Wer steckt eigentlich hinter deinen liebsten Instagram-Filtern?

Dieser Snapchat-Filter, der dir zeigt, wie du als Mann, Frau oder Baby aussiehst, ist nur die Spitze des AR-Eisbergs.

von Hatti Rex
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21 Mai 2019, 10:55am

Wenn du am Wochenende auch nur eine Sekunde im Internet verbracht hast, wirst du sicher gemerkt haben, dass es ein paar neue Snapchat-Filter gibt. Besonders beliebt ist der, der dein Gesicht in das eines Mannes, einer Frau oder auch eines Babys verwandelt. Es könnten gerade kaum mehr Augmented-Reality-Filter in unseren liebsten Social Media Apps herumschwirren. Mit der explodierenden Beliebtheit verändern sich auch die Quellen, woher die Filter kommen. Von AR-Expert*innen bis hin zu jungen Künstler*innen, die etwas Neues ausprobieren wollen: Was einst ein Nischenmedium war, ist heute aufgrund von einfachem Zugang zu Programmierkursen und einer wachsenden Community zugänglicher denn je. Zu verdanken haben wir das einer Gruppe rebellischer Künstler*innen, die das Filter-Game den primär von Facebook geschützten Entwickler*innen weggenommen hat – und ihre eigene Grenzen überschreitende DIY-Kunst daraus entstehen ließen.


Auch auf i-D: Wer steckt hinter dem Beauty3000-Filter?


Auch wenn das Hochladen eigener Filter noch nicht für die breite Masse möglich ist, haben ein paar Auserwählte die monatelange Warteliste zum Instagram-Beta-Programm überstanden. Währenddessen sind Brands wie Gucci and adidas bereits in den Genuss gekommen, ihren eigenen Filter zu erschaffen. Natürlich war einer der ersten Celebrities, der sich seinen eigenen zusammengebastelt hat, niemand Geringeres als Beauty-Mogul Kylie Jenner, dicht gefolgt von Rihannas Edelstein-Effekt, der allen dabei helfen soll, so hell wie ein Diamant zu strahlen (Vorsicht Musik-Referenz).

Aber es sind nicht nur Stars und große Brands, die AR für sich entdeckt haben. Softwares wie Spark AR studio erlauben Virtual-Reality-Neulingen ganz einfach, ihre eigenen Instagram- und Facebook-Filter-Effekte zu kreieren, ohne coden lernen zu müssen. Und noch wichtiger: Das Ganze ist kostenlos. Designerin Jade Roche, die für den Fluoreszenz-Effekt bekannt ist, den sogar Bella Hadid und ungefähr eine Million andere Menschen nutzen. "Ich denke, die meisten der frühen Entwickler*innen kommen von einem Tech-Background und sind technisch sehr gut darin, Effekte zu kreieren. Ich bin dagegen ein gewöhnlicher Mensch, der entweder das eigene Aussehen verbessern oder einfach nur Spaß haben will – und das gerne mit anderen teilt."

Roche ist nicht die Einzige, deren Experimente mit Spark AR zu großartigen Effekten wurden. Designerin und DIGI-GAL-Mitglied Harriet Davey kreierte "ganz aus Versehen" einen ominösen, morbiden Twist auf einem Brexit-Filter, weil es auf dem neuesten File ihres Computers war, als sie Spark AR herunterlud. "Ich würde gerne in Zukunft Filter sehen, die Grenzen überwinden und mehr Tabus und umstrittene politische Probleme ansprechen", sagt sie gegenüber i-D.

Für Künstlerin Ines Alpha sind Filter eine Art, die Realität fantastischer und futuristischer zu machen. "Die Leute flehen darum, sich selbst zu transformieren", sagt sie. Inspiriert von Schönheit, Natur und Sci-Fi hat die Make-up-Künstlerin aus dem Internet ihre eigenen realistischen 3D-Make-up-Ideen kreiert, noch bevor sie damit experimentierte, wie unterschiedlich verschiedene Beschaffenheiten auf dem menschlichen Gesicht aussehen könnten. Sie hat sogar Cyber Babe Lil Miguela eine einzigartige Blumen-Face-Mask zum "Geburtstag" geschenkt.

Nachdem er einige Anfängerkurse belegte, hat Allan Berger letztes Jahr seinen ersten Filter innerhalb weniger Minuten erstellt: den Dragonmuse4000. Wir haben Berger gefragt, wo er die Zukunft von Augmented Reality sieht. "Ich bin schon auf mehr Arten von AR gespannt, die unsere Leben in vielen verschiedenen Bereichen verbessern", so der Künstler. "Das kann in Sachen Bildung, Gesundheit, Beförderung, Kunst, Mode, Beauty und im Sport sein – in unserem Zuhause und im Alltag."

Langzeit-AR-Experte Marc Wakefield ist bekannt für seinen seltsamen Clown-Filter, der ihn dazu brachte, den Macphisto-Effekt für U2 zu kreieren. Ein Monster mit Hut und Make-up-Effekt, den Bono auf Tour trug. Wakefield glaubt an die Zugänglichkeit von AR über die sozialen Medien. Sie führt dazu, dass Newcomer anfangen, zu experimentieren. Aber "es gibt auch viele Menschen, die sich nicht im Klaren darüber sind, was AR eigentlich ist, eine Mehrheit der Filter-Nutzer kennen die Komplexität dahinter vermutlich nicht."

Von tragbaren Kontaktlinsen bis hin zu vermischter Realität: Was als nächstes in der Welt der Augmented Reality passieren wird, klingt vielversprechend, aber unklar. Minus der fliegenden Autos fühlt es sich schon fast so an, als wären wir auf dem besten Weg, die Zukunft zu erleben, die uns Science Fiction immer vorhergesagt hat.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kolleg*innen aus der UK-Redaktion.

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