ein neuer body-positive-trend flutet das internet

Ist der Hashtag #mermaidthighs die langersehnte Antwort auf den gefährlichen Trend, sich als Frau eine Lücke zwischen die Oberschenkel zu hungern?

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Sep. 19 2016, 11:00am

Man kann es sich wahrlich vorstellen: das traurige Bild, wie eine verunsicherte junge Frau vor dem Spiegel steht und sich voller Selbsthass und Frust die in ihren Augen viel zu dicken Oberschenkel auseinander zieht, um auch endlich dort eine Lücke zu sehen, wo sie sich sonst aneinander reiben. Eine Lücke, die durch das Internet verbreitet wurde. Ein gemeiner Trend namens „Thigh Gap", der—wie so oft—in den sozialen Medien erschaffen und großgezogen wurde, bis er groß genug war, um ganz für sich sein Unheil zu treiben. 

Ein bisschen sind diese Online-Trends wie ein angestachelter Skorpion, der sich ganz egoistisch immer das nimmt, was er braucht und Gift ausspritzt, wenn jemand versucht, ihn anzugreifen oder gar zu einzufangen. In der Online-Welt spricht man von Shitstorms statt von Giftattacken, aber die Wirkung ist eine ähnliche. Die natürlichen Feinde von den fiesen, kleinen Stacheltieren sind—unter anderem—übrigens sie selbst. Der Stärkere frisst den Schwächeren, die simpelste Regel des Tierreichs ist weit verbreitet. 

Und auch was die Online-Trends angeht, so muss erst ein neuer geschaffen werden, um den alten aus den sozialen Netzen zu vertreiben. Der „Thigh Gap"-Trend wurde nun gefressen, vom viel stärkeren „Mermaidthighs"-Hashtag, der sich seit einigen Wochen auf InstagramFacebook und Twitter medienwirksam verbreitet. Auf den Fotos zeigen sich selbstbewusste Frauen im Bikini und kurzen Kleidern, die stolz darauf sind, eben beim Blick in den Spiegel, keine Lücke zwischen ihren beiden Oberschenkeln zu sehen. Der Grund? Abgesehen davon, dass wir immer noch nicht verstehen, was an besagter Lücke schön, weiblich und erstrebenswert sein soll, feiern die Frauen, dass ihre Figur aussieht wie die einer Meerjungfrau. Und wer hat nicht schon immer davon geträumt, als schöne Nixe durch die Weltmeere zu schwimmen? Eben. Außerdem ist es längst auch medizinisch bestätigt, dass besagte Lücke nichts mit dem Körpergewicht zu tun hat, sondern mit dem individuellen Knochenbau zu tun hat, also von der Breite des Beckens und dem Winkel, in dem die Oberschenkelknochen daran angebracht sind.

Es bleibt zu hoffen, dass der neue Body-Positive-Trend sich so schnell und effektiv verbreitet wie die gefährlichen Trends, die immer wieder Frauen in Essstörungen und ernstzunehmende Selbstzweifel stürzen. Möge der bessere Skorpion gewinnen. Und wir wissen ja alle, dass es dabei auch auf die Stärke der Zange ankommt ... 

Credits


Text: Lisa Leinen
Foto: Screenshot von mcaymaris via Instagram