dieses model stellt gängige geschlechterklischees auf den kopf

Über ihren Instagram-Account @uglyworldwide ist das in Detroit geborene Model mit den goldenen Grillz für ihr IDGAF-Mantra und ihre supercoolen, androgynen Looks bekannt geworden.

von VICE Staff
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08 Mai 2017, 8:45am

Jazzelle Zanaughtti ist bereits für Gypsy Sport über den Catwalk gelaufen, auf Instagram hat sie mehr als 100k Follower und hat schon so oft für Nick Knight gemodelt, dass sie mit Recht behaupten darf, dass "sie einfach einen Draht zueinander haben." Man könnte also meinen, dass sie sehr darauf achtet, wie sie sich der sehr aufmerksamen Öffentlichkeit zeigt. Doch Jazzelle, die bei Storm unter Vertrag steht, ist ein offenes Buch. Der Klang ihrer rhythmischen, frechen Stimme sorgt für eine lockere Stimmung, so hat man gleich das Gefühl mit einer guten Freundin zu quatschen, statt ein Interview mit einem der derzeit angesagtesten Models zu führen. Sie erzählt aufgeregt von ihrem unerwarteten Durchbruch in der Welt der Models — und über ihre Reaktion, als Nick Knight ihr auf Instagram eine private Nachricht geschrieben hat, nachdem er ihren rasierten Kopf gesehen hat.

Als Frau gemischter Herkunft mit einem frechen, androgynen Stil wie ihren Bomberjacken, goldenen Grillz und aufgemalten Herzchen als Augenbrauen ist Jazzelle bei den zunehmenden Darstellungen ethnischer Vielfalt und queerer Geschlechtsidentitäten in der Modebranche genau mittendrin. Mit i-D spricht sie über die merkwürdigen Situationen, die ihr am Set manchmal passieren, weil sie als weißes Model angesehen wird, darüber, dass sie für die Kinder, die sie früher fertig gemacht haben, dankbar ist und übers Shoppen in Secondhand-Läden.

Wie bist du zum Modeln gekommen?
Nick Knight, eines meiner größten Vorbilder, hatte begonnen, meine Fotos auf Instagram zu liken. Als ich dann eines Tages ohne bestimmten Grund meine Haare abrasiert habe, hat er mir sofort eine Nachricht geschrieben und meinte, dass er für diese Zeitschrift arbeitet und unglaublich gerne mit mir zusammenarbeiten würde. Ich bin also nach London geflogen — das war meine erste Reise außerhalb der USA — und habe in Comme des Garçons-Klamotten dieses tolle Shooting mit ihm gemacht. Ich war mir nicht sicher, ob ich in die Modebranche wollte, weil es so viele schwierige Persönlichkeiten gibt, mit denen man da zu tun hat, aber ich habe gesagt "Wenn er an mich glaubt, dann muss ich es zumindest versuchen und einfach sehen, was daraus wird."

Es hat sich also alles irgendwie so ergeben?
Total! Normalerweise habe ich nicht so viel Glück [Lacht], aber jetzt hat sich das Blatt gewendet. 

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Viele Models erzählen, dass sie vor ihrer Karriere wegen ihres Aussehens ausgelacht wurden und erstmal lernen mussten, sich selbst zu akzeptieren und zu mögen. War das bei dir auch der Fall?
Als Kind wurde ich gemobbt, weil ich allgemein ein wenig anders war. Wenn ich jetzt zurückblicke, war ich nicht unbedingt hässlich, aber die Leute haben sich über meine krausen Haare lustig gemacht, darüber, wie ich angezogen war oder weil ich so dünne Beine hatte. Niemand mag es, gehänselt zu werden, aber auf gewisse Weise bin ich froh, dass mir das passiert ist, weil es meinen heutigen Charakter sehr stark geprägt hat.

Wann hast du deine eigene Persönlichkeit und Geschlechtsidentität entwickelt?
Zwei Wochen nach meinem Schulabschluss bin ich von Detroit nach Chicago gezogen. Ich habe die queere Szene kennengelernt und mit Drag angefangen. Dort haben sie mich so akzeptiert, wie ich war, und das hat mir sehr viel bedeutet.

Und wie stehst du heute zum Thema Geschlecht?
Ehrlich gesagt ist es etwas, über das ich mir keine Gedanken mache. Ich bin einfach ich selbst. Ich liebe meine männlichen Seiten ebenso sehr wie meine weiblichen, und im Endeffekt bin ich einfach ich und genieße den Augenblick.

Und wie sind deine bisherigen Erfahrungen als Person of Color in der Modebranche?
Weil ich multi-ethnischer Abstammung und sehr hell bin, sagen die Leute oft sehr schräge Sachen zu mir und das ist echt unangenehm. Vor allem wenn man danach noch den ganzen Tag mit so jemandem arbeiten muss. Normalerweise sage ich solchen Leuten dann auch immer meine Meinung, aber am Set nehme ich mich etwas zurück, immerhin ist das mein Job und ich muss meine Miete zahlen. Aber viele dieser Leute würde ich gerne aufklären. Ich gehe definitiv als weiß durch, ich bin also gewissermaßen privilegiert.

Du hast echt interessante, ungewöhnliche Outfits. Welche Marken findet man in deinem Kleiderschrank?
Ich bin nicht so der Marken-Fan. Ich gehe am liebsten in Secondhand-Läden shoppen, vor allem in Brooklyn. Sie haben echt coole alte Teile, zum Beispiel von FUBU oder Oldschool-Tommy Hilfiger. Ich kaufe auch gerne in der Kinderabteilung ein, dort gibt es immer die verrücktesten Sachen. Ich habe mir gerade erst ein neon-gelbes Pokémon Shirt geholt. Es ist einfach total niedlich und passt zu meinen Lieblingsfarben.

Du hast mehr als 100k Follower auf Instagram. Machst du dir Gedanken darüber, was du posten solltest und was lieber nicht?
Mir ist erst vor Kurzem klar geworden, dass die Leute aus irgendeinem Grund wissen wollen, was ich zu sagen habe. Deswegen versuche ich immer, positive Dinge zu posten. Das ist das Einzige, was ich bedenke. Alles andere sind witzige Selfies und Sachen, die ich über den Tag hinweg erlebe.

@uglyworldwide 

Jazelle steht bei Storm Agency unter Vertrag.  

Credits


Text: André-Naquian Wheeler
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Storm Agency und Jazzelle

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