Koreas Jugend findet eine Alternative zum omnipräsenten K-Hype

In Seoul unterstützen sich junge Kreative gegenseitig, überwinden Grenzen und tragen ihre Kunst in die Welt hinaus.

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17 Dezember 2018, 3:04pm

Fotos: Alex Johnstone

Von K-Pop über K-Beauty bis K-Fashion: Die Welt erfährt gerade eine regelrechte K-Obsession. Aber nicht jeder kann sich damit identifizieren. Wir haben die jungen Kreativen aus Korea getroffen, die einen anderen Zugang zu Kunst und Musik gefunden haben. Die die wachsende internationale Aufmerksamkeit nutzen, um ihren eigenen Weg zu ebnen. Wie sich die Szene gegenseitig unterstützt und was ihre Eltern wirklich über ihre – für koreanische Verhältnisse – weniger traditionellen Berufe denken, erfährst du hier.

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Min Sung Sig, Musiker und Tattoo-Künstler

Wolltest du schon immer werden, was du heute bist? Ich habe als Kind viel gezeichnet. Ich bin in die Uni gegangen, aber habe sie schnell geschmissen und mein eigenes Ding durchgezogen. Inwiefern hat Seoul deine Arbeit beeinflusst? Die Stadt ist an sich sehr komprimiert und modern. Hier passiert gerade einiges! Ist die Kreativszene hier unterstützend? Jeder kennt jeden in Seoul, also hilft man sich auch gegenseitig – trotzdem schläft die Konkurrenz nicht. Welcher Herausforderung müssen sich junge Menschen in Seoul gerade stellen? Leute kaufen kaum Arbeiten junger Künstler. Ich mag auch nicht, wie Kunst von Brands ausgenutzt wird. Wir können uns nicht immer nur auf Events von Marken verlassen, wir brauchen die Unterstützung von jedem Einzelnen!

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Soojin Park, Fotografin und Managerin von MISCHIEF

Inwiefern inspiriert Seoul deine Arbeit? Die Stadt gibt mir so viel Freiheit und die Möglichkeit, zu reisen und fotografieren. Würdest du die Kreativszene hier als unterstützend bezeichnen? Im Vergleich zu New York, wo ich aufgewachsen bin, ist sie das. Im Vergleich ist die Community zwar kleiner, aber auch enger miteinander verknüpft und jeder freut sich über den Erfolg der anderen. Womit haben junge Menschen in Seoul gerade besonders zu kämpfen? Junge Menschen haben Zugang zu Ressourcen, aber Unabhängigkeit von einem immer noch sehr konservativen Land und häuslichem Leben könnte ihre größte Schwierigkeit sein.

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Haewon Hwang und Darum Eum, Gründer von Dumdum Vintage

Antworten von Darum Eum (Foto rechts)
Wolltest du schon immer einen Laden haben? Ich habe eigentlich sechs Jahre als Ingenieur in Kanada gearbeitet, bevor ich zurück nach Seoul gezogen bin. Vintage Kleidung war aber schon immer mein Ding, also habe ich den Shop 2014 eröffnet. Zwei Jahre später habe ich meine Partnerin Haewon kennengelernt, die gerade von ihrem Modestudium aus New York zurückkam. Seitdem kümmern wir uns beide um Dumdum Vintage. Wie hat Seoul deine Arbeit beeinflusst? Die Stadt hat viel Potential, was neue kulturelle Bewegungen angeht. Seoul gibt dir immer das Gefühl, du seist Wegbereiter in dem, was du tust. Welches Thema beschäftigt junge Leute gerade besonders stark? Mehr Menschen müssen über den Mainstream hinweg schauen, um neue Ideen zu realisieren. Social Media hat uns alle dazu gezwungen, in die gleiche Richtung zu blicken.

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Moonsick Gang, Grafik Designer

Wolltest du schon immer Designer werden? Nein, aber ich mochte es schon immer, Dinge zu zeichnen und wollte Bücher und T-Shirts für Skater gestalten. Versteht die Mehrheit der Leute, was du machst oder fühlst du dich manchmal wie ein Außenseiter? Ich denke immer, dass es eine Balance zwischen beidem ist. Womit haben junge Menschen in Seoul gerade besonders zu kämpfen? Angemessenes Geld für ihre Arbeit zu bekommen.

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Linda Choi, Interior Designerin

Hast du schon immer in Seoul gelebt? Ich habe die Hälfte meines Lebens in anderen Städten verbracht, aber Seoul war schon immer meine spirituelle Heimat. Inwiefern hat die Stadt Einfluss auf deine Arbeit? Das Tempo hier ist hat einen großen Einfluss. Mal ist es inspirierend, mal geht alles in der hohen Geschwindigkeit verloren. Gibt es in der Kreativszene Seouls viel gegenseitige Unterstützung? Die der früheren Generation ist sehr konkurrierend, aber unsere erfährt gerade drastische Veränderungen. Auch kulturell steckt Seoul noch in den Kinderschuhen. Je mehr Menschen miteinander kooperieren, desto wahrscheinlicher wird daraus eine Bewegung. Welchen Problemen stellen sich junge Leute in Seoul gerade? Der Tatsache, dass es okay ist, anders und komisch zu sein. Das versuche ich selbst jeden Tag aufs Neue zu leben.

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Danny Chung, Produzent

Wolltest du schon immer Musik machen? Eigentlich habe ich Fine Arts studiert, aber mit Acrylfarbe zu malen, kommt einfach nicht daran, mit Worten zu malen. Versteht die Mehrheit deiner Mitmenschen, was genau deine Profession ist? Zum Glück hatte ich Eltern, die meinen Wunsch unterstützt haben, in der Musikbranche zu arbeiten. Das hat sie wahrscheinlich zu größeren "Außenseitern" gemacht als mich. Womit haben Kreative in Seoul gerade besonders zu kämpfen? Erfolgreich mit der eigenen kreativen Arbeit zu sein, ist überall schwierig. Was sollte die Welt unbedingt über Seoul wissen? Ich arbeite mit Worten, deswegen sollte ich diese Frage einfach beantworten können. Aber es ist eines dieser Dinge, die du mit deinen eigenen Augen gesehen haben musst, um sie zu verstehen. Das Einzige, das ich jedem ans Herz lege, ist eine Reise nach Seoul.

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Dohyo Kim, DJ und Designerin

Verstehen die meisten Leute, dass Auflegen deine Profession ist? Ich glaube, sie verstehen es, aber sehen mich immer noch als Außenseiterin. Welche Herausforderung ist die größte für jemanden, der in Seoul kreativ tätig ist? Unaufhörlich zu arbeiten und sicher zu gehen, dass sie sich von den anderen unterscheiden. Welchem Problem stellen sich junge Menschen gerade? Sich zu viel um die Optik Gedanken zu machen, anstatt sich auf das Konzept zu konzentrieren.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der australischen Redaktion.