5 Kurzfilme über junge Liebe, die du streamen kannst

Ein Filmemacher, der noch nicht mal in der Pubertät ist, und ein blinder, schwuler Teenager, der seinen ersten Kuss erlebt: Diese Coming-of-age-Filme sind alles andere als 08/15.

von André-Naquian Wheeler
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28 August 2017, 3:03pm

Screenshot, "VATTEN por NICLAS LARSSON", Camp David Film.

Dieser Artikel erschien zuerst auf i-D US.

Manchmal ist es einfacher, einen romantischen Film anzuschauen, als sich selbst dem ganzen Dating-Kram hinzugeben. Und ist der Film auch noch gut, lässt er die Endorphine nur so sprudeln (oft wird dieses Gefühl durch gute Filmmusik noch mal unterstützt). Das lästige Warten auf eine langersehnte Antwort entfällt genauso wie die Absurdität schräger erster Dates. Zum Glück gibt es diese berührenden Kurzfilme junger Regisseure, die du bequem streamen kannst — und dich so dem Wahnsinn nicht hingeben musst. Zumindest in der Realität.


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Immer mehr junge Regisseure teilen auf Plattformen wie Vimeo oder YouTube ihre Arbeiten und sorgen so dafür, dass großartige Alternativen zu Hollywoods Sexismus und fehlender Diversität entstehen können. Vimeo hat diesen Trend erkannt und im letzten Jahr die "Share the Screen"-Initiative ins Leben gerufen. Diese Plattform bietet Regisseurinnen finanzielle Unterstützung und will mit Workshops für Aufklärung in der Branche sorgen. Der queere Kurzfilm I Don't Want to Go Back Alone ist das beste Beispiel dafür, dass die Inhalte auch ihren Weg nach Hollywood finden. 2010 wurde er zum Hit im Internet — und unter dem Titel The Way He Looks später auch zum Spielfilm.

Wir präsentieren dir fünf Kurzfilme, die vom Sich-Verlieben handeln und einen frischen und diversen Blick auf das Genre Liebesfilm gewähren. Und keine Sorge: die meisten haben ein Happy End.

Our Time (2013)

Wenn du ein Fan von Stranger Things bist, dann bekommt deine 80er-Nostalgie mit Our Time neues Futter. Gedreht mit einem Budget von gerade mal 400 Dollar erzählt der 30-minütige Film von Regisseur David Paul Irons die Geschichte von Paul, einem jungen Filmemacher, und Becca, die zu ihm in die Straße zieht. Die Ästhetik durchzieht eine warme Nostalgie, der Titel weckt Assoziationen mit den kurzen Texten auf VHS-Kassetten und der Soundtrack aus Synthie-Sounds hält einen nicht lange auf der Couch. Paul und Becca freunden sich an, als sie mit seiner klobigen Kamera einen von Rambo inspirierten Film drehen. Völlig sorgenfrei radeln sie durch die englische Landschaft. Am Ende ist der Film fertig und die beiden verliebt.

Cold Shivers (2016)

Cold Shivers zeigt, wie Jugendliche durch Missbrauchserfahrungen keine gesunden, zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen entwickeln können. Was am Anfang noch als zärtliche Liebesgeschichte beginnt (die Freundin möchte, dass sie den nächsten Schritt in ihrer Beziehung gehen und den Freund ihrer Mutter vorstellen), entwickelt sich zu einer düsteren Geschichte, in der die Mutter-Sohn-Beziehung keine Grenzen kennt. Was den Film so besonders macht, ist die Tatsache, dass sexueller Missbrauch von männlichen Jugendlichen kaum im öffentlichen Bewusstsein ist. Laut Schätzungen wird einer von zehn Jungen missbraucht und leidet als Folge unter einem Trauma. Jungs unterliegen dabei einem höheren Risiko von Fremden oder Autoritätsfiguren missbraucht zu werden.

Vatten (2012)


In dem unheimlichen, schwedischen Film entdeckt ein Mädchen, dass ein junger Meerjungmann auf dem Grund des Schwimmbads ihrer Schule lebt. Ob sich das Clara, die sich von allen missverstanden fühlt, nur einbildet, bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen.. Der Film zeigt uns die dunkleren Seiten des sich Hingezogenfühlens zu einem anderen Menschen — oder in diesem Fall zu einer attraktiven Meereskreatur, die Clara gefährlich nahe kommt. Sie versucht alles, um immer länger unter Wasser bleiben zu können und benutzt beim Tauchen einen Beatmungsschlauch. Als Clara dann auch noch versucht, nachts ins Schwimmbad einzubrechen, wird sie von der Polizei festgenommen. Regie führte bei diesem Kurzfilm Niclas Larsson, der Anna Wintour überredet hat, in seinem Kurzfilm The Magic Dinner aus dem Jahr 2015 eine Gastrolle zu übernehmen.

Hi Maintenance (2016)

Auch wenn wir ständig "Hi" zueinander sagen, vermittelt das Wie, Wann und Wo wir es sagen mehr als nur die Buchstaben H und I. Es gibt die nicht so ernst gemeinte Variante, die mit großen Augen und die aus ganzer Überzeugung. Wir sagen "Hi", um die Aufmerksamkeit einer anderen Person zu erlangen, es gibt das nervöse und auch das erleichterte "Hi" nach einer Trennung. Produziert von Topman geht es in dem sechsminütigen Kurzfilm um die Höhen und Tiefen einer Beziehung, dargestellt durch das klitzekleine Wörtchen "Hi". Mit den pastellfarbenen Sets, den sichtbaren Texten und den jungen Schauspielern (Kennen wir den Mann nicht irgendwoher?) überzeugt der Clip mit seinen Wes-Anderson-Vibes.

I Don't Want to Go Back Alone (2010)

In Film und Fernsehen braucht es mehr intersektionale LGBT-Charaktere. Zum Beispiel eine arme oder eine HIV-positive LGBT-Figur. I Don't Want to Go Back ist ein Film, der genau das erfüllt. In dem brasilianischen Kurzfilm aus dem Jahr 2010 wird die Geschichte des schwulen Leonardo erzählt, der noch dazu blind ist. Es gibt alles, was das Herz begehrt: einen nervösen ersten Kuss, Händchen halten und natürlich ein Happy End. Das Internet hat I Don't Want to Go Back so sehr geliebt, dass daraus ein Spielfilm wurde, der auf der Berlinale 2014 seine internationale Premiere gefeiert hat. In beiden Versionen gelingt es Regisseur Daniel Ribeiro, Menschen mit Behinderung nicht nur als bloße Statisten in Filmen zu zeigen, sondern Identitätsfiguren zu entwickeln, mit denen man mitfiebert.

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