Eine liebevolle Hommage an das weibliche Hinterteil

Fotografin Ashley Armitage widmet dem Po in ihrer Serie "Taking Back What’s Ours" ihre ganze Aufmerksamkeit.

von Tish Weinstock; Fotos von Ashley Armitage
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22 Mai 2017, 7:56am

Sie fordert unrealistische Schönheitsideale heraus und steht für eine vielfältige Repräsentation: die Fotografin und Gründerin von Girls by Girls Ashley Armitage schert sich wenig um angebliche Normen. Für ihr neuestes Kreativprojekt hat Ashley vorgenommen, sich den weiblichen Körper wieder zu eigen zu machen, besonders den Po. "Menschen allen Geschlechts haben einen Po", erklärt sie. "Menschen, die sich als Femme identifizieren, werden oft sexualisiert und zur Zielscheibe im Internet. Indem wir unsere Allerwertesten zeigen, befreien wir uns daraus, denn Pos sind nicht gegendert." Taking Back What's Ours ist im Verlauf von zwei Jahren entstanden. Zu sehen sind freizügige Fotografien von Frauen mit unterschiedlichen Figuren, Hautfarben und Ansichten.


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Das sind keine sexualisierten Darstellungen von weiblichen Körperteilen, diese Porträts sind verfremdet (jeder Po wurde geschminkt) und doch fühlen sie sich unglaublich real an (Pickel, Dehnungsstreifen und Cellulite wurden nicht retuschiert). Die verspielte und intime Fotoserie ist ein Liebesbrief an den weiblichen Körper. Wir haben Ashley ein paar Fragen gestellt.

Was für eine Idee steckt hinter Taking Back What's Ours ?
Ich habe Kunstgeschichte an einer Kunsthochschule studiert und die Mehrheit der Künstler auf dem Lehrplan waren Männer und meistens weiß. Es ist kein Zufall, dass die Menschen mit Macht im Laufe der Geschichte Männer waren und dass auch sie es waren, die Kunst gemacht haben. Dieses Kunstverständnis zeigt die Welt durch die Sichtweise der Männer, doch das ist nur die eine Hälfte. Ich wollte mit dieser Serie einfach das nehmen, was uns Frauen zusteht und Fotos machen, die mich und meine Freunde besser repräsentieren. Wir definieren unsere Körper nach unseren eigenen Regeln.

Du hast davon gesprochen, dass Pos kein Gender haben. Kannst du das genauer ausführen?
Menschen allen Geschlechts haben einen Po. Er ist ein genderfluides Körperteil und gehört zu keinem Geschlecht. Wenn du dir einen Po anschaust, weißt du nicht gleich notwendigerweise welches Geschlecht der Träger dieses Hinterteils hat. Menschen, die sich als Femme identifizieren, werden so oft sexualisiert und zur Zielscheibe im Internet. Indem wir unsere Allerwertesten zeigen, befreien wir uns daraus.

Was hat es mit den Rötungen auf sich?
Meine Freundin Bonnie Robbins ist dafür verantwortlich und beantwortet das so: "Die Po-Rötung ist ein Mittel, um den Körper mit mehr Sympathie und Humor zu begegnen. Ich fand die Vorstellung eines Po-Porträts gut. Wir behandeln das Hinterteil mit genau derselben Achtung, wie wir es normalerweise mit einem Gesicht in der traditionellen Porträtfotografie tun würden. Jedes Gesäß hat seine eigene Größe, Form, Farbe und Beschaffenheit. Wir haben das versucht, mit den Nuancen im Licht und mit dem Make-up widerzuspiegeln."

Wie war es für dich als Fotografin, sich diesem Thema zu nähern?
Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass ich Hinterteile nicht als Objekte betrachtet habe. Bei diesem Shooting haben die Pos ein Eigenleben entwickelt, sie wurden zu Subjekten. Das war eine alberne und verspielte Erfahrung. Die Pos wurden zu Persönlichkeiten. Beim Shooting hat es ein Gefühl von Freundschaft gegeben – jede zeigte ihren Allerwertesten. Wie viel intimer kann es da noch werden?

Was sollen die Betrachter durch die Fotos mitnehmen?
Die Menschen sollen sich gut fühlen, wenn sie sich diese Fotos anschauen. Ich möchte, dass sie die Dehnungsstreifen, die Hautflecken und die Cellulite sehen, dass sie sich damit identifizieren und stolz auf ihre Körper sein können. Letztlich hoffe ich, dass sich jeder ein bisschen selbst in den Fotos erkennt.

Was hat dich beim Prozess am meisten überrascht?
Es hat mich angenehm überrascht, wie wohl sich meine Freunde in ihren Körpern fühlen. Sie zeigen mir immer, wie ich meinen Körper besser lieben und respektieren kann.

Wie hat sich deine Arbeit in den letzten Jahren verändert?
Als ich mit dem Fotografieren angefangen habe, habe ich gar nicht daran gedacht, den herrschenden Schönheitsidealen zu trotzen. Ich habe die Menschen fotografiert, die für mich modeln wollten. Jetzt strenge ich mich an, alle Menschen in meinen Fotografien zu zeigen. Das ist immer ein Work in Progress und ich lerne immer dazu.

Was bedeutet dir Female Gaze?
Der Female Gaze, und jeder andere Gaze einer marginalisierten Gruppe – der Trans Gaze, der Queer Gaze, der PoC Gaze, der Plus-Size Gaze und der Gaze von Menschen mit Behinderung sind alle wichtig, um den omnipräsenten, kapitalistischen und ausbeuterischen Male Gaze zurückzudrängen. Jede Kunst von marginalisierten Gruppen ist politisch.

Was bedeutet es im Jahr 2017, eine Frau zu sein?
Ich glaube für eine weiße Frau, wie ich es bin, heißt das, sich manchmal zurückzunehmen und den Gruppen zuzuhören, die marginalisierter sind als wir.

Was erhoffst du dir für die Zukunft?
Ich kann es kaum erwarten, dass die Medien offener gegenüber Frauen, People of Color, LGBTQI+ und Plus-Sized-Menschen werden. Wenn mehr von uns hinter der Kamera arbeiten, dann wird die Repräsentation vielfältiger und spiegelt die Gesellschaft besser wider.