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“dear white people“ spricht rassismusprobleme an, die auch in deutschland existieren

Immer diese Schwarzen Menschen mit ihrem umgekehrten Rassismus …

von Kemi Fatoba
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15 Mai 2017, 9:55am

Als Netflix letzten September den Trailer für die neue Serie Dear White People veröffentlichte, rastete die rechte Ecke des Internets aus. Sie rief zum Netflix-Boykott auf und wütende Trolle machten ihrem Ärger in Form von YouTube-Videos und mit dem Posten hasserfüllter Kommentare über die vermeintlich rassistische Serie Luft. Die krass rassistische Botschaft des 0:34 Sekunden langen Trailers: Blackface ist nicht akzeptabel.

Dear White People basiert auf dem gleichnamigen Film von Justin Simien. Die Serie handelt vom Studentenleben auf dem imaginären Ivy League Campus von Winchester. Sam, die Hauptdarstellerin, moderiert hier bewusst die kontroverse Radiosendung Dear White People. Als sie in einer der Episoden von einem Anrufer gefragt wird, wie Schwarze Menschen reagieren würden, wenn es eine Show gäbe, die Dear Black People hieße, antwortet Sam trocken, dass das nicht nötig wäre, weil Fox News das bereits machen würde. Macht sich die Serie über weiße Leute lustig? Wenn sie bewusst oder unbewusst rassistisch sind, definitiv. Aber sie zeigt, dass Schwarze Leute genauso daneben liegen können, und dass es wichtig ist, zuhören zu können, anstatt gleich in die Defensive zu gehen.

Die Serie gibt den Charakteren in 10 Episoden bzw. Kapiteln die Möglichkeit, sich zu entwickeln — etwas, das in Filmen und Serien mit Schwarzen Token-Figuren immer vernachlässigt wird. Je besser die Zuseher die Charaktere kennenlernen, desto klarer wird, dass niemand perfekt ist, vor allem nicht Sam. Der Titel mag kontrovers sein und Rassismus ist ein zentrales Thema — aber wenn Dear White People eines nicht ist, dann ist es rassistisch. Die Probleme, die mit viel Satire angesprochen werden, sind jedoch nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland ein Thema.

Blackface
Die Serie beginnt mit einer Blackface-Party des studentischen Humor-Magazins Pastiche, die von den Schwarzen Studenten des Armstrong/Parker House gestürmt wird und auf dem Campus für einen Skandal sorgt. Obwohl das Internet voll Fotos mit Studenten in Blackface und anderen rassistischen "Kostümen" ist, gilt Blackface in den USA immerhin als problematisch. In Deutschland gehört es dagegen fast schon zum guten Ton. Von Karnevalsumzügen über den Schwarzen Piet hin zu Sternsingern und diversen Theaterbühnen, Schwarze Menschen sind seit Jahrhunderten eine Inspirationsquelle für "Verkleidungen", um ein weißes Publikum zu unterhalten. 

Haare
Ja, Haare. Trotz Solange immer noch ein Thema. Von Afros, in denen regelmäßig weiße Hände zu finden sind, hin zu Scherzen über natürliche Frisuren vs. Weaves, zeigt Dear White People, dass etwas Normales wie Haare Schwarzer Menschen immer noch als exotisch, politisch oder lächerlich gesehen werden können. In Deutschland wird immerhin mittlerweile manchmal gefragt, bevor fremde Hände auf die Köpfe Schwarzer Menschen zusteuern. Aber auch hier werden Haare, besonders dann wenn sie so getragen werden, wie sie aus dem Kopf wachsen, gerne als ein Zeichen der Rebellion und des Widerstands gesehen — was einfach nur bescheuert ist.

Der Schwarze Botschafter
Es gibt eine Szene, in der Sam die einzige Schwarze Studentin im Vorlesungssaal ist. Als ihr Professor beginnt, von Sklaverei zu sprechen, fragt er immer wieder nach, ob es irgendjemanden im Raum gäbe, der eine spezielle Verbindung zu dem Thema hätte, bis Sam von der gesamten Klasse erwartungsvoll angestarrt wird. Situationen wie diese sind für Schwarze Menschen ganz normal. Es gehört fast schon zum Alltag, ständig ungefragt und ungewollt zum Botschafter für Schwarze Kultur bzw. zum Aushängeschild für Multikulturalität gemacht zu werden.

Colourism
Im Gegensatz zu Sam macht ihre ehemalige Freundin Coco alles, um dazu zu gehören. Coco ist auch diejenige, die Sams privilegierte Position anspricht, die sie aufgrund ihrer helleren Hautfarbe hat. Sie argumentiert, dass Sam keine echte Schwester ist und deswegen mit den Dingen, die sie in ihrer Radiosendung sagt, leichter davonkommt. Colourism und die Privilegien, die Schwarzen Menschen mit hellerer Hautfarbe gegeben werden, sind nicht nur ein amerikanisches Phänomen. Auch in Deutschland werden hellhäutige Schwarze, vor allem Schwarze Frauen, bevorzugt gecastet, um im Film, TV und auf Plakaten ein wenig Farbe ins Diversitätsspiel zu bringen — und die Betonung liegt auf ein wenig.

Polizeigewalt
Selbst der Campus von Winchester ist vor waffenschwingenden Arschlöchern nicht sicher. In der aufwühlendsten Episode der Serie zeigt Dear White People, wie schwer es ist, nach brutalen Konfrontationen weiter zu machen, aufzustehen, und sich für den nächsten Schlag bereit zu machen.

Dear White People läuft seit Ende April auf Netflix und wenn du nicht über die Serie lachen kannst bist du vielleicht ein Teil des Problems.

Credits


Text: Kemi Fatoboa
Foto: Netflix

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