Dieser Fotograf zeigt den neuen Stolz queerer Finnen

Mit seiner neuen Porträtserie queerer finnischer Jugendlicher interpretiert Sergei Pavlov die bislang vorherrschenden Konventionen fotografischer Darstellung der LGBT-Community.

von Anastasiia Fedorova; Fotos von Sergei Pavlov
|
02 Dezember 2016, 11:39am

Sergei Pavlov ist in dem 9.000-Seelen-Städtchen Somero im Südwesten Finnlands aufgewachsen. Als er Teenager bildete die Fotografie für ihn einen Ausweg aus der ländlichen Langeweile. Anfangs hat er noch als Produktfotograf in einer Teppichfabrik gearbeitet. "Ich habe dann relativ schnell begriffen, dass ich mich mehr für Menschen als für Teppiche interessiere und deshalb bin ich nach Helsinki gezogen", erklärt uns der junge Finne im Interview. Für sein neuestes Fotoprojekt hat er die LGBT-Szene in der finnischen Hauptstadt porträtiert.


Auch auf i-D: Wir waren mit Mykki Blanco unterwegs in Johannesburgs queerer Kreativszene


"Vor ungefähr zwei Jahren bin ich nach Helsinki gezogen", erinnert sich Pavlov. "Hin und wieder bin ich davon überrascht, wie interessant die Leute hier sind. Jeder hat Zeit für den anderen und sich zu treffen, ist wirklich einfach, weil die Stadt so klein ist. Es gibt ein paar Schwulenbars und viele verschiedene Veranstaltungen in der Szene. Die LGBT-Szene in Helsinki ist offen, fürsorglich und bescheiden. Für jeden ist Platz."

Pavlov lebt nach eigenen Worten selbst offen schwul und glücklich und das Projekt sei für ihn ein Weg gewesen, um seine wachsende Verbundenheit mit der Szene in der Stadt auszudrücken. Dabei wollte er die visuellen Konventionen, die bei der Darstellung der LGBT-Community bisher in der Fotografie dominiert haben, neu interpretieren: "Ich möchte für mehr Vielfalt in der Darstellung der LGBT-Szene sorgen", erklärt er. "Ich glaube eben nicht, dass die Szene nur aus Glitzer und Champagner besteht, wie es in so vielen Fotos vermittelt wird. Deswegen wollte ich eine Porträtserie, die sich natürlich und zeitlos anfühlt."

Die entstandenen Schwarz-weiß-Fotos von Pavlov sind sehr reduziert, der Hauptfokus liegt auf dem Subjekt und dessen Zusammenspiel mit Licht und Schatten. Sie erinnern an die klassischen Porträts von Robert Mapplethorpe, sind verführerisch und selbstbewusst zu gleich und zeigen eine neue Art von Vertrauen und Freiheit. Pavlovs Subjekte haben die volle Kontrolle darüber, wie sie ihre Identität vor seiner Kamera darstellen wollen. "Die meisten meiner Porträts haben eine ähnliche Stimmung. Ich möchte Menschen in meinen Porträts so darstellen, wie ich sie sehe: unabhängig, verletzlich, präsent und echt. Nichts Aufgesetztes oder Arrangiertes. Mich inspiriert die Schönheit in einfachen Dingen. Ich nehme die Dinge, so wie sie sind und versuche, sie einfach und realistisch zu zeigen", so Pavlov. "Die Porträts sind ruhig, denn das Leben als schwuler Mann in Finnland ist nun mal ruhig", lacht er.

Die Porträts sind auch ein Zeitzeugnis für die Fortschritte in Sachen LGBT-Rechten in Finnland. "Die Rechtslage, wenn es um LGBT-Anliegen geht, verbessert sich immer mehr in Finnland. Es gibt zwar noch Dinge, die nicht geklärt sind, wie zum Beispiel Transgender-Rechte und die Rechte von Menschen, die nicht-binär sind. Doch das wird auch noch kommen. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten", erklärt uns der engagierte Fotograf.

"Es ist schön zu sehen, dass der CSD in Helsinki jedes Jahr größer und größer wird. Die Homoehe wurde von der finnischen Regierung endlich dank der harten Arbeit der vielen, die dafür gekämpft haben und eine Bewegung geformt haben, endgültig eingeführt. Uns wurde bei diesem Kampf bewusst, dass wir Macht haben; dass es viele gibt, die für Menschenrechte und Einheit kämpfen. Es ist einfach schön zu sehen, dass wir etwas auf dieser Welt verändern können."