Alle Fotos: Ward Roberts.

die magie und schönheit von künstlichen geisterstädten

In seinen Bildern erkundet Fotograf Ward Roberts die Bedeutung städtischer Räume.

von Wendy Syfret
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22 Juni 2016, 2:35pm

Alle Fotos: Ward Roberts.

Aufgewachsen ist er in Hongkong und Australien, mittlerweile lebt der Fotograf Ward Roberts in New York. Wenn man sein ganzes Leben in Großstädten verbringt, ist es wahrscheinlich nicht ganz verwunderlich, dass man irgendwann etwas Romantisches in ihnen sieht. Seine Fotos leerer, öffentlicher Plätze bringen die Bedeutung dieser Gebäude hinter dem Beton, Stahl und Glas zum Vorschein. Während sie für andere nur für urbane Monotonie stehen, erkennt er in ihnen Muster und Farben mit einer ganz eigenen Sprache.

Wenn ich mir deine Fotos so anschaue, dann muss ich sagen: Du hast ein Talent dafür, städtische Räume mit einer gewissen Magie aufzuspüren.
Das mag vielleicht überheblich oder komisch klingen, aber das ist etwas, das aus meinem Bauchgefühl entsteht. Wenn mich Räume ansprechen, dann habe ich das Gefühl, dass ich sie fotografieren muss. Ich muss diese Energie dieser Orte festhalten.

Weite, leere Räume können entweder als friedvoll oder aber als einsam interpretiert werden. Wie siehst du das?
Wenn ich diese Räume fotografiere, habe ich den Eindruck, dass sie sich einsam anfühlen, ich weiß nur allerdings nicht warum. Es gibt Räume, die sich unheimlich anfühlen, auch wenn sie voller Menschen sind—wie eine Geisterstadt.

Warum setzt du dich in deinen Arbeiten mit Städten auseinander?
Ich liebe es einfach, die persönliche Bedeutung einer Stadt für mich herauszufinden. Ich war neulich für zwei Monate in Hongkong und dieser Aufenthalt hat meinen Blick auf diese Gegend total verändert. Ich habe miterlebt, wie die Leute auf diese Räume reagieren, warum die Gebäude bunt sind und wie sich meine Interpretation von der der Einwohner unterscheidet. Es ist interessant, wie sich meine Perspektive im Verlauf verändert hat.

Architektur ist eine Art Dialog zwischen verschiedenen Generationen.
Absolut. In Hongkong, New York und in Teilen Europas gibt es wiederkehrende Stadtstrukturen. In Melbourne fühle ich mich verloren, weil es diese Strukturen dort nicht gibt. Dort hat alles seine eigene Identität. Ich finde es schwierig, zu der Architektur der Stadt eine Verbindung aufzubauen.

Wenn ich mir deine Bilder anschaue, muss ich an Natur in Städten denken. Gibt es ein Hin und Her zwischen natürlich gewachsenen und künstlichen Gegenden in Städten?
Ja, es ist doch interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Städte genau das interpretieren. New York, zum Beispiel, hat in der Stadtmitte den Central Park und zahlreiche Bäume säumen die Straßen. Wenn man sich aber Fotos von Brooklyn, der Bronx oder Queens von vor 30 oder 40 Jahren anschaut, dann gab es diese Bäume noch gar nicht, es herrschte dort eher ein Gefühl der Unsicherheit.

Bäume vermitteln bei Menschen ein Gefühl der Sicherheit, als ob sie Teil von etwas sind. In Hongkong hast du das Gefühl, dass die Stadt nur aus Beton besteht, dabei ist sie fast gänzlich von Natur umgeben—das erwartet man nicht. Ich denke, dass es die Menschen beruhigt, wenn sie näher an der Natur sind.

In Hongkong war die Natur schon immer da, in New York fühlt sie sich aber geplant und sehr angeordnet an.
Jede akribische Ordnung, ob nun von der Natur oder in städtischen Strukturen fühlt sich nicht richtig an. Perfektion ist der Feind von Exzellenz. Sobald etwas perfekt, akribisch geplant und zu gepflegt ist, fühlt es sich nicht mehr menschlich an, weil wir Menschen nun mal Fehler machen. Das gilt sowohl für zwischenmenschliche Beziehungen als auch für den Job: Fehler zu machen, gehört zum Menschsein dazu.

Das führt uns wieder zu der Unheimlichkeit zurück, von der wir eben gesprochen haben. Perfekte Räume lösen ein Gefühl der Beklommenheit aus, sie verunsichern uns.
Ja, das stimmt.

Credits


Text: Wendy Syfret
Fotos: Ward Roberts 

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