Teeth, Buttons, Hair, Square, 1974

der straßenfotograf mark cohen zeigt dir das wilde new york der 70er jahre

„Closer“ heißt die aktuelle Ausstellung, die bisher unveröffentlichte Fotos des Pioniers zeigt.

von Emily Manning
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13 Mai 2016, 1:35pm

Teeth, Buttons, Hair, Square, 1974

Letzten Oktober veröffentlichte der Straßenfotograf Mark Cohen sein erstes retrospektives Buch mit dem Titel Frame, in dem über 50 Jahre konfrontativ-intime Bilder zusammengefasst sind—Ergebnisse seines unerschrockenen, intuitiven, aus-der-Hüfte-heraus-Fotografierens. Auch wenn Cohen einer der viel kopierten Pioniere dieses Stils ist, konnte er bislang noch keine größere Bekanntheit durch Ausstellungen in renommierten Galerien oder einen höheren Abschluss an der Kunsthochschule erlangen. Tatsächlich hat er sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, Fotos in New York City zu schießen. Stattdessen arbeitete er ein halbes Jahrhundert in immer der gleichen Nachbarschaft, in Pennsylvania. „Man kann ein komplettes Lebenswerk in einer Kleinstadt erschaffen. Du musst nicht in das Zentrum von New York City oder Paris fahren oder reisen, um als Künstler zu arbeiten", sagte Cohen gegenüber i-D. „Diese Arbeiten sind fast alle in einem fünf oder zehn Meilen Radius um mein Haus herum entstanden."

Die Danziger Gallery in New York zeigt jetzt mit Closer eine neue Ausstellung mit Cohens Bildern aus den frühen 70ern—viele davon werden zum ersten Mal überhaupt ausgestellt.

Undershirt, Boy, Girl, 1974

Der Name der Ausstellung bezieht sich laut Pressetext auf Cohens typischen Stil: „In einer Zeit, in der die Straßenfotografie ihre Nische darin fand, auf die harmonischen oder dissonanten Schnittpunkte von Menschen und ihrer Umwelt zu blicken, ging Cohen näher an seine Subjekte als alle anderen."

Bei Closer sind unter anderem „Frame-Hole in Shirt" (das Foto auf dem Buchcover), „Upside-Down Girl" und das bekannte „Bubble Gum" zu sehen. Nichtsdestotrotz scheint die Ausstellung ein aufregendes Gespür für das Neue zu transportieren, das selbst diejenigen erfasst, die mit Cohens Arbeit bereits bestens vertraut sind. Während Frame hervorragend seinen Fokus auf Kleidung einfing, steht bei Closer mit einer Auswahl verschrammter Knie, nackter Oberkörper und verdreckter Unterhemden eindeutig das wärmere Wetter im Mittelpunkt—ein aufdringliches und gleichzeitig menschliches Porträt des stickigen Sommers in der Stadt.

Closer läuft noch bis zum 11. Juni in der Danziger Gallery. Mehr Informationen findest du hier.

Subway, NYC, 1973

Cheryl's, 1974

NYC, 1973

Torn Shirt, 2010

Zipper, Chain, Dark Chest, 1974

Hole in Shirt, 1974

Credits


Text: Emily Manning
Fotos: Mark Cohen

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