i-Dhttps://i-d.vice.com/deRSS feed for https://i-d.vice.comdeWed, 17 Oct 2018 14:24:54 +0000<![CDATA[Dein tägliches Horoskop: 17. Oktober 2018]]>https://i-d.vice.com/de/article/d3qjmy/dein-tagliches-horoskop-17-oktober-2018Wed, 17 Oct 2018 14:24:54 +0000 Waage
(23. Sept. - 22. Okt.)

Was auch immer du sagst, es wird zu dir zurückkommen. Sei daher extra vorsichtig, vor allem wenn du dich mit Menschen umgibst, die deine Zunge lockern. Du wirst sonst nicht nur anderen, sondern auch dir selbst weh tun. Worte sind mächtig – gib' Acht, wie du sie einsetzt!

Skorpion
(23. Okt. - 21. Nov.)

Du hasst es, wenn sich Menschen ihrer eigenen Verantwortung entziehen oder versuchen, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben. Bleibe deinen Ansichten treu und stelle dich heute jeglichen Vorwürfen, die dir gemacht werden!

Schütze
(22. Nov. - 21. Dez.)

Heute schaffst du es, all die Ausreden zu finden, um ja nicht zu handeln. Dabei geht es gerade um diese eine Sache, die du schon so lange machen wolltest. Jetzt oder nie: Es gibt kein Zurück mehr. Am besten lernst du etwas, indem du es einfach machst. Und zwar genau jetzt.

Widder
(22. Dez. - 19. Jan.)

Du hast alles, was du brauchst, um zu erreichen, was du wirklich willst. Der Grund, warum du nicht jeden Tag etwas völlig Neues erschaffst? Du musst mit dem ganzen Herzen bei der Sache sein. Versuche die vergangenen Verpflichtungen noch einmal Revue passieren zu lassen, um zu sehen wo dein Herz steckt. Wenn du es nicht finden kannst, solltest du schnell die Tür zum Notausgang suchen!

Wassermann
(20. Jan. - 18. Feb.)

Nichts verschafft dir einen größeren Kloß im Hals, als dich verletzlich zu zeigen. Leider musst du genau das heute... Frage dich am besten selbst, woher deine ganze Frustration und all die Ausreden kommen. Lerne, mit deinem Unbehagen umzugehen. Das tut dir gut!

Fische
(19. Feb. - 20. März)

Mit dir ist nichts falsch. Du bist weder paranoid, noch verlierst du langsam den Verstand. Du solltest dagegen lernen, welche deiner Gedanken dir etwas mitteilen wollen und wann die Angst aus dir spricht. Versuche, Tagebuch zu führen und dir Zeit für dich selbst zu nehmen. Erhole dich und deinen Geist!

Widder
(21. März - 19. April)

Du bekommst nur etwas zurück, wenn du gleichermaßen auch gibst. Sag' heute nur zu Dingen "ja", die du auch einhalten kannst. Sei ehrlich zu dir selbst und was du willst – und was du nicht willst. Das tut nicht nur dir, sondern auch deinen Mitmenschen gut!

Steinbock
(20. April 20 - 20. Mai)

Hör' auf dein Herz. Wenn es dir sagt, du sollst etwas machen, zögere nicht. Rede dir selbst Mut zu und denke an all die wundervollen Dinge, die nur so aus dir sprudeln können, wenn du dich traust!

Zwillinge
(21. Mai - 21. Juni)

Deine Gefühle haben genauso viel Bedeutung wie deine theoretischen Annahmen. Sie geben dir nicht nur wichtige Informationen, sondern stärken dich auch für den heutigen Tag. Lerne, beides zu schätzen und gib ihnen Raum, um sich auszubreiten. Nur so kann etwas Neues entstehen!

Krebs
(22. Juni - 22. Juli)

Wer bist du, wenn du dich um nichts scherst? Was machst du? Was trägst du? Wie redest du? Versuche heute, diese Attitüde aufzusetzen und schau', was passiert.

Löwe
(23. Juli - 22. August)

Du bist mehr als die Summe deiner Fehler. Sie sind nicht passiert, damit sie dich dein ganzes Leben lang heimsuchen. Sie sind passiert, damit du daraus lernen kannst. Was du daraus machst, wird dir heute sehr nützlich sein. Renne nicht vor ihnen davon!

Jungfrau
(23. August - 22. Sept.)

Was auch immer du am Leben liebst, solltest du zu deiner Priorität machen. Nicht nur heute, sondern jeden Tag. Versuche herauszufinden, was das ist. Mache es nicht zu deiner Lebensaufgabe, aber forme dein Leben drumherum und etwas Magisches wird passieren!

Jaliessa Sipress ist Astrologin, Schriftstellerin und Künstlerin.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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<![CDATA[Wie Alien Make-up unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält]]>https://i-d.vice.com/de/article/7x3dy9/alien-make-up-gegen-klassische-schoenheitsidealeWed, 17 Oct 2018 13:39:21 +0000Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich ein bisschen Rouge auf die Wangen geschmiert hat – jetzt wird der Kopf rasiert und die Augenbrauen gebleicht. Falls du kein Fan von Reptilien-Kontaktlinsen bist, kannst du dir auch ein paar zusätzliche Augen im Gesicht dazu schummeln.

Zwischen Akne-Empowerment, extremen Contouring und Face-Morphing-Funktionen haben soziale Medien eine einflussreiche Macht entwickelt. Eine Macht, die dazu beiträgt, mit obsoleten Schönheitsidealen zu brechen und die gesamte Beauty-Industrie auf den Kopf zu stellen – auch wenn Apps wie Instagram und Snapchat trotzdem eine unverkennbare Gefahr für die Psyche Heranwachsender darstellen. Man denke nur an die Whitewashing-Filter, Sexualisierung und Stereotypisierung...


Auch auf i-D: Wir haben die beiden Gründer hinter Fecal Matter getroffen


Seit einigen Jahren boomen auf Instagram eine Reihe von Accounts, die eine fremde Art von Glamour kreieren und komplexe Make-up-Looks kreieren, die ihres gleichen suchen. Fernab von der Ästhetik der Kardashian-Crew entstehen hier Gegenentwürfe zur vom Mainstream geprägten Perfektion, die viel zu häufig unerreichbar bleibt. Vor allem Künstler wie Salvia, MLMA und Aryuna faszinieren ihre stetig wachsende Community mit scheinbar endloser Kreativität. Zu den Vorreitern dieser neu entstandenen Szene gehört auch das Duo Fecal Matter, das durch ihre post-humane Schönheit bekannt geworden ist.

Emma Grace Bailey, Beauty-Redakteurin bei WGSN, verfolgt den Instagram-Trend schon lange: "Wir haben bereits im Jahr 2016 auf die Entstehung der dunklen, alienartigen Gothic-Schönheit hingewiesen", sagt Emma. "Eine Gruppe von Make-up-Künstlern begann in den sozialen Medien Aufmerksamkeit zu erregen, die sich klassische Schönheitsnormen abgeneigt zeigte." Sie hat mitverfolgt, wie sich diese Bewegung aus dem Untergrund entwickelt hat. "Der Trend wächst offensichtlich gerade auf Instagram", stimmt Dr. Ruth Adams zu, Dozentin für Kultur- und Kreativwirtschaft. "Es ist eine eindeutige Gegenreaktion auf normative Schönheitsstandards – auch wenn der Arbeitsaufwand keinesfalls geringer ist."


Schönheitsideale zu kreieren, die die Gesellschaft traditionell als hässlich oder seltsam ansieht, ist keine wirklich neue Idee – siehe die frühe Punkbewegung. "Dabei wird eine sehr positive Idee des Hässlichen vermittelt, die als legitime Alternativästhetik etabliert wurde", sagt Dr. Ruth. Goths machen es schon seit Ewigkeiten, doch auch die New Romantics und die New Yorker Hardcore-Szene liebten es, mit ästhetischen Grenzen zu brechen. Aktuellere Beispiele: Emo und K-Pop. Eine extreme Interpretation von Schönheit war schon immer ein Teil verschiedener Subkulturen. Haare und Makeup gelten dabei als Erkennungszeichen, als Zugehörigkeitssymbol zur Szene. Diese visuellen Codes dienten als Erweiterungen ihrer Subkultur. Als eine Art, die Musik zu verkörpern und den dazugehörigen Lifestyle mit der Welt zu kommunizieren.

Doch diese Bewegung ist anders: sie ist nicht mit einer bestimmten Szene verbunden. Trotzdem erforscht sie gleichermaßen, wie das eigene Selbst und gesellschaftliche Ideale vorangetrieben werden können. Heute werden Identitäten häufig im Internet geformt. Diese Subkultur braucht keine reale Existenz. Salvia, Fecal Matter und Aryuna hängen nicht zusammen ab, teilen keine Beauty-Tipps untereinander und wollen auch keine Band unterstützen. Sie kreieren keine Werke zusammen und teilen auch keine gemeinsamen Interessen. Sie existieren als Gruppe, weil wir sie als Gruppierung wahrnehmen.

Obwohl sich Steven Raj Bhaskaran und Hannah Rose Dalton, aka Fecal Matter, in gewisser Weise trotzdem als Teil einer Gemeinschaft fühlen: "Was wir tun, machen wir, um die Gesellschaft zu verändern. Wir möchten mehr Freiheit und Unvoreingenommenheit etablieren", erzählt Stephen über Facetime. "Wenn wir ähnliche Menschen sehen oder jemanden, der eine neue Definition dafür findet, was es bedeutet, normal zu sein ... dann spüren wir ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Wir kämpfen alle für dasselbe Ziel: Veränderung."

Sie brechen alle mit binären Geschlechtsvorstellungen – ein Hauptmerkmal ihres andersartigen Glamours. Für Steven ist genau das ein relevanter Aspekt, warum er aussieht, wie er eben aussieht. "Die kompromisslose Unterstützung einzigartiger Identitäten, Persönlichkeiten und Geschlechter ist so aktuelle wie noch nie", sagt Emma. "Die Künstler zeigen eindrucksvoll, wie mächtig Beauty sein kann, um dich weiterzuentwickeln und in die Person zu verwandeln, die du sein möchtest."

Aber Hannah und Steven, die ihre Looks nicht nur für Instagram kreieren, sondern auch ihren Alltag darin bestreiten, stoßen auf jede Menge Negativität und Beschimpfungen. "Es war ein sehr schwieriger Weg dorthin, wo wir gerade sind", sagt Steven weiter. "Es ist interessant, dass es jetzt zum Trend geworden ist. Als wir angefangen haben, galt es noch als hässlich und ekelhaft. Noch heute bekommen wir diese Reaktionen, aber gleichzeitig ist es faszinierend, zu sehen, wie junge Leute diese neue Perspektive anerkennen. Vielleicht waren wir ein Teil dieses Prozesses, aber jetzt liegt es nicht mehr in unseren Händen. Es ist viel größer als wir es sind.”

Dr. Ruth sieht eine Verbindung zwischen ihrem besonderen Aussehen und der Avantgarde-Kunst von Hans Bellmer, George Grosz und Otto Dix: "Sie zelebrieren die Hässlichkeit einer Unterwelt, machen sie schön und bringen sie in das allgemeine Bewusstsein. Dinge, die als beschämend angesehen oder versteckt worden wären. All das ist jetzt ein Zeichen von künstlerischem Talent und Können.”


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Für Ruth ist die Referenz zu Künstlern wie Hans Ballmer ein Spiegel für das politische Klima, in dem er und seine Kollegen arbeiteten. "Denkt man an den deutschen Modernismus, denkt man auch an den langsam aufkommenden Faschismus, der sich zu dieser Zeit etablierte. Es war eine Art Widerstand gegen Unterdrückung, Totalitarismus, gegen die auferzwungenen, normativen Verhaltensweisen. Es war ein Zeichen für die Meinungsfreiheit und gleichzeitig ein Symbol wie sehr diese eingeschränkt wurde…"

Emily stimmt diesem Gefühl zu. "In einer Welt, die ungeordneter zu sein scheint als jemals zuvor und nur von wenigen voreingenommenen Menschen geführt wird, wurde unser Verständnis von Sicherheit zerstört. Um gegen die Flut von Rassismus, Sexismus und Terrorismus zu kämpfen, bildet die junge Generation Gruppierungen, die Proteste unter ihren eigenen, ganz speziellen Bedingungen generiert.”

Genauso wie Schönheit hat sich auch die Bedeutung von dem Begriff Subkultur durch soziale Medien verändert. Kulturelle Strömungen entwickeln sich, verschwimmen miteinander, bauen aufeinander auf und verändern die Ansichten von Menschen in rasanter Geschwindigkeit. Social Media ist zu einer Ausdrucksplattform geworden, um die eigene Identität zu erforschen und politische Statements zu setzen – so wie es Subkulturen früher getan haben. Vielleicht ist diese Form der andersartigen Schönheit und ihre Relevanz so schnell verflogen, wie drei Augen blinzeln können. Vielleicht verbindet sie aber auch nur auf einem oberflächlichen Level. Doch egal für welche Variante du dich auch entscheidest: Andersartige Schönheit hat vor allem zur heutigen Zeit die Kraft, gängige Denkmuster zu durchbrechen.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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<![CDATA[Diese Dokumentation erklärt dir "das verdammt nochmal seltenste Genre"]]>https://i-d.vice.com/de/article/8xg4mx/black-black-metal-dokumentation-wim-steytlerTue, 16 Oct 2018 12:04:12 +0000Es gibt Black Metal und Black Black Metal. Die 8-minütige Dokumentation mit gleichnamigen Titel beschäftigt sich mit letzterem. Eines der Kids im Film bezeichnet die Musikrichtung sehr treffend als "das verdammt nochmal seltenste Genre". Damit steht es nicht alleine da. Der Kurzfilm Black Black Metal nimmt dich mit auf eine Reise durch die experimentelle Musikszene der südafrikanischen Township Soweto.

"In Südafrika ist Rockmusik eine wirklich große Sache und leider fast nur auf weiße Communitys beschränkt", heißt es in der Eröffnungsszene der Dokumentation von Regisseur Wim Steytler. "In Soweto hat sich eine winzige Punk- und Metalszene entwickelt, die mit kulturellen Stereotypen des Landes bricht. Das ist die neue Welle südafrikanischer Rockmusik."

Einige der Szenen im staubigen Johannesburg kommen uns bekannt vor, andere sind dagegen universell – kleine Venues, eine wilde Menge, die zwischen "Alles und nichts ist egal"-Attitüde schwankt. Die Rebellion und Leidenschaft der lokalen Musiker scheint vertraut für Punk-Fans, doch für viele andere öffnet sich in den intensiven Momenten eine neue Welt.

Ein Mädchen am Ende des Films trifft es mit folgenden Worten auf den Punkt: "Wir nutzen unsere Talente, um neue Wege zu finden, unsere Gefühle auszudrücken. Achte darauf, was die jungen Leute machen. Hör' und schau' zu. Nur so siehst du, was gerade passiert und in welche Richtung wir gehen."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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<![CDATA[Lasha Fox gibt dir einen radikalen Einblick in die queere Community Georgiens]]>https://i-d.vice.com/de/article/vbkq8d/fotograf-lasha-fox-tbilisi-queer-communityMon, 15 Oct 2018 09:57:22 +0000Tblisi ist seit einiger Zeit in aller Munde – und Fotograf Lasha Fox Tsertsvadze wird dafür sorgen, dass es auch so bleibt. Geboren und aufgewachsen in der Hauptstadt des konservativen Georgiens setzte er sich schon früh mit Themen auseinander, die die Haare eines jeden einheimischen Patriarchen zum Aufstellen bringen. Nackte Männlichkeit, Femininität, Queerness und nicht-heteronormative Lebensrealitäten bilden der Kern seiner Arbeit, die er "Queer Photography" nennt. Damit bietet er einen einmaligen Einblick in die Kreise, die fernab des homophob-geprägten Mainstreamverständnis stattfinden. Immer wieder hat die Community unter Repressionen und Gewalt zu leiden. So auch im Jahr 2013, als tausende Georgier unter physischen Ausschreitungen einen friedlichen LGBTQI+-Protest beendeten. Oder als zu Beginn dieses Jahres 500 heterosexuelle Paare öffentlich während einer Demonstration gegen Homo- und Transphobie heirateten, es aber nur eine Handvoll Prostetierende aus der LGBT-Community wagte, teilzunehmen. Dieses politische Klima sorgt dafür, dass Lasha einer der wenigen Fotografen Georgiens ist, der sich mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Aber Lasha weigert sich, Angst zu haben. "Ich wurde nie verprügelt, da die Leute mir ansehen, dass ich selbstsicher bin", sagt er. Diese Haltung zeigt sich auch in seiner Arbeit. Mit einem scharfen Blick für die Streetwear der 90er Jahre – die offensichtlich auch Demna Gvasalia zu seinen Balenciaga Kreationen inspiriert – bietet Lasha einen interessanten Einblick in die queere Szene Georgiens, die Aktivismus und "Fuck It"-Mentalität in sich verbindet.

Wann hast du realisiert, dass du deine Arbeit der queeren Repräsentation widmen möchtest?
Eigentlich fotografiere ich schon, seitdem ich 16 war – allerdings fing ich erst 2016 an mir wirklich Gedanken darüber zu machen, was ich machen wollte. Zu der Zeit war ich für acht Monate in Dänemark, um ziemlich langweilige Fotos für einen Schulkurs zu machen. Auch wenn ich noch keine Projekte in dieser Richtung gemacht hatte, kannte ich dennoch viele Leute, die daran interessiert waren (halb-)nackt für mich zu posieren. Ein Jahr später resultierte das Ganze in der Gründung von Giorgi, die erste Queer Photography Ausstellung in Georgien. So etwas hat es noch nie gegeben! Ich war mir sicher, dass es eine große Chance für mich und den Rest der Gesellschaft sein würde. Für mich ist es ok, die Person zu sein, die solche krassen Statements setzt. Ich schäme mich nicht, habe keine Angst und auch nichts zu verlieren. Niemals würde ich meine Identität verstecken – alle Leute um mich herum wissen es, was ich bin. I'm a faggot!

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"Me and My Boyfriend" Selbstporträt aus der Serie "Georgian Queer Sexuality"

Hast du mittlerweile deinen eigenen fotografischen Stil gefunden? Wie würdest du ihn beschreiben?
Das ist schwierig. Solange es die Sichtbarkeit der LGBT-Community erhöht und eine gewisse Verletzlichkeit zeigt, ist es für mich und meine Arbeit in Ordnung. Ich mache hauptsächlich Nacktporträts, aber ich fotografiere gern auch junge Leute in auffälliger Second-Hand-Kleidung. Menschen, die bunter und besonderer aussehen als der durchschnittliche Georgier. Diese Models sind häufig nicht-binär und verändern die Gesellschaft auf ihre ganz eigene Art und Weise. Viele meiner Freunde nennen mich deswegen auch einen Modedokumentarist. Ich habe ein Auge für Ästhetik, aber manchmal ist es schwierig für mich zu sehen, dass wirklich jeder Mensch schön ist.

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"Mishel on His Balcony" aus der Serie "Georgian Queer Sexuality"

Was meinst du damit?
Ich bin aufgewachsen wie jeder in Georgien: mit einem sehr maskulinen Macho-Schönheitsideal – das musste ich erst einmal aus mir herausbekommen. Vor zwei Monaten habe ich ein Selbstporträt gepostet auf dem ich Makeup trage und in der Caption geschrieben: "Ich entschuldige mich bei jedem femininen Mann, den ich jemals abgelehnt, blockiert oder ignoriert habe."

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"Self-Portrait Which Represents My Vulnerability and Strength"

Und wie wirkt sich das dann genau auf deine Arbeit als Fotograf aus?
Ich versuche Menschen dazu zu bringen, zu zeigen, wer sie wirklich sind und zu ihrem Körper und ihrer Identität zu stehen. Natürlich ist der erste Schritt dahin, dass ich mit gutem Beispiel vorangehe: mit meinen nackten Selbstporträts, aber auch wenn ich mit Makeup und leuchtend rotem Lippenstift in der U-Bahn sitze und die Reaktionen der Leute in meinen Insta-Stories zeige. Ich glaube fest daran, dass man es Menschen, die nur ein bisschen anders sind, leichter macht, wenn man selbst seine Umgebung damit schockiert, wie extrem anders man ist. Wenn die Leute mich gesehen haben und dann ein Typ vorbeikommt, der einen Ohrring trägt, werden sie sagen: "Das ist in Ordnung, ich habe schon Schlimmeres gesehen." Die Normalisierung dieser Gruppe ist unglaublich wichtig.

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"Temo in His Room With His Golden Fishes" aus der Serie "Georgian Queer Sexuality"

Was für eine Reaktion bekommst du, wenn du deine Arbeit in Georgien präsentierst?
Ich habe in meinen eigenen Kreisen ziemlich viele Fans gewonnen, aber ansonsten bekomme ich nicht viel Feedback oder Aufmerksamkeit. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Georgier von meiner Arbeit absolut angewidert sein würden, wenn sie sie jemals sehen würden... Einmal ging eines meiner Selbstporträts viral, sodass es plötzlich auch Menschen erreichte, die nicht einverstanden sind mit meiner Einstellung. Die Reaktionen darauf waren recht offensichtlich: "Das ist schrecklich", "Georgische Männer müssen maskulin sein", "Männer sollten kein Makeup tragen". Trotzdem würde ich gerne eine freundliche Unterhaltung mit jedem von ihnen beginnen. Ich würde ihnen auch nur wenige Fragen stellen. "Warum denkst du so?" "Warum ist es deine Meinung nach falsch?" "Warum bin ich deswegen weniger Mann?" "Warum beschimpfst du mich?" Sie würden nicht wissen, wie sie darauf antworten sollten, da sie damit rechnen würden, dass ich sie an den Pranger stelle.

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"Bebe on Her Balcony" aus der Serie Georgian Queer Sexuality

Hast du manchmal das Gefühl, dass dein persönlicher Stil ein Hindernis dabei ist, mehr Jobs zu bekommen?
Es kann manchmal schwierig sein, ein freiberuflicher, queerer Fotograf zu sein. In Georgien gibt es keinerlei Geld für den queeren Aktivismus, in dem ich involviert bin. Die meisten Anfragen kommen daher von Leuten außerhalb Georgiens. Dort ist das Interesse an meiner Arbeit und auch daran, sie zu kaufen, sehr viel höher als unter Einheimischen. Die erste Anfrage von einer lokalen Publikation kam erst kürzlich rein – in Berlin wurden meine Fotografien hingegen schon häufig auf beispielsweise Pornceptual oder Post Pravda gezeigt. Manchmal schlagen mich meine Freunde als Fotograf für Konferenzen vor, aber da bekomme ich so gut wie nie Rückmeldungen. Wahrscheinlich weil sie sich meinen Instagram-Account ansehen.

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"Natia" als Teil des Projekts "Don't Worry About Kids"

Wie bringst du deine Models dazu in einem so konservativen Land nackt für dich zu posieren?
Die Leute hier sind okay damit, wenn der nackte, weibliche Körper fotografiert wird, das gleiche gilt definitiv nicht für männliche Körper. Zuerst habe ich nach Models in meinem eigenen Umkreis gesucht – Menschen, die offen homosexuell, bi, queer oder einfach nur ein rebellischer Raver sind. Das erweiterte sich schnell zu Freunden von Freunden und Männern auf Grindr. Einmal ging ich zu Horooms Facebook-Gruppe [Horoom ist eine schwule Party-Reihe in Bassiani, dem größten Techno-Club in Georgien] und machte einen Post, in dem ich öffentlich nach Models suchte. Dieser Post erhielt so viel Aufmerksamkeit, dass ich sogar eine Warteliste für all die Leute erstellen musste, die von mir fotografiert werden wollten. Es ist erstaunlich, dass es die Menschen trotz der konservativen Lage so sehr genießen, schöne Aktporträts von sich selbst zu sehen. Die Leute, die ich fotografiere, sind nicht wohlhabend und haben oft nicht mal eine Perspektive, in höhere Positionen aufzusteigen – und meine Fotos könnten ihre Karriere definitiv noch mehr behindern. Das zeigt aber wieder: die georgische Jugend hat eine echte "Fuck It" -Mentalität entwickelt.

Was hält die Zukunft für Lasha Fox bereit?
Im Moment arbeite ich an einem Projekt über Schönheitsideale, positive Körperlichkeit und ältere Frauen. Vor allem aber möchte ich einfach mit dem weitermachen, was ich gerade tue, und irgendwann so gut darin sein, dass Kunden meine Queerness akzeptieren werden – sie werden mich nicht länger ignorieren können.

Und hier gibt es noch mehr Fotos von Lasha Fox: Instagram und Tumblr.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf i-D US.

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<![CDATA[Dein tägliches Horoskop: 12. Oktober 2018]]>https://i-d.vice.com/de/article/wj9kp5/horoskop-12-oktober-2018Fri, 12 Oct 2018 11:27:46 +0000 Falls du schon immer ein Buch schreiben wolltest, deinen Crush beeindrucken wolltest oder große Pläne in Angriff nehmen möchtest, ist heute dein großer Tag gekommen – die Planeten stehen auf deiner Seite.

Waage (23. Sept. - 22. Okt.)

An sich ist nichts schlecht daran, schlauer zu sein als dein Gegenüber, trotzdem musst du aufpassen, dass deine Umgebung deinen Gedanken noch folgen kann. Finde einen Weg die Lücke zwischen dem, was du weißt, und dem, wovon die anderen keinen Plan haben, zu überbrücken.

Skorpion (23. Okt. - 21. Nov.)

Du bist heute ja eine richtige Maschine! Entscheide dich trotzdem weise, worauf du den Extra-Schub Produktivität verwenden möchtest. Viele Dinge rufen heute nach deiner Aufmerksamkeit, aber du bist an der Reihe zu entscheiden, welche wirklich wichtig sind und welche dich über dich selbst hinauswachsen lassen.

Schütze (22. Nov. - 21. Dez.)

Du bist kein wirklicher Freund davon, dich in Details zu verlieren und Anweisungen zu folgen. Deswegen mache einfach deine eigenen Regeln – aber dann halt dich auch dran! Finde heraus, welche Richtung dich endlich zur Ziellinie bringen kann und bleibe dabei.

Steinbock (22. Dez. - 19. Jan.)

Inspiration bringt nur dann etwas, wenn du sie auch nutzt. Wenn du etwas siehst, hörst oder spürst, das bestimmte Reaktionen in dir auslöst, finde ein Medium mit dem du diese neu gefundene Leidenschaft ausdrücken kannst. Verschwende auch nicht nur das kleinste Bisschen deiner kreativen Energie, ok?

Wassermann (20. Jan. - 18. Feb.)

Die Freiheit des Geistes und Intellekts ist dir sehr wichtig, doch seien wir mal ehrlich, wann war das letzte Mal, dass du das auch wirklich ausgelebt hast? Finde heraus, wie deine Stimme Gehör findet und schaue, wie es andere Menschen, die dich faszinieren, geschafft haben.

Fische (19. Feb. - 20. März)

Schreiben um des Schreibens Willen hilft Gedanken zu sortieren und sie in etwas zu verwandeln, das kategorisiert und verstanden werden kann. Und vielleicht sogar auch für später verwendet werden kann. Besinne dich heute zurück auf diese Leidenschaft, dann werden deine Ideen auch gehört und deine Vision vielleicht sogar umgesetzt?

Widder (21. März - 19. April)

Mache heute unbedingt etwas, das deinen Körper und Geist sowohl vereint, als auch befreit. Ein Spaziergang im Wald, eine ausgiebige Schwimm-Session im Meer, Yoga oder Meditation helfen dabei besonders. Unser Alltag kann uns leicht aus der Balance bringen, deswegen sind solche Auszeiten essentiell für unser und besonders für dein Wohlbefinden.

Stier (20. April - 20. Mai)

Am besten funktioniert dein Verstand, wenn deine Gefühle involviert sind. Sei heute besonders vorsichtig mit deinem Körper und mit dem, was du in den Energiefeld lässt. Deine Fähigkeit dich in den Bereichen weiterzuentwickeln, die dir viel bedeuten, wird davon beeinflusst, was um dich herum passiert.

Zwillinge (21. Mai - 21. Juni)

Versuche die Balance zu finden zwischen deinem Sozialleben und Zeit für dich. Heute wirst du von beidem gleichermaßen inspiriert und mental genährt – dafür bist du aber auch schnell überfordert und ermüdet. Falls du schon Pläne gemacht hast reflektiere, ob sie tatsächlich den Zweck erfüllen werden, den du damit anstrebst.

Krebs (22. Juni - 22. Juli)

Viel zu häufig verrennst du dich in deinen Gedanken – und heute fällt dir die Realitätsflucht noch leichter als sonst. Sobald du merkst, dass du dich mental ausklinkst oder dir zu viele Sorgen über die Zukunft machst, halte dich selbst davon ab. Denn du bist hier, jetzt, in diesem Moment und hast wichtigere Dinge zu tun. Fokussiere dich genau auf diese Projekte und dein Erfolg ist garantiert.

Löwe (23. Juli - 22. Aug.)

Wenn du dich nur genug auf deine Interessen fokussierst, kannst du es weit bringen. Schon von Natur aus sind Termine und Pläne nicht so dein Ding, aber das heißt nicht, dass du sie nicht erlernen kannst, wenn du nur willst. Lasse dich auf diese Anstrengung ein und schaue, ob du dich anders fühlen wirst.

Jungfrau (23. Aug. - 22. Sept.)

Heute ist dein Tag! Verschwende ihn nicht damit, dich hinter deiner Angst zu verstecken. Je mehr du dich selbst herausforderst, desto mehr wirst du auch mit deiner Angst konfrontiert werden – aber das gehört leider dazu... Wenn du dich auf diese Angst einlässt, wirst du schon bald in der Lage sein, sie in Begeisterung umzuwandeln und diese als Antrieb zu nutzen.

Jaliessa Sipress ist Astrologin, Schriftstellerin und Künstlerin.

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<![CDATA[Ein seltener Einblick in den Alltag der "Black Panther"-Bewegung]]>https://i-d.vice.com/de/article/3km44b/stephen-shames-fotografien-alltag-black-panther-partyFri, 12 Oct 2018 09:57:44 +0000Wir schreiben das Jahr 1967. Damals war Stephen Shames erst 20 Jahre alt, als er Bobby Seale traf, Gründer der Black Panthers, der ihn bat, die täglichen Aktivitäten der Bewegung zu dokumentieren. Er war es auch, der Shames seinen einflussreichsten Mitgliedern vorstellte: Huey P. Newton, Angela Davis, Kathleen und Eldridge Cleaver, Fred Hampton und Stokely Carmichael. Sieben Jahre lang war Shames der offizielle Fotograf der politischen Organisation.


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Im Gegensatz zu anderen Fotografen, die auch die Panther dokumentierten – wie Ruth-Marion Baruch oder Pirkle Jones – gelang es Shames, in die intime Privatsphäre der Organisation einzutauchen, die der FBI-Direktor John Edgar Hoover als "die größte Bedrohung für die Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten" betrachtete. Shames Fotografien werden nun im Rahmen der Power to The People Ausstellung in Lille, im Maison Folie de Moulins ausgestellt. Wir haben uns mit ihm getroffen, um über die Widerstandsbewegung, die Relevanz seiner Dokumentation und die Mutter von 2Pac zu sprechen.

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© Stephen Shames, Steven Kasher Gallery

Wie bist du mit den Black Panthers in Berührung gekommen?
Im April 1967 gab es einen großen Aufmarsch gegen den Vietnamkrieg. Als Student an der UC Berkeley nahm ich daran teil und traf Bobby Seale. Er mochte die Fotos, die ich an diesem Tag gemacht habe und wir wurden Freunde. Er ermöglichte es mir, immer mehr Zeit mit den Black Panthers zu verbringen. Er war sozusagen mein Mentor. Zu dieser Zeit war Bobby der Leiter der Organisation, also stellte er mich allen vor. Mir war das zwar zu diesem Zeitpunkt nicht klar, aber ich war die einzige Person außerhalb der Partei, die in ihre Welt eingeladen wurde. Natürlich kann heute jeder Fotos der Black Panther auf Demonstrationen sehen, aber damals hatte niemand Zugang zum intimen Leben der verschiedenen Mitglieder der Organisation. Sieben Jahre verbrachte ich damit, die Panthers zu dokumentieren, ihren Alltag zu verewigen, wie sie sich Zuhause in der Umgebung ihrer Partner oder Kinder verhielten.

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© Stephen Shames, Steven Kasher Gallery

Hattest du damals schon das Gefühl, dass du etwas Historisches miterleben würdest oder wolltest du einfach nur Fotos von Leuten machen, die dir wichtig sind?
Als ich der Black Panther Party begegnete, war ich gerade mal 20 Jahre alt, hatte kein spezifisches Ziel und war bestimmt nicht klug genug, meinen Ansatz intellektueller zu behandeln. Die Idee war hauptsächlich zum Teil der Bewegung zu werden. Ich dachte nicht, dass diese Fotos eines Tages in Museen ausgestellt werden... Ich sah mich als einen Revolutionär mit dem Ziel, die Black Panthers von innen heraus zu zeigen. Damals, so wie es heute noch häufig der Fall ist, haben alle Medien auf systematisch Kontroversen angezettelt. Im Gegensatz zu ihnen wollte ich täglich fotografieren, was vor sich ging und zeigen, was hinter den Kulissen passiert. Sie waren sicherlich extrem engagierte Revolutionäre, aber das hat sie nicht weniger real als Menschen gemacht – sie lebten ihr Familienleben genau wie alle anderen auch.

Warum denkst du, dass es im Interesse der Panther war, ihren Alltag und ihre Zusammenkünfte fotografieren zu lassen?
Die Panthers waren keine Protestgruppe, sondern eine politische Partei, die realisierte, dass Amerika ein Kosmos ist, in dem alles von der richtigen Kommunikation abhängig ist. Sie verstanden, dass Bilder wesentlich für ihren Ruf und die Förderung ihrer Ideen sind. Rückblickend stelle ich fest, dass dies den avantgardistischen Charakter der Partei nur noch mehr hervorgehoben hat. Zu dieser Zeit organisierten sie große Versammlungen, um qualitativ hochwertiges Essen in großen Mengen an Familien und Kinder zu verteilen. Sie waren der festen Überzeugung, man könne nicht auf leerem Magen Wissen aufnehmen, deswegen waren diese Aktionen auch ein Ausdruck ihrer Grundprinzipien. Als Präsident Johnson endlich die gleichen Maßnahmen, die die Panthers schon lange zuvor ausführten, in die Politik integrierte, war die Nahrung von der Regierungsbehörde sehr viel schlechter – einige Leute verglichen den Käse sogar mit weißem Karton...

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© Stephen Shames, Steven Kasher Gallery

Du hast bereits erwähnt, dass die Medien durch ihre Berichterstattung der Bewegung großen Schaden zugefügt haben. Was war mit den Bestrebungen des FBIs, die versucht haben, die Organisation komplett zu zerstören?
Ich möchte keine Rassismuskarte spielen, aber es ist offensichtlich, dass alles getan wurde, um ein negatives Bild der Panthers zu inszenieren. Sie als eine gewalttätige Gruppe zu zeigen, die potenziell gefährlich für das Wohlergehen der Gesellschaft war. Es erklärt sich von selbst, dass das Bild eines bewaffneten schwarzen Mannes die Öffentlichkeit immer mehr schockierte, als ein weißer Mann, der auf die gleiche Weise gezeigt wird. Dabei hatten die Panthers doch nur ein Ziel: Gleichberechtigung. Um sich diesem anzunähern, standen sie um vier Uhr morgens auf, bereiteten das Frühstück für die Kinder in der Nachbarschaft vor, veröffentlichten eine Zeitung und entwarfen einen spezifischen Plan, um ihren Kampf zu führen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Bobby Seale eine Wahlkampagne in der Oakland City Hall durchgeführt hatte und mit mehr als 40% der Stimmen an zweiter Stelle stand! Er war ein sehr intelligenter Mann, der wusste, wie man die Organisation führte und Black Power auf den Weg des Triumphs brachte.

Du bist ein wenig von der Frage abgewichen ...
Ja, tut mir leid [Lacht]. Die Panther haben – wie alle Menschen oder Bewegungen, die versucht haben, wirkliche soziale Veränderungen herbeizuführen –, immer Wellen der Unzufriedenheit und des Misstrauens in der Bevölkerung erzeugt. Bestes Beispiel ist Martin Luther King: Er trat für den Frieden ein und trotzdem hassten ihn viele. Heute ist er eine Legende, doch damals lehnten die Leute seine Reden ab. Einige wollten ihn töten und waren letzten Endes auch erfolgreich. Die Panthers erlitten das gleiche Schicksal: Führende Persönlichkeiten wie Fred Hampton wurden im Schlaf ermordet. Das FBI erfand sogar das Programm COINTELPRO, das zur Neutralisierung politischer Gruppen engesetzt wurde, die als Bedrohung der Staatssicherheit wahrgenommen wurden. Leider war es keine Seltenheit, dass Panther bei Zusammenstößen mit der Polizei getötet wurden. Sie hatten nicht umsonst eine separate Unterkunft für ihre Kinder eingerichtet, damit nicht auch noch sie den vielen FBI-Angriffen zum Opfer fallen würden. Das gehörte leider auch zum Alltag der Parteimitglieder: ständig von den Behörden und ihren rassistischen Angriffen bedroht zu sein.

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© Stephen Shames, Steven Kasher Gallery

Du hast von deiner Freundschaft mit Bobby Seale erzählt. Was kannst du denn über Huey P. Newton und Angela Davis sagen?
Ich kannte Angela Davis nicht wirklich. Ich habe sie ein paar Mal fotografiert, aber sie blieb nur sechs Monate in der Black Panther Party. Danach trat sie der US Communist Party bei. Mit Huey habe ich ein bisschen mehr Zeit verbracht. Er war sehr talentiert, unglaublich intelligent und charismatisch. Es gibt schon einen Grund, warum er die Partei zusammen mit Bobby Seale geleitet hat. Ihre Stärke war es, sich mit wirklich intelligenten Menschen zu umgeben: Stokely Carmichael, George Jackson oder Fred Hampton. Wenn Huey nicht vom FBI getötet worden wäre, würden wir heute noch viel von ihm hören...

Die Black Panther Party hatte eine sehr fortschrittliche Ausrichtung. Während Frauen noch stark mit der sexistischen Ungleichheit kämpften, bekamen sie in der Partei Positionen mit hoher Verantwortung.
Leider kann ich nicht behaupten, dass Frauen das gleiche Ansehen genossen wie Männer, aber das hat auch mit dem globalen sozialen Kontext der Zeit zu tun. Auf der anderen Seite spielten sie aber eine sehr wichtige Rolle in der Partei. Die Panthers waren eine der progressivsten Bewegungen in den Vereinigten Staaten – besonders in Bezug auf die Rechte von Frauen und der LGBT-Gemeinschaft. Damals wie heute war das kein leichtes Unterfangen. Ein Großteil der Black Community in den Vereinigten Staaten geht regelmäßig zur Kirche und bleibt deswegen häufig sehr konservativ. Aber es ist offensichtlich, dass Frauen wie Kathleen Cleaver oder Ericka Huggins genug Charisma hatten, um sich neben den Männern in der Bewegung durchzusetzen.

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© Stephen Shames, Steven Kasher Gallery

Afeni Shakur war auch da, 2Pacs Mutter.
Ich hatte nur einmal das Glück sie zu treffen. Wir waren nämlich weder im selben Bundesstaat noch in derselben Abteilung. Aber sie war eine sehr engagierte Frau und stand einem guten Freund von mir, Jamal Joseph, ebenfalls ein ehemaliges Mitglied der Panthers, nahe.

Hattest du jemals das Bedürfnis deine Kamera zur Seite zu legen und eine noch wichtigere Rolle im Kampf zu übernehmen?
Alles, was ich außerhalb der Fotografie versucht habe, hatte meiner Meinung nach weniger Relevanz als die Bilder, die ich aufnehmen konnte. Ich war Teil von Bobby Seales Kampagne in der Oakland City Hall, ich marschierte gegen den Vietnamkrieg, ich war Mitglied der Berkeley Barb, einer alternativen Zeitung. Aber meine Fotos machten es leichter eine größere Aufmerksamkeit zu schaffen. Am Ende sind sie das, was bleibt.

Selbst heute, im Jahr 2018 hat man den Eindruck, dass sich die Situation für die African-American Community nicht wirklich geändert hat...
Das ist richtig. Die meisten der von den Panthers aufgeworfenen Fragen existieren heute noch. Bobby Seale hätte vielleicht gesagt, dass Black Sitcoms der Black Community geholfen hätten, von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert zu werden, aber: die Arbeitslosigkeit innerhalb der Community in den USA ist doppelt so hoch, wie die der Weißen und jedes vierte African-American Kind lebt immer noch unter der Armutsgrenze. Und Donald Trumps Präsidentschaft wird die Situation bestimmt nicht verändern... Eine Regel der Black Panther war, niemals auf jemanden zu hören, der älter ist als 30 – und Trump ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Alles, wofür er steht, alles, was er macht, sorgt für noch mehr Hass im ganzen Land.

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© Stephen Shames, Steven Kasher Gallery
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© Stephen Shames, Steven Kasher Gallery

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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<![CDATA[Dein tägliches Horoskop: 11. Oktober 2018]]>https://i-d.vice.com/de/article/bj43n5/dein-taegliches-horoskop-11-oktober-2018Thu, 11 Oct 2018 13:28:25 +0000Wenn du Geheimnisse hast, wirst du heute auf die Probe gestellt, sie für dich zu behalten. Es ist auch der richtige Zeitpunkt dafür, Anrufe entgegenzunehmen und ehrlich zu dir und deinen Mitmenschen zu sein.

Waage
(23. Sept. - 22. Okt.)

Sei heute nicht zu hart zu dir selbst, wenn es um Selbstzweifel- und kritik geht. Es muss nicht immer alles perfekt sein oder einen bestimmten Grund haben, solange es sich gut anfühlt. Bleib' dran, das Beste kommt zum Schluss!

Skorpion
(23. Okt. - 21. Nov.)

Vielleicht zeigen die Menschen heute mit dem Finger auf dich. Wenn das passiere sollte, atme kurz tief ein und aus und denke zuerst über die kurz- und langfristigen Konsequenzen deines impulsiven Handelns nach. Reue ist nicht wirklich dein Ding, also mache lieber nichts, das sie dich fühlen lässt!

Schütze
(22. Nov. - 21. Dez.)

Du verstehst Dinge auf einem philosophischen Level, für die andere nicht einmal die Worte finden. Versuche heute, einen Weg zu finden, diese Fähigkeit für dich und andere zu nutzen. Erhebe deine Stimme!

Steinbock
(22. Dez. - 19. Jan.)

Wäge erst die verschiedenen Optionen ab, bevor du heute eine Entscheidung triffst. Sie könnte nicht nur dich, sondern auch andere stark beeinflussen. Du bist ein Anführer und diese müssen durchdacht für ihre Community handeln – egal, ob diese klein oder groß ist.

Wassermann
(20. Jan. - 18. Feb.)

Nur weil du etwas ignorierst, heißt es noch lange nicht, dass es verschwindet. Zumindest nicht für immer. Du hast keine Zeit dafür, deinen Problemen aus dem Weg zu gehen. So wirst du nie erkennen, wie weit du in der Liebe, Kreativität und im Leben kommen könntest. Schau dir dein Leben an und finde heraus, wo du anfangen kannst.

Fische
(19. Feb. - 20. März)

Zu wem wirst du, wenn du in einer Krise steckst? Wie definierst du das Wort "Krise" überhaupt? Es sind harte Zeiten für dich angebrochen. Trotzdem musst du in dich hineinhorchen, wer du sein möchtest, wenn die Dinge nicht so laufen, wie du es dir vorstellst.

Widder
(21. März - 19. April)

Höre heute auf dich und deinen Körper. Du bist in einer mächtigen Position und trägst deswegen umso mehr Verantwortung. Achte darauf, dass du sie richtig einsetzt und der Verantwortung bewusst bist, die besonders heute auf deinen Schultern lastet. Dein Handeln sollte nie im Konflikt mit deinen Werten stehen!

Stier
(20. April - 20. Mai)

Du stehst heute im Konflikt zwischen dem, was dich glücklich macht und was dir gesagt wird, zu tun. Wie schaffst du es, die langweiligste Aufgabe interessant zu gestalten? Dein Umfeld hatte schon immer einen großen Einfluss auf dich. Konzentriere dich auf die Menschen und den Rhythmus um dich herum und du wirst eine Antwort darauf finden.

Zwillinge
(21. Mai - 21. Juni)

Manchmal legst du viel zu viel Wert auf die verschiedenen Möglichkeiten, die dir gegeben werden. Das kann manchmal verwirrend wirken. Die richtigen Optionen werden sich auch wie solche anfühlen. Nutze deine Intuition und du wirst sie finden!

Krebs
(22. Juni - 22. Juli)

Du kannst zwar gut mit deiner Energie umgehen, aber viele andere Menschen um dich herum nicht. Versuche, deine Begabung und Empathie heute gut einzusetzen und biete deine Hilfe an, wann immer du kannst. Nur so schaffst du es, deine Energie zu bündeln.

Löwe
(23. Juli - 22. Aug.)

Auch wenn sich der heutige Tag wie eine Niederlage anfühlt, solltest du den Kopf nicht hängen lassen. Du lernst auch aus den unschönen Momenten etwas fürs Leben, du musst dich nur damit auseinandersetzen. Das ist der einzige Weg, um etwas Positives daraus zu ziehen!

Jungfrau
(23. Aug. - 22. Sept.)

Auch wenn du dachtest, dass sich alles gerade richtig anfühlt, passt heute nicht alles so wirklich zusammen. Das Leben stellt dich mal wieder auf die Probe. Versuche nicht, aggressiv oder mit Arroganz darauf zu reagieren, sondern mit so viel Optimismus wie nur möglich. Alles hat einen Grund!

Jaliessa Sipress ist Astrologin, Schriftstellerin und Künstlerin.

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bj43n5Jaliessa SipressJack SunnuckswassermannkrebsHoroskopzwillingeFischejungfrauLöweSchützeWidderSkorpionsteinbockwaage
<![CDATA[Model Larissa Hofmann nimmt dich mit durch Berlin ]]>https://i-d.vice.com/de/article/wjyxpz/larissa-hofmann-berlin-fotostrecke-the-earthwise-issueThu, 11 Oct 2018 11:16:49 +0000
Larissa trägt einen Mantel von Yohji Yamamoto. Hemd: vintage WORLD'S END von The Contemporary Wardrobe Collection.
Jacke: Lacoste. Kleid: Valentino. Rock: JW Anderson. Ohrringe (durchgehend getragen): Georgia Kemball. Halskette (durchgehend getragen): Sophie Buhai. Socken (durchgängig getragen): Miu Miu. Schuhe (durchgängig getragen): Vintage Vivienne Westwood courtesy of Mr Steven Philip AT Rellik.
Mantel: Isabel Marant. Kleid: Versus. Kleid (darunter): Prada. Hut: Stetson von JJ Hats New York. Brosche: Gillian Horsup / Alfie's Antiques. Runde Brosche: Bunney. Handschuhe: dents.
Top: Symonds Pearmain. Kleid: Versus.
Jacke und Rock: Junya Watanabe. Hut: Stetson von JJ Hats New York. Brosche: Gillian Horsup / Alfie's Antiques. Runde Brosche: Bunneys.
Jacke und Hemd: Miu Miu.
Mantel und Kleid: Prada.
Kleid: Molly Goddard. Rock: JW Anderson.
Jacke und Pulli: Maison Margiela. Rock: JW Anderson.
Top: Chloé.
Mantel, Jacke und Rock: Calvin Klein 205W39NYC.
Larissa trägt eine Jacke von Martine Rose. Kleid: Joseph. Rock: JW Anderson.

Credits


Fotos: Angelo Pennetta
Styling: Francesca Burns

Fotografie-Assistenz: Robert Willey. Styling-Assistenz: Claudia Alexandra Sinclair und Emma Simmonds. Produktion: Alex Koryakin und Ben Miller / Art Partner. Model: Larissa Hofmann.

Dieser Artikel stammt aus unserer The Earthwise Issue, no. 353, Fall 2018.

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<![CDATA[9 Kreative über ihre persönlichen Erfahrungen mit Mental Health]]>https://i-d.vice.com/de/article/7x3m4a/9-kreative-uber-ihre-personlichen-erfahrungen-mit-mental-healthWed, 10 Oct 2018 16:25:32 +0000Jeder hat mal einen dieser Tage, an denen du aus unerklärlichen Gründen traurig bist. Wenn eine alltägliche Situation plötzlich unerträgliche Angstzustände hervorruft. Wenn dir selbst die Gesellschaft deiner Liebsten keine Ruhe bringt. Doch was ist, wenn es nicht nur diese Tage sind, sondern eine wiederkehrende Episode, ein Dauerzustand?

Die Thematik um mentale Gesundheit ist noch immer von unzähligen Ängsten, Missverständnissen und Stigmata umgeben. Leichtfertig wird mit Begriffen wie Anxiety oder Depression um sich geworfen. Hinter dem Rücken wird abfällig "Du Pussy" geflüstert. Die andere Option? Romantisieren und sich dem Sad-Boy-Movement anschließen, dessen Vorreiter wohl Goethe mit seinem Die Leiden des jungen Werther gewesen sein mag.

In diesem Ramschladen der Klischees ist etwas Essentielles Mangelware: Stimmen, die einen ehrlichen Diskurs beginnen und dieses so reale Thema in die ungeschönte Wirklichkeit holen. Selbst wenn Künstler wie Frank Ocean, Olly Alexander, Yayoi Kusama oder sogar Selena Gomez die Öffentlichkeit mit Mental Health Issues konfrontieren, ist es immer noch ein langer Weg.

Eine neue Studie zeigte, dass fast 30% der Deutschen mit psychischen Erkrankungen leben. Es ist ein erschreckendes Ergebnis, das zeigt, wie herausfordernd unsere Gegenwart ist. Doch nicht nur das, es beweist einmal mehr, dass genau jetzt die Zeit ist, längst veraltete Denkmuster über den Haufen zu werfen – und mit offenen Ohren zuzuhören:

Holly Becker, Model & Journalistin

Wann wurde das Thema Mental Health präsent für dich und wie gehst du heute damit um?
Schon früh habe ich alles hinterfragt. Ich hatte immer das Gefühl, dass unsere Umgebung als etwas Tieferes verstanden werden muss… Ich kann mich an Situationen im Kindergarten erinnern, in denen ich nicht verstehen konnte, warum manche Kinder beliebt sind und andere nicht. Es war so ungerecht, dass ich mehrere Tage am Stück wirklich traurig war. Das Thema mentale Gesundheit war für mich also immer präsent. Unsere Gesellschaft ist schnell und hart. Nichts für Menschen, die sehr sensibel sind und viel fühlen…

Was müsste sich in unserer Gesellschaft ändern, damit es leichter wird für diese Menschen?
Wir sind die Gesellschaft, wir müssen uns ändern. Daran arbeiten, wie wir miteinander und uns selbst umgehen. Wir müssen lernen, mehr Empathie zu empfinden. Wir müssen verstehen, dass psychische Gesundheit nicht das gleiche wie physische Gesundheit ist. Der Körper und Geist bilden eine Einheit und alles, was in dem einen stattfindet, manifestiert sich im anderen. Um in einer schnellen, digitalisierten Welt das Leben leben, nicht zu verlernen, müssen wir wieder auf uns selbst und aufeinander hören.

Hast du einen Tipp, wie die Psyche in so einer Welt stabil bleiben?
Für mich ist es wichtig mit mir zu arbeiten, mich kennenzulernen, mich selbst im Kontext meines Lebens wahrzunehmen und vor allem einfühlsam zu sein. Konkret bedeutet das: Wenn ich das Gefühl habe, zu versinken, gehe ich in den Wald. Wenn ich aggressiv bin, mache ich Sport. Ich versuche regelmäßig zu meditieren, was aber nichts mit Religion zu tun hat, sondern damit sich dem Nichts anzunähern. Viele Orgasmen sind auch empfehlenswert. Und sehr viel guter Rap.

@holly_olivia_maria

Rui Ho, Producer & Performer

Welche Erfahrungen hast du zu dem Thema Mental Health gesammelt?
Sowohl ich als auch viele aus meinem Freundeskreis sind von Problemen jeglicher Art betroffen. Als Musik Producer und Performer lebe und arbeite ich die meiste Zeit allein. Häufig fühle ich mich isoliert, was damit zusammenhängt, dass ich vor sechs Jahren aus einer komplett anderen Kultur, von China nach Europa gezogen bin. Angstzustände sind eine unsichtbare Bitch, die durch meine Arbeit, Immigration und mein Sozialleben bestärkt wird.

In welcher Form wirkt sich dieses Thema auf deine Arbeit aus?
Für kreative Menschen können psychische Probleme das Ergebnis ihrer Arbeit versauen. Je länger du in diesem Bereich tätig bist und je weiter du in deiner Karriere voranschreitest, desto komplexer werden auch die psychischen Probleme. In jeder Etappe meines Schaffens spüre ich verschiedene Arten von Angst. Diese Gefühle wirken sich auch auf meine Arbeitseffizienz aus.

Wie schaffst du es, wieder psychisch stabil zu werden?
Indem du auf dich selbst hörst. Es gibt nichts Wichtigeres, als dich selbst zu lieben. Versuche, dich besser kennenzulernen: Was magst du? Was hasst du? Was bewegt dich? Was macht dich körperlich glücklich und was psychisch? Anstatt mich in eine Opferrolle zu begeben, stelle ich mir die schlimmstmögliche Situation vor, die eintreffen könnte und überlege mir, wie ich am besten daraus kommen könnte. Das funktioniert zumindest für mich. Du bist die Person, die dich am besten kennen und am meisten lieben sollte, deswegen musst du einen Weg finden, der speziell für dich funktioniert.

@ruihehehehehe

Foto: Jessica Barthel

Katie Kuiper, Model & Tänzerin

Welche Erfahrungen hast du persönlich mit dem Thema Mental Health?
Anfang diesen Jahres ist plötzlich Psoriasis bei mir ausgebrochen, eine Auto-Immunkrankheit, die 80 Prozent meines Körpers bedeckt hat. In dieser extremen Form war ich vorher noch nie betroffen – dementsprechend hatte es eine direkte Auswirkung auf mein Leben, meine Arbeit, meine mentale Gesundheit und meine Beziehungen. Kurz gesagt: ein sieben Monate andauernder, gefleckter Albtraum. Nachdem ich unzählige Male beim Dermatologen war, verschiedene Cremes und Lichttherapie ausprobiert habe, ist meine Haut nun endlich, abgesehen von ein paar Narben, fast Psoriasis-frei. Allerdings gibt es immer noch kein richtiges Heilmittel für diese Krankheit.

Gibt es bestimmte Trigger, die im Alltag deine mentale Gesundheit beeinflussen?
Allein, dass ich jeden Morgen meine Psoriasis behandeln musste, war eine ziemliche Hürde. Ich habe mich in meiner Haut nicht wohl gefühlt, wollte sie auf keinen Fall zeigen und wurde immer wieder vor die Herausforderung gestellt, Outfits zu finden, die meine Unsicherheit bestmöglich verdecken. Es war ein wirklich langer Prozess… Je mehr Zeit ich vor dem Spiegel verbracht habe, desto mehr litt mein Selbstbewusstsein darunter. Hinzu kamen noch die Unannehmlichkeiten der Krankheit selbst. Die Psoriasis hat mich kontrolliert und verunsichert.

Inwiefern hat die Krankheit Einfluss auf deine Arbeit genommen?
Ich hatte das Gefühl, mich vor jedem zu rechtfertigen. Vor meinen Chefs, Klienten, Agenten, Freunden und sogar vor Fremden, denen ich erklären musste, was denn mit meiner Haut los sei – und warum sie so aussieht, wie sie aussieht. Nein, Psoriasis ist nicht ansteckend. Wenn du mich berührst, wirst du nicht sterben. Psoriasis taucht dann auf, wenn du gestresst bist. Und ich habe mich wie eine gestresste, zerbrochene Schallplatte gefühlt…

@katiekuips

Ebow, Musikerin

Sind Menschen aus deiner näheren Umgebung von Problemen mit ihrer mentalen Gesundheit betroffen?
Ich würde schätzen, dass jede fünfte meiner Freund*innen unter Depressionen leidet, doch viele Menschen trauen sich nicht, offen darüber zu reden. Viele wissen überhaupt nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn Freund*innen in so einer Situation stecken. Seit meinem 18. Lebensjahr leide Ich selbst unter Angststörungen und Panikattacken. Letztes Jahr habe ich sogar eine auf meinem eigenen Konzerten bekommen. Das war der absolute Horror für mich, weil ich als Musikerin mein Geld verdiene und weiterhin auch verdienen wollte. Viele von uns vernachlässigen ihre mentale Gesundheit, weil sie nach außen nicht so präsent ist wie unsere physische. So wie wir uns um unsere Körper kümmern, müssen wir uns auch um unsere Psyche kümmern. Mein nächstes Album wird sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen, weil selbst in der Popkultur noch immer zu wenig darüber gesprochen wird.

Was müsste sich denn ändern, damit dieses Thema relevanter wird?
Es muss ernst genommen werden. Vor allem bei Frauen* wird es oft damit abgetan, dass sie emotionaler seien oder Aufmerksamkeit bräuchten. Allgemein muss viel mehr aufgeklärt werden, damit man lernt, wie man mit Mental Health umgeht. Wir lernen ja auch, unseren Freund*innen eine Suppe vorbeizubringen, wenn sie erkältet sind. Genauso müssten wir lernen, wie wir unsere Freund*innen bei einer Depression unterstützen können. Gibt es in deinem Alltag bestimmte Auslöser, die deine mentale Gesundheit beeinflussen? Stress ist bei mir ein großer Faktor. Ich bin viel unterwegs, hetze von Termin zu Termin und muss immer wieder Deadlines einhalten. Gerade besteht meine größte Herausforderung darin, diesen Stress richtig zu bewältigen.

Gibt es in deinem Alltag bestimmte Auslöser, die deine mentale Gesundheit beeinflussen?
Stress ist bei mir, wie bei vielen anderen wahrscheinlich auch, ein großer Faktor. Ich bin viel unterwegs, hetze von Termin zu Termin, muss immer wieder Deadlines einhalten. Gerade besteht meine größte Herausforderung darin, diesen Stress, der aus all den Dingen resultiert, die ich eigentlich sehr gerne mache, richtig zu bewältigen.

@ebow.mp3

Adrian Bianco, Autor

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Mental Health gemacht?
Ich habe ungefährt seit meinem 13. Lebensjahr Depressionen. Damals wusste ich aber noch nicht genau, warum und wieso oder weshalb ich mich so fühle. Ich dachte, ich sei anders und das Leben ein bisschen schwerer für mich. Das hat auch kaum jemand mitbekommen. Ich war immer eher der Clown. Aber das ist ja meistens so. Seitdem habe ich immer wieder starke, bis sehr starke depressive Phasen. Aber ich bin noch hier und gerade geht es mir gut.

Gibt es in deinem Alltag besondere Trigger, die deine mentale Gesundheit beeinflussen?
In Berlin waren es auf jeden Fall die vielen Barabende und das übliche Gift, das dort nochmal gut draufgefeuert hat. Einen normalen Kater hat man mit Depressionen nicht. Der nächste Morgen und die Tage danach sind die Hölle. Nichts, aber auch gar nichts kann dich aufheitern oder beruhigen. Natürlich weißt du das am Abend davor schon, aber ein kurzer intensiver Rausch oder diese temporäre Taubheit war schon immer verlockend. Oft gibt es leider gar keinen Trigger: Ich wache auf, die Sonne scheint und es geht mir trotzdem schlecht.

Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern, damit psychische Erkrankungen bewusster wahrgenommen wird?
Zum Einen habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass es für viele Leute – verständlicherweise –unangenehm wird, wenn ich offen kommuniziere, wie es mir geht. Ich habe meinen Geburtstag dieses Jahr verpasst, weil ich 11.000 Kilometer entfernt fast komplett die Nerven verloren habe. Als ich zurück in Berlin war, habe ich auf die Frage, wo ich denn war, nur geantwortet: "Bruder, starke Depressionen. Der Tod hat nach mir gerufen, heute bin ich aber da." Danach schauen dich die Leute anders an, behandeln dich wie einen Kranken oder sorgen sich mehr um dich. Das will ich aber nicht. Mich braucht niemand mit Wattestäbchen anfassen. Zum größten Teil regle ich das mit mir selbst und würde gerne weiter ich bleiben und auch so gesehen werden. Ich habe keine Energie und Zeit für Menschen, die mit der Echtheit des Lebens nicht umgehen können.

@mrbianco

Foto: Jessica Barthel

Framacho, Tattoo Artist

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Mental Health?
Ich habe ein Alkohol- und Drogenproblem. Mit 29 habe ich meinen absoluten Tiefpunkt erreicht. Dann hat es mich noch mal 1,5 Jahre gekostet, bis ich realisiert habe, dass Abhängigkeiten und Depressionen Hand in Hand gehen.

Gibt es in deinem Alltag besondere Risikofaktoren, die deine psychische Gesundheit gefährden?
Im Hier und Jetzt anwesend zu sein, kann bereits zu Fluchtmechanismen und beschissenen Gedanken führen. Ein Ersatz für Alkohol und Drogen... Das Leben an sich ist ein Risiko. An Tagen, an denen ich mich schwach und müde fühle, generell alles, das mich umgibt.

Was muss in unserer Gesellschaft passieren, damit das Thema Mental Health von obsoleten Stigmata befreit werden kann?
Hört auf Traurigkeit und Drogenmissbrauch zu romantisieren und zu tun, als wäre das der bessere Lifestyle. Als sei es der Weg um das Leben zu genießen und in vollen Zügen zu leben. Heute verstehe ich, dass all diese Dinge eigentlich eine Beeinträchtigung sind. Klar, das Leben ist scheiße und vielleicht ist es eh sinnlos, die wahre Verschwendung wäre es aber, wenn du aufhörst an dir selbst zu arbeiten. Sei offener und arbeite dir den Arsch ab. Wir brauchen mehr Bewusstsein und Nettigkeit. Jede*r kämpft mit sich, warum also nicht drüber reden? Deswegen gehe ich auch bei meiner Arbeit sehr offen mit meiner Abstinenz um – was wenn es vielleicht jemandem hilft?

Und was hast du seitdem gelernt? Hast du einen Ratschlag, den du teilen möchtest?
Suche dir Hilfe, wenn alles den Bach runtergeht. Schäme dich nicht. Alle, die dir nicht glauben oder sich über dich lustig machen, sollten aus deinem Leben ausradiert werden. Du brauchst jemanden, der dich ernst nimmt. Ich verspreche dir: die ganze Arbeit wird sich lohnen, auch wenn es nicht leicht sein wird.

@framacho

Brenda Hashtag, Journalistin

Wie gehst du mit dem Thema Mental Health um?
Wie viele andere auch, hatte ich eine relativ naive Einstellung gegenüber Mental-Health-Themen, bevor es mich selbst erwischte. Die Ansicht, eine angeschlagene seelische Verfassung hätte etwas mit Schwäche zu tun… In der Schule wurde ich auf Job-Interview Fragen vorbereitet, die wichtigste davon: Was sind deine Schwächen? Darauf sollten wir Dinge sagen wie "Ich bin manchmal zu ehrgeizig" oder "Ich bin ein Perfektionist". Niemand würde auf die Idee kommen, von seinen wirklichen Schwächen zu erzählen, weil wir denken "Wer stellt schon jemanden mit Depression ein?". Ein völlig falscher Ansatz. Egoistisch, aber so wirklich beschäftige ich mich mit Mental Health erst, seit es mich selbst betrifft, erst dann kamen richtige Empathie und Verständnis auf.

Wie spiegelt sich das Thema in deiner Arbeit wider?
Meine gesamte Arbeit als Influencer basiert auf dem Dialog zwischen mir und meinem Publikum. Ich teile anonyme Geschichten meiner Follower über unangenehme Themen und gebe jedem eine Stimme, spreche über Politik und versuche so weit wie möglich, zum Nachdenken anzuregen. Ich spreche eigentlich über alles, trotzdem war ich selten so nervös, wie in dem Moment, als ich einen Post über meine Panikattacken veröffentlicht habe. Aus Angst, dass mich jemand für schwach halten könnte. So etwas Persönliches zu teilen, kannst du nicht mal so eben rückgängig machen. Vor allem hatte ich Angst davor, dass jemand denken könnte, ich teile meine Geschichte nur, um mir Empathie zu erschleichen und erfolgreicher auf sozialen Medien zu werden. Doch die Antworten waren überwältigend positiv. Ich denke, unsere Generation wartet nur darauf, endlich offen über Mental Health zu sprechen.

Was muss passieren, damit dieses Warten ein Ende hat?

Mental Health sollte kein Tabuthema mehr sein. Es ist ein zu distanzierter Ansatz, wenn man sich eine Veränderung von der Gesellschaft wünscht. Allerdings kannst du dich selbst und dein direktes Umfeld beeinflussen – genau damit sollten wir anfangen. Sich nicht von den Medien berauschen oder ablenken lassen, ab und zu alles abschalten und sich wirklich mit sich selbst auseinandersetzen. Wie geht es mir? Wie kann ich mich verbessern? Was könnte mir helfen? Um diesen Ansatz dann auf Freunde und Familie auszuweiten.

@brendahashtag

Huyen Trang, Fotografin

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Mental Health gemacht?
Wahrscheinlich hat sich jeder mal mit dem Thema auseinandergesetzt. Wir wachsen in einer Welt auf, in der wir tun und lassen können, was wir wollen – zumindest hier in Europa. Alles ist möglich. Genau das kann ziemlich belastend werden, weil du eine gewisse Versagensangst aufbaust. Du willst Arzt werden? Tu' was dafür. Du willst Konditor werden? Tu' was dafür. Du willst Fashion-Blogger werden? Tu' einfach was dafür. Aber keiner gibt dir die Garantie, erfolgreich zu werden! Ich habe lange darüber nachgedacht, ob das, was ich mache, wirklich zu mir passt. Letzten Endes geht es darum, unsere Angst zu überwinden und uns selbst zu ermutigen. Es wird immer Leute geben, die dich kritisieren oder schlecht über dich reden. Dabei ist es nicht schlimm, zu versagen. Es ist menschlich und gehört zum Leben dazu. Jede Niederlage hilft, dich stärker und besser zu machen.

Gibt es bestimmte Trigger, die dich vor besondere Herausforderungen stellen?
Wir, die Digital Natives, bekommen den psychischen Druck am meisten ab. Netzwerke wie Instagram oder Facebook machen uns krank, indem sie zeigen, wie perfekt das Leben anderer scheint. Für unser psychisches Wohlergehen kann das Internet kontraproduktiv sein. Ich hatte damals Phasen, in denen ich gerne meinen Instagram-Account gelöscht hätte, weil ich angefangen habe, zu viel Zeit und Gedanken damit zu verschwenden. Ich fühlte mich von anderen herausgefordert und musste mein bestes Ich zeigen. Ich war mit meinen Nerven am Ende. Mit dem Unistress und den Familienangelegenheiten dazu stand ich kurz vor einem Burnout. Alles war zu viel, der Erwartungsdruck zu hoch.

Welchen Ratschlag hast du, damit die psychische Gesundheit stabil bleibt?
Alles, was du tust, solltest du für dich tun und nicht für andere. Sonst besteht die Gefahr, dass du dich selbst verlierst. Dann bist du ein Konstrukt dessen, was die Gesellschaft von dir erwartet, damit wirst du nicht glücklich. Mache deine Emotionen nicht abhängig von anderen. Fokussiere dich auf dich selbst, auf dein Potenzial und auf das Gute im Leben. Wir sollten aufhören, uns gegenseitig Dinge vorzumachen, die nicht der Realität entsprechen. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen und vor allem das wertschätzen, was wir haben. Mehr Liebe, weniger Hass.

@huyenltrang

Foto: Jessica Barthel

Jessica Barthel, Fotografin

Wie spiegelt sich das Thema Mental Health in deiner Arbeit wider?
Was mich bei meiner Arbeit besonders inspiriert, ist die soziale Komponente – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Ich möchte die Menschen mit meinen Bildern berühren und sie dazu bewegen, sich Gedanken über die Gesellschaft, in der wir leben, zu machen. Im besten Fall regt es sie dazu an, selbst dazu beitragen zu wollen, nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das der Menschen in ihrem Umfeld ein Stückchen besser zu machen. Das ist aber nur die eine Seite. Auch der Kontakt zu den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, und dass es ihnen gut geht, ist mir wichtig. Deshalb arbeite ich beispielsweise selten mit Models aus klassischen Agenturen zusammen, denen Gewicht und Frisur vorgeschrieben wird. Ich verlängere auch nicht die Beine meiner Models um 10 Zentimeter.

Und wie kamst du darauf, dich so intensiv mit dieser gesellschaftlich Komponente auseinanderzusetzen?
Im Rahmen meiner Abschlussarbeit habe ich eine Art Glücksforschung betrieben. Ich habe mich intensiv mit der Frage beschäftigt, wann es Menschen gut geht, was sie brauchen, um glücklich und mental healthy zu sein. Dabei ist mir aufgefallen, dass es für das Wohlbefinden der Menschen eine große Rolle spielt, wie man miteinander umgeht. Die Erkenntnis hat meine Arbeit stark beeinflusst.

Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern, damit Mental Health weiter in das Bewusstsein rückt?
Das Bild, das wir in unserer Gesellschaft von psychischen Krankheiten haben, ist immer noch sehr negativ besetzt. Viel zu oft wird hinter stressbedingten, psychischen Erkrankungen letztendlich doch die Schwäche der jeweiligen Person vermutet. Hier sehe ich auf jeden Fall noch Änderungsbedarf und ich halte es für absolut notwendig, dass man sich auch an offizieller Stelle für eine solche Veränderung einsetzt. Die Bedingungen am Arbeitsplatz wären beispielsweise so ein Ansatzpunkt. Prinzipiell denke ich aber, dass wir auf einem guten Weg sind. Ich bin in den 90ern aufgewachsen, in einer Zeit, in der man nur mit großen Brüsten und langen Haaren als schöne Frau galt, in der Zeit, in der man nur Sport machte, um gut auszusehen, Coca Cola das It-Getränk war und nur die Großstadt für coole Leute in Frage kam.
Heute wollen wir möglichst außergewöhnliche Leute auf dem Cover haben, am besten viel Charakter und wenig Symmetrie, Yoga macht jetzt auch meine Mutti, Hygge wurde in den deutschen Duden aufgenommen und unser It-Getränk ist Kokos-Wasser. Trotz Digitalisierung und Social Media versuchen wir achtsam zu sein und die Kreativen ziehen wieder aufs Land. Seit Sex and the City ist es auch nicht mehr völlig abwegig, einmal wöchentlich zur Therapie zu gehen. In vielen Ländern gibt es einen Mental-Health-Sick-Day und schon 4-Tage-Wochen. Ich glaube wir sind auf einem guten Weg, unseren Körper und Seele in Einklang zu bringen und ein gesundes und glückliches Leben zu führen, wir müssen einfach genau so weitermachen und an uns selbst glauben.

@jessicamaraa

Wenn du selbst – oder einer deiner Angehörigen – in einer seelischen Krisensituation stecken solltest und Hilfe brauchst: Es gibt kostenlose Hilfsangebote wie die der TelefonSeelsorge unter 0800/111 0111 oder die Nummer gegen Kummer . Mehr Informationen und Hilfsangebote findest du auch auf der Website der Stiftung Deutsche Depressionshilfe .

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7x3m4aMarieke Fischer BerlinInterviewdepressionsad boy
<![CDATA["Ich wünschte, wir alle hätten die richtigen Menschen zur richtigen Zeit um uns herum"]]>https://i-d.vice.com/de/article/j53k58/model-lera-abova-mental-healthWed, 10 Oct 2018 10:48:01 +0000Wir kennen sie alle: toxische Beziehungen. Und oft merkst du erst, wie tief du eigentlich darin steckst, wenn es zu spät ist. Es ist ein schleichender Prozess, der, egal wie lange er andauert, verdammt weh tut. Als logische Konsequenz suchst du immer zuerst die Fehler bei dir selbst. Habe ich zu viel gegeben? Oder doch zu wenig? Hätte ich mich anders verhalten oder einfach meinen Mund öfter aufmachen sollen? Du entschuldigst dich unterbewusst für Dinge, für die du eigentlich gar nichts kannst, weil das Leben nunmal andere Pläne mit dir hat. Wir sind unsere größten Kritiker und viel zu oft, viel zu hart zu uns selbst. Dabei braucht es Zeit, um zu verstehen, wie wir wirklich ticken, was uns gut tut im Leben und wovon wir lieber die Finger lassen sollten.

Das musste auch Model Lera Abova lernen, die bereits mit Fotografie-Legende David Sims für die französische Vogue zusammengearbeitet hat und in Kampagnen für Jospeh und Acne zu sehen war. Lera wuchs in einem kleinen Dorf in Sibirien auf, bevor sie mit 13 nach Deutschland gezogen ist und ihren Wohnort mittlerweile alle paar Monate wechselt. Zum World Mental Health Day spricht die 25-Jährige über ihre eigenen Erfahrungen mit diesem Thema und erklärt dir, welcher Art Mensch du lieber aus dem Weg gehen solltest, um glücklich zu werden:


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"Ich war schon immer ein besonderes Kind und hatte eine Energie und Emotionen, die nur schwer zu kontrollieren waren. Von der Liebe bis zum Hass, begleitet von Wut und Aggressionen – es hat entweder nur ein falsches Wort gefehlt oder ein bisschen Mangel an Aufmerksamkeit. Menschen, die wir im Leben treffen, werden oft nicht so verständnisvoll sein, wie die eigene Familie, warum sollten sie auch? Warum müsste dich jemand in diesem Leben aushalten wollen und sich einen psychischen Schaden durch dein Verhalten zufügen?

Ich bin oft ein häuslicher Tyrann. Gleichzeitig trage ich viel Energie in die Welt. Vielen komme ich dadurch lebensfroh und amüsant vor. An schlechten Tagen lasse ich dagegen meine ganze Aggression an Menschen aus, die ich wirklich liebe, damit es ihnen genauso schlecht geht wie mir und sie verstehen, wie ich mich fühle. Ganz schlimm wird es in Liebesbeziehungen. Alles beginnt toll und intensiv, nur dass die Intensität eben auch in negativer Form erscheint – und das nicht selten. Wenn du mit emotionalen Problemen zu kämpfen hast, ziehst du automatisch Menschen an, die eine gewisse Tiefe haben und meistens genauso irre sind, wie du selbst. Du denkst, es sei besser, weil genau diese Art Mensch dich versteht und nicht für krank erklärt.

Jeder Mensch hat verschiedene Gründe, sich zu fühlen, als sterbe man innerlich. In einer so extremen Beziehung liegt das Problem darin, dass beide Partner Halt brauchen – und das wird nie gut ausgehen. Oft wird es zu einem Kampf, wem es gerade schlechter geht. Man denkt oft, so müsste wahre Liebe sein, doch mit dem Alter lernst du zu verstehen, dass wahre Liebe nicht aus psychischer Gewalt bestehen soll. Wenn du nicht komplett blöde bist, lernst du auch, dass dein Partner kein Mittel zum Zweck ist, um glücklich zu werden. Du – und nur du selbst – bist dafür zuständig, deinen psychischen Wahnsinn auf den richtigen Weg zu bringen und Ängste als etwas Positives zu sehen. Ich habe drei Jahre meines Lebens damit verschwendet, allen und allem um mich herum die Schuld für meinen seelischen Zustand zu geben. Ich würde es nie wieder tun, weil es das Einzige ist, das dich jahrelang, wenn nicht sogar lebenslang, auf dem gleichen Fleck stehen lässt.

Ich hasse die Opferrolle und Menschen, die versuchen, sich damit in den Vordergrund zu stellen. Sie lieben es zu leiden, auf eine ganz weinerliche Art. Man kann ihnen nicht helfen – und oft willst du es auch gar nicht. Ich kenne viele psychisch instabile und tolle Persönlichkeiten, die sich einfach nicht helfen lassen wollen. Sie hören nicht auf dich. Ich meine damit auf keinen Fall, dass du dich mit Tabletten vollstopfen musst. Lerne lieber, anderen nicht wehzutun. Hör' damit auf, dich selbst zu bemitleiden und andere dafür zu beschuldigen, warum du in solch einer psychischen Hölle eingesperrt bist.

Foto: Oliver Hadlee Pearch

Mittlerweile gehe ich mit mir selbst ganz OK um und habe immer sehr tolle Menschen an meiner Seite, die viel einstecken und mich runterbringen. Ich glaube an Karma, dadurch habe ich vieles gelernt und an mir geändert, weil ich so mein eigenes Verhalten von einer anderen Perspektive beobachten konnte. Vieles, was mir angetan wurde, habe ich zuvor jemand anderem angetan. Durch den Glauben an Karma konnte ich meine Fehler nicht nur einsehen, sondern wirklich verstehen.

Am Anfang jeder Beziehung habe ich immer gesagt, ich wäre kein Geschenk, weil ich wirklich scheiße sein kann. Keiner hat mir geglaubt. Ich wurde als krank bezeichnet und mir wurde gesagt, ich solle mich einweisen lassen. Gut, dass ich meine Mutter habe. Sie hat mir beigebracht, kein Mitleid mit mir selbst zu haben und nicht auf die Menschen zu hören, die dich noch mehr runterziehen. Deswegen lege ich allen ans Herz: Bleibt weg von toxischen Beziehungen!

Ja, ich hasse diese Welt und mich selbst sehr, aber ich liebe dieses Leben auch wie kein anderer auf dieser Erde. Ich weiß, dass ich selbst sehr toxisch sein kann, aber das letzte, was ich brauche, ist jemand, der mich auch noch in eine Schublade steckt oder mir sagt, das sei alles nur in meinem Kopf. Jeder Mensch hat eigene Gründe, warum es ihm schlecht geht. Es geht meistens darum, wie sensibel wir sind, was wir vom Leben wollen, wie sehr wir uns selbst unter Druck setzen und wie unsere Vergangenheit und Erziehung sich auf uns ausgewirkt haben. Du kannst jemanden treffen, der scheinbar die gleichen Probleme hat und doch zerbricht dein Herz bei Dingen, die sich für den anderen OK anfühlen. Ich könnte jetzt anfangen, alle Diagnosen aufzuschreiben, aber das ist unnötig. Ich hoffe, die Menschen werden verstehen, worum es in meinem Text geht.

Foto: Vitali Gelwich

Meine emotionale Instabilität hatte noch nie negative Auswirkungen auf meine Arbeit als Model. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich jedes Mal aufs Neue mit so vielen tollen, kreativen Menschen zusammenarbeiten darf. Liebe fasziniert mich. Das Extreme fasziniert mich. Menschen faszinieren mich. Am Ende des Tages würde ich meinen Verstand nie gegen einen anderen tauschen wollen, weil meine eigene Fähigkeit zu lieben, Menschen zu spüren und voller Energie zu sein, etwas ganz Besonderes ist. Das kann mir keiner nehmen. Das ist auch etwas, das ich lernen musste: mich so zu schätzen, wie ich bin und andere nicht dazu zu zwingen, an meiner Seite zu bleiben.

Heute haben sich Menschen daran gewöhnt, dass jemand anderer ihre Probleme löst. Amerika ist ein ganz schlimmes Beispiel, was verschreibungspflichtige Medikamente angeht. Sobald du mit etwas Stress konfrontiert wirst oder dich Liebeskummer plagt, rennst du hier sofort zum Arzt, um dich mit Antidepressiva und Schlafmitteln vollzupumpen. Menschen missbrauchen Medizin, bis sie nicht mehr ohne können. Sie schlucken irgendetwas, um zu funktionieren. Ich habe nie Antidepressiva genommen, weiß aber, dass es deinen Stoffwechsel, deine Hormone und deinen Verstand in den Wahnsinn treiben kann. Das betäubt vielleicht die Probleme, erzeugt aber keine Harmonie zwischen Körper und Geist. Je mehr Ärzte du fragst, desto mehr Diagnosen wirst du bekommen, bis du dich wie ein richtiger Freak fühlst.

Geh' am besten auch Menschen aus dem Weg, die dir die ganze Zeit einreden wollen, wie krank du seist. Lerne, deine Wortwahl in den Panikattacken und Wutanfällen zu kontrollieren. So banal es auch klingen mag, du kannst es nicht zurücknehmen und wirst Menschen, die du liebst, so sehr damit verletzen. Lerne, deine Aggressionen nicht an deinen Mitmenschen auszulassen.

Ich wünschte, wir alle hätten die richtigen Menschen zur richtigen Zeit um uns herum." – @leraabova

Wenn du selbst – oder einer deiner Angehörigen – in einer seelischen Krisensituation stecken solltest und Hilfe brauchst: Es gibt kostenlose Hilfsangebote wie die der TelefonSeelsorge unter 0800/111 0111 oder die Nummer gegen Kummer. Mehr Informationen und Hilfsangebote findest du auch auf der Website der Stiftung Deutsche Depressionshilfe .

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