arthur elgorts perfekte supermodels

Der Fotograf bekannt für seine Fotografien aus der goldenen Ära der Supermodels veröffentlicht den Bildband „The Big Picture“ und lässt uns den ganz großen ganz nah sein.

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Feb. 12 2015, 10:15am

Photography Arthur Elgort

Wenn man das Manhattan-Studio von einem der wichtigsten Modefotografen aller Zeiten anruft, erwartet man am anderen Ende der Leitung eine zugegebenermaßen verdiente Portion Ego. Stattdessen wurden wir mit warmen Worten und einem starken New Yorker Akzent von einem sehr charmanten Mann begrüßt. In New York geboren und aufgewachsen, studierte Elgort zuerst Malerei, stellte dann aber fest, dass das nicht der richtige Weg für ihn ist, und fotografierte stattdessen Balletttänzer. Bald hatte er seine ersten Magazin-Aufträge in der Tasche und eroberte mit seiner einzigartigen Snapshot-Ästhetik seinen eigenen Platz in der Modewelt. Die Bewegung und der Moment sind ihm am wichtigsten. Seit seinem Debüt in der British Vogue 1971 arbeitete er unzählige Male mit Apollonia, Lisa Taylor, Christy, Linda Evangelista und Naomi, den originalen Supermodels, zusammen und schoss Kampagnen für Chanel, Valentino, Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld. Der amerikanische Modeverband CFDA verlieh ihm den Board of Directors' Special Tribute Award für seine Verdienste um die Mode. Aus seiner Arbeit und persönlichen Bildern entstand der Bildband The Big Picture mit den Highlights auf seiner fast fünfzigjährigen Karriere. Wir trafen den legendären Fotografen und sprachen mit ihm über die Schönheit.

Schönheit liegt in den Leuten, die ich fotografiere, besonders in den Mädchen. Ich fotografiere auch Männer, aber es geht eigentlich immer um die Mädchen.

„Schönheit liegt in den Leuten, die ich fotografiere", erklärt er offen. „Besonders in den Mädchen. Ich fotografiere auch Männer, aber es geht eigentlich immer um die Mädchen." Arthur verbrachte einen Großteil der 70er, 80er und 90er an exotischen Orten umgeben von exotischen Gesichtern. Ein Traumjob für jeden jungen Fotografen. „Es war ein Traumjob, das kann ich sagen. Alle haben mir auch wirklich zugehört und mich ernst genommen. Ich glaube nicht, dass ich ein guter Postzusteller geworden wären." Beim Durchblättern des Buches entdeckt man Bilder von Linda Evangelista beim Rafting in China, Shalom Harlow auf Reisen in Marokko und Abenteuer mit Kate Moss und Christy Turlington in Nepal, die kürzlich erklärt hat, dass das Elefanten-Shooting „der beste Trip aller Zeiten war!" Für Arthur repräsentieren aber nicht nur Models Schönheit. Seine drei Kinder waren oft bei Fotoshootings dabei und manchmal am Ende sogar in den Fotos, was ihre Kreativität offensichtlich befördert hat. Seine Tochter Sophie (28) ist Fotografin, sein Sohn Warren (24) ist Regisseur und sein jüngster Ansel (20) ist Schauspieler. „Je älter sie werden, desto schöner werden sie. Ansel ist gerade in London. Er spielt in einem Film mit und ich bin so stolz auf ihn." Arthur erzählt i-D im weiteren Verlauf, in welchem Hotel sein Mädchenschwarm-Sohn wohnt und fordert uns auf, ihn zu treffen: „Er ist toll. Ihr werdet ihn lieben!" Sophie hat kürzlich geheiratet und - natürlich - hat er ihren besonderen Tag dokumentiert. „Sind sie schon verheiratet?", fragt er und bietet an, alle zukünftigen i-D-Hochzeiten zu fotografieren. „Ich bin ein glücklicher Mann, da ich diese drei Kinder und natürlich meine Frau (die Theaterregisseurin Grethe Holby) habe", lächelt er.

Hat sich mit nun 74 Jahren seine Wahrnehmung von Schönheit verändert? „Ich finde immer noch dieselben Dinge schön. Die Mädchen, die ich fotografiert habe, sind alle noch wunderhübsch. Alter spielt bei Schönheit keine Rolle." Arthur findet, dass es heutzutage „viele schöne Models gibt, aber es gibt keine neuen Supermodels. Die Supermodels arbeiten immer noch und sehen immer noch umwerfend aus - Christy Turlington und Kate Moss sind immer noch perfekt. Sie brauchen auch keine Schönheits-OPs und das ist wunderbar." Abgesehen vom Mangel an neuen Supermodels, gibt es neue Mädchen, die ihm gefallen, besonders Stella Maxwell und Karlie Kloss haben es ihm angetan. „Sie ist einfach nur toll", sagt er über die Ex-Ballerina und i-D-Coverstar. Tänzer haben Arthur schon immer fasziniert, denn er liebt, wie diese ihre Körper verstehen. Laura Love (Tochter von Lisa Love) steht auch auf Arthurs Favoritenliste. „Ich erinnere mich noch an sie als Fünfjährige, als ich einmal mit ihrer Mutter zusammengearbeitet habe. Sie ist jetzt eine Ballerina und Model und bewegt sich so geschickt."

Es gibt viele schöne Models, aber es gibt keine neuen Supermodels.

Zu i-D Gründer Terry Jones sagte er einmal, dass Schönheit auch in jedem kleinen Kratzer, Narbe oder Sommersprosse liegt. „Ich bin kein Fan von Retusche. Ich mag Natürlichkeit. Meine Frau würde nicht eine Falte verdecken, das liebe ich an ihr." Weiters erzählt er Geschichten aus seiner Pariser Zeit, als Azzedine Alaïa gerade began die Modewelt zu erobern. „Er kam auf uns zu, sah meine Frau und schenkte ihr eine komplette Garderobe - das alles, weil er sie so schön fand." Arthur ist ein Verfechter von künstlerischer Ehrlichkeit und bevorzugt immer noch analog gegenüber digital. „ Wenn ich jemanden fotografiere, den ich wirklich mag, fotografiere ich definitiv analog. So ist es etwas Besonderes."

Für The Big Picture hat Arthur tief in seinem Archiv gestöbert und dabei vergessene und unvergessliche Fotos wiederentdeckt. Mit dabei ist der 18-malige i-D-Coverstar Kate Moss. Nun ziert sie lachend und tanzend auf den Tischen des Cafe Lipp in Paris sogar das Buchcover. „Wir lächeln nicht genug", betont Arthur. „Auf den Fashionshows wird nicht gelächelt. Alle sollten hin und wieder lachen." Er scheut sich auch nicht davor, über seine ersten Eindrücke von Kate zu erzählen. Er glaubte nicht an sie, aber schon nach dem ersten Test-Shoot wurde er zum Fan. „Ich habe es nicht glauben können", ruft er. Grace Coddington, lebenslange Freundin des Fotografen, ist auch in dem Buch zu sehen und wurde vom Model zu einer der einflussreichsten Frauen der Modewelt. Das Dreamteam schweißte der Glaube zusammen, dass Mode mehr sein kann als Kleidung vor einem weißen Hintergrund. Ihr aktuellstes Projekt war Arthurs Cover von Grace für i-D's Wise Up Issue im Winter 2012. „Vielleicht habe ich mein Lieblingsfoto noch nicht gemacht. Vielleicht schieße ich es in ein paar Jahren und realisiere dann auf einmal, dass ich das perfekte Bild geschossen habe", sinniert er. „Deshalb ist es wichtig, niemals aufzuhören. So wie Davild Bailey oder Rei Kawakubo. Sie habe ich auch einmal fotografiert und sie ist wunderbar."

Wir lächeln nicht genug. Auf den Fashionshows wird nicht gelächelt. Alle sollten hin und wieder lächeln.

Im Laufe seiner langen und glanzvollen Karriere blieb Arthur seiner Ästhetik immer treu. „Ich glaube, das ist der Grund, wieso das Buch so interessant ist. Abgesehen vom Alter der Models kann man nicht sagen, wann die Fotos gemacht wurden, weil sie sich nicht im Stil unterschieden." Er hat recht. Arthur Elgort ist von der raren Spezies der liebenswerten Legenden und dafür verantwortlich, Mode aus den Studios auf die Straßen geholt zu haben. Er inspiriert die Modebranche immer noch. „Ich hoffe, dass ich noch lange leben werde, noch mehr vom Leben und noch mehr Leute sehen werde", beendet er unser Gespräch. Das wünschen wir ihm.

@arthurelgort

Credits


Text: Francesca Dunn
Foto: Arthur Elgort