Bex Day erklärt, worauf es bei der Fotografie wirklich ankommt

Die junge, international erfolgreiche Fotografin verrät den Unterschied zwischen einer guten Fotografie und einem einfachen Bild.

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Mai 29 2018, 1:55pm

Die 25-jährige Fotografin Bex Day hat eine klare Ästhetik: fokussiert, warm und eine reduzierte Farbpalette. Ihre Fotografien fühlen sich nach einem lauen Sommerabend an. Eine Stimmung, die die kleinen und intimen Details einfängt. Dass die Perspektive eine große Wirkung auf ein Foto haben kann, hat sie selbst in der Schule erfahren: "Auf dem Schulfoto sah es so aus, als ob mein Hals gebrochen wäre, weil mein Kopf in einem komischen Winkel zu meinen Schultern stand. So wurde mein Interesse geweckt, wie ein Objekt eine kameraschüchterne Person so ungünstig beeinflussen kann."


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Die Bilder der in London lebenden Fotografin waren bereits in der italienischen Vogue, im Document Journal und auch bei uns zu bestaunen. Eines ihrer ambitioniertesten Projekte ist die Fotoserie von Transgender-Frauen und -Männern, die im Auftrag des Softwareunternehmens Adobe entstanden ist und am internationalen Transgender Visibility Day veröffentlicht wurde. Sie bildet die individuelle Stärke ab, die Fotografien von Communitys oft fehlt. Wir wollten mehr über Bex wissen und haben dabei herausgefunden, warum du immer deiner Intuition folgen sollst.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe Modejournalismus am London College of Fashion studiert und mir in meinem letzten Jahr das Fotografieren selbst beigebracht.

Wie schaffst du es, etwas Neues zu kreieren, wo es doch eigentlich schon alles gibt?
In erster Linie geht es um das Konzept. Ich plane mehrere Monate, bis ich das richtige Team in meinem Kopf zusammengestellt habe und baue immer auf vorhandenen Ideen auf. Ich möchte verstehen, wie etwas gut werden konnte.

Was ist die größte Herausforderung als Fotografin?
Dass ich mich mit meiner Arbeit identifizieren kann. Ich bin sehr emotional und verbringe viel Zeit damit, mich mit den Themen meiner Arbeit zu beschäftigen. Manchmal fällt es mir schwer, mich von ihr zu distanzieren. Ich lerne jeden Tag, mich nicht so sehr von ihr vereinnahmen zu lassen.

Brauchen wir dank Iphone und sozialen Medien heutzutage noch professionelle Fotografen?
Die meisten Menschen haben keine Ahnung davon, wie umfangreich die Arbeit eines professionellen Fotografen wirklich ist. Wenn mir Leute sagen, dass heutzutage eigentlich jeder Fotograf sei, kann ich nur müde lächeln. Das Tolle an der Fotografie ist der psychologische Aspekt. Ich möchte verstehen, wie eine Person denkt und fühlt. William Eggleston hat es in seinem Interview mit Printed Pages folgendermaßen auf den Punkt gebracht, als er nach dem Unterschied zwischen seinen früheren und neueren Arbeiten gefragt wurde. Die Antwort: Seine neueren Fotografien sehen immer noch so aus, als ob sie in den 70ern entstanden seien.

Wie viel bringt es, Fotografie an einer Universität zu studieren?
Ich persönlich finde, dass praktische Erfahrungen wichtiger sind. Ich bin eine Künstlerin und wollte gleich loslegen, stattdessen musste ich Kaffee für große Egos kochen. Befördert wurde ich kaum, weil die Jungen den Mädchen immer vorgezogen wurden. Das hat mich richtig sauer gemacht.

Ist die Fotografie eine elitäre Angelegenheit?
Ja, wenn du Geld hast, bist du schneller bereit. Ohne viel Geld ist es oft ein Kampf, das zu verwirklichen, was du umsetzen willst. Du lernst langsamer, was du magst und was nicht – und kannst nicht so wählerisch sein. Wir Fotografen stehen unter einem enormen Druck. Die psychische Gesundheit sollte deswegen höchste Priorität genießen.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der Vollzeit als Fotograf arbeiten möchte?
Vertraue deinem eigenem Urteilsvermögen. Auch wenn es nicht zu dem passt, was alle anderen gerade tun. Du kennst und verstehst dich selbst am besten – und genau das sollte auch in deinen Arbeiten sichtbar werden.

Wie sorgst du dafür, dass sich deine Fotografien immer noch frisch und neu anfühlen?
Mein Ausgangspunkt ist immer ein Traum, ein Song oder eine Stelle in einem Buch. Ich schaue mir nicht die Arbeiten von Kollegen an, weil ich nicht gerne von anderen beeinflusst werde.

Wie siehst du die Konkurrenz durch andere junge Fotografen?
Viele meiner Freunde sind Fotografen. Wir unterstützen und helfen uns gegenseitig. So sollte es immer sein. Die Kolumnistin Mary Schmich hat es im Juni 1997 in der Chicago Tribune gut geschrieben: "Verschwende deine Zeit nicht mit Eifersucht. Manchmal bist du ganz vorne und manchmal ganz hinten ... Das Rennen ist lang und am Ende ist es nur ein Rennen gegen dich selbst."

Was braucht ein Bild, um dich zu überzeugen?
Unklarheit. Ich mag es, die Leute zum Nachdenken zu bringen. Der Betrachter soll seine eigenen Gedanken entwickeln können. Mich stört es, wenn ein Künstler dem Betrachter grundsätzlich vorschreiben will, wie er zu denken hat. Das sollte eine persönliche Reise bleiben. Das macht ein gutes Foto aus.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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