hiphop und high fashion - eine bestandaufnahme

„Fresh Dressed" ist der neue Film über das Verhältnis von HipHop und High Fashion.

von i-D Staff
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20 August 2015, 11:15am

Bertrand Rindoff Petroff

Das Sundance Film Festival ist dafür bekannt, aufstrebenden Filmemachern eine Plattform für ihre anspruchsvollen Dramen, Kurzfilme und Dokumentationen jenseits des Mainstreams zu bieten. Dass im Rahmen einer solchen Veranstaltung Worte wie „fly", „Swag"oder „Bandana" fallen, kommt - wie man sich vielleicht vorstellen kann - nicht all zu oft vor. Doch mit dem Dokumentarfilm „Fresh Dressed" von Regisseur Sacha Jenkins, der unter anderem schon als Co-Autor für Eminems Biografie „The Way I Am" fungierte und Produzent Nasir Jones aka Nas, war es dieses Jahr dann doch soweit. In dieser Dokumentation geht es um das Zusammenspiel von HipHop und Mode; die Geschichte, die Bedeutung und das kontinuierliche Verschmelzen beider Welten.

Das mag sich jetzt vor allem für Anti-HipHopper nicht besonders prickelnd anhören, aber urteilt nicht zu schnell. Denn tatsächlich steckt weitaus mehr hinter der Black-Music-Modeindustrie als protziger Goldschmuck und fleckenfreie Sneaker.

Wenn man sich die Anfangsjahre des HipHop in den 80er Jahren näher anschaut, wird einem bewusst, wie nah die urbane Musikkultur und unsere heutige Modeindustrie beisammen liegen. Der damalige Look bestand aufgrund von Künstlern wie Run DMC oder LL Cool J hauptsächlich aus einfachen Turnschuhen wie den Adidas Superstars, College Jacken oder Sweatern und Buckethats in passender Farbgebung - alles Teile, die heutzutage immer noch als Trenditems gehandelt werden. Mit einem solchen Stil grenzte man sich damals noch eindeutig vom Rest der Schulterpolster tragenden Generation ab, wohingegen Sneaker und Fischerhut im Jahr 2015 zum guten Ton der Modebranche gehören und kaum noch einer einzelnen Subkultur zugeordnet werden können.

Besonders Turnschuhe haben ihren Platz in der Welt der Mode erobert und bisher auch über mehrere Saisons verteidigen können. Während Sneaker vor nicht all zu langer Zeit eher im Streetstyle zu Hause waren, sieht man sie heutzutage auf den großen Laufstegen von Chanel oder Dior. Vor allem Modelle wie der Nike Free oder der Adidas Stan Smith beweisen, dass Sneaker nicht nur in die Schuhschränke der HipHop-Kommune gehören. Sie sind ein fixer Bestandteil von High Fashion geworden. 

Es ist nicht das erste Mal, dass die Grenzen zwischen Mode und Urban Music derartig verschwimmen. Ein gutes Beispiel sind die diversen Labels und Kooperationen, die zahlreiche HipHop-Künstler seit Ende der 90er Jahre auf den Markt bringen. Vorreiter dieser Bewegung war Sean Combs alias Puff Daddy alias P. Diddy, der schon 1998 die erste Kollektion seines Labels Sean John herausbrachte. Zwar beinhaltete diese zu jener Zeit nur eine HipHop-typische Produktpalette wie einfache T-Shirts und Sportswear, doch einige Jahre später wandelte sich der Look des Labels und er präsentierte eine hochwertige Prêt-à-Porter-Kollektion mit höherem Designanspruch im Rahmen der New York Fashion Week. Mit Nachfolgern wie Jay-Z' Rocawear oder Kanyes aktueller Kollektion für Adidas setzt Black Music seinen Fuß immer weiter in die Tür der Modebranche und schafft eine nicht zu unterschätzende Milliarden-Dollar-Industrie.

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Nachdem also nun HipHop in der Mode angekommen ist, war es in den 2000er Jahren schließlich an der Zeit den Spieß umzudrehen. Kurze Zeit nach dem Millenium schreiten von Cornrows inspirierte Flechtfrisuren über die Runways der wichtigsten Modewochen, die Hosen der Designeranzüge werden bei Labels wie Yves Saint Laurent oder Louis Vuitton immer weiter und Sarah Jessica Parker greift als Carrie Bradshaw in der Kultserie Sex and the City regelmäßig zu auffälligen Goldklunkern mit personalisiertem Namenszug. Spätestens jetzt fängt die Modebranche an, die Aufmerksamkeit, die ihr jahrelang seitens der urbanen Kultur entgegengebracht wurde, zu erkennen, wertzuschätzen und schließlich davon zu profitieren. Denn in kaum einer anderen Bewegung wird so viel Wert auf Marken gelegt wie im HipHop. Dass sich große Labels und Designer also an Streetwear-Elementen bedienen, hat folglich zwei Gründe: Zum einen ist es auf den klassischen Bubble-Up-Effekt zurückzuführen, bei dem Trends nicht bei anderen Marken gesucht werden, sondern sie sich vom Stil einzelner Subkulturen ableiten, um schließlich in abgewandelter Interpretation einer breiteren Masse schmackhaft gemacht zu werden. Zum anderen geht es natürlich immer um hohe Verkaufszahlen. Und wenn Rapper in ihren Songs Gucci Bandanas und Margiela Jackets fordern, dann sollten sie und ihre gewaltige Fanbase sie auch bekommen. Es ist nämlich nicht mehr so, dass alle HipHopper in XXXL-Shirts und mit in Kniekehlen hängenden Hosen herumlaufen. Die Baggies wurden schon längst durch Designerjeans ersetzt, die Basecaps gegen edle Hüte getauscht und statt Jersey und Polyester gibt es jetzt Seide und Wildleder.

Es kristallisiert sich immer mehr heraus, wie sehr sich Mode und HipHop gegenseitig bereichern und es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die beiden Welten fest ineinander verankert sind. Niemanden verwundert es heutzutage, dass Asap Rocky als Testimonial für Donna Karan auftritt; dass Tom Ford mit Sneakern zum Anzug über den roten Teppich läuft oder dass Künstler wie Rihanna und Pharrell Williams zu den einflussreichsten Modeikonen unserer Zeit gehören. High Fashion beschränkt sich schon längst nicht mehr nur auf mit Pailletten besetzte Kleider und Maßanzüge. Jedes Designer-Label, das etwas auf sich hält, hat mittlerweile auch Printshirts, Turnschuhe und Bomberjacken im Angebot und scheut natürlich nicht davor zurück, sie mit ihren besten Kunden zu teilen. Und das nehmen nicht nur die Rapper dankend an.

Wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, was es heißt „fresh dressed" zu sein, der kann den Film demnächst über vimeo.com kaufen.

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Credits


Text: Pia Schulz 
Bild via Getty/Bertrand Rindoff Petroff

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