die sieben extravagantesten fashion shows aller zeiten

Stuntmen, die auf dem Laufsteg Schwerter schwenken, Models, die über Wasser gehen, Muscle Cars und Musikeinlagen—das sind die sieben Shows, bei denen ihr euch wünschen werdet, ihr wärt live in der Front Row dabei gewesen.

|
Sep. 23 2016, 8:40am

Manchmal sind es die Kleider, manchmal die Kulisse: es gibt sie, diese ganz besonderen Shows, die das Publikum total verzaubern. Die großen, internationalen Fashion Shows sind im vollen Gange und wir haben auf den Catwalks wieder so einige Styles gesehen, von denen wir hin und weg sind. Auf der New York Fashion Week hat Marc Jacobs Rave wieder auferstehen lassen und auch Vfiles' Show everything plus the kitchen sink gehörte hier eindeutig zu unseren Favoriten. Auf der Londoner Fashion Week dominierten schrille Outfits, die an die verrückte Partyszene der 1980er Jahre erinnerten. Eins ist ganz klar—der Maximalismus feiert gerade sein großes Comeback. Wir selbst könnten darüber nicht glücklicher sein, denn immerhin haben auch einige der ikonischsten Shows aller Zeiten nicht mit übertriebenen Farben, Formen und ausgefallenen Bühnenbildern gegeizt.

Während die Mentalität „mehr ist mehr" langsam aber sicher wieder ihren Weg auf die Laufstege findet, werfen wir einen Blick zurück auf zwei Jahrzehnte der Opulenz auf den Catwalks der Welt. Ob Vivienne Westwoods kreativer Mix aus Punk und Versailles, Gallianos Tüllberge von 1995 oder Karls und Marcs beeindruckende Kulissen fast zwanzig Jahre später—feiern wir die Shows, die die Messlatte für alle Kommenden um einiges höher gelegt haben. 

Vivienne Westwood Autumn/Winter 1993-1994
Westwoods Show Anglomania ist mittlerweile Kult, und wenn man sie sich anschaut—selbst eine pixelige Version davon auf YouTube—, hat man das Gefühl, dass das Publikum geahnt haben muss, dass sie zu einem historischen Moment der Modegeschichte werden sollte. Die Präsentation war voller schauspielerischer Einlagen, der Walk eines jeden Models selbst ein kleines Spektakel. Da ihr Ehemann und Modedesigner Andreas Kronthaler die Ready-to-Wear-Kollektion übernommen hatte, konnte Westwood bei Anglomania maßlos übertreiben—und genau das tat sie dann auch. Die Pelze wurden fülliger, die Handtaschen größer und die Absätze höher. Es ist die berühmte Show, in der selbst die Laufsteg-sichere Naomi Campbell in ihren schwindelerregend hohen Plateau-Absätzen stürzte. Das Make-up im Stil des 18. Jahrhunderts und die hochmütigen Blicke der Models wurden durch Westwoods typisch britisches Karomuster alltagstauglicher gemacht, und Kleider, die leger von den Schultern rutschten sorgten dafür, dass kein Look zu formell aussah—ganz im Gegenteil. Selbst bei ihrer wohl extravagantesten Show blieb Westwood ihrem Punk-Stil treu.  

John Galliano Ready-to-Wear Spring 1995
Wenn John ruft, kommen sie alle: Madonna konnte man im Zuschauerraum sehen (zumindest für eine Weile—als die Show nicht pünktlich startete, ging sie wieder) und am Laufsteg schlüpften Carla Bruni, Helena Christensen, Kate Moss, Amber Valletta, Shalom Harlow—die damals gerade erst auf dem Cover der i-D-Ausgabe Subversion erschienen war—, Kristen McMenamy und Linda Evangelista für diese atemberaubende Show in eng anliegende Abendkleider aus Korsetts und üppigen Tüllröcken. Nadja Auermann legte am Ende ihres Walks sogar noch eine Ballett-Performance in ihrem vom Schwanensee inspirierten Kleid hin, während andere Models sich an dem Vintage Muscle Car vorbeizwängten, das mitten auf dem Laufsteg stand.

Bereits hier zeichnete sich Gallianos Interesse an traditionellen chinesischen Silhouetten ab, die in den frühen 2000ern seine Arbeiten bei Dior prägen würden; für diese Show entwarf er Blazer, die in der Taille im Stil der 1940er Jahre eingeschnitten waren, jedoch ausgestellte Kimono-Ärmel hatten. Es war eine fulminante Show, die 1995 bereits auf das Spektakel anspielte, das noch kommen würde. 

Mugler Haute Couture Autumn/Winter 1995-1996
Mit einer imposanten Kulisse, die an Produktionen des alten Hollywoods erinnerten, war es dieser Show gelungen, das Publikum sprachlos zu machen, noch bevor das erste Model seinen Fuß auf den Catwalk setzte. Von der damaligen Zeit inspiriert, setzte man auf Tanzeinlagen, Cameos von Tippi Hedren und Patty Hearst und einen Auftritt des Sängers James Brown. Den krönenden Abschluss der Show machte die Künstlerin Kabuki Sunshine von der berühmt-berüchtigten New Yorker Avantgarde Drag-Gruppe Blacklips. Eva Herzigova, Claudia Schiffer, Jerry Hall, Amber Valletta, Shalom Harlow, Veruschka und Carmen Dell'Orefice liefen bei dieser Show über den Laufsteg. 

Viktor & Rolf Couture Autumn/Winter 1999
Das niederländische Duo tauschte 1999 die traditionelle Modenschau gegen ein einziges Model ein: Maggie Rizer. Sie stand in der Mitte eines opulent dekorierten Raumes auf einer sich drehenden Plattform. Als die Show eröffnet wurde, stand sie zunächst barfuß in einem schlichten Leinenkleid auf der Bühne. Viktor Horsting und Rolf Snoeren kleideten sie selbst an und ließen sie zunächst in ein Paar weißer Absatzschuhe schlüpfen. Dann zogen sie ihr ein knielanges, mit Glitzersteinen besetztes Kleid an. Während des Model sich auf dem Podest drehte, legten sie ihr Schicht für Schicht immer luxuriösere Kleider an: ein kunstvoll besticktes Musselinkleid, einen funkelnden Mantel und ein seidenes Kleid. Zum Schluss hüllten sie Rizer in eine Art Musselin-Kokon mit einer Rose darauf. Bis dahin waren die beiden noch relativ unbekannt gewesen, was sich mit diesem revolutionären Konzept schlagartig geändert hat. 

Christian Dior Haute Couture Spring/Summer 2003
Diese Show von Christian Dior war eigentlich eher eine Vorstellung des Cirque du Soleils: chinesische Tänzer und Stuntmen machten Flickflacks auf dem Laufsteg und schwengten nur wenige Zentimeter hinter den Models ihre Schwerter. Eine junge Künstlerin fuhr sogar auf einem sich drehenden Schirm Einrad. Es war definitiv eine extreme Show—selbst für die Verhältnisse von Diors damaligem Chefdesigner Galliano. Er war vor Kurzem von einer dreiwöchigen Reise nach China und Japan zurückgekehrt und Obis, Kimonos und von Geishas inspiriertes Make-up waren ihm offensichtlich beim Kreieren der Entwürfe noch ganz frisch in Erinnerung gewesen. Er ließ die Silhouetten explodieren und die Models wurden von wogenden Stoffen umhüllt—manch einem konnte man ansehen, dass es scheinbar schwer zu tragen hatte. Überdimensionale Federhüte schmückten ihre Köpfe und riesige Origami-Gebilde verdeckten ihre Gesichter. Mit den bunten Farben, den voluminösen Silhouetten und den angemalten Gesichtern ist die Show bisher als beeindruckendste in die Geschichte von Dior eingegangen.

Louis Vuitton Ready-to-Wear Spring/Summer 2014
Für die Show 2014 hat man sich im Hause Vuitton etwas ganz besonderes einfallen lassen: Aus den vergangenen Saisons wurden die jeweils imposantesten Sets von Marc Jacobs zusammengestellt, es war also wie fünf Shows in einer. In einer überragenden Zusammenstellung waren die Fontäne, die vergoldeten Lifte aus der Autumn/Winter-Kollektion 2011-2012, die Treppen von Spring 2013, der Hotelflur von Autumn 2013 und selbst das Karussell aus der Spring/Summer-Kollektion 2012 zu sehen. Immerhin war dies nach 16 Jahren als Creative Director bei Vuitton Marcs letzte Show für das Modehaus, bevor er sich seinem eigenen Label widmen wollte—ein weniger extravaganter Abschied wäre seiner also nicht würdig gewesen. Während die Sets eine Hommage an die Vergangenheit waren, waren die Kleider alles andere als das. Marc hatte sich nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht oder sich auf seine vergangenen Designs gestützt: Die Kreationen waren frisch und fröhlich und von den Showgirls aus Las Vegas und dem Montmartre inspiriert. Bis heute ist das der wohl beste Abschied eines Chefdesigners, den wir je gesehen haben.  

Fendi Haute Couture Autumn/Winter 2016-2017
Schon bevor die Show begonnen hatte, zählte sie bereits zu den luxuriösesten der letzten Zeit: Die Gäste wurden per Charterflug aus Paris (wo die anderen Fashion Shows gerade zuende gingen) nach Rom eingeflogen. Auch nach der Landung wurden sie nicht enttäuscht. Seit der Fendi-Show auf der Chinesischen Mauer hat es keine so beeindruckende Kulisse mehr gegeben—kaum jemand hätte es wohl für möglich gehalten, die Models über den Trevi-Brunnen laufen zu lassen, doch für Karl ist eben nichts unmöglich: Er ließ einen durchsichtigen Plexiglas-Laufsteg auf dem Wasser errichten. Die Designs waren märchenhaft-romantisch, was angesichts der Tatsache, dass Lagerfeld sich für die Kollektion von einem illustrierten Kinderbuch hat inspirieren lassen, wenig überraschend war. Das nennen wir wahre Opulenz. 

Credits


Text: Isabelle Hellyer
Fotos: Vivienne Westwood courtesy Vivienne Westwood Anglomania, Galliano via Twitter, Mulger courtesy fashionanthology.com, Viktor & Rolf via Tumblr, Dior via Tumblr,  Louis Vuitton von Joel Saget, Fendi via i-D.