lena anders und judith pollmann entwerfen romantische sportswear für exzentrische superhelden

Wir sprachen mit den Absolventinnen der Düsseldorfer AMD darüber, wie man Sportlichkeit mit goldfarbenem Trash kombiniert und warum moderne Superhelden Tutu tragen.

von Lisa Riehl
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07 September 2015, 9:55am

Während ihres drei jährigen Studiums an der Düsseldorfer AMD Akademie Mode und Design waren die Grenzen eigentlich klar gezogen: Lena Anders entwarf sportliche Mode; Judith Pollmanns Kreationen waren romantisch-verspielt. Das hätte ganz bequem so weitergehen können. Doch dann beschlossen die beiden wohl gegensätzlichsten Modestudentinnen des Jahrgangs, ihre Dozenten mal ordentlich zu verwirren und verkündeten, die Abschlusskollektion gemeinsam zu entwerfen. Das Ergebnis heißt „La Folie", zu Deutsch: Wahnwitz, und erscheint tatsächlich wie eine stilistische Obskurität aus Tüll, Häkelstrick, Pailletten und Mesh in Schwarz, Schwarz und noch mehr Schwarz, angereichert mit Meeralgengrün und Kitsch-Gold. Wir trafen Lena und Judith in Düsseldorf zum Gespräch, weil wir mehr über ihre Zusammenarbeit wissen wollten. 

Lena, du hast dein Praktikum bei Adidas gemacht. Judith, du hast Erfahrungen bei Augustin Teboul sammeln können. In eurer Abschlusskollektion trifft nun Sportswear auf handgearbeitete Couture. Ist das jetzt eine Melange aus Adidas und Augustin Teboul oder eine Melange aus Lena und Judith?
Lena: Ganz klar aus Lena und Judith. So unterschiedlich wie die beiden Labels hat sich auch die Handschrift unserer vorherigen Kollektionen gezeigt, die wir noch alleine entworfen haben. Unsere Dozenten haben uns bei dem Abschlussprojekt zum Glück vertraut und einfach machen lassen.
Judith: Mit Adidas und Augustin Teboul hatten wir beide jeweils ein Label gefunden, das ohnehin schon sehr gut zu uns passte und noch einmal pushen konnte.

Wie seid ihr die Zusammenarbeit angegangen?
Judith: Wir haben eine Strategie entwickelt, wie sich die unterschiedlichen Stilrichtungen zusammenfügen lassen. Schon während des Zeichnens haben wir Ideen ausgetauscht und die Entwürfe des jeweils anderen ergänzt. Um strukturiert zu arbeiten, haben wir die Kollektion noch einmal in neun Themen - mal mehr und mal weniger abstrakt - aufgeteilt, nach denen wir die einzelnen Teile dann entworfen haben.

Ihr habt also in Einzelteilen statt in Outfits entworfen?
Lena: In Outfits ist man einfach zu festgefahren. Darum bestehen Abschlusskollektionen häufig aus den typischen Einzelteilen - Hose, Mantel, Bluse - und laufen am Ende Gefahr, dass nicht jedes Stück auch alleine überzeugen kann.
Judith: Wir haben die Stimmigkeit erst im Styling geschaffen, als wir die einzelnen Themen zerpflückt haben.

Im ersten Schritt habt ihr aber unabhängig voneinander entworfen?
Lena: Grob gesagt: Judith hat die Womenswear entworfen und ich die Menswear. Trotzdem hatten wir beide das gleiche Kollektionsthema und konnten uns unter die Arme greifen.
Judith: Wir haben vielleicht nicht die Zeichnungen gemeinsam entwickelt, aber wir haben zusammen in einem Atelier gearbeitet und den Feinschliff gemacht.

Wie hat dann euer Designprozess begonnen?
Judith: Am Anfang stand das Konzept. Unsere Inspiration waren Superhelden.

Wie kommt man von Superhelden zu Tüll, Pailletten und Häkelei?
Lena: Wir wollten das Thema Superhelden auf keinen Fall plakativ angehen. Also ohne bunte Farben und Capes. Wir haben Wert auf das Handwerk gelegt, das der Kollektion einen Hauch Romantik verleiht. Die spielt in den Geschichten der Superhelden ja durchaus auch immer eine Rolle.
Judith: Unsere unterschiedlichen Designrichtungen wollten wir in den Materialkombinationen zusammenbringen, die sich wie ein roter Faden durch die Kollektion ziehen.

Die Geschlechtertrennung zeigt sich dafür im Ergebnis nicht mehr. Habt ihr die Grenzen bewusst verschwimmen lassen?
Judith: Auch wenn jede von uns ihren klar definierten Verantwortungsbereich hatte und wir die Grenzen bewusst ausreizen wollten, sprechen wir niemals exakt die gleiche Stil- und Formsprache. Darum sind die Damen etwas romantischer und die Herren etwas sportlicher geworden. Das ist aber absolut in Ordnung, weil es passt. Geschlechtertrennung lässt sich nicht erzwingen.
Lena: Judith musste mich aber überreden, einen Rock für den Mann zu machen.
Judith: Und Lena hat gleich ein Tutu gemacht.

Euer Key-Piece ist ein Mantel, der tatsächlich so aussieht, als hätte Lena ihn entworfen und Judith die Rüschen darauf gesetzt.
Judith: So war das im Prinzip auch. Der Entwurf ist in Zusammenarbeit entstanden. Als das Grundgerüst von Lena stand, habe ich den Irokesen aus Tüll darauf gesetzt und um die räumliche Dimension der Kapuze auszugleichen, haben wir schließlich zusammen entschieden, auch den Rücken mit einer ganzen Menge Tüll zu bestücken.

Wo findet man die Superhelden nun am Ende in der Kollektion?
Lena: In Gadgets wie Boxhandschuhe und Masken.
Judith: Aber man findet sie auch in den Silhouetten. In Bodys oder in überdimensionalen Proportionen, die Stärke und Kraft zeigen. Im Prinzip kann man sich in der Kollektion verstecken und in ihr anonym werden, wie ein Superheld in seinem Kostüm.

Man muss den Superhelden aber dafür nicht als Superman oder Batman erkennen können…
Lena: Die Kollektion soll ästhetisch für sich stehen, dafür muss man die Inspiration nicht gleich auf den ersten Blick sehen.

Welche Bedeutung hat die Inspiration denn dann für euch?
Judith: Sie darf uns nicht in Ketten legen. Besonders als Student tendiert man schnell dazu, eine Inspiration so zu wiederholen, wie es sie modisch bereits gibt.
Lena: Auch wir wurden erst durch die Zusammenarbeit mutiger, Neues zu wagen. Und das haben wir dann durchgezogen.

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Credits


Text: Lisa Riehl 
Bilder: Edgar Berg

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