meet ms nina's art of the internet

In einer Zeit, in der nahezu jedes Model – egal wie gut es aussieht – schöner und schlanker retuschiert wird, könnte man fast vergessen, dass mit Photoshop mehr geht. Das gilt jedoch nicht für Jorgeline Andrea Torres aka Ms Nina. Obwohl noch im...

von Bela-Tess Wind
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05 Dezember 2014, 11:00am

Ms Nina

Ob Marilyn Monroe, 2Pac oder Sailor Moon: Kein Symbol der Popkultur ist vor Ms Nina sicher. Ihre Collagen sind das, was rauskäme, würde man das MTV der 90er zusammen mit Emojis, Glitzer und Sturmmasken in einen Mixer werfen. Cartoon-Figuren werden mit Gras und Knarren angereichert, Gangster-Rapper kriegen religiöse Symbole in den Hintergrund und Ikonen wie Madonna oder Andy Warhol verpasst sie bunte Haare. Tatsächlich ist ihre Kunst das, was man die Pop-Art des Cyber-Zeitalters nennen könnte: ein schriller und gefährlicher Mash-up von all dem, was ikonografisch für Konsum steht. Wir haben der 23-Jährigen da mal ein paar Fragen zu ihrer surrealen Weltverarbeitung gestellt.

Wie kamst du eigentlich dazu, Collagen aus bereits bestehenden Bildern zu machen, wo du doch selbst Fotografie studierst?
An Fotografie mag ich, dass man einen Moment einfangen kann, wenn die Kamera klickt. Früher habe ich Photoshop nur benutzt, um meine eigenen Bilder zu retuschieren. Irgendwann habe ich aber mal eine Collage im Internet gesehen und dachte mir: Ich möchte etwas Außergewöhnlicheres als das machen. Ich habe also angefangen, Fotos von Marilyn Monroe und berühmten Pin-up-Models zu bearbeiten und habe später dann auch nach anderen Ikonen aus den Bereichen Kunst, Mode und Musik gesucht.

Deine Bilder arbeiten überwiegend mit kulturellen Referenzen. Was hat deinen Stil dahingehend geprägt?
Als Kind habe ich viel MTV gekuckt und war fasziniert von all den unterschiedlichen Musikvideos. Die materialistische Lil Kim mit ihren Pelzmänteln, 2Pacs Thug Life: das alles sind Dinge und Künstler, die mich sehr inspiriert haben. Aber auch Cartoons wie Sailor Moon oder Pokémon fand ich schon immer toll. Früher habe ich Sticker auf Sachen geklebt, heute klebe ich sie eben auf Kate Moss' Gesicht. Meine Kunst basiert aber ebenfalls sehr auf Internet-Ästhetik. Tumblr ist beispielsweise nicht nur ein wichtiges Werkzeug für mich, sondern auch eine große Inspirationsquelle. Es ist, als würde ich aus all dem kleine Stücke ausschneiden, ein bisschen Liebe dazugeben und daraus werden dann meine Collagen.

Welche Motive verwendest du darin am liebsten und warum?
Ich mag Marilyn Monroe, weil die Fotos von ihr einerseits künstlerisch sehr dankbar sind, was die Bearbeitung angeht, und sie andererseits diesen generellen Mythos mit sich bringt. Andy Warhol finde ich gut wegen der Kunst-Bewegung, die er ins Leben gerufen hat. Ansonsten verwende ich gerne Bilder von Geld oder Goldschmuck, weil das eben für Materialismus steht.

Wann hast du dich dazu entschieden, deine Collagen im Netz mit anderen zu teilen?
Das ist gerade mal ein Jahr her. Am Anfang war ich ziemlich unsicher, weil ich nicht fand, dass meine Bilder gut genug für die ?-ffentlichkeit sind. Irgendwann dachte ich mir aber „Scheiß drauf, was andere denken!" und habe einen Instagram-Account erstellt. Das Feedback war so positiv, dass ich richtig motiviert war und daraufhin immer mehr Collagen designt habe. Später kam dann noch ein Tumblr-Blog für meine GIFs dazu.

Was ist das Coolste, was dir seitdem passiert ist?
Ich hatte bereits zwei Ausstellungen in Madrid, eine war erst vor ein paar Wochen. Es ist ziemlich verrückt, wenn du deine Bilder an der Wand hängen siehst und Leute sie anstarren - man fragt sich halt die ganze Zeit, ob ihnen gefällt, was sie sehen. Außerdem habe ich ein Cover fürs Galore Magazine und die dazugehörige Modestrecke bearbeitet. Oh, und Snoop Dogg hat auf seinem Instagram-Account ein Bild von mir gepostet, weil ich eine Collage aus einem Foto von ihm gemacht habe.

Was glaubst du, warum die Menschen deine Bilder so sehr mögen?
Wenn Sailor Moon Weed raucht, erregt das Aufsehen und ist ziemlich unterhaltsam. Ich möchte einfach, dass Leute Spaß haben, wenn sie meine Collagen ansehen, und denke, dass das zu klappen scheint.

Gibt es etwas, das du den Menschen vor ihren Laptops noch gerne mitgeben würdest?
Tut was ihr liebt und kümmert euch nicht darum, was andere denken.

@msninaojorgeline

Credits


Text: Bela-Tess Wind
Fotomontagen: Ms Nina

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