zehn weibliche filmcharaktere, die wir gerne zur freundin hätten

Unsere Freundinnen sind toll, keine Frage. Aber habt ihr euch auch schon mal gewünscht, Filmcharaktere kurzzeitig zum Leben erwecken zu können, um mit ihnen das Wochenende oder den nächsten Urlaub zu verbringen? Wir schon. Hier ist unsere Auswahl.

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29 August 2016, 1:05pm

Who run the world? In unserer neuen Printausgabe The Female Gaze Issue zeigen Frauen, wie sie die Welt sehen. In den kommenden Wochen widmen wir uns in einem Themenschwerpunkt der Frage, was es heutzutage bedeutet, eine Frau zu sein.

Margot Tenenbaum, The Royal Tenenbaums
Margot ist die Freundin, die man an einem Sonntagnachmittag nach einem wilden Wochenende anruft, um sich auf einen Kater-Café zu treffen. Sie sitzt einem geduldig gegenüber, hört sich die Geschichten immer wieder an und muss gar nicht viel sagen, um sich klar auszudrücken. Sie ist gut im Geheimnisse für sich behalten-und im Schweigen. Denn zusammen schweigen, das wissen wir alle, kann manchmal mehr wert sein als ein langes Gespräch. Mit Margot beschließt man, der Welt da draußen gleichgültig zu begegnen, und genau deswegen bedeutet sie als Freundin die Welt.

Frances Halladay, Frances Ha
Die Liste an Dingen, die man von Frances lernen möchte, ist endlos. Das Leben nicht so ernst zu nehmen, weil man dann nur scheitern kann, zum Beispiel. Oder wie man tanzen sollte, um gute Laune zu bekommen. Oder welche schlechten Wortwitze immer und welche dagegen nie funktionieren. Vielleicht müsste man sie manchmal vor ihrer Tollpatschigkeit und ihrer Naivität beschützen, oder ihr sagen, wie sie das Leben eventuell weiter angehen sollte, aber das ist schon OK-irgendwas will man ihr ja auch noch beibringen können.

Olive Hoover, Little Miss Sunshine

Irgendwann vergisst man vor lauter Alltag, wie bunt die Welt sein kann, wie spannend die kleinen Dinge sein können, wie einfach alles sein kann, wenn man nicht immer alles so kompliziert angehen würde. Und genau deswegen braucht man eine kleine Freundin wie Olive. Sie würde uns die Leichtigkeit zurückgeben, die irgendwo und irgendwann verloren gegangen ist. Und die Vorstellung, sie zum nächsten Tanzwettbewerb zu begleiten, ist einfach zu schön.

Penny Lane, Almost Famous
Mit Penny würde man durchdrehen, immer, heftigst, ohne Reue. Man würde sich im Moment verlieren, und die Realität wie eine lästige Regenwolke für ein paar Stunden zur Seite schieben. Vielleicht wäre Penny Lane die einzige Person im Freundeskreis, mit der man ohne Bedenken einen All-inclusive-Urlaub in einem schäbigen Hotelbunker buchen würde. Denn sie wüsste selbst dort, was man anstellen müsste, um die beste Zeit seines Lebens zu haben.

Mathilda Lando, Léon - Der Profi
„Klärst du das kurz?" wäre wohl die Frage, die man Mathilda am häufigsten stellen würde. Und nein, natürlich wollen wir nicht, dass sie nervige Menschen in unserem Umfeld kurzerhand auslöscht, aber vielleicht kann sie laut sein, wenn wir lieber leise sind, mutig, wenn wir eher eingeschüchtert sind oder stark, wenn wir sensibel durch die Welt kriechen. 

Rayon, Dallas Buyers Club
Vom Leben deutlich gezeichnet, gebeutelt und bestraft, denkt Rayon jedoch gar nicht daran, sich dafür zu rächen oder dieses aufzugeben. Hand aufs ehrliche Herz: Die meisten von uns beschweren sich viel zu schnell über das Leben, den Alltag, alles. In solchen Situationen brauchen wir Rayon, der uns an einem Freitagabend bei einem starken Whiskey kurz mal vor Augen hält, wie es sich anfühlt, wenn dir das Leben wirklich eine verpasst hat.

Enid Coleslaw, Ghost World
Sie ist die Freundin, die wir brauchen, weil wir eben nicht jeden Tag gute Laune haben und alles uns ganz verzückt entgegenschlägt. Nein, manchmal ist alles richtig daneben, mies und fies, und ein gesunder Menschenhass völlig angebracht. Und dann brauchen wir Enid, weil sie genau das längst verstanden hat. Mit ihr könnte man drei Tage die Wohnung nicht verlassen und trotzdem noch mindestens 18 Gründe finden, warum man das auch erst mal besser nicht tun sollte.

Christine Jesperson, Me and You and Everyone We Know
Christine würde uns die absurdesten Fragen stellen, nur um dann selbst die besten Antworten darauf zu geben. Einfach weil man sich vorstellt, dass sie den ganzen Tag rückwärts durch die Straßen läuft, nur um einen ganz anderen Blick auf die Menschen zu bekommen. Sie wäre die Freundin, die die schönsten, lustigsten und außergewöhnlichsten Geburtstags- und Grußkarten schreiben würde-und zwar pünktlich, per Post. Außerdem würde sie uns allen beibringen und beweisen, dass man für seinen Traum kämpfen muss, und ihn vor allem nicht aus den Augen verlieren sollte. Und so ein bisschen Hollywood-Pathos würde sich bestimmt ganz gut in unserem Alltag machen.

Eve, Only Lovers Left Alive 
Freunde wissen ja immer auf alles eine Antwort. Eve aber wüsste wirklich auf alles, alles, alles die Antwort. Weil sie schon so lange lebt, dass sie entweder genug Zeit hatte, sich alles in ihrer eigenen Bibliothek anzulesen, oder einfach, weil sie dabei war, als Kriege entschieden, Feste gefeiert, Dinge erfunden oder Geschichten geschrieben wurden. Mit einem Lexikon befreundet zu sein, kann nun wirklich nicht schaden. Man könnte Vampirfrau Eve natürlich nur nachts treffen, also würden wir spazieren gehen, wenn andere schlafen und schlafen, wenn andere spazieren gehen. Wir würden mit ihr in skurrilen Spielunken rumhängen und sie zur Wahrsagerin schleppen, nur um anschließend darüber zu lachen, wie wenig Sinn solche Vorhersagen in ihrem Fall doch machen.

Thelma Dickinson & Louise Sawyer, Thelma & Louise
Warum die beiden in vielerlei Hinsicht unsere Vorbilder sind, haben wir euch bereits an anderer Stelle erklärt. Wenn wir aus dem Fenster schauen, können wir uns eigentlich kaum etwas Besseres vorstellen, als den nächsten Roadtrip mit den beiden Ladys zu planen.

Hier findest du alles aus unserer The Female Gaze Issue.

Credits


Text: Lisa Leinen
Foto: via Imago