Natalie Portman könnte "100 Geschichten" von sexueller Belästigung in Hollywood erzählen

"Bei fast jedem Projekt wurde ich auf die ein oder andere Weise diskriminiert oder belästigt."

|
Nov. 24 2017, 12:19pm

Foto: imago/APress

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der AU/NZ-Redaktion.

Nun hat sich auch Natalie Portman zu den branchenweiten Vorwürfen sexueller Gewalt zu Wort gemeldet. Auf dem Vulture Festival LA sprach die Schauspielerin über die Zeit, als die ersten Vorwürfe gegen Harvey Weinstein öffentlich wurden: "Ich dachte mir 'Wow, ich hatte Glück, dass ich so etwas nicht erleben musste'. Doch je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass ich zwar definitiv nie missbraucht, aber bei fast jedem Projekt auf die ein oder andere Weise diskriminiert oder belästigt wurde".


Auch auf i-D: Wir waren mit Lorde im Museum


Immer mehr Frauen teilen ihre Geschichten mit der Öffentlichkeit. So werfen Selma Blair und Rachel McAdams dem Regisseur James Toback Belästigung vor; acht weitere Schauspieler, darunter Olivia Munn, beschuldigen auch Regisseur Brett Rattner. Diese ganzen Geschichten haben etwas bei Natalie Portman bewirkt: "Erst dachte ich, mich würde das nicht betreffen, weil ich keine dieser Geschichten habe, aber dann fiel mir auf: 'Moment mal, ich habe 100 Geschichten.'"

"So vielen Menschen geht es wie mir. Wir sehen dieses Verhalten und nehmen an, dass es eben Teil des Prozesses ist", so die studierte Psychologin und erinnert sich an einen Privatflug mit einem Produzenten, zu dem sie von ihm eingeladen wurde. "Ich tauchte auf und es waren nur wir beide da. Und das Bett an Bord des Flugzeugs war gemacht", erklärt sie. "Ich dachte, dass noch mehr Gäste eingeladen worden wären. Nichts ist passiert. Ich wurde nicht belästigt. Ich habe gesagt, dass ich mich nicht wohl fühle und das wurde respektiert. Aber das ist überhaupt nicht OK. Das war ein inakzeptables und manipulatives Verhalten. Ich hatte Angst."

Bei einem anderen Beispiel der Oscar-Preisträgerin ging es darum, dass sie in Meetings absichtlich übersehen worden wäre, während ihre männlichen Kollegen vollkommen ernst genommen wurden. Der Regisseur habe zu ihr gesagt: "Du bist anstrengend".

"Ich dachte mir nur: 'Ich soll anstrengend sein, weil ich dir meine Meinung zu meinem Job sage?'. Dabei hat er die männlichen Kollegen, die im selben Raum neben mir gesessen sind, komplett anders behandelt", erzählt sie weiter. Das sei so offensichtlich gewesen, dass sich ein männlicher Schauspiel-Kollege in dem Meeting für sie stark gemacht habe: "Er sagte zu dem Regisseur 'Du weißt schon, dass du ihr überhaupt nicht zuhörst, mir aber schon, und wir sagen fast das Gleiche'".

Im Januar machte Natalie Portman bereits auf die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in der Unterhaltungsbranche aufmerksam. So verdiene sie nur ein Drittel der Gage im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen. "In den meisten Berufen verdienen Frauen fast 20 Prozent weniger als Männer", sagte sie damals. Wir können nur hoffen, dass sich bald etwas Grundsätzliches in der Bezahlung und im Umgang mit Frauen in der Unterhaltungsbranche ändern wird.