majical cloudz sind eigentlich ziemlich witzig, ihre musik aber unglaublich traurig

Warum hat uns Sänger Devon Welsh im Interview verraten.

von i-D Staff
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11 November 2015, 12:05pm

Man könnte sagen, dass unsere Generation wirklich gerne traurig ist. Wir schwelgen in unserer eigenen Melancholie, auf Instagram findet man Tausende Bilder von weinenden Girls und Boys unter dem Hashtag #PrettyWhenYouCry und irgendwie hat man das Gefühl, dass immer mehr Bands aus dem Boden sprießen, die mit ihren Texten diese Traurigkeit noch weiter befruchten. 

Eine von diesen ist Majical Cloudz. Vor gut zwei Jahren hat es die Band aus Montreal geschafft, das Publikum mit ihrem zweiten Album Impersonator und dessen intensiven, melancholischen Songs und Liveshows zu faszinieren. Es folgten zahlreiche Shows, eine Zusammenarbeit mit Grimes und Supportauftritte für Lorde auf ihrer US-Tour 2014. Währenddessen arbeiten die beiden Musiker Devon Welsh und Matthew Otto an ihrem dritten Album Are You Alone, das letzten Monat erschien.

Are You Alone ist eine Platte, deren Texte so traurig sind, dass man nicht weiß, wohin mit seinen aufkommenden Emotionen. Ruhig und melancholisch ist Welshs mächtige Stimme noch präsenter, noch klarer als nie zuvor. Die minimalistischen Kompositionen sind sakral, fast schon hypnotisierend. Weil wir ganz weit drinnen ein kleiner Emo sind, haben wir es uns nicht nehmen lassen, uns mit Devon im Vorfeld zu Majical Cloudz' Berlin Konzert über seine traurigen Songs zu unterhalten und haben herausgefunden, dass man die Traurigkeit auch mit ein bisschen Ironie sehen sollte. 

Wo bist du gerade? Ihr seid auf eurer US-Tour, oder?
Ich schreibe dir von einem Schreibtisch in meinem Schlafzimmer in Montreal, Quebec. Und ja, du erwischst mich wenige Wochen, bevor ich nach Europa komme, um da ein paar Konzerte zu geben.

Zwei Jahre ist es her, dass ihr euer letztes Album Impersonator veröffentlicht habt. Jetzt ist euer drittes Album Are You Alone? erschienen. Ihr habt viele Festivals und Konzerte gespielt und seid mit Lorde getourt. Wie waren die letzten zwei Jahre für euch?
Es war ziemlich viel los, viele Höhen, viele Tiefen. Es ist schwer zu sagen, aber die letzten zwei Jahre fühlten sich sehr lange an, einfach eine ziemlich lange Zeit. Es ist viel passiert, zu viel, um darüber zu reden.

Wie hat Lordes Publikum auf eure Musik reagiert?
Das Publikum hat uns überraschend gut aufgenommen. Jeder war gespannt auf uns und ziemlich nett zu uns, als wir spielten. Ich denke, hätten wir vor irgendeiner anderen Musikerin gespielt, hätte die Zuschauer womöglich während unseren Sets geredet, aber so war es eben nicht, als wir mit Lorde unterwegs waren. 

Are You Alone? ist wesentlich ruhiger als Impersonator. Für mich ist es weniger drastisch, aber trauriger. Sind die Zeiten trauriger, oder ist es eine natürliche Entwicklung in eurem musikalischen Prozess, dass die Musik ruhiger wird?
Ich denke, es ist wohl die natürliche Entwicklung in meinem musikalischen Interesse, leiser und ruhiger zu werden. Als Matt und ich an Impersonator gearbeitet haben, war Energy ein Teil dieser Entwicklung. Viel mehr, als es heute ist. Die Musik, die ich jetzt schreibe, ist sogar noch ruhiger, als die Songs auf Are You Alone?. Mir geht es darum, Musik zu machen, die so unaufgeregt wie möglich klingt. Musik, die unaufdringlich und soft ist.

In euer Single Are You Alone? singst du „What's the point of a sad song?". „The cheesiest songs all end with a smile" ist eine Stelle eures Songs Bugs don't buzz. Welche Bedeutung hat das traurige Musikstück für dich?
Es ist insofern relevant, weil ich traurige Songs gerne mag und ich gerne traurige Stücke schreibe. Für mich ist traurige, trauervolle Musik eine Katharsis. Ich habe mich immer sehr mit ihr verbunden gefühlt. Das ist mir sehr wichtig. Es ist wahnsinnig befreiend. 

Trotzdem ist so viel Positives in euren Songs zu hören. Auf Impersonator klangen viele deiner Texte wie Beschwerden, jetzt klingt es weniger anklagend, vielmehr ironisch. Denkst du, dass Lachen der einzige Ausweg ist, wenn die Verzweiflung an ihre Grenze stößt?
Ich glaube, ich habe mich nur etwas entspannt. Als wir Impersonator aufgenommen haben, gab es Dinge, die ich sagen musste und die ich auch unbedingt sagen wollte. Als wir dann an Are You Alone? arbeiteten, fühlte es sich für mich an, als seien Gelächter und Albernheit immer eng verknüpft mit Traurigkeit und umgekehrt. Das Leben braucht beides und so wuchs mein Interesse, Songs zu schreiben, die eben beides enthalten.

Are You Alone? klingt wie ein Album, dass an eine bestimmte Person gerichtet ist. Du singst von der Person, die du küssen willst, wenn das Auto einen Unfall hat, jemandem, den du all deine Songs widmen willst. Ich würde gerne mehr über die Person erfahren...
Ich glaube nicht, dass das Album einer bestimmten Person gewidmet oder an eine gewisse Person gerichtet ist. Es ist vielmehr für eine Gruppe Menschen und ein Teil davon auch an mich selbst.

Deine Texte sind sehr persönlich. In vielen Songs ist der Tod ein Thema. Es klingt, als hättest du keine Angst davor oder spielst du nur damit?
Ich denke, ich schreibe Songs über den Tod, weil er mich interessiert. Und es scheint, als bildete er die Grundlage für jeglichen vernünftigen Aussichtspunkt auf das Leben. Ich meine, dass der Tod auch irgendwie eine Erlösung ist. Es ist sehr beruhigend, aber auch sehr schmerzvoll, darüber nachzudenken.

Eure Kompositionen sind sehr sphärisch und voller tiefer, melancholischer Soundteppiche. Das neue Album besteht aus vielen Synth-Orgeln und Chor. Das gibt dem ganzen einen sakralen und kirchenartigen Lieder-Stil.
Alle Songs sind am Anfang Demos. Die Demos für Are You Alone? wurden alle an einer E-Orgel geschrieben. Der Kirchenlieder-Sound war beabsichtigt! Mich beeinflusst Kirchenmusik sehr, die Emotionen, die sie hervorzaubert. Wenn ich Musik schreibe, habe ich sie immer in meinem Hinterkopf.

@majicalcloudz

Live kannst du Majical Cloudz am 25. November im Acud in Berlin sehen. Mehr Infos findest du hier und hier.  

Credits


Einleitung: Alexandra Bondi de Antoni 
Interview: Moritz Gaudlitz 
Bilder: Sarah o Drisoll

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