das berliner duo namilia bietet die passende kleidung für die trumpapokalypse

„NamiliaWorld“, heißt es in dem Manifest, „ist das Zuhause von Göttinnen, die unantastbar, unverrückbar und unkaputtbar sind.“

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Feb. 15 2017, 11:35am

Im November haben wir euch bereits das Berliner Designerduo Namilia genauer vorgestellt. Das von Nan Li und Emilia Pfohl gegründete Modelabel stellt seit seiner Gründung die weibliche Sexualität in den Vordergrund der Kollektionen, wie auch beim Laufstegdebüt für VFILES. Die Botschaft der beiden ist in der vierten Kollektionen klarer und deutlicher als je zuvor: In dem ausgedruckten „Runway Manifesto", das an die Besucher vor der Fashionshow im Rahmen der New York Fashion Week verteilt wurde, war die Rede von „Warrior Queens" im Military-Style und Flammen, die aus den Kleidungsstücken zu wachsen scheinen. Es war eine Hommage an die „postapokalyptische Rave"-Kultur, Apokalypse im Sinn der US-Präsidentschaft Trumps. Die Kollektion umfasst außerdem Power-Dressing und Meerjungfrauen mit Motocross-Jacken und hat bei einigen Erinnerungen an dystopische Actionfilmen wie Mad Max wachgerufen.

Die beiden Designerinnen Nan Li und Emilia Pfohl haben ihre Vorliebe für Bodysuits, Schleier, die die Haute Couture nachahmen, und für bekannte Reality-TV-Größen erneut unter Beweis gestellt. So ziert das Konterfei von Paris Hilton ein Kleid und auch Trump findet sich in den Kreationen wieder: „Ready for the Trumpocalypse" und „Join the Resistance". Mit Neon-Make-up, Bodypaint und Sonnenbrillen à la Matrix wurde der dystopische Stil komplementiert. Natürlich gibt es auch in dieser Kollektion den Dickini und den Phallus in unterschiedlicher Ausführung. 

Das war aber kein traditioneller Marsch für Frauenrechte, wie die Berlinerinnen klarmachten. Diese Kollektion ist die verstofflichte Ablehnung einer toxischen Maskulinität. Dafür haben sie den Phallus genommen, ihn in einen neuen Bedeutungskontext gestellt und positiv gewendet. Judith Butler wäre stolz. „NamiliaWorld" heißt es in dem Manifest, „ist das Zuhause von Göttinnen, die unantastbar, unverrückbar und unkaputtbar sind."

Das grüne Motocross-Kleid war so majestätisch, dass das Model Probleme damit hatte und Federn und Tüll auf dem Laufsteg zurückließ. Weniger problematisch erwiesen sich die Oversized-Gürtel, die um die Hüfte geschnallt werden und so Schmetterlingsflügel und Flammen tragbar machen. Das Flammenmotiv, das von einem Harley-Davidson-Sticker inspiriert wurde, zieht sich durch die ganze Kollektion, und ist auf den Ärmeln von Hoodies und Ballonjacken zu bestaunen.

In ihrem Manifest erklären Li und Pfohl, „dass es jetzt ein Ende damit hat, dass sich Frauen auf maskuline Art und Weise anziehen müssen, um ernst genommen zu werden." Eine Botschaft, die die Welt noch nicht gänzlich begriffen hat. Aber die Namilia-Göttinnen kämpfen dafür, gehen auf Demonstrationen und sehen einfach umwerfend in ihren glitzernden Phallus-BHs aus und höhlen so männliche Dominanz aus.

Credits


Text: Blair Cannon
Fotos: Fee-Gloria Groenemeyer