Anarchie in Skandinavien: So sieht die schwedische Punk-Szene aus

Fotograf Brian Kanagaki hat auf Tour mit seiner Band die Subkultur des Landes dokumentiert. Vorgefunden hat er einen engen Kreis von Menschen, die stolz darauf sind, Punks zu sein.

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Dez. 4 2017, 11:58am

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Wenn man durch eine Zeitschrift blättert und darin Punks aus Harajuku abgebildet sind, sehen sie genauso aus wie die in Minneapolis. Ein Punk ist ein Punk, und kein Geld der Welt kann dich zu einem besseren Punk machen als dem, der am Samstagnachmittag vor Einkaufszentren herumlungert. Um es mit den Worten von Andy Warhol zu sagen: "Alle Punks sind gleich, und alle Punks sind gut."

So auch in Schweden. Bester Beweis dafür sind die Fotos von Brian Kanagaki. Der Amerikaner ist nicht nur Fotograf, sondern auch seit knapp zehn Jahren Mitglied in der sehr düsteren Band Loma Prieta. Doch die diesjährige Tour war die erste, auf der er seine beiden großen Leidenschaften miteinander verbunden hat.


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"Normalerweise mache ich das nicht, weil ich extrem schüchtern bin", erklärt er uns am Telefon. "Aber ich war nun mal in einem anderen Land auf Tour und sehe die Leute wahrscheinlich sowieso nie wieder, also war es im Grunde egal, wenn sie 'Nein' sagen. Es war ein Experiment, ich wollte meine Schüchternheit überwinden und inmitten der Community sein, zu der ich bereits mehr als mein halbes Leben lang gehöre. Es war ein Projekt, das sich ganz natürlich angeboten hat."

Das Gemeinschaftsgefühl spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. In Schweden hat es schon immer eine sichtbare Punk-Szene gegeben. Die Anzahl an Bands ist für ein Land dieser Größe überwältigend. "Immer, wenn wir durch Skandinavien getourt sind, ist mir aufgefallen, dass die Leute, die Punks sind, stolz darauf waren", sagt er. "Es ist ihr Lebensstil. Einige der Leute auf den Fotos haben Tattoos im Gesicht und auf ihren Händen. Wenn sich jemand für so etwas entscheidet, hat er sich diesem Lebensstil voll und ganz verschrieben."

"Die Community ist zwar kleiner als die in den USA, aber sie ist viel enger verbunden. Man sieht, dass sich die Mitglieder nicht so viele Gedanken darüber machen, cool zu sein oder sich zur Schau zu stellen", fügt Brian hinzu. "Bei den Konzerten, die wir gespielt haben, hatte ich immer das Gefühl, dass alle sehr gut miteinander befreundet sind und die Kids von Stadt zu Stadt fahren, um ihre Lieblingsbands nochmal zu sehen. Es war eine wirklich tolle Atmosphäre."

@briankanagaki