„baroness“ zeigt sexualität durch die augen von frauen

„Baroness“ feiert heute Abend in Berlin eine verspätete Launchparty. Wir haben die Herausgeber gefragt, was wir erwarten können, und zeigen dir vorab einige Arbeiten.

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Dez. 15 2016, 12:05pm

Anastasios Logothetis, Pierre Huyghe and Me, 2015

Baroness ist das neueste kreative Outlet von den Baron-Gründern Matthew Holroyd und Ché Zara Blomfield, die von der Banalität gängiger Erotikmagazine gelangweilt waren. Im Sommer ist die erste Ausgabe auf den Markt gekommen. „Ich habe mir auch viele Schwulenmagazine angeschaut. Ich habe wieder in BUTT, Beefcake oder Straight to Hell gestöbert. Diese Magazine waren so gut darin, homoerotische Bilder mit einem Augenzwinkern zu machen. Abgesehen von Playgirl und einigen feministischen Publikationen gibt es nicht wirklich viele, die sich aus anderen Blickwinkeln der nackten männlichen Form nähern. Wir hatten das Gefühl, dass es da eine Lücke gibt und das Magazin ist unsere Antwort darauf", erklärte uns Matthew damals. Heute Abend zeigen die beiden eine Auswahl an Werken, die in Baron und Baroness erschienen sind, in der Galerie Spike Berlin. Wir haben uns vorab von Ché erklären lassen, warum sie sich zu einer Launchparty in Berlin entschlossen haben, und zeigen euch eine Vorschau, auf das, was euch heute Abend erwartet. 

Colette Lumiere, Marat's Wrath, documentation of installation/performance as Marat in attic of PS1, MOMA, 1976,Detail from performance as Marat, 1976

Baroness wurde schon vor einiger Zeit lanciert. Warum habt ihr euch nun ein paar Monate später dazu entschlossen, hier ein Event zu veranstalten?
Berlin ist das zweite Zuhause von Baron. Wie so viele andere auch, zieht uns die Stadt mit ihrer Offenheit gegenüber alternativen Sexualitäten an. Der Kurfürstendamm, der genauso von Touristen wie Kunstgalerien und Prostituierten frequentiert wird, die liberale Einstellung in der Stadt gegenüber Nacktheit und ihre FKK- und Saunakultur. Orte wie das KitKat und das Berghain bieten neue Erfahrungen und erlauben Experimente. Romy Haag, die darüber in dieser Ausgabe schreibt, hat in Berlin gelebt, wie so viele der Künstler, die wir in Baron vorstellen, es entweder immer noch tun oder getan haben. Es hat lange gedauert, um Baron/ess hier zu lancieren. Ich bin 2013 hierhergezogen und Matthew hat für Arena Homme+ Germany gearbeitet, das seinen Sitz auch am Kurfürstendamm hat.

Antje Peters, Passion Fruits, 2011 (series), C print matt photo paper, 30 x 40 cm, Edition of 5, signed and numbered on back

Sessa, Camgirls Project, 2013-2014, print on matt photo-paper, 14.8 x 21cmReturn of Spring, William-Adolphe Bouguereau (1886), Zombiesloverocknroll, CamGirls Project (2013)

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, eine Ausstellung zu veranstalten?
Ich habe vor der Zeit bei Baron in der Kunstwelt gearbeitet. Matthew und ich haben schon länger mit der Idee einer Ausstellung gespielt und wir hoffen, dass wir sie nächstes Jahr richtig umsetzen können. Daher hat es einfach Sinn gemacht, dass wir in der Galerie Spike Berlin in Mitte launchen, weil es neben der Galerie auch eine Bar gibt. 

Kitagawa Utamaro (1753-1806), Shunga colour woodblock prints, 25 x 36cm (53 x 63cm, framed), Edo Period (1615-1868), Courtesy Anahita - Arts of Asia

Wie habt ihr die Künstler ausgesucht?
Die Künstler, die wir für die Ausstellung ausgesucht haben, haben mit der Galerie Spike Berlin und der Berliner Kunstszene zu tun. Anastasios Logothetis habe ich kennengelernt, nachdem ich nach Berlin gezogen bin. Nachdem er eine in meinem Project Space performt hat, fand ich es spannend, dass er für Baroness mit männlicher Sexualität und Objektivierung experimentiert. Einer der besten Beiträge ist daraus entstanden. Colette lebt immer mal wieder in Berlin in den letzten paar Jahren, sie lebt im Löwenpalais im Grunewald. Ich habe mit ihr bereits über Neumeister Bar-Am zusammengearbeitet—sie ist eine New Yorker Legende; zu Bjarne Melgaard brauche ich nicht mehr viel zu sagen. Er ist eine Größe der Berliner Kunstszene und hat hier auch seine eigene Galerie. Außerdem war er war auch Teil der Berlin Biennale und hat mit Spike eine Edition herausgebracht. Antje Peters lebt in Berlin und hat für meinen Lieblingsbeitrag zur ersten Ausgabe von Baron gesorgt, die wir als limitierte Kunstprint-Ausgabe herausgebracht haben. Sessa lebt in London und hat für die dritte Ausgabe das Camgirls Project beigesteuert. Das ist nicht nur für den Diskurs in Berlin interessant, sondern das sind auch einfach zeitlos schöne Arbeiten. Und zu guter Letzt: Kitagawa Utamaro, der eine große Unbekannte war, weil er der einzige ist, dessen Arbeiten bisher nicht in Baron/ness zu sehen waren. Aber nachdem mir Anahita von Anahita ­- Arts of Asia seine Farbholzschnitte aus dem 18. Jahrhundert gezeigt hat, war mir eins klar: wir müssen sie zeigen. Mich interessiert die Geschichte japanischer Erotik und die Bildsprache davon finde ich faszinierend und sexy. Wir haben für die Baron-Ausstellung eine ziemlich ambitionierte Idee: Wie sind unterschiedliche Kulturen in der Vergangenheit mit Sex und Sexualitäten umgegangen? Dass wir Utamaro in der Berliner Ausstellung zeigen, ist ein erster Vorgeschmack darauf.

Um wieder auf den Tweet von @preteengallery zu kommen: „Humans have been fucking literally for thousands of years and we just can't get over that boring shit". Natürlich ist Sex nicht langweilig, wir lieben Sex. Bei Baron geht es darum, dem offen zu begegnen. Ich liebe es, wie auf dem Account geredet wird. Hoffentlich können wir nächstes Jahr mit Gerardo Contreras, der es gegründet hat, an einigen Projekten zusammenarbeiten. Wir haben 2011 zum ersten Mal mit ihm zu tun gehabt, weil er für die erste Ausgabe etwas beisteuern sollte, aber daraus ist nie etwas geworden.

Anahita von Arts of Asia hat großzügigerweise für die Ausstellung Sammlerteppiche bereitgestellt. Die werden auf dem Boden der Galerie liegen, damit es für die Besucher der Ausstellung bequemer ist. Ich hoffe, dass sie die Chance nutzen, sich die Schuhe ausziehen, es sich bequem machen, die leckeren Teecocktails von T. Sommelier genießen und die Kunst bestaunen. Vielleicht haben ja Glück und einige Nudisten kommen auch—trotz der Kälte—vorbei.

Bjarne Melgaard, Untitled (Fashion Drawing), 2014, coloured crayon on paper, 35.5 x 45cm (65.5 x 73cm, framed), Courtesy Guido W. Baudach and Bjarne Melgaard

Anastasios Logothetis, Fischli & Weiss and Me, 2015

„Baroness Exhibition and Launch" findet heute Abend im Spike Berlin statt. Mehr Informationen findest du hier.

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: über Baroness