Diese Drag Queen macht Schluss mit Schönheitsidealen

Von ihren übernatürlich geschminkten Augen bis hin zu ihren verwischten, Clown-ähnlichen Lippen: Salvias Schönheit ist nicht von dieser Welt.

von Tish Weinstock
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01 Juni 2017, 1:35pm

Salvia ist in einem kleinen Dorf in Nordwales aufgewachsen, sie war also ständig von Natur umgeben. Die Hügellandschaften und dichten Wälder der Umgebung haben ihr Raum für eine gewisse Romantik und Fantasie gelassen, die Salvia gebraucht hat, um ihrer Realität zu entfliehen. Einer Realität, in der sie ihre Einsamkeit und ihr Unwohlsein mit ihrem Geschlecht nicht verstanden hat. Erst als sie zufällig die vierte Staffel von RuPaul's Drag Race entdeckt hat, konnte sie sich selbst endlich besser verstehen. Durch Drag kann die außergewöhnliche und unglaublich schöne Salvia sein, wer auch immer sie sein will. Selbst innerhalb der Drag-Szene sticht ihr Look hervor und lässt unsere Wahrnehmung von Schönheit und Gender hinterfragen. Einige ihrer Looks sind so überirdisch, dass sie an ein geheimnisvolles Wesen erinnert – und genau dafür lieben wir sie. So sehr, dass wir mehr über sie erfahren wollten.


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Wie war deine Kindheit?
Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Ich glaube, dass die Natur, von der ich dort umgeben war, mir gut getan hat, obwohl es teilweise auch sehr einsam sein kann. Die meiste Zeit musste ich mich selbst beschäftigen. Aber das hat mir gefallen und ich glaube, dass ich mich meistens ganz bewusst isoliere.

Was für Vorbilder hattest du als Kind?
Tim Burton, ich war wie besessen von ihm und habe oft versucht, seinen Kunststil nachzuahmen.

Wer wolltest du werden, als du jünger warst?
Als Kind habe ich den Leuten immer erzählt, dass ich mal Auftragskiller werden will, aber was ich wirklich schon immer machen wollte, sind Filme. Ich habe damals stundenlang an schlechten Animationen rumgebastelt.

Wie hat sich dein Verständnis von Gender und Identität über die Jahre verändert?
Es hat sich grundlegend verändert. Das Bildungssystem hat ganz klar versagt, als es darum ging, mich über Gender und viele andere Dinge aufzuklären. Ich habe schon früh für mich entschieden, dass Geschlechterrollen sinnlos und langweilig sind, aber darüber hinaus habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt.

Wie hast du Drag für dich entdeckt?
Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber ich habe Drag tatsächlich auf YouTube entdeckt. Als ich auf die Videos von Willam's Beatdown gestoßen bin, dachte ich zuerst, er sei transgender. Dann habe ich über seinen Kanal die Serie Drag Race und Sharon Needles gefunden, in die ich mich sofort verliebt habe, weil ich mich so gut mit ihr identifizieren konnte — viel besser als mit anderen Drag Queens.

Was bedeutet Drag für dich?
Durch Drag habe ich unendlich viele Möglichkeiten. Als Drag Queen oder King kann man sein, wer man will, und tun, was man will. Ich glaube auch, dass die Übergänge sehr fließend sind – zumindest ist das bei mir so.

Erzähl' uns etwas über Sad Salvia. Wer ist sie und wie ist dieser Charakter entstanden?
Ich habe mich nach der magischen Pflanze Salvia benannt. Ich bin wie besessen von Blumen, und ein gängiges Thema in meinen Kunstwerken ist die Geburt seiner Selbst. Ich glaube, dass Blumen das sehr gut verkörpern. Mazatec-Schamanen sehen Blumen als Inkarnation der Jungfrau Maria an, und ich finde diese Vorstellung sehr geheimnisvoll und romantisch. Ich bin Salvia, sie ist also nicht ein völlig erfundener Charakter.

Du hast gesagt, dass du mit deinem Aussehen spielst, weil du transgender bist. Könntest du uns das genauer erklären?
Ich leide unter einer Gender-Dysphorie, und das hat mich dazu gebracht, mein Aussehen zu verzerren. Für mich ist es leichter, die Leute bezüglich meines Geschlechts zu verwirren, als wenn die Leute mich als Mann ansehen.

Wofür stehst du?
Ich möchte, dass jeder er selbst sein kann. Ich stehe für all diejenigen, die noch nicht die Möglichkeit bekommen haben, ihr Leben ohne Angst zu leben.

Warum ist Kreativität heute wichtiger als je zuvor?
Sie ist so wichtig, weil unsere aktuelle Lebensweise weder nachhaltig noch fair ist. Wir sollten uns neue Lebensweisen einfallen lassen, bevor wir uns selbst zerstören oder der böse, orangene Mann es tut.

Was erhoffst du dir von der Zukunft?
Ich glaube, dass ich mich immer gerne verkleiden werde, aber ich will auch ohne Verkleidung selbstbewusst sein und mich wohlfühlen können.

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