Foto: Corinne Day

Ein intimes Gespräch mit Supermodel Kate Moss von 1993

Vor fast 23 Jahren, im Dezember 1993, zierte Kate Moss zum ersten Mal das Cover von i-D. Es war Ausgabe No. 123, The Smart Issue. Sie trägt darauf einen übergroßen Pullover, dessen Ärmel ihr weit über die Hände reichen.

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Aug. 3 2016, 11:00am

Foto: Corinne Day

Hier folgt nun das Interview so, wie es damals erschienen ist. Also, lehn dich zurück und mach es dir bequem für einen Einblick in das Teenagerleben des beliebtesten Supermodels der Welt:

"Ich liebe Realität—Dinge wie schlechte Haltung, leere Blicke, Schlankheit ... für Teenagerinnen sind solche Sachen normal. Frauen haben vergessen, was es heißt, jung zu sein." Das sagte Fotografin Corinne Day vor nicht allzu langer Zeit, als sie sich ein dünnes Schulmädchen aus Croydon schnappte und dabei half, die Schönheitsästhetik der 90er neu zu definieren. Dabei schuf sie gleichzeitig eins der größten Modephänomene des Jahrzehnts.


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Dieses Phänomen war Mini-Model Kate Moss. Kate Moss ist 19 Jahre jung, knapp 1,70 Meter groß und wiegt etwa 48 Kilogramm. Ihr Gesicht und ihr Körper verhalfen einer ganze Reihe ähnlich verwaist-aussehender Models auf die Laufstege und in die Modestrecken der ganzen Welt. Gleichzeitig kritisierten Zeitungsartikel die Propagierung von etwas, das in ihren Augen ein unerreichbares Schönheitsideal für die meisten Frauen darstellt. Ein Aufschrei, den diese neue Vision von Schönheit verursacht hatte, ging erst vor wenigen Monaten durch die Medien, nachdem die Vogue eine Fotoserie von Day veröffentlicht hatte, in der eine ausgesprochen jung aussehende Moss in billiger Unterwäsche in einer schmuddeligen Wohnung zu sehen ist. "Pädophil!" schrieen die Titelseiten. Aber Kate Moss ist schon lange volljährig und der Schock war wohl in erster Linie der einer neuen Weltordnung, die sich gerade noch finden muss.

1993 hat sich die Mode selbst einem Realitätscheck unterzogen. Exzessive Extravaganz gilt nun als einen Tick geschmacklos. Der Fokus des Interesses hat sich nun auf eine Bewegung verschoben, die den Glamour zugunsten einer Akzeptanz der politischen und ökonomischen Unruhen unserer Zeit zurückweist. Die Realität dringt in die abgeschiedene Welt der Couture ein. Der aktuelle Wechsel vollzieht sich von einem Fokus auf den hartkantigen Glanz zu einem individuelleren Eklektizismus. Nach dem unnatürlichen Glamour der 80er war eine Veränderung auch bitter nötig. Perfektion ist langweilig geworden. Die Menschen wollen etwas weniger gekünsteltes – eine Alternative zu dem, was konventionell als gutaussehend gilt.

Diese Entwicklung knüpft auch an die Revolution an, die sich in der redaktionellen Fotografie vollzogen hat. Fotografen wie Corinne Day, Nigel Shafran, Kates On-Off-Freund Mario Sorrenti, David Sims und Jürgen Teller interessieren sich genau so für Persönlichkeiten wie für Proportionen. Sie sind nicht länger auf der Suche nach Mädchen, die sich nach alter Schule der Kamera 'hingeben.' Es wäre jetzt zu einfach, das Realität zu nennen – Mode erfordert zwangsläufig, dass wir einer Illusion aufliegen –, aber es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Kate ist das Gesicht einer Schönheit sans artifice – also ohne Couture-Kleider und hohe Absätze, ohne Kollagen, Silikon und einer halben Kosmetikabteilung am Körper. Mit ihren ungewaschenen Haaren und Adidas-Sneakern spiegelt sie die Realität wieder – oder zumindest eine Version der Realität –, die Schönheit als etwas Tieferreichendes begreift als eine Reihe von Makeln, die verborgen werden müssen. Es geht darum, die Vorstellung der Menschen darüber zu ändern, was akzeptabel ist und was nicht. Die Makel der Models sind traditionell immer durch Make-Up und gekonnte Kameraeinstellungen unsichtbar gemacht worden. Heute herrscht zunehmend die Vorstellung, Mädchen so zu akzeptieren, wie sie sind – selbst wenn sei dabei vom traditionellen Ideal der 'Schönheit' abweichen.

Für Kate war die Zeit jetzt mehr als reif. Nach Jahren unbezahlter Arbeit für englische Magazine wie dieses hier, wurde sie für eine gigantische Calvin-Klein-Kampagne mit dem amerikanischen Teenie-Idol Marky Mark abgelichtet, trat in Fernsehwerbung für den Vauxhall Corsa auf, machte Werbung für Versace, war das Gesicht von Yves Saint Laurent's Obsession und ist auf hunderten Magazincovern und Modestrecken zu sehen. Ihr Privatleben war für die Klatschkolumnen so etwas wie Freiwild und jeder ihrer Schritte wurde von der Boulevardpresse dokumentiert. Sie ist das Gesicht der neuen Welle britischer Modetalente, die die Welt übernommen haben.

Sie sieht allerdings immer gleich aus. Egal, ob sie mit anderen Supermodels in einem edlen Club abgelichtet wird oder mit Freunden auf der Portobello Road, sie trägt immer zerschlissenen Jeans und ihre Haare nach zu einem unordentlichen Pferdeschwanz gebunden. Das ist eine der Gründe, warum sie so besonders ist – ein Aspekt dessen, was sie von dem Rest der anderen Magermodels abhebt. Was ist sonst noch charakteristisch für sie? Schau dir einfach diese Bilder mit ihrer sonderbaren Kombination aus Unschuld und Sexualität an und denk es dir selbst.

Wo bist du gerade und wie ist deine Umgebung?
Ich bin in Paris in meiner Mietwohnung und es ist richtig schön.

Beschreib dich selbst in drei Worten.
Oh Gott! Zum Glück habe ich vorher meinen Kaffee getrunken. Ähmm, ich weiß nicht. Kann ich später darauf zurückkommen? Ich würde nicht sagen sexy. Ich finde nicht, dass ich lustig bin, aber ein paar Freunde denken das schon ... Glaube ich, manchmal. Was sonst noch? Keine Ahnung.

Deine Lieblingsband?
Oh, ich habe eine Menge. Ich mag die Rolling Stones und Radiohead und Suede und ... The Velvet Underground.

Und deine Lieblingsplatte?
Ich bin mir gerade nicht sicher, aber eine Zeit lang war es Venus As A Boy von Björk.

Wie verbringt man einen perfekten Sonntagnachmittag?
Einfach chillen. Nichts tun. So wie gestern, da habe ich die ganze Zeit East Enders geschaut und gekocht. Ich koche nicht gerne, aber ich esse gerne. Also kocht mein Freund und ich esse. Dann haben wir rumgesessen, Wein getrunken, Backgammon gespielt und Videos geguckt. Nichts Aufregendes, aber ein gelungener Tag.

Wofür gibst du das meiste Geld aus?
Anziehsachen wahrscheinlich. Ich kaufe nicht viel, aber ich gebe dafür mehr Geld aus, als beim Ausgehen.

Deine Lieblingsdesigner?
John Galliano, Helmut Lang, Martin Margiela, Vivienne Westwood.

Und dein Lieblingskleidungsstück?
Vivenne hat mir gerade erst Unmengen Teile gegeben und da ist auch dieses pinke und kirschrote Mohairkleidchen, das wirklich süß ist. Oh, und ich habe es wirklich versucht, aber ich kann mich wirklich nicht von meinen Adidas-Sneakern trennen.

Was machst du in deiner Freizeit?
Freunde einladen, Musik hören und reden ... oh, und shoppen! Oft!

Wie sieht ein perfekter Abend für dich aus?
Zuerst in ein Restaurant und dann in einen Club, wo alle meine Freunde sind. Einen Club in London, einen abgedrehten.

Und wer wäre dein ideales Date?
Keanu Reeves. Ooh, ich finde eine Menge Leute sexy.

Erster Schwarm?
Das war Matt Dillon, aber in der Schule war ich in einen Typen namens Scott Wilson verknallt. Aber so richtig! Ich habe ihn einmal geküsst, aber danach sind wir nur Freunde geworden. Ich war 14, glaube ich. Ich habe Matt Dillon in Clubs gesehen, aber mich nicht mit ihm unterhalten. Er hat einen schlechten Ruf in New York, deswegen habe ich mich lieber ferngehalten.

Stehst du auf Marky Mark? Du hast ja die Calvin Klein-Kampagne mit ihm gemacht.
Nein. Nicht wirklich. Er stand auch nicht auf mich. Glaube ich. Wir waren einfach nicht der richtige Typ füreinander. Er ist dieser junge Homeboy-Typ, als wirklich jung, und er steht auf Mädchen mit großen Hintern, großen Titten und so. Ich passe da also nicht wirklich rein.

Wie fühlt es sich an, das Objekt von so viel männlicher Aufmerksamkeit zu sein?
Ich weiß nicht, ob ich ein Sexsymbol bin. Ich glaube nicht, dass ich das bin. Keine Ahnung! Es ist süß, dass Teenagerjungs sich Bilder von dir an die Wand hängen wollen. Ich werde nicht mehr so oft angesprochen. Die Leute sind jetzt eingeschüchtert von mir. Ich wurde früher viel öfter angesprochen.

Was war die beste Anmache, die du je gehört hast?
Mein Ex-Freund (Mario Sorrenti) meinte zu mir, dass er Fotos von mir machen möchte. Ich gab ihm meine Nummer und er rief mich dann an, um mir zu sagen, dass er mich zum Model machen will. Das war witzig. Ich selbst benutze keine Sprüche oder so. Ich flirte einfach nur.

Wie viel musst du trinken, um betrunken zu sein?
Eine Menge! Es kommt auch drauf an. Wenn ich was gegessen habe, kann ich die ganze Nacht durchtrinken, aber es hängt von den Umständen ab und davon, was ich sonst noch so getrieben habe. Ich trinke am liebsten Gin Tonic. Das ist so lecker!

Was ist deine größte Schwäche?
Nicht zu wissen, wann ich Nein sagen soll, wann man besser mit allem aufhört. Zu wissen, wann man Nein sagen sollte, aber dann nicht Nein zu sagen. Zu wissen, dass man es wirklich tun sollte, es aber trotzdem nicht zu tun, ist eine große Schwäche von mir. Oh, und niemanden zurückzurufen und mit meiner Familie in Kontakt zu bleiben.

Jetzt die langweilige Frage: Wolltest du immer schon Model werden?
Nein. Ich wollte reisen, aber wusste nicht wie. Ich dachte, ich würde aufs College gehen und Tourismus oder irgend so was Langweiliges machen. Zum Glück habe ich das nicht, sonst würde ich jetzt in einem Reisebüro sitzen.

Wie warst du, bevor du mit dem Modeln angefangen hast?
Ich war in der Schule ziemlich schüchtern. Ich war das Mädchen, mit dem alle Jungs befreundet waren, aber nicht unbedingt das Mädchen, auf das die Jungs standen. Ich hatte keinen wirklichen Freund, ich hing einfach nur mit den Jungs ab—wie einer von ihnen.

Jemals das Gesetz gebrochen?
Ja, aber ich bin nie erwischt worden! Aber nichts Ernstes. Solche Sachen, wie im Supermarkt ein paar Dinge einstecken. Ich selbst habe aber nie was eingesteckt, ich konnte das einfach nicht. Ich war viel zu paranoid, aber meine Freunde haben das gemacht und ich habe Schmiere gestanden.

Sollte Cannabis legalisiert werden?
Ja.

Rauchst du selbst?
Ja. Wer sag da heute schon noch Nein? Das versteckt doch niemand mehr und es ist auch nicht wirklich wie eine Droge. Die Leute holen es einfach aus ihrer Tasche und drehen sich einen.

Es gibt Gerüchte, dass diverse Mädchen bei der Präsentation der Pariser Kollektionen letzten Monat auf Drogen zurückgegriffen haben, um ihr Gewicht unten zu halten. Ist da was dran?
Ich bin nie so paranoid wegen meinem Gewicht gewesen, also würde ich auch nie zu so extremen Mitteln greifen. Ich kenne auch keine, die das tut. Es ist lächerlich. Obwohl, ich kenne vielleicht eine, aber sie ist auch nur die Mitbewohnerin einer Freundin. Ich glaube nicht, dass viele Mädchen so was machen.

Musst du darauf achten, was du isst?
Nein. Ich habe noch nie eine Diät gemacht. Aber ich kann Gewicht zulegen. Wenn ich während der Schauen in Paris bin, verliere ich Gewicht, weil ich die ganze Zeit durch die Gegend hetze, aber wenn ich in L.A. oder New York bin, lege ich etwas zu. Nicht viel, aber den Leuten fällt es auf.

Wolltest du schon mal den dünnen Kate Moss-Look gegen, sagen wir, die Kurven von Helena Christiansen tauschen?
Ja, ständig. Ich wollte früher immer Silikonimplantate haben! Jetzt nicht mehr, aber als ich jünger war, wollte ich unbedingt Titten. Ich war verzweifelt. Ich würde gerne immer noch etwas mehr haben, aber solange die nicht von selbst wachsen ...

Aber es wird doch jetzt gesagt, dass die Persönlichkeit im Modegeschäft wichtiger als Proportionen ist.
Ich glaube nicht, dass das wirklich stimmt. Ich denke, dass es mehr darum geht, dass die Fotografen ihre Persönlichkeit ausdrücken, und weniger, dass die Mädchen ihre Persönlichkeit zeigen. Verstehst du, was ich meine? Alle sagen, dass Mode jetzt realistischer ist. Wirklich realistisch ist sie nicht. Vor allem für das Model ist. Für die Fotografen wahrscheinlich mehr, denn sie sind die Interpreten. Sie sind diejenigen mit der Vision. Persönlichkeit ist momentan aber wirklich wichtig. Feingefühl. Es ist mehr als nur ein Foto mit Anziehsachen. Das ist nämlich ziemlich langweilig geworden. Dann könnte man ja genau so gut Katalogaufnahmen machen. Jetzt musst du Emotionen reinpacken. Das hat sich geändert.

Gibt es etwas, das du in einem Fotoshooting nicht machen würdest?
Ich würde keinen Pelz tragen, aber das wird man heute eh nicht mehr viel gefragt. Sonst hängt es von der Tageszeit und vom Fotografen ab. Manchmal machst du etwas, weil du den Fotografen kennst und weißt, dass die Bilder nicht aus dem Kontext gerissen werden. Manchmal schaut man sich die Sachen an, die man tragen soll, und denkt sich: ‚Wie hässlich!' Aber es ist dein Job und so ziehst du sie an und arbeitest damit.

Du lässt dich schon gerne fotografieren, oder?
Nein! Ich habe jetzt nichts mehr dagegen, auf einem Set zu sein, aber ich mag immer noch keine Schnappschüsse. Die Undercover-Fotografen sind allerdings die Schlimmsten. Du bekommst gar nicht mit, dass sie dich fotografieren und am nächsten Tag ist es in der Zeitung und du denkst dir nur: 'Scheiße!' Es ist so nervig.

Hat der Erfolg dich verändert?
In gewisser Weise tut er das, auch wenn du es nicht willst. Du kannst nichts dagegen tun, dein Umfeld und dein Leben sind so anders. Aber ich bin immer noch die gleiche Person, es betrifft nur deine Perspektive.

Glaubst du, dass dein Erfolg das Modelgeschäft verändert? Hast du vielleicht anderen Mädchen, die nicht den üblichen Modelkriterien entsprachen, den Weg geebnet?
In gewisser Weise habe ich das, aber die Modeindustrie ist wie eine Schafsherde. Wenn einer etwas macht, dann machen es alle anderen nach. Ich finde es aber super. Jetzt hast du breitere und zierliche Mädchen und nicht nur diese eine akzeptierte Größe und Form.

Was ist dir momentan wichtiger: Geld, Ruhm oder Sex?
Oh, definitiv Sex! Neben Geld oder Ruhm muss es unbedingt Sex sein.

Bist du jemals paranoid wegen deines Aussehens?
Manchmal, wenn ich morgens aufstehe, in den Spiegel schaue und mir denke: ‚Scheiße, siehst du fertig aus.' Ich sehe gerade übrigens auch etwas fertig aus. Ich muss mir mal eine Sonnenbank zulegen. Ich bin immer so käsig und weiß.

Noch eine langweilige Frage: Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Ich will nicht so lange modeln wie Lauren Hutton, aber ich weiß nicht, was ich sonst machen werde. Irgendwas wird sich schon ergeben. Ich habe überlegt, was mit Fotografie zu machen, weil man am Set so viel darüber lernen kann, wie das alles funktioniert. Aber ich weiß es nicht. Viele meiner Freunde sind Fotografen und ich will nicht auch noch einer werden.

Es gab vor ein paar Monaten etwas Aufregung wegen eines Unterwäscheshootings, das du für die britische Vogue gemacht hast. Es wurde in den Medien dafür kritisiert, dass du darin minderjährig aussiehst.
Das fühlte sich schon komisch an. Ich hätte zu dem Zeitpunkt wohl was dazu sagen können, aber dann wäre ich zu ihnen in die Manege gestiegen. Also habe ich es gelassen. Ich wusste, dass die Bilder nicht so gemeint waren, wie alle behauptet haben. Es war wirklich nichts und die haben so einen Aufstand darum gemacht. Sie schreiben ständig Sachen über einen, die überhaupt nicht wahr sind – am Ende geht das in einem Ohr rein und im anderen wieder raus. Also zu dem Zeitpunkt dachte ich mir schon: 'Oh Gott, das ist schon schlimm, so was zu sagen.' Pädophil, argh! Aber das darfst du nicht an dich ranlassen.

Jetzt wird in den Medien über Tania Court (das i-D Cover-Girl Oktober) spekuliert, ob sie magersüchtig ist oder nicht.
Sie ist dünn, aber das sind viele andere Mädchen auch. Was soll sie machen? Aufhören zu arbeiten, damit sie junge Mädchen nicht mehr anorektisch macht oder über ihr eigenes Körperbild verunsichert, wie alle behaupten? Nur um andere Leute glücklich zu machen? Sie wird die Jobs nicht ablehnen. Am Ende sind es doch die Leute, die sie engagieren. Das sind diejenigen, die ihr Geld bezahlen. Wenn die schon nicht auf die Medien hören, warum sollte sie das dann tun? Bei mir ist es das gleiche. Ich denke mir so: 'Oh mein Gott, was soll ich denn tun? Essen und Gewicht zulegen und dann sind alle glücklich?' Es ist doch so: Warum sollen wir versuchen, es Menschen rechtzumachen, die nichts mit uns oder unseren Leben zu tun haben?

Befürchtest du nicht manchmal, dass an diesen Anschuldigungen, Models würden die Selbstwahrnehmung von Frauen beeinflussen, etwas dran ist?
Frauen werden sich immer um ihr Aussehen sorgen. Als Cindy gerade angesagt war, wollten alle Silikonimplantate haben, um ihre Titten zu vergrößern. Jetzt sagen sie, dass alle magersüchtig werden, weil Models gerade so dünn sind. Ich glaube nicht, dass Frauen so blöd sind und in Magazin schauen und sich denken: 'Oh Gott, ich muss auch so dünn sein, um gut auszusehen.' Solange sie sich in ihrer eigenen Haut wohlfühlen, werden sie sich nicht darum scheren, was in einer Modezeitung zu sehen ist. Das hoffe ich zumindest.

Und dieses 'Waif'-Wort [auf Deutsch etwa: Waise, Obdachlose] ...
Das ist nur ein Label, das die Leute verwenden wollen. Und es ist unglaublich bescheuert. Was ist die Bedeutung von Waif [Waise] überhaupt? Ich bin kein verlorenes, unterernährtes Kind oder was auch immer das bedeuten soll.

Und zu guter Letzt: Bist du ein Steuerflüchtling?
Das sage ich dir doch nicht! Das kann ich wirklich nicht, sonst habe ich die Steuerfahndung am Hals. Ich rede nicht über Geld, das ist total unsensibel. Du bekommst wirklich abartiges Zeug, weißt du, und wenn du darüber mit normalen Menschen redest, sagen die nur: ‚Verdammt, warum bin ich nur nicht schön auf die Welt gekommen?' Das hat erst letztens einer zu mir gesagt. Also, ich arbeite schon hart, aber es ist einfach eine andere Art von Arbeit. Ich rede aber nicht gerne darüber.

Aber du verdienst ein Vermögen. Geld ist also nicht wichtig?
Nein, es ist nicht wichtig, reich zu sein. Jeder muss natürlich etwas Geld haben—das ist schon wichtig. Nur ein kleines Bisschen ist gut.