeiten.
      Schnitzel oder Spritzer? Beides.
      Durch was definieren sich deine Designs? Mir ist es immer lieber, wenn das andere beurteilen. Ich habe keine eigene Handschrift und experimentiere ein wenig herum. In meinen Arbeiten existiert noch keine stilistische Kontinuität, aber das finde ich ganz okay - ich möchte mich stets weiterentwickeln.
      Du hast unter Bernhard Wilhelm & Veronique studiert. Welchen Einfluss hatten sie auf dich? Ich habe von beiden viel gelernt, auch wenn mir das erst Jahre später bewusst wurde. Sie hatten sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Stilistisch gesehen waren sie natürlich auch komplett verschieden, ihre Charaktere sowieso. Es tat gut, beide Seiten zu sehen.
      Welche Lektion hast du gelernt, die du gerne an andere weitergeben möchtest? Ich würde generell jedem empfehlen, weniger zu reden und mehr zu arbeiten.
      Was sind deine Pläne für die Zukunft? Weitermachen.

      roshiporkar.com

      Femme Maison
      Das Label wurde 2011 von Franziska Fürpass-Kermani gegründet, nachdem sie ihr Studium unter Raf Simons und Veronique Branquinho beendete. Mittlerweile arbeitet sie zusammen mit ihrem Ehemann Sia Kermani an der stetigen Weiterentwicklung des Labels. Femme Maison steht für modernen Luxus, elegantes Understatement und qualitativ hochwertige Produktion. Im Kaufhaus Galeries Lafayette in Paris kann man momentan ihre Designs erstehen. 

      Was macht Wien aus? Wien ist bodenständig und sehr charmant. Am Puls der Zeit, aber nur wenn man will.
      Warum arbeitet ihr von Wien aus? Unglaubliche Lebensqualität und zentral genug, schnell woanders zu sein.
      Schnitzel oder Spritzer? Schnitzel.
      Durch was definieren sich eure Designs? Purismus, Eleganz und Komfort. Am meisten aber über den Charakter der Trägerin.
      Welche Vorteile hat es, als Team zu arbeiten? Gegensätze.
      Was sollte man über euch unbedingt wissen? Wir haben vor zwei Monaten geheiratet und bereuen es nicht.
      Was sind eure Pläne für die Zukunft? Langsam, aber qualitativ zu wachsen.

      femme-maison.com

      Meshit 
      Hinter dem Wiener Streetwear-Label Meshit stehen die beiden Designerinnen Lena Krampf und Ida Steixner. Die beiden lernten sich bereits in der Schule kennen und beschlossen nach ihrem Abschluss, das Label zu gründen. Es folgten Kollektionen für Topshop und Kollaborationen mit diversen Streetart-Künstlern. 2014 eröffneten sie ihre eigenen Store in Wien. 

      Was macht Wien aus? In Wien sind unsere Freunde und unsere Familie. Wien ist eine kleine, übersichtliche Stadt, die trotzdem sehr viel zu bieten hat. Neben dem großen kulturellen Angebot schätzen wir sehr die Nähe zum Grünen. Außerdem mögen wir einfach die Wiener Mentalität.
      Was sind eure Gedanken zur Wiener Modeszene und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt? Die Wiener Modeszene wird immer größer und durch Förderungen und Preise unterstützt. Es gibt viele sehr gute Designer, die von hier aus selbstständig beziehungsweise im Team etwas aufbauen. Auch bei Kunden in Wien wächst das Interesse an individuellem Design. Sie wollen Kleidung, die sich von der Masse abhebt und außerdem fair produziert wird.
      Welche Vorteile hat es, als Team zu arbeiten? Man kann sich gegenseitig motivieren und die Arbeit aufteilen. Es ist spannend, zu zweit zu arbeiten, weil man unterschiedlichen Input und Ideen bekommt. Außerdem bleibt die Arbeitsmoral erhalten, wenn man weiß, dass man nicht nur für sich selbst arbeitet und es ist angenehm, sich die Verantwortung zu teilen und Entscheidungen nicht allein treffen zu müssen.
      Was sollte man über euch unbedingt wissen? Lena hat Angst vor Tauben und Hunden und Ida vor Obst und Gemüse. Kein Schmäh!
      Welche Lektion habt ihr gelernt, die ihr gerne an andere weitergeben möchtet? Fehler machen gehört dazu - genauso wie viel Ausdauer und Geduld.
      Was sind eure Pläne für die Zukunft? Eine Meshit-Basic-Linie ist im Entstehen. Bald gibt es Meshit-Unterwäsche und Homewear.

      meshit.at

      Petar Petrov
      Ein weiterer Absolvent der Modeklasse der Universität für Angewandte Kunst ist der in Wien lebende Bulgare Peter Petrov, der unter Viktor & Rolf und Raf Simons studierte. Er gründete sein Label 2005 als Menswear-Label, 2008 kam dann Womenswear hinzu. Mit seinen von der Wiener Moderne geprägten Designs konnte er sich schon weit über die Grenzen Wiens hinaus einen Namen machen.

      Warum arbeitest von Wien aus? Ich liebe Wien und wenn ich länger weg bin, weiß ich, dass Wien ein ganz besonderer Ort ist; ein Ort, an dem man das Gefühl hat, dass alles in Zeitlupe passiert. Es ist keine schnelle, hektische Stadt wie New York oder London. Das hat seine Vorteile aber auch seine Nachteile.
      Was sind deine Gedanken zur Wiener Modeszene und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt? Gibt es eine? Wenn ja, wusste ich das nicht. Also mache ich mir auch keine Gedanken darüber.
      Schnitzel oder Spritzer? Gin Tonic.
      Wenn du kein Designer wärest, was denkst du, würdest du tun? Endlos Urlaub machen.
      Was sollte man über dich unbedingt wissen? Unbedingt klingt so streng, man muss mich einfach kennenlernen oder zumindest meine Arbeit.
      Welche Lektion hast du gelernt, die du gerne an andere weitergeben möchtest? Naja, man soll sich selbst und seinen Gefühlen treu bleiben.
      Was sind deine Pläne für die Zukunft? Ich habe nie Pläne gehabt, nur Ziele! Diese sind auch mit meinem Label und deren Entwicklung verbunden.

      petarpetrov.com

      Wendy & Jim 
      Helga Ruthner und Hermann Frankhauser lernten sich 1999 auf der Universität für Angewandte Kunst kennen, wo sie unter Helmut Lang studierten. Seitdem zeigen sie ihre Mens- und Womenswear Kollektion in Paris. Nach Kollaborationen mit unter anderem Comme des Garçons, brachten sie 2013 ihren ersten Duft „Drop No. 1" heraus.  

      Was macht Wien aus? Nach banalen Maßstäben gemessen, handelt es sich um eine wahnsinnig schöne, höchst lebenswerte Stadt. Wien bedeutet uns sehr viel, es ist aber keine Modestadt.
      Warum arbeitet ihr von Wien aus? Irgendwie ist es stimmungsabhängig. Die Infrastruktur für Modedesigner ist kaum vorhanden, weder Medien noch die Kunden, die die Moden von hier in die Welt hinaustragen. Andererseits können wir in Ruhe arbeiten, besonders in den Zeiten vor den Präsentationen ist das angenehm.
      Was sind eure Gedanken zur Wiener Modeszene und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt? Es gibt hauptsächlich junge Designer, die an der Angewandten studiert haben. Die meisten gehen aber ins Ausland und arbeiten bei internationalen Modehäusern. Wenige bleiben hier.
      Schnitzel oder Spritzer? Auf jeden Fall beides! Das sind die Wiener Rituale…nach einem längeren Auslandsaufenthalt fängt man so wieder an, um sich auf das Leben hier einzuschwingen.
      Welche Vorteile hat es, als Team zu arbeiten? Dass man sich gegenseitig unterstützt und auch in den Arsch tritt. Es bedeutet auch, dass wir uns immer wieder zusammensetzen müssen, um die gemeinsame Designsprache zu schärfen. Wir sind einander die härtesten Kritiker.
      Welchen Einfluss hatte Helmut Lang auch euch? Er hat uns auf das Arbeiten im Zeitgeist fokussiert.
      Welche Lektion habt ihr gelernt, die ihr gerne an andere weitergeben möchtet? Never worry, never be sorry.
      Was sind euere Pläne für die Zukunft? Auf das Cover von i-D. :) 
      Bisheriger Höhepunkt in euerer Karriere? Die Kollaboration mit Comme des Garçons.

      wendyjim.com

      Jana Wieland 
      Jana Wieland machte 2014 ihren Bachelor an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Wien/Linz. Im Jahr 2014 wurde Janas Arbeit für den Austrian Fashion Award nominiert, außerdem hat sie schon zwei Mal die „AFA Collection Support"-Förderung der Austrian Fashion Association erhalten. Momentan arbeitet sie an ihrer neuen Kollektion. 

      Was macht Wien aus? Die Verwöhnkultur.
      Warum arbeitest du von Wien aus? Wien treibt einen nicht. In Wien treibt man. Das ist schön, aber nicht hilfreich.
      Was sind deine Gedanken zur Wiener Modeszene und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt? Langsam aber sicher verdichtet sich da was. Ich habe dennoch das Gefühl, die Wiener Modeszene spielt sich nicht in Wien ab.. Der spannende Verkauf geht immer noch ins Ausland.
      Schnitzel oder Spritzer? Spritzer!
      Durch was definieren sich deine Designs? Bequeme Eleganz.
      Was sollte man über dich wissen? Ich komme nie zu spät.
      Welche Lektion hast du gelernt, die du gerne an andere weitergeben möchtest? Wenn man wenig Zeit hat, sollte man langsamer arbeiten.
      Was sind deine Pläne für die Zukunft? Neues Lernen. Und Altes.
      Bisheriger Höhepunkt in deiner Karriere? Eine Hose an einen Fremden zu verkaufen.

      janawieland.at

      DMMJK
      Noch während ihres Studiums an der Modeklasse der Angewandten unter Bernhard Willhelm und Veronique Branquinho gründeten Emil Beindl und Markus Binder das Label DMMJK. Die erste Kollektion war ein voller Erfolg und wurde unter anderem mit dem Apolda European Design Award ausgezeichnet, außerdem arbeiteten die beiden schon für Proenza Schouler in New York.

      Was macht Wien aus? Du weißt nie, wann vor dir wieder die nächste Person im Supermarkt an der Kasse in der Warteschlange steht, die dich inspiriert. Ich bin immer wieder über die Stylingkombinationen der Wiener überrascht. Und damit meine ich nicht unbedingt die Modeinteressierten der Stadt. Vor allem gibt es in Wien viele junge Labels, die international wettbewerbsfähig und gut sind. 
      Warum arbeitet ihr von Wien aus? Markus: Die Lebensqualität von Wien ist im Vergleich zu anderen Großstädten, wie wir nach unserer Zeit in New York feststellen konnten, enorm. Unsere Muse ist Wien, in all ihren Facetten, auch wenn die Wiener ein bisschen mehr Interesse für Mode aufwenden könnten. Vor allem ist Paris, London und Mailand für uns schnell zu erreichen. Emil: Ich glaube, da kann ich für uns beide sprechen, dass uns auch die Liebe so mit Wien verbindet. Unsere Familie, Freunde, die Mentalität und auch ganz spezielle Menschen.
      Schnitzel oder Spritzer? Markus: Beides & Erdäpfelsalat. Emil: Spritzer rot.
      Welche Vorteile hat es, als Team zu arbeiten? Es kommt zu einem Diskurs. Wir sind zwei völlig unterschiedliche Menschen und sehen Dinge mit komplett anderen Augen. Dadurch wohl auch die interessante Mischung unserer Ästhetiken. 
      Was sollte man über euch unbedingt wissen? Markus: Wir sind kein Paar, auch wenn es sich wie eine Ehe anfühlt.
      Welche Lektion habt ihr gelernt, die ihr gerne an andere weitergeben möchtet? Markus: Du musst es selbst erleben, um es zu verstehen. Emil: Daran arbeite ich immer noch wirklich hart: Organisation ist super wichtig. 

      dmmjk.com

      Moto Djali 
      Moto Djali wurde erst 2013 von Alice Müller und Jennifer Mory gegründet. Das Duo arbeitet nicht nur genderneutral, sondern ihnen ist auch eine faire Produktion mit rein ökologischen Materialien wichtig. Ihre Kollektionen haben ihnen bereits die Support-Förderung der Austrian Fashion Association beschafft.

      Was macht Wien aus? Gemütlichkeit mit Schnitzel und Kaffee.
      Warum arbeitet ihr von Wien aus? Einerseits ist Wien unser privater Lebensmittelpunkt, andererseits ist die Stadt ein sehr guter Ort zum Arbeiten mit einer guten Lebensqualität. Außerdem sind die Institutionen bezüglich Design- und Kulturförderung in keiner anderen Stadt so kooperativ und subventioniert wie in Wien. Die Menschen in Wien schlafen zu viel, reagieren langsam und lehnen alles einmal grundsätzlich ab.
      Schnitzel oder Spritzer? Schnitzel.
      Welche Vorteile hat es, als Team zu arbeiten? Vier Augen sehen mehr als zwei. Gemeinsam ist man stärker als allein.
      Welche Lektion habt ihr gelernt, die ihr gerne an andere weitergeben möchtet? Die Mode ist ein Hund.
      Was sind eure Pläne für die Zukunft? $$$

      motodjali.com

      Bradaric Ohmae  
      Bradaric Ohmae sind Tanja Bradaric und Taro Ohmae. Die Kroatin und der Japaner lernten sich während ihres Studiums unter Raf Simons und Veronique Branquinho kennen. Beide arbeiteten bereits für Chloé und Balenciaga in Paris, bevor sie 2012 ihr eigenes Label gründeten, welches nicht nur Ready-to-Wear anbietet, sondern auch eine erfolgreiche Accessoires-Linie.

      Was macht Wien aus? Tradition & Moderne.
      Warum arbeitet ihr von Wien aus? Wir haben beide in Wien studiert, dann sind wir für ein Jahr nach Paris gegangen, um dort zu arbeiten. Wir haben die Möglichkeit und Unterstützung bekommen, um in Wien unser Label zu gründen. Es ist leichter, nicht von Null anfangen zu müssen. 
      Schnitzel oder Spritzer? Spritzer.
      Welche Vorteile hat es, als Team zu arbeiten? Dynamik und gegenseitige Unterstützung.
      Welche Lektion habt ihr gelernt, die ihr gerne an andere weitergeben möchtet? Höre nie auf, dich zu verbessern.
      Was sind eure Pläne für die Zukunft? Unseren eigenen Shop zu eröffnen.

      bradaric-ohmae.com

      House of the Very Islands
      House of the Very Islands stehen für ökologisch und nachhaltig produzierte Unisex-Mode. Das Label wurde 2006 unter dem vollen Namen house of the very island's club division middlesex klassenkampf but the question is where are you, now? gegründet. Ursprünglich ein Kollektiv aus vier Designern, besteht das Label in der jetzigen Form seit 2008 aus Markus Hausleitner und Karin Krapfenbauer.

      Was macht Wien aus? Viel Platz, viel Grün, die Entspanntheit der Leute. 
      Warum arbeitet ihr von Wien aus? Hier haben wir unser soziales und berufliches Netzwerk. Die Kunst- und Musikszene ist toll. Sie ist für unsere Arbeit wichtig. Nachteil ist, dass Wien abseits der Hauptschauplätze der Modeszene liegt.
      Schnitzel oder Spritzer? Spritzer.
      Welche Vorteile hat es, als Team zu arbeiten? Man hat immer einen Ansprechpartner, dem man vertraut.
      Welche Lektion habt ihr gelernt, die ihr gerne an andere weitergeben möchtet? Mode ist Teamwork.
      Was sind eure Pläne für die Zukunft? Mit Unterstützung von Departure, der Kreativagentur der Stadt Wien, arbeiten wir an einer Vertriebsoffensive.

      houseofthe.com

      Credits

      Fotos: Dominik Geiger 

      Produktion: Melina Kutelas 

      Koordination: Alexandra Bondi de Antoni 

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      Themen:fashion, fashion interview, designer, newcomer, mode, wien, roshi porkar, wendy&wim, meshit, femme maison, bradaric ohmae, moto djali, dmmjk, petar petrov, jana wieland

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