was bedeutet es, dass der „playboy“ wieder nackte frauen auf dem cover zeigt?

Meghan Murphy von der Website FeministCurrent.com nimmt den Sinneswandel bei dem Magazin für uns genauer unter die Lupe.

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22 Februar 2017, 8:30am

Der Playboy hat schon immer zu den Vorkämpfern für Frauenrechte gehört, zumindest nach eigener Darstellung. Hugh Hefners Worte sind legendär: „Ich war Feminist, bevor es überhaupt so etwas wie Feminismus gab". Danke Hugh, gut zu wissen! Wie viel Zeit und Energie hätten sich Frauen sparen können, wenn sie einfach die Pornos ihrer Ehemänner, Brüder oder Väter aus der Garage ins Wohnzimmer geschleppt hätten, anstatt Gesetze gegen sexuelle Belästigung einzuführen, Frauenhäuser zu betreiben oder gegen die unfaire Bezahlung zu kämpfen.


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Die Feministinnen der zweiten Welle waren zu clever, um auf das American-Sweetheart-Gesülze von Hugh Hefner reinzufallen, nach der nämlich die Objektivierung der Frau tatsächlich ihre Befreiung war. Die neoliberale dritte Welle des Feminismus hat sich im Gegensatz dazu aber solchen Gedanken begeistert angenommen. „Women now empowered by everything a woman does" lautet eine witzige Überschrift der Satirewebsite TheOnion.com, sie ist zwar nur eine lustige Überschrift einer Satirepublikation, aber das könnte auch das Mantra vieler moderner, liberaler Feministinnen sein. Der Playboy verschwand aus dem Fokus feministischer Aufmerksamkeit, weil sich der Diskurs verschoben hat. Jetzt ging es darum, die individuellen Entscheidungen von Frauen zu akzeptieren und zu feiern, egal wie der Kontext aussieht, und egal, was das für Entscheidungen im Einzelnen sind. Wenn sich eine Frau also dafür entscheidet, nackt fotografiert und dafür bezahlt zu werden — was gibt es Revolutionäreres als Profit? —, dann übt sie einfach ihr Selbstbestimmungsrecht aus. Die Idee, dass die Objektivierung der Frauen den Frauen schadet, patriarchischen Stereotypen in die Hände spielt und somit den Wert der Frauen mindert, war nicht länger en vogue. Der Playboy hat genau das erreicht, was er von Anfang an behauptet hat: feministisch zu sein.

2014 hat der Playboy angefangen, auf dem jugendfreien Teil seiner Website feministische Inhalte zu veröffentlichen. Viele der Artikel stammen von Männern und viele teilen auch Hefs libertäre Vorstellung, nach der die sexualisierten Körper von Frauen für eine freie Gesellschaft stehen. Aber da war die Arbeit vom Playboy längst vollbracht. Hefners Vision war Realität geworden: Porno wurde Mainstream. Die Zeitschrift hatte auf einmal nicht mehr die Funktion, die sie einmal für so viele Männer hatte. Im Jahr darauf hat das Magazin angekündigt, dass es keine Nacktfotos mehr veröffentlichen wird. Der Playboy ohne Nacktfotos. „Der Kampf ist vorbei und wir haben gewonnen", gab der damalige Chef Scott Flanders als Devise von sich. Es war schlicht nicht mehr notwendig, Männern Nacktfotos von Frauen wie in Pornofilmen zu zeigen, denn Frauen sind bereits überall sonst so zu sehen. Freiheit eben.

Wie ist dann die neueste Entwicklung des Playboys zu beurteilen? Letzte Woche hat Hugh Hefners Sohn und Chief Creative Officer, Cooper Hefner, im besten Sprech der dritten Feminismus-Welle angekündigt: „Wir holen uns unsere Identität zurück und zeigen wer wir sind." Nacktheit aus dem Heft zu entfernen, sei ein Fehler gewesen, so der neue Chef. „Nacktheit war nie das Problem, weil Nacktheit kein Problem ist."

Obwohl diese Erklärung nur so vor trendy, liberal-feministischen Buzzwords trieft, mit der Absicht, eine Botschaft der sex-positiven Akzeptanz zu verbreiten, dürfte der Grund dafür in den Umsätzen vom Playboy liegen. Das Magazin hat sein Geld und sein Publikum auf dem Rücken nackter Frauen aufgebaut. Es ist einfach zu spät, um daran noch irgendetwas zu ändern. Ja, es stimmt, Männer können heutzutage Pornos mit einem Klick aufrufen. Aber es gibt absolut keinen Grund zu glauben, dass Männer keine nackten Frauen in ihren Playboys sehen wollen.

Natürlich müssen die Magazinmacher unterscheidbar bleiben und Dinge deshalb etwas anders als das Internet gestalten, damit die Männer zur Zeitschrift greifen, statt sich gleich online das volle Programm zu holen. Im Unterschied zu dem Zeug, das sich Männer im Internet reinziehen, gilt die Pornografie im Playboy als stil- und geschmackvoll. Ob man es im Zeitalter von Gonzo-Pornos nun glauben will oder nicht, aber dieses Argument zieht heute immer noch. Der Playboy ist nichts, wofür sich ein guter Junge schämen müsste, wenn Gäste die Zeitschrift auf dem Couchtisch sehen. Wenn sie doch sogar über Politiker berichtet.

Cooper Hefner hat genau das getan, was er tun musste, damit hippe, progressive Männer und Frauen, seinen Schwenk zu sexy akzeptieren: Er hat die Objektivierung politisiert und mit Bürgerrechten und Meinungsfreiheit verknüpft, außerdem hat er der Ästhetik dieser Nacktfotos einen Hipster-Vibe verpasst.

Die coolen Dudes von heute wollen eben keine Frauen mehr mit gemachten Brüsten oder pornorösen Stilettos sehen. Das Zeug ist einfach kitschig und peinlich. Die versnobten Hipster, die in der Bar um die Ecke rumhängen, wollen die Objektivierung auf natürliche Weise: sorgenlose Girls, die kurze Vintageröcke, Kniesocken und bitte keine Unterwäsche tragen. Diese Typen wissen, dass es OK ist, auf Instagram oberkörperfreie Babes auf Motorrädern zu liken. Aber was gar nicht geht, sind diese aufgedonnerten, vom Schönheitschirurgen gezeichneten Pornosternchen. Das macht das Ganze weniger verzweifelt und verleiht obendrein einen Anti-Establishment-Anstrich. Das ist die gentrifizierte neue Pornokultur: Man quatscht mit seinen Bros in der Bar nebenan darüber, was linke politische Kräfte wieder falsch gemacht haben, während sich eine 20-jährige ohne BH in den eigenen Armen langweilt.

Das Cover der März/April 2017-Ausgabe des amerikanischen Playboys zeigt eine Brünette mit wenig Make-up und einem sonnigen Vintage-Glow. In einem Video auf Playboy.com erklärt Covergirl Elizabeth Elam, was sie alles anturnt: Gras rauchen, kniehohe Socken, Jonah Hill, Trekkies („Erwecke den Nerd in dir") und feministische Männer („Das macht mich am meisten an"). Sie findet den zweiten Teil von 50 Shades of Grey schrecklich und Taylor Swift war sowieso immer doof. Elam ist wie die jungen Frauen, die in meiner Stamm-Bar abhängen. Und genau das ist es, was der Playboy immer verkauft hat: das Mädchen von nebenan. Das Playboy-Girl ist kein Supermodel, es ist nicht perfekt, nicht arrogant, sondern es ist erreichbar und leicht zugänglich.

Cooper Hefner hat das ins 21. Jahrhundert übertragen und ist noch einen Schritt weitergegangen. Er hat begriffen, dass smarte, liberal eingestellte Dudes, die ständig Artikel aus dem Politikteil lesen, sich selbst als Feministen sehen, die auf coole Girls stehen. Diese Frauen essen lieber Pizza und schauen sich Twin Peaks an, als in einem schicken Sportauto gesehen zu werden und bilden die Projektionsfläche heutiger, männlicher Hipster-Fantasien: Anti-Establishment, sie sind interessiert an Nerd-Kultur und gehen zu Sportevents, natürlich nur der Ironie wegen. Der neue Playboy hasst die Mainstream-Kultur und fühlt sich von natürlicher Nacktheit befreit. Das neue Playboy-Häschen ist sehr dünn, sehr jung und mag einen Klaps auf den Po. Es ist das Traumgirl für jeden fast 40-Jährigen, der zwar eine feministisch eingestellte Freundin haben will, mit der er über Politik reden kann, aber die keine Gefahr für seine Autorität darstellt — wie sich die Zeiten wiederholen. Er liebt lustige, smarte und ehrgeizige Frauen mittleren Alters, wie Julia Louis-Dreyfus oder Pamela Adlon, aber datet nur 25-Jährige, die das ganze Jahr nackt im Wald für den Hashtag #FreeTheNipple posen.

Eines muss man dem jungen Hefner lassen: Er hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Relaunch beim Playboy unter dem Motto „#NakedIsNormal" bietet vermeintlich progressiven Männern eine neue Art von Frauenfeindlichkeit, die ihrem Lifestyle entspricht.

Meghan Murphy ist eine kanadische Autorin aus Vancouver, die die Website Feminist Current betreibt.

Credits


Text: Megan Murphy
Foto: via Twitter