im gespräch mit mø

Wir trafen die „Lean On“-Sängerin zum Interview und sprachen mit ihr über ihre Kindheit, den Wert von Herausforderungen und ihren Plan, Astronautin zu werden.

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14 August 2015, 9:49am

Als wir Karen Marie Ørsted am Telefon erwischen, sitzt sie in der draußen in der Sonne in ihrem Zuhause im Kopenhagen und genießt zum ersten Mal in einer langen Zeit, keinen Jetlag zu haben und sie träumt davon, mit ihrem Freund, der ebenfalls Musiker ist, durchzubrennen. „Seit Monaten befinde ich mich in einer Art bewusstem Traum, aber jetzt habe ich eine Woche frei und wir gehen in den norwegischen Bergen wandern. Ich liebe es, ohne Computer zu verreisen, einfach in der Natur zu sein, nichts weiter machen, außer zu wandern. Ich freue mich so drauf."

Sie ist erst 26 Jahre alte, aber als MØ macht Karen Marie Ørsted bereits seit fast drei Jahren Musik. Davor rockte die Dänin mit ihrer Punkband MOR und einem von Peaches inspiriertem Rap-Alterego fünf Jahre und stach sich selbst Tattoos. Einfach ausgedrückt: egal in welcher Konstellation, sie macht von sich in der Musikwelt seit Jahren reden. „Es ist irgendwie lustig. Einerseits habe ich das Gefühl, dass ich im Laufe der Jahre viel gelernt habe, aber trotzdem fühle ich mich immer noch, als ob ich 11 wäre", erzählt sie uns. „Ich glaube, dass es so mein ganzes Leben sein wird. Wenn ich mit älteren Leute unterhalte, dann sagen sie zu mir ‚Weißt du Karen, im Leben wirst du immer wieder in Situationen geraten, die total neu für dich sind'. Ich finde das gut, weil man ohne Herausforderungen nichts lernt und wenn du nichts lernst, hörst du auf zu leben. Es ist so wichtig, dass man sich immer weiterentwickelt. Wenn die Dinge schwieriger werden, dann man muss man härter darum kämpfen. Ich glaube, dass man das braucht, um als Person zu reifen."

Wir sprechen über ihre Zeit als 11-Jährige, als sie in einem Kopenhagener Vorort aufwuchs. „Ich komme aus keiner vermögenden Familie, aber das Geld, was wir hatten, gaben wir für Urlaube aus. Statt einem neuen Fernseher, gaben wir das Geld für einen Bootstrip in Schweden aus oder entdeckten Rom. Dafür bin ich echt dankbar. Das hat mich geprägt." Als Teenagerin trug MØ nur schwarz und sorgte damit in der ruhigen Nachbarschaft für ziemliches Aufsehen. In der Schule war sie nicht die Anführerin einer Badass-Girlgang, wie im von i-D produzierten Musikvideo zu „Walk This Way" (das du hier findest), sondern der Sidekick, „die lustige Freundin im Tomboy-Style des beliebtesten Mädchens". In ihrem Album No Mythologies To Follow geht sie auf eine Reise durch ihre Jugend: „Die Jahre, in denen man durch die ganzen Hormone im Körper zur Psychopathin wird".

Karen entschied sich schon 1996 für ihre Karriere, als sie den Plan verwarf, Astronautin zu werden, nachdem sie zum ersten Mal die Spice Girls hörte. „Ich erinnere mich noch daran, als Geri die Band verließ. Ich saß in meinem Zimmer am Schreibtisch und weinte mir die Augen aus. Das veranschaulicht vielleicht was für eine tolle Kindheit ich hatte, wenn der Weggang von Geri das größte Problem war". MØ gibt zu Protokoll, dass sie mehr als glücklich wäre, Geri zu ersetzen und als Spitznamen schlägt sie lachend Awkward Spice vor. Aber es ist ihre Ähnlichkeit mit einem bestimmten, sportlich angehauchten Mitglied der Band, die anderen auffällt, und sie scherzt, dass sie sich langsam und unbeabsichtigt in Mel C verwandelt.

MØ trägt eine Vintage-Jacke (angepasst durch den Stylisten). Top. Model's own. Jogginghose: Adidas. Badeschlappen und Socken: Nike.

Wir fragen uns, was wohl die junge MØ zu dem heutigen Star sagen würde „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mir gewünscht hatte, Musikerin zu werden. Mittlerweile denke ich, dass ich es so sehr wollte, dass es irgendwie mein Schicksal wurde. Wenn ich es gewusst hätte, dann wäre mein Herz stehen geblieben." Aber es sind unsere Herzen, die ihr zufliegen, wenn MØ live auftritt. Gekleidet in Sportswear, schwingt sie ihr Markenzeichen - ihren hohen Pferdeschwanz - und tanzt auf primitive, kraftvolle und unglaublich coole Art und Weise. „Ich mag es, wenn sich die Leute nicht so viel Gedanken um die Choreografie machen oder darum, ob sie perfekt singen, oder ob die richtigen Leute vom Musiklabel da sind", sagt sie. „Es geht darum, loszulassen, verrückt zu sein und die Leute beim Tanzen und der Verrücktheit mitzunehmen - ein Mensch statt eine Puppe zu sein. Natürlich macht es Spaß, eine tolle Show zu sehen. Aber es fühlt sich so gut, wenn da oben ein Mensch steht, mit dem man sich identifizieren kann und von dem zu weißt, dass man nicht perfekt sein muss. Man kann so sein wie man ist und trotzdem noch großartig, verstehst du?" Wir verstehen. Und genau deshalb ist MØ mit ihrer ungeleckten und positiven Energie zu einem willkommenen Vorbild in der Musikszene geworden.

Sie arbeitet gerade an ihrem zweiten Album mit den Produzenten Ronni Vindahl und Diplo (deren Kollaboration mit Major Lazor „Lean On" wurde zum Hit) und wir können uns bestimmt auf etwas Besonders freuen. Und wenn aus ihrer Musikkarriere nichts werden sollte, gibt es ja immer noch die Option Astronautin. „Ich habe gerade mit Elliphant darüber gesprochen, ob wir ins Weltall fliegen würden, wenn wir die Chance dazu hätten. Mittlerweile hätte ich ein bisschen Angst, aber wenn ich älter bin, dann würde ich gerne ins Weltall fliegen. Wenn ich schon sterbe, dann kann ich das auch im Weltall tun. Das wäre zumindest cool." Aber nicht so cool wie du, MØ. 

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Credits


Text: Francesca Dunn 
Fotos: Matt Jones 
Styling: Intensity Gornes
Make-up: Angie Parker