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5 Bücher, die dir Last Minute vor der Wahl Politik verständlich erklären

Warum es wichtig ist, Demokratie zu verstehen, warum wir eine Pflicht zum Ungehorsam haben und wie wir Hass begegnen sollten.

von Kai Hilbert
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19 September 2017, 8:12am

Für alle, die vor der Wahl am 24. September noch schnell ihr Politikwissen auffrischen wollen.

Das hohe Haus. Ein Jahr im Parlament, Roger Willemsen
Ein Jahr lang — von der Silvesteransprache Angela Merkels 2012 bis zur Silvesteransprache 2013 — saß Roger Willemsen auf den Rängen des Deutschen Bundestags und protokollierte das Schauspiel unter der gläsernen Kuppel. Was sich ihm hier offenbart, ist nicht mehr und nicht weniger als die Verhandlung über die zukünftigen Geschicke Deutschlands, nicht selten jedoch pure Rechenschieberei der Eitelkeiten. Während sich die Koalitionsparteien der Regierung selbst bauchpinseln, sitzt die Opposition wie das Kaninchen vor der Schlange. Zuweilen geht es zu wie in einem Klassenzimmer inklusive Zwischenrufe, Ermahnungen und Klugscheißerei. Willemsen beleuchtet das parlamentarische Kammerspiel mit bissigem Humor, ohne dabei zum Zyniker zu werden. Das hohe Haus ist kein Sachbuh im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein Beobachtungsbericht von Politikern. Mal komisch, mal fast schon wieder traurig, doch immer mit dem nötigen Ernst gewährt uns Roger Willemsen weitestgehend unvoreingenommen Einblick ins Panoptikum deutscher Politik.

Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst, Gabriele von Arnim u.a.
Was tun? In Großbritannien der Brexit. In den USA Trump. In der Türkei Erdoğan. In Frankreich der Front National. Und was geht eigentlich in Russland, Polen, Ungarn? Ein Spukgespenst geht um und jagt jedem, der Demokratie stets als selbstverständlich und unumstößlich betrachtet hat, einen Schauer über den Rücken. In diesem kleinen Sammelband finden fünf Journalistinnen zusammen, die alle eines verbindet: der Glaube an die Demokratie, die nicht nur gesellschaftliches Privileg, sondern eben auch gesellschaftliche Pflicht darstellt. In zehn Essays wird dem Leser nicht mit erhobenem Zeigefinger vorgehalten, was er an bürgerlichen Pflichten versäumt hat, sondern was er beitragen kann. Was tun sagt nicht, wen du wählen sollst. Was tun sagt: Was tun!


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Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, Henry David Thoreau
Am 23. Juli 1846 sitzt der gerade mal 29-jährige Henry David Thoreau im Gefängnis. Er weigerte sich, Steuern an die amerikanische Regierung abzutreten und somit indirekt den Mexiko-Krieg und die Sklaverei zu unterstützen. Drei Jahre später erschien seine Civil Disobedience. Die Schrift ruft nicht etwa zur Revolte auf, vielmehr dazu, sich dem Staat dann zu widersetzen, wenn das geschriebene Recht moralisches Unrecht ist. So weit, so gut. Dass sich die Ideen eines jungen Pazifisten des 19. Jahrhunderts nur schwer auf die Komplexität unseres heutigen politischen Geschehens übertragen lassen, steht außer Frage. Doch der Ungehorsam ist keine IKEA-Anleitung, sondern eine Streitschrift, die Menschen von Ghandi über Hesse und Tolstoi bis hin zur französischen Résistance inspiriert und die in ihrem Kern nichts an Aktualität eingebüßt hat: "Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert" und "Wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen". Word!

Wie wir leben wollen. Texte für Solidarität und Freiheit, Matthias Jügler (Hrsg.)
Die Flüchtlingskrise dominiert seit nunmehr über zwei Jahren den politischen Dialog. Und sie ist nicht vorbei, nur weil wir nicht mehr täglich mit Bildern von Menschen hinter Zäunen, in LKWs oder auf Schlauchbooten konfrontiert sind. Wird dieses unermessliche Leid im Wahlkampf instrumentalisiert? Ja. Haben jene Umbrüche zu einer Veränderung unserer Lebensrealität geführt? Die in der Anthologie Wie wir leben wollen versammelten Autoren und Autorinnen, wie Bov Bjerg, Mirna Funk, Sasa Stanisic oder Ulrike Draesner, meinen: Ja! In welcher Art und Weise versuchen die Schreibenden unterschiedlichster Herkunft und Geschichte in literarischer Form zu ergründen. Die literarische Annäherung an die Flüchtlingskrise fügt dem Diskurs eine weitere Ebene hinzu. Sie ist subjektiv und imstande kalten Zahlen Empathie und Solidarität gegenüber zustellen. Der Geist einer Gesellschaft versteckt sich im Alltäglichen und genau dem ist Wie wir leben wollen auf der Spur.

Gegen den Hass, Carolin Emcke
Wie begegnet man Hass? Wie begegnet man Leuten, die sich um einen Bus, der voll von vor Krieg und Terror geflüchteter Menschen ist, versammeln und rassistische Parolen schmettern? Zuallererst sollte man sich die Frage stellen, woher dieser Hass eigentlich kommt, meint die Journalistin, Philosophin und Friedenspreisträgerin Carolin Emcke. Es ist einfach mit dem Finger auf die "Hassenden" zu zeigen. Interessant wird es vor allem dann, wenn man sich eingestehen muss, sich selbst nicht von allem freisprechen zu können. Und genau hier liegt der Unterschied: Dies zu erkennen, stetig an sich zu arbeiten, Pluralität nicht nur zu predigen, sondern sie auch aushalten zu können. Emcke appelliert an uns, Rassisten und religiösen wie nationalistischen Fanatikern mit dem zu begegnen, was sie am meisten ablehnen: mit uneingeschränkter Solidarität, beharrlicher Differenzierung und offenem Denken.

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