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Foto: Collage via i-D UK

Mit ihrem Berghain-Konzert definiert Kylie, was "Schwulenikone" im Jahr 2018 bedeutet

VonAlim KherajÜbersetzt vonMichael Sader

Natürlich Miss Minogue, nicht Jenner.

Foto: Collage via i-D UK

Britney Spears wird dieses Jahr in Deutschland auftreten und auf Netflix feiert die Kultserie Queer Eye for the Straight Guy ein Comeback. Wenn du dachtest, dass das Jahr nicht schwuler werden könnte, hast du dich geirrt, denn es wird noch besser: Wie deine Facebook-Timeline dir bereits verraten hat, erreicht die Schwulenkultur am 20. März 2018 ihren Höhepunkt, wenn Kylie Minogue im Berghain auftreten wird.

Zum Release ihres mittlerweile 14 (!) Studioalbums Golden hat die australische Sängerin mehrere intime Club-Konzerte angekündigt. Los geht es am 13. März im Café de Paris in London, den finalen Höhepunkt bildet aber das Konzert in Berlins berühmt-berüchtigten Club am Ostbahnhof.


Auch auf i-D: Dieses Kollektiv schafft Safe Spaces für die queere Community in Berlin


Dass der Popstar im Berghain auftreten wird, das für seine strenge Türpolitik, Techno-Musik und den Sex bekannt ist, dürfte einige überrascht haben. Doch nicht ihre schwulen Fans. Kylie im Berghain passt besser als ein Ganzkörper-Latexanzug: Beide sind queere Institutionen.

Schwulenclubs bieten der LGBTQ-Community einen Safe Space. Hier können wir so sein, wie wir sind. Die wummernden Bässe aus den großen Boxen sind unser Leben. Wir feiern in diesen Clubs das Leben an sich und alles, was es zu bieten hat. Die Clubs sind nie wirklich luxuriös, sondern versprühen einen rauen und leicht heruntergekommenen DIY-Charme. Wenn irgendwo ein Loch in der Wand ist, wird es mit Klebeband überklebt und mit Glitzer verziert. Noch eine rotierende Discokugel und die Show kann losgehen.

Kylie ist alles andere als leicht heruntergekommen, damit wir uns richtig verstehen. Ihr neuer Song "Dancing" ist das Beste, was sie seit "All The Lovers" veröffentlicht hat. Auf den Popstar kann man sich genauso verlassen wie auf die Schwulenclubs. Beide bieten uns Stabilität und Sicherheit, auch wenn sich das manchmal ein bisschen kitschig anhören mag. Ob die Leute nun vom neuen Sound enttäuscht sind oder "Dancing" bereits zu ihrer Spotify-Playliste hinzugefügt haben: Kylie is back. Kollektiv atmeten wir queeren Menschen auf. Unsere Kylie ist wieder da und alles wird gut.

Und genau dafür sorgen gute Schwulenikonen. Ob sie sich für Schwulenrechte einsetzen (wie Kylies Einsatz für die Einführung der Homo-Ehe in Australien); darüber singen, dass man ordentlich durchgenudelt wurde (wie Ariana Grande in "Side to Side") oder Support in Form einer Identifikationsfläche bieten. Diese Stars bedeuten für uns Sicherheit. Das Comeback von Madonna gibt uns Hoffnung. Genauso wenn Beyoncés neue Platte wieder einmal alles ändern wird oder Arianas Pferdeschwanz.

Im Fall von Miss Minogue gibt es aber noch einen weiteren Grund: Sie gibt nichts vor, das sie nicht ist. Wie es Rufus Wainwright mal treffend formuliert hat: "Selbsterkenntnis ist wunderbar und Kylie kennt sich in- und auswendig." Der Brite ging sogar so weit und erklärte, dass ihr Name für Schwule ein anderes Wort für Freude sei. Und er hat Recht. Hör dir "I Believe in You", "Spinning Around" oder "Better the Devil You Know" an und dir wird es schwerfallen, dich nicht von der guten Stimmung anstecken zu lassen. Ihre Songs stehen für queeres Empowerment. "Confide in Me" ist gerade deswegen stark, weil der Track zu seiner Andersartigkeit steht und darin aufgeht. Und genau diese Eigenschaften verkörpert auch das Berghain. Dieser Club könnte ebenfalls in die gleiche Kategorie von Wainwright fallen: Das Berghain steht für queere Freude und ist nicht prätentiös, mal abgesehen von der Türpolitik. Es wird nicht vorgegeben, etwas anderes zu sein, als man ohnehin ist.

Der 20. März 2018 könnte zum wichtigsten Tag in der jüngeren Schwulengeschichte werden. Zwei weltweit bekannte und geliebte queere Institutionen vereinen zum ersten Mal ihre Kräfte. Das könnte so viel Energie freisetzen, dass Homophobie ein für alle Mal zerstört wird. Schließlich singt Miss Minogue nicht ohne Grund "When I go out, I wanna go out dancing." Also tun wir Kylie den Gefallen.

"Golden" von Kylie Minogue erscheint am 06. April. Der Vorverkauf für das Konzert in Berlin startet am 15. Februar um 10 Uhr. Hier findest du mehr Informationen.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.