„man ist kein guter künstler, wenn man nicht rebelliert.“

Der in Paris lebende Künstler Lukas von der Gracht lädt zu seiner ersten Einzelausstellung nach Berlin. Wir haben ihn bei den letzten Vorbereitungen in der New Day Gallery besucht und mit ihm über soziale Medien im Kunstkontext, Rebellion und kreativen...

von Juule Kay
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09 September 2016, 10:45am

Eigentlich lebt Lukas von der Gracht in Paris, ist Künstler, verheiratet und holt nebenbei als Agent der deutschen Modelagentur Tomorrow Is Another Day schöne Menschen von den Straßen auf den Laufsteg. Seine Kunst bewegt sich zwischen Social Sculpting, Fotografie und visueller Textarbeit. In seinem Projekt #artstudentsofthefuture beweist er, wie Ironie mit einer ernsten Botschaft Hand in Hand gehen kann. Nun hat es ihn nach Berlin verschlagen, wo er heute Abend die Eröffnung seiner neuen Ausstellung, in der er vor allem Textarbeiten zeigt, feiern wird. Während die Aufbauarbeiten im vollen Gang sind, haben wir bei Lucas ein bisschen genauer nachgefragt, wie der Spagat zwischen Mode und Kunst tatsächlich funktioniert. 

Du studierst an der Kunstakademie Düsseldorf. Wie bist du zur Kunst gekommen?
Mir wurde schon immer gesagt, dass ich ein gutes Auge habe. Die Feststellung, dass ich Kunst aber auch machen möchte, kam durch eine Art poetisches Gefühl, das ich hatte. Ich habe nie behauptet, dass ich Künstler werden will, weil ich etwas besonders gut kann. Für mich ist es viel eher eine emotional-poetische Auseinandersetzung, die ich anstrebe. Deshalb sehe ich es auch als ein Geschenk, dass ich so frei studieren kann. 

Wie würdest du deinen künstlerischen Stil beschreiben?
Ich bin sowohl im Kunst- als auch im Modekontext unterwegs und kollaboriere sehr gerne mit den unterschiedlichsten Menschen. Ich bin ganz stark gegen die Idee, dass der Künstler alleine in seinem Atelier sitzt, sich betrinkt und den Sonnenuntergang malt. 

Einer deiner Arbeiten nennt sich #artstudentsofthefuture. Du bist selbst Kunststudent, was hat dir dein Studium bis jetzt übers Leben gelehrt?
Das Projekt war ein Rebellionsakt. Ein ironischer Kommentar dazu, dass es jetzt cool ist, Kunst zu studieren, und Leute wirklich denken, dass man mit Kunst reich wird. Ich glaube, man ist kein guter Künstler, wenn man nicht rebelliert. 

Du kuratierst den Instagram-Account deiner Uni. Wie wichtig sind soziale Medien für deine Kunst?
Ziemlich wichtig. Ich musste an meiner Uni diesen Ort erst kreieren, weil es für mich keinen gab. Alles war so traditionell und doch hatte es Potenzial, deshalb  bot Instagram die perfekte Möglichkeit dafür. Gerade durch den Austausch mit anderen Menschen kann mehr entstehen lassen.  

Du lebst und arbeitest eigentlich in Paris. Was hat dich dort hingezogen?
Durch die gemeinsame Partnerarbeit mit meiner Frau habe ich ein Stipendium bekommen. Außerdem arbeite ich als Scout für eine Modelagentur und dafür ist Paris einfach am interessantesten.  

Wie würdest du die Berliner und Pariser Kunstszene vergleichen?
Im Gegensatz zu Berlin ist Paris viel traditioneller. Man traut sich nicht so viel und es bietet nur wenig Räume für junge Kunst. Die große Kunstszene ist aber international, deshalb merkt man den Unterschied kaum.

Ein anderes Projekt von dir heißt #meditation4artists, das Künstlern helfen soll, wieder zu ihrer Kreativität zurückzufinden. Was hilft dir gegen kreative Tiefs?
Ich verarbeite in meinen Arbeiten nicht meine Traurigkeit, sondern versuche, es umzudrehen und das Positive zu zeigen. Ich glaube, ich hole mich aus kreativen Tiefs damit heraus, dass ich auf die Straßen gehe und Leute scoute. Es ist immer spanned, weil man nicht weiß, was einen erwartet.

Was können wir von deiner Ausstellung erwarten?
„Come without expectations."

Ab heute findet Lukas von der Grachts erste Einzelausstellung in der New Day Gallery statt. Mehr Informationen dazu gibt es hier.  

Credits


Text: Juule Kay
Fotos: Lukas von der Gracht